# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 04 18_S67 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Menschen-Gebot und Ansehen uns zu keinem Thun oder Lassen treiben lassen, das Gott nicht geboten oder verboten, sondern uns freigegeben hat? Um wie viel mehr sollen wir dies thun, wo ein bestimmtes klares Wort Gottes und der einfältige Glaubensverstand vorhanden ist von Anfang der christlichen Kirche bis auf die Irrthümer der Papisten und Schwärmer? Ist das nicht offenbarlich eine Sünde wider den dreieinigen Gott, wenn Jemand hier aus menschlicher Rücksicht etwas von göttlicher Wahrheit drangibt? Und wer auf diesem Wege der Menschen Freund wird, ist der nicht Gottes Feind? Spricht der HErr Christus nicht: „das Wort, das ich geredet habe, wird Euch richten am jüngsten Tag“? und hat er nicht auch das Wort geredet: „Nehmet, esset, das ist mein Leib!“ Ja wird Dich dies Wort nicht richten in deiner Todesstunde, wenn du es leichtsinnig und muthwillig hinwirfst, oder mit denen kirchliche Gemeinschaft pflegst, die ihm nicht glauben, wie es lautet? Zum Andern, mein lieber Glaubensgenosse, brichst du auch dein Gelübde der Treue gegen deine Kirche, wenn du in solche Gemeinschaft eingehst oder darin bleibst. Denn mag es sein, daß leider noch Viele ihrer Diener und Lehrer theils überhaupt ungläubig sind und falsch lehren, theils vielleicht in der Lehre von den heil. Sacramenten der schwärmerischen Gegenlehre zugethan sind und darin irrig unterweisen, so fället damit unsere Kirche, die Kirche vom reinen Wort und Sacrament, noch nicht dahin. Denn sie stehet nicht auf dem Glauben vieler oder weniger Lehrer und Hörer, noch fället sie mit deren Unglauben, sondern sie stehet in allen Artikeln ihres Bekenntnisses und Lehre auf dem lautern Worte Gottes in der heil. Schrift A. und N. Testaments und bezeuget dies ihr Stehen und Gründen auch einmüthiglich in ihren Bekenntnißschriften, von der Augsburgischen Confession bis zur Concordienformel; und endlich hat sie, selbst in der Zeit ihres tiefsten Verfalls, als sie durch den Rationalismus oder Vernunftglauben schrecklich verderbt war, immerweg ihre 7000 gehabt, die ihre Kniee nicht gebeugt hatten vor irgend welchem Vernunftbaal und treulich geblieben waren bei dem reinen Worte Gottes und dem Zeugnisse von der Heilslehre desselben, wie es z. B. schon der kleine luth. Katechismus enthält. Und siehe! schon in dieser kurzen Summa der Heilswahrheit, in diesem kostbaren Vermächtnisse des theuern Mannes Gottes hast du auch jetzt einen trefflichen Schatz, ein Schild und Schwert gegen allerlei Schwarm- und Flattergeister, die z. B. dir die heil. Taufe verdächtigen, und einen festen richtigen Glaubensverstand aller der Stücke christlicher Lehre, die einem Christenmenschen zur Seelen Seligkeit nütze und noth sind. Darum bleibe bei deiner Kirche, deiner geistlichen Mutter, die dich geboren und erzogen hat, wenn leider auch noch mancher Miethling, Dieb, Mörder und falscher Prophet durch Gottes Zorn unter ihren Dienern ist. Hast du sie früher auch durch deinen Unglauben mit helfen verwüsten und warest du vielleicht der (geistlich) gestorbene Jüngling zu 67 Nain — so gehe nicht von ihr, wenn dich die Stimme des HErrn JEsu irgend woher erweckt und zum Glauben gebracht hat, bleibe bei ihr und helfe sie nun als treuer Sohn mit bauen und pflanzen. Zum Dritten sündigst du Lutheraner auch gerade gegen die, mit denen du gegen das Bekenntniß deiner Kirche in kirchliche Gemeinschaft trittst, seien es nun Reformirte oder schon sogenannte Evangelische oder Protestanten. Denn du hilfst sie in dem gottlosen und leichtfertigen Wahn stärken, als sei die Lehre von den heil. Sacramenten wirklich eine Nebenlehre, deren Verschiedenheit die Einigung (Union) nicht hindere, und als könnten dieselben Einsetzungsworte des HErrn JEsu Christi, mit und in denen er die heil. Taufe und Abendmahl stiftet und gründet, buchstäblich und zugleich bildlich und auf zwiefache, ja entgegengesetzte Weise zugleich richtig sein; denn die Kirche, Lutherischen Bekenntnisses, glaubt dem HErrn JEsu aufs Wort und hält, bekennt und lehrt, daß im und mittelst des Wassers die Gnade der Wiedergeburt und im und mittelst des Brotes und Weines sein Leib und Blut, für uns gegeben und vergossen, wesentlich und wahrhaftig dargereicht und empfangen werde; die Reformirten aber glauben dem HErrn JEsu nicht aufs Wort und wähnen und behaupten, daß Wasser, Brod und Wein bloß