# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 08 17_S207 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Es iſt wahr, Ehrwürdige Brüder im Amte, penn diejenigen, welche uns jetzt als bittere zeinde in einem heißen Kampfe entgegenſtehen, aus dieſem Todesfalle etwa beweiſen wollten, daß der uns von ihnen angedrohte Fluch Got⸗ Eas nun offenbar werde und daß Goties Gerichte btreits ſichtlich über uns hereinbrechen, ſo wür⸗ den ſie ſich damit nur auf die Seite der blinden Welt ſtellen, die aus dem Creuz der Chriſten den Schluß macht, daß Gott der Chriſten nicht ach⸗ te, ja ihr Feind ſei und wider ſie ſtreite, und die aus dem zeitlichen Wohlergehen der Weltkinder folgerte, daß dieſe Gott im Schooße ſitzen. Sie würden damit dem Worte Gottes widerſprechen, welches lehrt, daß Gott gerade Seine liebſten Kinder am härteſten züchtiget und daß Er gerade den Sohn ſtäupet, den Er aufnimmt. Allein ts bleibt immer wahr, was Moſes, der Mann Gottes, im heil. Geiſte bezeugt: durch plötzlichen Zod ſtellt Gott der Ueberlebenden Miſſethat vor ſch und ihre unerkannte Sünde ins Licht vor Seinem Angeſichte. O darum laßt uns denn nicht taub ſein für Gottes Stimme, die auch uns hier entgegenſchallt: Erkennet eure Sünde und thuet Buße! Laßt uns vielmehr unter Gottes gewaltige Hand uns de⸗ müthigen und jetzt, wo Gott plötzlich unſere ſreudentage in Tage des Trauerns und der Klage verwandelt hat, an unſere Schuld geden⸗ ken und bußfertig an un ſere Bruſt ſchlagend, ausrufen: Gott, ſei uns Sündern gnädig! Gibt uns Gott einen Sieg nach dem anderen, ſegnet Er uns mit allem Reichthum Seines Se⸗ gens, ſo warnt Er uns nun auch, daß wir hier⸗ bei nicht ſicher werden, ſondern erkennen, unſere Slege und unſer Segen iſt nicht unſer Verdienſt, ſondern freie Gnade und Erbarmung, und was wir ſelbſt aus unſerem Eigenen dazu gethan ha⸗ ben, das war nur unſere Verkehrtheit u. unſere Sünde. Doch, Gott predigt uns hier noch mehr. — Bedenket: wenn wir auf die Zurüſtung eines Dieners Gottes viel Fleiß verwendet und viel Opfer dafür gebracht haben und wenn dann Gott auch einem ſolchen beſonders ſchöne Gaben verleiht, dann beſchleicht uns nur zu leicht der Gedanke, als ſeien wir Menſchen es, anf deren Oaben, Weisheit, Treue und Fleiß allein das beil der Kirche beruhe. Wer iſt unter uns ſtets von ſolchen Gedanken frei geweſen? Wenn nun aber Gott gerade in den bedrängteſten Zei⸗ in der Kirche derſelben immer mehr junge, kuſtige, eifrige und begabte Arbeiter nimmt, was will er da wohl den zurückbleibenden Arbeitern ſagen? Offenbar nichts anderes, als dieſes: Ich bedarf euer nicht! Und das iſt es denn, was Gott auch uns ferner aus dieſem Grabe heraus zuruft. O laßt es uns denn auch jetzt lernen und tief zu Herzen faſſen: Gott braucht uns nicht! Wir ſollen wohl un⸗ ſtren Mund, unſere Hände, unſere Herzen, kurz, alles dem Dienſte Gottes und Seiner Kirche durgeben, was wir ſind und haben; aber hier⸗ bei ſolen wir an nichts denken, als daß wir da⸗ in Gott gehorſam ſein wollen. Wir plen nie dabei vergeſſen, daß wir's nicht ſind⸗ 4 25⁷ ⁷ . .015 501111½ —205— die die Kirche gründen, regieren, erhalten und ſchützen, ſondern der HErr, der uns dazu ge⸗ brauchen oder nicht gebrauchen kann. „So iſt nun weder der da pflanzet, noch der da begießet, etwas, ſondern Gott, der das Gedeihen gibt.“ 1 Cor. 3, 7. Doch, m. th. Br. im Amte, ſo wahr dieß iſt, ſo dürfen wir doch nie vergeſſen, es iſt ein großes Werk, das Gott in unſere Hände legt, wenn Er uns in Sein heil. Amt beruft; Er allein kann und muß zwar alles thun, aber dann bezeugt Er, Er will Sein heiliges ſeliges Werk durch uns thun. Er vertraut uns dann unſterbliche, durch Sein eigenes Gottesblut theuer erkaufte Seelen an, und wir ſollen dieſen Seelen ſagen, was ſie thun ſollen, um ſelig zu werden. Wir ſollen dem unbußfertigen Sünder ſagen: Du mußt ſterben! und dem bußfertigen verkündi⸗ gen: Du ſollſt leben! Wir ſollen die Todten erwecken, den Irrenden den rechten Weg zeigen, die Zweifelnden gewiß machen, die Schwachen ſtärken, die Kranken heilen, die Angefochtenen tröſten, die Sterbenden hinüberleiten über den Abgrund des Todes und den Händen Gottes überantworten, kurz, „als die klugen Haushalter einem jeden zu rechter Zeit ſeine Gebühr geben.“ Luc. 12, 42. Und Gott will das Blut aller dieſer unsanvertrauten See⸗ len einſt von unſeren Händen for⸗ dern!