# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 08 03_S190 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Gegnern ſo aufgenommen und ausgelegt worden. Was den genannten Klügel betrifft, ſo war der⸗ ſelbe auf ſeine eigene Fauſt nach Milwaukie in Wiskonſin gegangen, hatte vorher wohl zu den Sachſen ſich gehalten, jedoch noch vor ſeinem Weggang nach Milwaukie ſich von dem hieſigen Kirchenverband losgeſagt, deſſen Rotterei daher die Sachſen durchaus nichts anging, um ſo weni⸗ ger, da Klügel von den Sachſen ernſtlich ge⸗ warnt worden war, unter den mißvergnügten Lutheranern Milwaukie's das Amt anzunehmen. Uebrigens hatte Herr Paſtor Grabau bei ſeiner Zuſicherung mit uns zu conferiren weder die ei⸗ ne noch andere Bedingung geſtellt, um deren Nichterfüllung willen er nun nicht wollte haben kommen können. Trotzdem nun, daß Herr P. Grabau ſchon damals weder ferner auf unſre an ihn gerichteten Briefe antworten, noch einer Einladung, mit uns zu conferiren, Folge leiſten wollte (erſteres hat⸗ te P. G. ſchon w1845 erklärt, ſ. Hirtenbrief S. 90) und er mit denen ſeines Theils es uns nun ſelbſtunmöglich machte, ſie überdie von ihnen ſich Trennenden zu hö⸗ ren, ſo haben wir doch auch von da an keine Seele, die vormals zu einer Gemeinde der Sy⸗ node von Buffalo gehört hatte, in unſeren Ver⸗ band aufgenommen, oder ganzen ſolchen Ge⸗ meinſchaften auf ihr Bitten Perſonen zur Be⸗ rufung empfohlen und resp. bei denſelben ein⸗ geführt, als nachdem wir durch ſichere unver⸗ werfliche ſchriftliche und mündliche Zeugniſſe (von denen dieerſteren zum Thei⸗ le die eigenen Handſchriften unſe⸗ rer Gegner waren) klar überzeugt wor⸗ den waren, daß die ſich Trennenden im voll⸗ kommenſten Rechte ſeien, indem ſie ſich entweder Gewiſſens halber ſelbſt getrennt hatten, weil ſie ſich zu der falſchen Lehre ihrer vorigen Seelſor⸗ ger nicht mehr bekennen und ſich an deren unge⸗ rechter, hierarchiſcher Praxis nicht mehr betheili— gen konnten und weil ſie bei ihrem eigenen Kir⸗ chengerichte bereits fruchtlos dagegen eingekom⸗ men u. abgewieſen worden waren, oder indem ſie ſelbſt widerChriſtiOronung u. ungerechter Wei ſe durch ihre vorigen Seelſorger in den Bann gethan u. von dem Genuſſe der Gnad enmittel abgeſtoßen worden waren. Weit entfernt, daß die Synode von Miſſouri etwa ſchnell die Gelegenheit er⸗ griffen haben ſollte, ihren Gegnern durch Auf⸗ nahme der von ſelbigen ſich Trennenden Abbruch zu thun, ſo hat ſie nur das Bewußtſein der ſchweren Verantwortung, welche ſie auf ſich la⸗ de, wenn fie geiſtlich tyranniſirten Seelen die erbetene Hülfe aus Furcht vor Menſchen und vor zeitlichem Unfrieden verſagen wollte, dazu vermocht, ſich mit denſelben zu befaſſen. Sie iſt hierbei auf das gewiſſenhafteſte verfahren. Sie hat wiederholt faſt den größten Theil der Zeit ihrer Sitzungen darauf verwenden müſſen, die Rechtmäßigkeit oder Unrechtmäßigkeit der Trennung der ſich an ſie Wendenden zu erfor⸗ ſchen. Tage⸗ja Wochenlang hat ſie zuweilen Unterſuchung gehaiten und mehrmals iſt um ſolcher