# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 08 17_S208 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſitzen! Wohlan, ihr Zuhörer, laßt euch dieß den HErrn aller Herren nicht vergeblich jetzt zu⸗ rufen, und ihr, geehrte Vertreter unſerer Ge— meinden, nehmt dieſes Wort unſeres Gottes, das hier an euch erging, als einen Schatz mit hin— weg und theilt ihn denen mit, in deren Namen ihr hier erſchienet. Möge aber endlich Gott der HErr ſelbſt ſeine mächtige Stimme aus dieſem Grabe weithin er⸗ ſchallen laſſen, über alle Prediger und Gemein⸗ den unſeres Verbandes, ja über dieſes ganze Land; und möge dieſe Stimme allenthalben niederbeugen und aufwecken, ſo aus dieſem Gra⸗ be Leden ausfließen in viele, viele Herzen und alſo unſere Wunden geheilt werden. Es thue dieß Gott der Vater durch Seinen werthen hei— ligen Geiſt um JEſu Chriſti, Seines lieben lieben Sohnes, unſeres HErrn und Heilandes willen. Amen! Amen! Der Abfall der Gemeinde zu Shebahyonk. *) Schon die Ueberſchrift dieſer Einſendung for⸗ dert den lieben Leſer auf, ſich auf einen trauri⸗ gen Bericht gefaßt zu machen, den wir nicht län⸗ ger verhehlen dürfen, weil die Herzen aller derer, die das Traurige mit erlebt haben, zu voll des Schmerzes ſind, als daß ſie nicht ihre Brüder und Schweſtern auffordern ſollten, ihnen das große Leid tragen zu helfen, das uns widerfah— ren iſt. Wenn Verbindungen der Welt eine Zeitlang beſtanden haben, ſo wundert ſich vielleicht Dieſer oder Jener, wenn ſie plötzlich gelöſt werden; doch findet man ſich leicht darein, wenn der erſte Schreck vorüber iſt; aber wenn Glieder vom Leibe Chriſti ſich ablöſen, die er, der treue Hirte, zu ſeiner Heerde geſammelt und zur ewigen Se— ligkeit beſtimmt hatte, ohne daß ſie wiederkehren, ja, wenn ſelbſt einẽ Janze Chriſtengemeinde dem Teufel wieder zur Beute wird, ſo trauert der Chriſt nicht blos Tage und Wochen, ſondern Zeit ſeines Lebens ängſtet es ihn, daß ſo theuer erkaufte Seelen verloren gehen konnten. Es iſt dies der Fall mit den früheren Chriſten zu Shebahyonk an der Saginaw-Bay. Die lieben Leſer wiſſen, welch eine liebliche Pflan— zung Gottes unter den Heiden daſelbſt noch vor wenigen Monden war; ſie wiſſen, welch köſtliche Bekenntniſſe von der chriſtl. Gemeinde der dorti⸗ gen Indianer gethan worden waren; ſie wiſſen, wie willig ſie geweſen waren, um des Wortes Gottes willen ſelbſt die Heimath zu verlaſſen, und noch im verfloſſenen April zu ihren Brüdern nach Bethanien aufzubrechen, ſobald das Zucker⸗ machen beendigt worden ſei. Ach, daß wir be— richten könnten, daß Alles zum herrlichen Ziele *) Wir machten von die ſem traurigen Vorfalle ſchon münd⸗ lich auf der letzten Synodalverſammlung zu St. Louis Mit⸗ theilung und ſchütteten unſern Kummer in die Herzen der treuen Brüder aus. Doch war es der allgemeine Wunſch, auch eine ſpecielle Erzählung davon in dieſe Blätter abdru- dlen zu laſſen, damit alle Glieder un ſerer Gemein de ein leben⸗ diges Bild von dem Jammerſtande in Shebahyonk bekämen und