# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 08 17_S205 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) zu gleicher Zeit zweckmäßig beſchäftigt werden. Dieſe Aufgabe iſt darum ſchwer, weil die Zahl der zu lehrenden Gegenſtände groß, das Alter und die Faſſungskraft der Schüler ſehr verſchie⸗ den und die Unterrichtszeit gewöhnlich nur kurz iſt. Dazu kommen hier in Amerika mancherlei Umſtände, wodurch dem Lehrer die Löſung jener Frage noch viel ſchwerer gemacht wird, als es im alten Vaterlande der Fall iſt, namentlich, zu⸗ nal auf dem Lande, durch unregelmäßigen Schulbeſuch, durch das fortwährende Hinzukom— nen und Abgehen von Kindern neuer Einwan⸗ derer oder weiter in den Weſten ziehender Fami⸗ lien u. ſ. w. — Jene Frage muß deshalb hier für den Lehrer von beſonderem Intreſſe ſein; denn verfehlt er es, in ſeiner Schule hierin den richtigen Tact zu treffen, ſo wird er, bei aller Anſtrengung, im Ganzen doch nur wenig wirken. — Zwei Fehlgriffe, die aber für das Aufblühen der Schule in ihren Folgen ſehr nach⸗ cheilig ſein werden, ſind es inſonderheit, wozu ſich der Lehrer oft verleiten läßt. Man iſt näm⸗ lich zunächſt leicht dazu geneigt, beſonders bei großen Schulen, nur die gereifteren und größeren Schüler im Auge zu haben, und den Unterricht der ſchwächeren und kleine⸗ ren auf wenige Unterrichtszweige zu beſchrän⸗ ken. Daß dies aber ein Mißgriff iſt, wobei die Schule im Ganzen nicht gedeihen kann, iſt leicht einzuſehen. Der Lehrer ſoll in je der Stunde u.während des ganzen Unterrichts al le Schüler berückſichtigen; denn davon abgeſehen, daß er gegen jedes Kind auch in dieſer Hinſicht gerecht handeln ſollte, wird er recht bald die nachtheiligen Folgen von einem ſolchen Lehrver⸗ fahren wahrnehmen müſſen. Beſchäftigt man die lleineren Kinder nicht fortwährend (natürlich ih⸗ ren Kräften angemeſſen); ſo wird ihnen das Schulgehen eine Laſt, ſie gehen nicht gern zur Schule, bleiben lieber zu Hauſe, und, wenn ſie doch lommen müſſen, werden ſie während der Zeit, da man ſie unbeſchäftigt läßt, unnütze Dinge treiben, als Plaudern u. ſ. w. Sollte der Lehrer Letzteres auch durch ſtrenge Maßregeln verhüten, ſo wird der gemachte Fehler unver⸗ neidlich nach Jahren zum Vorſchein kommen; durch Stillſitzen und Nichtsthun ſind ſie Träu⸗ ner geworden.— — — Der zweite Fehler, wozu nan ſich ſehr leicht verleiten läßt, beſonders wenn die Schule unregelmäßig beſucht wird, iſt der, raß man, weil es dann recht ſchwer wird, kei⸗ unn feſten und beſtimmten Lehrplan verfolgt, ſondern bald dieſes, bald jenes lehrt, und ſo im⸗ nerfort unterrichtet, ohne ein veſtimmtes Ziel vor Augen zu haben. Der Lehrer zerſplittert aber dadurch ſeine Kräfte und verwirrt ſich, daß tr uͤber kurz oder lang alle Freudigkeit zum Schulhalten verlieren muß; er verwirrt auch die Kinder, und ein gewiſſer Schlendrian und we⸗ nig Frucht des Unterrichts wird die nothwendi⸗ ge Folge ſein. Ohne einen feſten und beſtimm⸗ unplan in der Schule zu unterrichten, ſcheint mir eben ſo gewagt und unſicher, als wenn ein Schiffer eine weite Seereiſe ohne Compaß antre⸗ tn wollie. Ordnung ſoll und muß in einer Schult in jeder Beziehung herrſchen, auch im Lehrgange. — 203— Man könnte mir einwenden: „wie iſt es mög⸗ ich, einen beſtimmten Stundenplan zu verfol⸗ gen, wenn die Schule ſo unregelmäßig beſucht wird?