— Wenn nun Gott einen jungen Ar⸗ beiter plötzlich aus unſerer Mitte nimmt, was predigt er uns da? Er ruft uns zu: Werdet treuer in Verwaltung des Amtes, das euch befohlen iſt! Wirket, weil es Tag iſt, denn es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. O ſo laßt uns denn auch auf dieſe Stimme hören! Laßt uns, was zu thun iſt, nicht auf morgen aufſchieben. Laßt uns ei⸗ len, allen zu verkündigen den ganzen Rath Gottes zu ihrer Seligkeit öffentlich und ſonderlich. Laßt uns einhergehen mit bren⸗ nenden Lichtern und an unſeren Lenden gegür⸗ tet, damit, wenn der HErr den Hirtenſtab uns aus den Händen nimmt, wir bereit ſein, Rechen⸗ ſchaft zu geben Ihm, dem Richter der Lebendi⸗ gen und der Todten. — ö Doch nun, wende ich mich auch zugleich a euch, denen der theure Entſchlafene zwar nicht ein Mitknecht im Amte, aber mit uns ein Mit⸗ bruder im Glauben war, an euch, ihr Zu⸗ hörer, und inſonderheit an euch, geehrte gegen⸗ wärtige Vertreter unſerer Gemeinden. Auch euch predigt Gott heute aus ditſem Grabe heraus. Und was iſt das? Vor allem wiederum dreierlei: 1. Erkennet, rechſchaffene und begabte Prediger ſind eine Gabe meiner freien Gnade, die ich jede Stunde wieder zurück⸗ rufen kann! 2. Betet daher nicht nur, daß ich euch dieſe edle Gabe ſchenke, ſondern auch, daß ich ſie euch erhalte! und endlich 3. Kauftt die Zeit aus, in welcher ich euch die Gnade ſchenke, ein ſolches köſtliches Kleinod zu beſitzen — Vielleicht zu keiner Zeit iſt das heil. Predigt⸗ amt ſo verachtet geweſen, als in der gegenwär⸗ tigen. Nicht nur iſt das eine Folge des Un⸗ glaubens, der jetzt wie eine Sündfluth über die Chriſtenheit hereingebrochen iſt, ſondern leider! auch eine Folge davon, daß jetzt ſo viele elende Menſchen das heilige Amt verwalten, die, indem ſie daſſelbe tragen, es durch ihre falſche Lehre u. durch ihr ungöitliches Leben nur ſchänden. Da kann es denn leicht geſchehen, daß ſelbſt ein wahrer Chriſt zu Geringſchätzung auch ſeines treuen Predigers verſucht wird. Wenn nun Gott einem treufleißigen Diener Seines Wortes bald Feierabend giebt, da ruft er daher mit lau⸗ ter Stimme allen Zuhörern zu: Erkennet, rechtſchaffene u. begabte Prediger ſind eine Gabe meiner freien Gna⸗ de, die ich jede Stunde wieder zu⸗ rückfordern kann! Oſſo höret denn auch ihr, l. Br., auf dieſe aus diefem offenen Grabe in euer Ohr dringende Stimme Gottes! Er⸗ kennet, es iſt nicht Menſchenwerk, einen treuen Prediger ſchaffen, das iſt Gottes Werk und Ga⸗ be. Stoßt euch daher nicht an ihren Gebrechen, ſo ſie treu ſind in dem Werke des HErrn. Ver⸗ langet nicht, daß ſie Engel ſeien, während ihr Sünder ſeid. Haltet ſie vielmehr hoch, theuer und werth als leicht verlierbare Gaben des aller⸗ höchſten Gottes. Seid dankbar gegen ſie. Ver⸗ geſſet aber vor allem nie, wer ſie höret, der höret Chriſtum, wer ſie verachtet, verachtet Chri⸗ ſtu m, wer aber Chriſtum verachtet, der verachtet den, der ihn geſandt hat, den großen, ewigen u. lebendigen Gott ſelbſt. Erinnert euch aber, l. Br., Gott an dieſem Grabe daran, daß rechtſchaffene Prediger Seine Gabe ſind, die er geben und nehmen kann, ſo ruft er euch freilich auch laut und ernſtlich zu⸗ gleich zu: Bittet doch den Herrn der Erndte, daß Er Arbeiter in Seine Erndte ſende und die Ausgeſende⸗ ten erhalte! O wie mancher treue und theure Knecht mag ſchon heimgerufen worden ſein, weil man die Gabe Gottes an ihm nicht er⸗ kannte! Wie mancher mag ſchon in ſeiner Ju⸗ gend dahin gerafft worden ſein, den Gott gern Seiner Kirche geſchenkt hätte, wenn ſie ernſtlich darum gebetet hätte! Auf wie manches eifrig en Dieners IEſu Chriſti Herz mag auch jetzt der Tod noch ferner zielen, das nur dann nicht auch getroffen wird, wenn viele brünſtige Chriſtenge⸗ bete ſich davor zum undurchdringlichen Schilde machen!— Doch, m. Th., noch Eins! Gott ſendet ſeine Knechte nicht dazu aus, daß man ſich nur an ihren Gaben ergötze und in der Noth an ihnen treue Freunde und Tröſter habe, ſondern vor al⸗ lem, daß man ſich von ihnen den ſchmalen Weg leiten laſſe, der zum Himmel führt; daß man daher ihre Lehre und ihren Unterricht als Gottes Lehre und Unterricht annehme, ihren Troſt als Gottes Troſt, ihre Strafe als Gottes Strafe, ihre Drohungen als Gottes Drohungen, und daß man ſo durch ſie erleuchtet, erweckt, bekehrt, vor allen Irrwegen bewahrt und endlich ſelig gemacht werde. Läßt nun Gott einen treuen Knecht ſterben, ſo ruft er allen Zuhörern zu: O kaufet die Zeit aus, in welcher ich euch die große Gnade ſchenke, ein ſolches köſtliches Kleinod zu be⸗ * H 44„