Glieder unſerer Synode willen, welche hierbei nicht zugegen geweſen und entweder von —188— den Gegnern privatim bearbeitet oder durch Pa⸗ ſtor Grabau's wahrhaft wüthende Angriffe auf die Synode über deren Verfahren zweifelhaft u. unruhig geworden waren, die Unterſuchung der Sache mit wiederholter genauer Vergleichung aller uns vorliezenden Acten und mit nochma⸗ liger Abhörung aller uns zugänglichen Zeugen in den nächſtjährigen Sitzungen wieder aufge⸗ nommen worden. Immer aber mußten die un⸗ ruhig gemachten Brüder dann am Schluſſe be⸗ kennen, daß die Synode nicht anders habe han⸗ deln können. Wie gern hätte ſich die Syno⸗ de dieſen ganzen Sachen entzogen und ſich ge⸗ gen die, welche durch Grabau's und der Seinen Härte verſcheucht worden waren, abgeſchloſſen! Aber wie wollte ſie die Seufzer und Thränen der vielen offenbar redlichen Seelen auf ſich la⸗ den, die in ihrer Gewiſſensnoth ſich an ſie wen⸗ deten? Wie gern hätte ſie auch chriſtlich und brüderlich die Sache mitpaſtor Grabau und ſei⸗ ner Parthei beſprochen; aber dieſe waren ja da⸗ zu ſchlechterdings nicht zu vermögen, es ſei denn, daß unſere Synode vorher Buße thäte und alle bis daher von ihr zu Gunſten der von P. Gra⸗ bau Getrennten gethanen Schritte vorher ſelbſt als abſichtliche gottloſe Rottirerei verdammte! Nichts deſto weniger hat jedoch unſere Synode immer wieder Verſuche gemacht, P. Grabau zu begütigen und zu einem brüderlichen Geſpräche zu bewegen. Es geſchah dieß wieder im Juli 1852, als unſere Synode in Fort Wayne ver⸗ ſammelt war. Da machte ſie nehmlich aufGrund einſtimmigen Beſchluſſes durch ihren Secretair dem Herrn P. Grabau den Antrag: „ſich durch Delegaten mündlich, ſei es öffentlich oder priva⸗ tim, wie er in dieſer Beziehung es wolle, mit ihm zu beſprechen, wobei auch die Beſtimmung der Zeit und des Orts ihm überlaſſen ſein ſoll⸗ te.“ Die Antwort war die alte; Herr Pa⸗ ſtor Grabau ſchlug das Geſpräch wiederaus: wir ſollten erſt Buße thun, alle „Rottenprediger“ zurückrufen und die Gebann⸗ ten herausgeben und ihm überliefern. Ja, ei⸗ nen Monat ſpäter (den 11. Aug. 1852) ſchrieb Herr Paſtor Grabau „im Auftrage des Kirchen⸗ Miniſterii ver aus Preußen ausgewanderten lu⸗ theriſchen Kirche“ an unſeren Secretair noch Folgendes:„Wenn die Synode von Miſſonri Friedensgeſpräche anbieten will, ſo mag ſie es auf ordentlichem Wege an unſer Kirchen-Mi⸗ niſterium und zugleich in geeigneter beglaubig- ter Form gelangen laſſen: ſo wird daſſelbe die chriſtliche Antwort darauf ertheilen. Die bis⸗ herigeprivat⸗Correſpondenz zwiſchen Paſtor Gra⸗ bau und Herrn Paſtor Habel“ (unſerem dama⸗ ligen Secretär) „erklärt das Kirchen-Miniſte⸗ rium von Seiten der miſſouriſchen Synode nur für ein ſchimpfliches Privatanerbieten.