“ Freilich wird es dann ſehr ſchwer, aber man ſollte ſich dadurch doch nicht in dem einmal entworfenen Plane ſtören laſſen; denn gewöhn⸗ lich kommt eine gewiſſe Zahl von Schülern re⸗ gelmäßig, und dieſe bilden dann den Kern der Schule, mit dem man gut einen Plan verfolgen kann. Will der Lehrer jene beiden angeführten Feh⸗ ler beim Schulhalten vermeiden, ſo iſt es unum⸗ gänglich nothwendig, daß er nach einem Stundenplan unterrichtet. Ehe er aber denſelben für ein gewiſſes Quartal entwerfen kann, muß er zuvor den Standpunkt ſeiner Schü⸗ ler im Wiſſen und Können zu erfahren ſuchen, was gewiß recht bald gethan iſt, und dann mit ſich darüber einig werden, was er im Laufe des Quartals lehren will. Hat er nun ſeine Schüler mit Rückſicht auf die zu lehrenden Ge⸗ genſtände in beſtimmte Klaſſen abgetheilt, und die Lehrgegenſtände nach den verſchiedenen Klaſ⸗ ſen und nach den Unterrichtsſtunden gehörig ge— ordnet; ſo muß er alsdann den angenommenen Plan auch verfolgen, und ſich ja vor zu vielen Neurungen hüten.— — — — — Es entſteht nun die Frage: wie ſoll der Stundenplan für eine hieſige deutſche lutheriſche Gemeindeſchule beſchaffen ſein? Bei Anfertigung deſſelben ſind, wie ſchon oben angedeutet wurde, mehrere Punkte zu be⸗ rückſichtigen, nämlich die Schüler, die Un-⸗ terrichtsgegenſtände, die Unter⸗ richtsſtunden u. ſ. w. Hauptſäͤchlich ſind es zwei Fragen, die dabei in Betracht kommen. Die erſte iſt: „welche Gegenſtände ſollen gelehrt werden?“ — und die zweite: „wie ſind dieſelben mit Rückſicht auf die verſchiedenen Klaſſen und einzelnen Unterrichtsſtunden zu ordnen?“— Ich muß noch bemerken, daß ich mir bei dem Fol⸗ genden eine Schule denke, die von Kindern, im Alter vom ſechſten bis zum vierzehnten Jahre beſucht wird, und zwar wöchentlich 5 mal, täg⸗ lich 6 Stunden, 1. Welche Gegenſtände ſollen in einer ſolchen Schule gelehrt werden? Um dieſelben kennen zu lernen, wird es zunächſt nothwendig ſein, anzu geben, welches der Zweck einer lutheriſchen Gemeindeſchule iſt. Der Zweck einer ſolchen Schule iſt im All⸗ gemeinen: „Erziehung der Jugend. — Wozu ſol⸗ len unſere Kinder erzogen werden? Bedenkt man, daß ſie durch die leibliche Geburt vom lieben Gott in die ſe Welt geſtellt wurden, darin ſie auch bis zum Tode bleiben werden, aber auch, daß ſie durch die hl. Taufe in die chriſtliche Kirche aufgenommen worden ſind, in der ſie hier als gläubige Glieder ſtehen ſollen, um dort zur Herrlichkeit und zum ſeligen Schauen zu gelan— gen; ſo wird man leicht einſehen, welches das Weſen der Erziehung der Kinder ſein ſoll. Da ſie die theuer erkauften und erlöſ'ten Läm⸗ mer des HErrn ſind, ſo iſt es vor allen Din-⸗ gen die Aufgabe des lutheriſchen