# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1855_S14 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 14 Das neueste papistische Concil ꝛc. Hülfe jenes bekannten päbstlichen heiligen Geistes (1 Joh. 4, 3.) entschieden und ein neuer Glaubensartikel zu endlicher Bestätigung schon so lang getriebener Abgötterei fabrizirt werden soll. Daß die Lehre von der sogenannten unbefleckten Empfängniß oder deutlicher von dem sündlosen Empfangenwordensein der heiligen Jungfrau Maria *) nicht nur in der ganzen heiligen christlichen Kirche, sondern selbst in der Pabstkirche ein neugeschmiedeter Glaubensartikel sei, dieß leugnen freilich Menschen, wie der Herausgeber der New Yorker Kathol. Kirchenzeitung ist (von denen Jes. 28, 15. geschrieben steht), frech und unverschämt ; aber leugnen, was geschehen ist und was Schwarz auf Weiß geschrieben steht, ist eine vergebliche Sache, die nichts beweist, als was man von dem Leugner zu halten hat. Da wir nun demnächst den Ausspruch des Pabstes zu erwarten haben, daß die Jungfrau Maria ebensowohl wie Christus ohne Sünde empfangen und geboren worden und also nicht nur von den wirklichen Sünden, sondern auch von der Erbsünde frei gewesen sei, **) welchen päbstlichen Ausspruch dann Millionen Papisten als Gottes Stimme annehmen und die bereits von ihnen mit Maria so hoch getriebene Abgötterei noch ärger treiben werden — denn diese Abgötterei ist es ohne Zweifel eigentlich, worauf es Satan abgesehen hat, wenn er dem Pabste eingibt, die Lehre von der unbefleckten Empfängniß der Gebenedeieten unter den Weibern zu einem Glaubensartikel innerhalb der römischen Kirche zu erklären —: so dürfte es hoffentlich manchen unserer Leser, denen gewisse betreffende literarische Documente nicht zur Hand sind, nicht unlieb und nicht ohne Nutzen sein, wenn wir denselben eine kurze Geschichte der Lehre von der angeblichen Sündlosigkeit der heiligen Jungfrau hierdurch mittheilen. *) Es handelt sich also natürlich hier nicht davon, ob die gebenedeiete Jungfrau den Sohn Gottes ohne Sünde empfangen habe, denn das ist Lehre der Schrift und das glauben alle Christen, sondern ob sie selbst von ihren Eltern Joachim und Anna ohne Sünde zur Welt geboren worden sei. **) So eben lesen wir in der „Kath. Kirchenzeitung“ von New York, daß Pius IX. am 9. December vor. J. Folgendes unter Kanonendonner öffentlich und feierlich verlesen hat: „Wir sprechen entscheidend aus, daß die Lehre, welche sagt, die seligste Jungfrau Maria sei vom ersten Augenblick ihrer Empfängniß an durch die Gnade des allmächtigen Gottes, durch ein ihr im Hinblicke auf die Verdienste Jesu Christi, des Erlösers des Menschengeschlechtes , verliehenes Vorrecht, von jeder Erbschuld bewahrt und frei davon gewesen, — von Gott geoffenbaret ist, und deßhalb von allen Gläubigen fest und standhaft geglaubt werden muß.“ Dann folgten, heißt es, die Clauseln, in welchen die Andersdenkenden als solche bezeichnet werden, welche von der Kirche getrennt (d. h. nach Pabststyl, verbannt und ewig verflucht und verdammt) sind. Hierauf wurde das vom „heiligen Vater“ angestimmte Lied Regina Coeli (Du Königin des Himmels!) abgesungen. Im Folgenden heißt es aus Rom, daß die Kirche an jenes Dogma „allgemein und fortwährend geglaubt“ habe! Herr Oertel setzt hinzu: „Zumal aber sollen wir Katholiken in den Ver. Staaten uns jetzt sehr freuen, da die allezeit unbefleckte Maria vor einigen Jahren zur Patronin der Vereinigten Staaten feierlich erklärt worden ist.“