“ — So wiederholte denn unſere Synode ihren Antrag an die ganze Synode von Buffalo im folgenden Jahre. Der Erfolg aber war derſelbe; nun ſchlug die ganze Buffalo⸗ Synode das Co lloquium aus; trotz dem, daß ihr auseinandergeſetzt worden war, daß es ſich ja offen bar zwiſchen uns nicht ſowohl um dieſe praktiſchen Fälle, als um Differenz in der Lehre handle, um welcher willen wir dieſe Fälle natürlich ander. beurtheilen, als die Buffalo⸗Synode, daß wir daher erſt in einer Beſprechung über die Lehrt, u. A. vom Bann, Kirche, Kirchenordnung, Pre⸗ digergewalt ꝛc, von letzterer überze ugt wer⸗ den könnten, an ihr, der Buffalo⸗Synode, ein Unrecht begangen zu haben. Als wieder im leh⸗ ten Herbſt eine Gemeinde, welche ſich von Pa⸗ ſtor Winkler, jetzt Prediger der Buffalo⸗Synode, (ſchon vor dem Anſchluß deſſelben an dieſe Sy⸗ node) um deſſen gewiſſensbeſchwerender Praris willen getrennt hatte, einen Prediger unſerts Verbandes berief, forderte dieſer Paſtor Winklet auf: „mit ihm gemeinſchaftlich unter Beiſein beider Partheien die Sache zu unterſuchen.“ Paſtor Winkleraber ſchlug es ab.—. Unſere Gegner zeigten fort und fort, daß ſie das Licht ſcheuten, daß ſie bei der ganzen Sache nur ihre eigene Ehre zu retten bedacht waren, und daß ſie lieber die ganze hieſige Kirche ſich verblu⸗ ten laſſen, als auch nur Einen Schritt zum Frie den thun wollten, der nicht zugleich ein Tri⸗ umph auf ihrer Seite wäre. Zum dritten, handelt es ſich aber auch keines⸗ wegs zwiſchen uns um einen einfachen „Lehr⸗ ſtreit,“ nehmlich um eine einfache Differenz in der Lehre von Kirche und Amt ꝛc., dergleichen u. A. auch unter den Lutheranern unſeres lieben Vaterlandes zu Tage getreten iſt! Weit ent⸗ fernt, daß wir, wie dargeſtellt worden, eine bloßt Lehrdifferenz als kirchentrennend angeſehen oder zu einem Vorwande genommen hätten, die von unſeren Opponenten ſich Trennenden, wohl gar mit Recht gebannte offenbare halsſtarrige Sün⸗ der, ohne Weiteres aufzunehmen; ſo iſt es vielmehr gerade die Buffalo⸗Sy⸗ node geweſen, welche auf die beſt⸗ hendeLehrdifferenz dieſes Gewicht gelegt u. um derſelben willen eint Kirchentrennung veranlaßt u. er⸗ zwungen hat.— Schon vor zehen Jahren erklärte, wie oben bereits erwähnt, ehe noch an eine Sendung von ſ. g. „Rotten⸗ predigern“ zu denken war, Herr P. Grabau, nachdem die ſächſiſchen Prediger ihm ihre Ueber⸗ zeugung in Betreff der Lehre von Kirche u. Amt vorgelegt hatten, in ſeiner Antikritik nicht etwa nur, daß er mit denſelben nicht übereinſtimmen könne und ihre Lehre für irrig halte, ſondern u. A. Folgendes: daß ſie noch „eine unlutheriſche Richtung“ hätten (Hirtenbrief S. 51.); daß ſit „aus der chriſtlichen Freiheit eine kirchliche Ungebundenheit machten“ (Seite 55.) zdaß ſit „die Gemeinde faſt über Gott und ſein Worn ſetzten, unter dem Vorwande, daß Chriſten ei⸗ nen Unterſchied zwiſchen rechter und falſcher Leh⸗ re machen müßten und daß ſie ſündlicher Weiſt Luthers Schriſten dazu mißbrauchen wollten.“ (S. 56.) Alles auf Grund muthwilliger Ver⸗ zerrungen von denſelben aufgeſtellter rein evan⸗ ö geliſcher Principien. Ja, zuletzt ſchrieb Herr Paſtor Grabau in jener Antikritik: „Mein hern⸗ lichſter Wunſch wäre, daß Sie zur Beſinnung über Ihr Treiben kommen möchten. Schließlich verſichete ich Ihnen, daß ich Sienichtfür ſolchelutheriſche Paſtoren erkennen