Lehrers, die ihm anvertrauten Kinder mit dem Herrn be⸗ kannt zu machen, der ſie erſchaffen hat, ſie be⸗ ſchützt und verſorgt, ſie von Sünde, Tod und Teufel erlöſet hat und ihnen in Wort und Sa⸗ cramenten die erworbene Gnade anbietet und darreicht. Die Kinder ſollen lernen, wie ſie recht glauben, chriſtlich leben und ſelig ſterben ſterben können. Kurz, die Religion, und zwar wie dieſelbe von unſerer Kirche rein und lauter gelehrt wird, ſoll der Mittelpunkt, um den ſich vie ganze Erziehung drehen muß, das Salz u. die Würze alles Unterrichts ſein. Und wo das nicht der Fall iſt, da kann auch von keiner chriſt⸗ lichen, geſchweige von einer lutheriſchen Schule die Rede ſein; denn in dieſer iſt der HErr Je⸗ ſus und ſein Wort das A und O, der Anfang und das Ende. — Die lutheriſche Schule will wirkliche Bildung des ganzen Menſchen für ſeine ganze Lebensdauer, für Zeit und Ewig⸗ keit; ſie ſtellt daher ihr Ziel bei der Erziehung vielhöher und weiter, als die ſogenannten Staatsſchulen. In dieſen werden die Kinder nur allein für dieſe Welt geſchickt gemacht, an ihrer Seelen tiefſtes Bedürfniß und größte Noth wird gar nicht gedacht; die lutheriſche Schule aber will auch aus ihren Kindern chriſtliche Weltbürger⸗ und Bürgerinnen erzie⸗ hen, wenn auch vor allen Dingen, durch Got⸗ tes Hülfe, gläubige Chriſten und ſelige Himmelsbürger. Das letztere Ziel iſt zwar dem erſteren übergeordnet — und darf nie zur Nebenſache gemacht werden, wie das lei⸗ der! in letzter Zeit in den meiſten Schulen Deutſchlands der Fall war; allein diejenigen Gegenſtände, deren Wiſſen für das irdiſche Le⸗ ben nothwendig iſt, ſollten jedenfalls auch in einer lutheriſchen Schule gelehrt werden. Die Kinder müſſen nun einmal in dieſer Welt leben und ſollten darum auch in der Schule eine Grundlage in dem Wiſſen und Können erhal⸗ ten, das ſie einſt als Staatsbürger nöthig ha⸗ ben. Chriſten ſind die beſten Staatsbür⸗ ger, müſſen deßhalb auch diejenigen Fähigkeiten ſich zu verſchaffen ſtreben, die von ſolchen er⸗ wartet werden. Ich kann mich daher aus die⸗ ſen Gründen nie mit der Anſicht Derjenigen einverſtanden erklären, welche meinen, in einer chriſtlichen Schule müßten nur ſolche Ge⸗ genſtände gelehrt werden, die auf Religion Be⸗ zug hätten. Nachdem ich den Zweck einer luth. Gemein⸗ deſchule kurz angegeben habe, ergiebt ſich von ſelbſt, welche Gegenſtände gelehrt werden ſol⸗ len, nämlich zu nä ch ſt und ammeiſt en Re⸗ ligion und was darauf Bezug hat, dann auch diejenigen weltlichen Gegenſtände, deren Be⸗ kanntſchaft uns unentbehrlich ſind. Zu den erſteren gehören: „Katechismusunterricht; bib⸗ liſche Geſchichte, und als Fortſetzung die Kir⸗ chengeſchichte; Auswendiglernen und Herſagen bibliſcher Kernſprüche und kirchlicher Kernlie⸗ der; endlich Geſangunterricht, und zwar mit beſonderer Rückſicht auf die alten kirchlichen Melodien. Zu den weltlichen Gegenſtänden gehören: „Leſen, Schreiben, Rechnen und Sprache (ſowohl engliſche als deutſche) als Hauptgegenſtände; und dann noch Gemein⸗