äußerliche Zeichen und Abbilder seien, die das bezeichnete und abgebildete himmlische Gut nicht wesentlich und wahrhaftig in sich enthielten, also daß dasselbe nicht in ihnen und mittelst ihrer dargereicht und empfangen werde. Wie ist es nun möglich, daß unser Glaube und unser Festhalten der Einsetzungsworte des HErrn JEsu Christi, wie sie lauten, und dieser „Nichtglaube“ und Verwerfen derselben, wie sie lauten, zugleich Wahrheit sein könne? Können dieselben Worte an derselben Stelle in derselben Sache und Beziehung zweierlei richtigen Sinn haben? So lange also die Reformirten nicht den Beweis führen, daß unsere einfache und buchstäbliche Fassung der Stiftungsworte einen anderen Glaubensartikel der Heilslehre wesentlich verletze und beschädige, in welchem Falle allerdings nur eine bildliche Fassung zulässig wäre, so lange müssen wir bei unserem einfältigen schlichten Verstande derselben verbleiben und können mit ihm, so wir anders nicht dawider leben und handeln, in der Todesstunde bestehen. Was thust du also, wenn du mit den Reformirten in eine kirchliche Gemeinschaft trittst? Du gehst, trotz der richtigen Wegweisung deiner Kirche, mit jenen den Irrweg, als sei er der rechte, und bestärkest sie also in dem Wahne darin, oder du versündigest dich doch darin an deinem Nächsten, daß er durch dein kirchliches Hinzutreten zu ihm noch gleichgültiger und leichtfertiger gegen gewisse Heilswahrheiten des Wortes Gottes, wie z. B. gegen die von den heil. Sacramenten wird? Und hilfst du nicht dadurch kräftig die wahre und ungeheuchelte Ehrfurcht vor dem ganzen Worte Gottes in der heil. Schrift und vor seiner gesammten Heilswahrheit fälschen und untergraben? Denn dies thust du sicherlich, wenn du deinen Nächsten durch deinen Zutritt und Beifall förderst, über einzelne Stücke dieser Heilswahrheit entweder zweifelhaft und unsicher oder leichtfertig und gleichgültig zu bleiben. Ist dieses Zutreten also christliche Liebe, wenn die Seele deines Nächsten dadurch Schaden nimmt? So hätten wir nun gesehen, was Evangelische waren, und was die dermalen sind, die leider mit Unrecht diesen Ehrennamen an sich reißen. Es lasse sich also kein aufrichtiger, aber unkundiger lutherischer Christ von dem Scheine der Liebe täuschen, den diese Falsch-Evangelischen vor sich tragen; denn da ist sicherlich keine Wahrheit der Liebe, wo keine Liebe der vollen und reinen Wahrheit ist, die der dreieinige Gott in seinem Worte uns vertraut hat, und welche ungefälscht und ungetheilt, ohne abergläubisches Zuthun und ohne ungläubiges Abthun, allein die rechtgläubige Kirche, dermalen evangelisch-lutherisch genannt, in ihren Bekenntnißschriften bezeuget und lehrt. — Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Luc. 5, 31. Je kränker hiernach einer ist an der Seele, desto gewisser soll er darauf sich verlassen, daß dieser Arzt, unser HErr IEsus Christus, ihn angehe; so gar soll er sichs nicht einfallen lassen, daß er wegen der Krankheit seiner Seele und wegen der Sünden nicht so keck sein wollte, Ihn anzurufen. Denn wer wollte nicht dafür halten, daß derjenige Kranke vielmehr am Verstande, als am Leibe krank wäre, der, wenn man ihn mahnte, er sollte einen Arzt kommen lassen, spräche: Ich bin nicht so keck, einen Arzt kommen zu lassen, weil ich krank bin? da ja dies die vornehmste Ursache ist, warum man ihn mahnt, daß er einen Arzt kommen lassen solle. Also wer sollte nicht glauben, derjenige Sünder sei von Sinnen, der, wenn man ihn mahnete, er solle Christum (gläubig) anrufen, antwortete: Ich bin nicht so keck, weil ich ein Sünder bin? da man ja eben um dieser Ursache willen nöthig hat, Christum anzurufen, und Er haben will, daß man ihn anrufe. Kommt zu mir, spricht Er, alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken. Du wirst aber sagen: Ich weiß, daß Christus der Arzt ist; ich weiß, daß man ihn, um von Sünden rein zu werden, anrufen soll: aber dies besorge ich, ich möchte ihn durch meine vielen wiederholten Sünden zu so großem Zorn gereizt haben, daß Er, wenn ich Ihn schon anrufe, doch nicht kommen noch mir helfen möge. Das sind feurige Pfeile, damit Satan das schwache Gewissen anficht. Man muß aber hinwiederum den Schild des Glaubens entgegen halten, und damit diese feurigen Pfeile so auffangen, daß sie auf ihren Meister zurückgetrieben werden. Denn das, wie Christus gegen uns gesinnt sei, muß man nicht nach dem Gefühle unseres Herzens, sondern nach den Verheißungen und dem Wort des