ſo zur treuen Fürbitte bei dem Vater aller Barmherzig⸗ krit ihre Zuflucht nähmen. gekommen ſei! Aber dem iſt nicht ſo. Mit blu⸗ tendem Herzen ſchreiben wir Folgendes: Ein engliſcher Indianerhändler hatte im März dieſes Jahres Veranlaſſung, einen Abend und die folgende Nacht bei einer Indianerfamilie in Shebahyonk zuzubringen. Bei der Abendun— terhaltung kam auch die Rede auf den großen Umzug nach Bethanien, den die Indianer, wie ſie ſagten, mit großer Ungeduld erwarteten. Da ſäet der Fremde böſen Verdacht in die Herzen der unbefangenen Seelen und macht ihnen Vor⸗ würfe, daß ſie ſich zu ſolchem Umzuge hätten bereden laſſen. Der werde zu ihrem großen Schaden ſein. Ihre Pfaffen wollten ſie ins Un⸗ glück führen. — Je leichtgläubiger die Indianer von Natur ſind, deſto größer wird ihre Aufre— gung; der Teufel iſt geſchäfrig und ſchürt die böſen Gedanken. Die Indianer ergaben ſich denſelben und fortan ſahen ſie ihren Miſſionar Auch, dem ſie bisher wie Kinder ihrem Vater vertraut hatten, mit mißtrauiſchen Augen an. Zwei von ihnen begleiteten den rückkehrenden Gaſt nach Lower-Saginaw und brachten von dort eine förmliche Beſtätigung des eben einge⸗ ſogenen Verdachts mit. Einige engliſche Händ— ler in dieſer Stadt, beſorgt über den Verluſt eini⸗ ger Handelsvortheile, die ihnen bisher durch die nahe wohnenden Indianer zu Theil geworden waren, ſahen ihrem Wegzuge mit großem Ver⸗ druß entgegen und hörten nicht auf, die beiden Indianer mit folgenden Vorſtellungen zu beſtür— men: „Mehr als die Hälfte aller Paſtoren ſeien Betrüger, ſie predigten aus einem Lügenbuche (der Bibel); dieſes Buch ſei zum Unglück der Leute da; die Indianer ſollten aus ihren Wohn— ſitzen in Sklaverei und Knechtſchaft vertrieben werden. Sie ſollten Solches ja nicht dulden und die Feſſeln abwerfen.“ Dieſe Einflüſterungen des Teufels wurden von den einmal argwöhniſch gemachten India— nern willig aufgenommen und von ihnen bei ihrer Rückkehr den andern Stammesgenoſſen mitgetheilt. Jetzt war das ganze Dorf wie um— gewandelt. — Der Miſſionar Auch hatte, nach⸗ dem die beiden Indianer mit ihren loſen Be⸗ richten am Donnerſtage heimgekommen waren, wie gewöhnlich, am Freitag Abend das Glöcklein zur Andacht geläutet. Es fiel ihm auf, daß nur 6 Männer und eine Frau ſich dazu einfanden, da ſolch geringer Beſuch der Gottesdienſte vor⸗ her nie erhört geweſen war. Nach dem Schluſſe des Gottesdienſtes nähert ſich der Häuptling Meganigiſchik dem Miſſionar und kündigt ihm mit auffallender Gereiztheit an, daß er morgen mit ihm und den übrigen Indianern ein „Coun— cil“ abhalten wolle; aber, ſetzt er hinzu, nicht in der Kirche, ſondern in ſeinem eignen Hauſe. Dieſe letzte Bemerkung, ſowie die Bitterkeit, mit welcher er ſprach, waren dem Miſſionar Beweis genug, daß ein böſer Geiſt unter die Indianer gefahren ſei, und bald ſollte ers beſtätigt finden. Am andern Tage fand er ſich nämlich, wenn auch mit ſchwerem Herzen, zu dem beſtimmten Countil ein und erfuhr nun Alles, was der Teufel ihm angerichtet hatte. Nachdem er ſich von ſeinem erſten Schrecken erholt hatte, unterrichtete er die Verderbens, an den ſie durch die Feinde des. Anweſenden von dem ſchrecklichen Abgrunde des x Reichs Gottes geführt ſeien und bat ſie nit Thränen, den HErrn und Sein Wort nicht Iu., verwerfen; aber dies Alles war ohne jeglichnnz Erfolg. Auch die Androhung des Zornes Got⸗ tes und der ewigen Verdammniß, falls ſie nicht wieder nüchtern würden aus des Teufels Strichn brachte nichts Anderes zu Wege, als eine freche Herausforderung Gottes, der ſie nur ſtrafen möge. Sie wollten ſich nicht mehr betrügen laſſen, ſo ſagten ſie. — Der Miſſionar Auch bal. ſie wiederholt, doch das Wort Gottes nicht ſo gar zu verachten; da ſprachen ſie wiederum da· von, als von einem Lügenbuche; ſie wolhu Richts mehr davon wiſſen. Der Häuptling Meganigiſchik äußerte, er werde forthin Nichts von alle dem mehr halten, was ihm das Wort- Gottes auferlegt habe; allenfalls wolle er ſic, wie früher, ſo auch fernerhin am Sonntage der Arbeit enthalten. Bei allen dieſen Vorgängen hätte dem treuen Seelenhirten das Herz brechen mögen; er wäre lieber in den Tod geſunken, als daß er ſolchts hätte erleben mögen. Eine ganze Gemeinde, jahrelange mühſame Arbeit vor Menſchenaugen verloren! Keiner ließ ſich wieder zurücklocken! — Das war ein ſchweres Kreuz, ihm auferlegt, zu tragen. Ein Fünklein der Hoffnung lebte in ihm noch, nämlich daß vielleicht die vorgefallenen Reden in Aufregung geſchehen und bald bereut werden möchten. Aber auch dieſe Hoffnung ſchlug fehl. — Am folgenden Tage nämlich, einem Sonntage, läutete der Miſſionar, wie ſonſt, ſein Miſſions⸗ glöcklein und ging zur Kirche, um Gottesdienſt zu halten. Aber Niemand von den Indianern erſchien. Statt deſſen gingen die jungen Bur⸗ ö ſchen mit ihren Aexten an der Kirche vorbei, als wollten ſie den Gottesdienſt verhöhnen. Trau rig und unverrichteter Sache mußte der Miſſio⸗ nar nach Hauſe gehen. Er wartete nun noch einige Wochen auf Um⸗ kehr, entbot auch noch einmal den Miſſionar Mießler ſammt dem Dollmetſcher von Bethanien zu ſich, um die Treuloſen abermals zu vermahnen, konnte aber keine allgemeine Zuſammenkunft mehr erlangen, ſondern man mußte die Leute partienweiſe in ihren Häuſern aufſuchen. Sie beharrten ſämmtlich in ihrer Feindſchaft gegen Gottes Wort und verachteten die väterliche Zuſprache ihrer rechtgläubigen Lehrer. Das arme Volk! Hundertmal wirklich⸗betrogen durch ö geiſtliche und weltliche Betrüger, läßt es ſich nun, da ihm endlich durch Gottes Gnade die volle lautre Wahrheit des Wortes Gottes aus treuer Hirten Munde gepredigt wird, vom Teufel ver⸗ blenden, auch ſeine treuen Lehrer als Verführer von ſich zu weiſen. Der HErr hatte noch einmal in der Kürze deuutlich zu ihnen geſprochen. Während nämlich bisher in der etwa 4 Jahre alten Chriſtenge⸗ meinde noch kein einziger Todesfall aus den In⸗ dianern ſelbſt vorgekommen war, ſo wurden in dieſen ſelbigen Tagen zwei Jünglinge in einem Zuſtande gräßlicher Verzuckungen in einen plöß⸗