# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 08 03_S189 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Und gerade dieſe Fälle machen es genugſam ein⸗ leuchtend, wie annehmlich und angemeſſen gera⸗ de unſer Vorſchlag eines Colloquii mit Orn. P. Grabau ſei, womit auch die Breslauer lutheri⸗ ſchen Brüder, ſogar ohne dieſe unſre Orienti⸗ rung einverſtanden ſind; denn es möchten nicht wenige Bannfälle vorliegen, die gerade — und das iſt noch die beſte Annahme — in Folge von Hrn. P. Grabau's falſcher Lehre von der Ge⸗ walt des Predigtamtes und ſonderlich ſeiner un⸗ evangeliſchen Auslegung von Ebr. 13, 17. ſich zugetragen haben — Fälle, die er alſo, in Fol⸗ ge ſeiner Lehre für gerecht, wir aber, in Folge unſrer Lehre, die ja in That und Wahrheit die unſrer Kirche iſt, für ungerecht halten. Wie föͤnnten wir daher in Beurtheilung ſolcher Fälle Eins werden, ehe nicht eine Vergleichung in der Lehre ſtatigefunden hat? Fürs Andre, was nun das „ſofort“ der Aufnahme der „ercommunicirten Sünder“ und der Abſolution derſelben durch unſre Paſtoren „(deſſen die 2te Frage des Hrn. P. Grabau Er⸗ wähnung thut) betrifft, ſo ſei es geſtattet, der Ehrw. Conferenz eine kurze hiſtoriſche Ueber⸗ . ſchau der Ereigniſſe und unſeres Verfahrens zu geben, um daraus, ob Gott will, ein unpar⸗ ihciiſches Urtheil zu gewinnen, ob es ſich mit die⸗ ſem: „ſofort“ alſo halte, wie vorgegeben. Zuerſt ſendeien, noch ehe die Spnode von Miſſouri ꝛc. ins Leben trat, die nach Miſſouri im Jahre 1838 ausgewanderten ſächſiſchen Pre⸗ diger einer Anzahl Lutheraner im Staate Wis⸗ conſin, die früher von Herrn Paſtor Kindermann proviſoriſch bedient worden waren, auf ihr Bitten einen Prediger, unter denen nicht nur keiner im Bann lag, ſondern die auch Herr Paſtor Kin⸗ dermann erſt ſelbſt an die genannten Prediger in Miſſouri gewieſen hatte, als von denen ſie noch einen rechtgläubigen Prediger erhalten könnten. Später zwar, als es ſich herausſtellte, daß die Sachſen in die, in einem von Paſtor Grabau erlaſſenen ſ. g. Hirtenbriefe enthaltene, Lehre, inſonderheit von Ordination und Predigerge⸗ walt, nicht einſtimmen könnten, war Herr Paſtor Kindermann allerdings dem entgegen, daß ſich jene Lutheraner durch die Genannten verſorgen laſſen wollten; weder jene aber, welche von der . Schriftmäßigkeit der Lehre der ſächſiſchen Paſtoren überzeugt worden waren, fanden nun in der nunmehrigen Abgeneigtheit Herrn P. Kinder⸗ mann's gegen dieſelben einen Grund, einen Candidaten aus deren Mitte nicht zu rufen, noch die Sachſen, ihnen auf ihr dringendes Bitten einen ſolchen nicht zu empfehlen und zu ſenden. Dieß geſchah im Spätherbſt 1844.— Erſt vom + Jahre 1847 an, wo die Synode von Miſſouri ꝛc. zuſammentrat, ſind von Zeit zu Zeit Luthera⸗ ner von uns, und zwar nun von der ganzen Sonode, aufgenommen worden, welche vorher zu Gemeinden der Synode von Buffalo gehört hatten und unter denen ſich auch eine An⸗ zabl von ſolchen befand, über welche bereits der Bann verhängt worden war. Nie aber ſind ſie „ſofort' aufgenommen worden. Wir haben vielmehr alles gethan, was wir nur mit gutem Gewiſſen thun zu können glaubten, um — 187— einen hierdurch möglicher Weiſe erfolgenden kaum heilbaren Riß abzuhalten. Nur Herr Paſtor Grabau machte jeden Verſuch zur Eini⸗ gung in der Lehre und zur Verſtändigung über die practiſchen Fälle zu nichte. Er hatte, um hier noch einmal zurückzugehen, wie oben er⸗ wähnt, einen ſ. g. „Hirtenbrief“ geſchrieben, welchen er im Jahre 1840 zu Beilegung ent⸗ ſtandener Zerwürfniſſe in ſeinen Gemeinden er⸗ laſſen und u. A. auch an die ſächſiſchen Pre⸗ diger zur Beurtheilung zugeſchickt hatte. Dieſe hatten denn auch ihr Urtheil über denſelben ihm zugehen laſſen. Da aber die ſächſiſchen Prediger kurz zuvor durch Gottes Gnade zur Erkenntniß des falſchen, halbpapiſtiſchen Lutherthums ge⸗ kommen waren, zu dem ſie ſich durch den be⸗ kannten Paſtor Stephan aus Dresden hatten verführen laſſen, ſo waren ſie allerdings mehr, als ſonſt der Fall geweſen ſein würde, darüber erſchrocken, in dem „Hirtenbrief“ ganz dieſelben gefährlichen Grundſätze wieder zu finden, die ſie an den Rand geiſtlichen und leiblichen Verder⸗ bens geführt hatten. So brüderlich daher auch die Geſinnung war, mit welcher ſie jenes Urtheil über den „Hirtenbrief“ (im Juli 1843) abgefaßt hatten, ſo entſchieden war jedoch das Zeugniß, was ſie darin gegen die vorgefundene falſche Lehre aus Drang ihres Gewiſſens abgelegt hat⸗ ten. Dieß hatte Herrn P. Grabau ſo ſehr er⸗ bittert, daß er den ſächſiſchen Predigern eine An⸗ tikritik zugeſendet hatte, in welcher er, ohne z. B. ſeine dürr und rund aufgeſtellte Behauptung im Hirtenbriefe, daß erſt durch das Amt die Sacra⸗ mente kräftig und wirkſam würden, und andere grobe Irrthümer zu widerrufen, deren Schrift⸗ und Symbolwidrigkeit die ſächſ. Paſtoren ihm ſauf die ſchonendſte Weiſe nachgewieſen hatten, dieſen vielmehr nicht nur 17 Irrthümer ohne allen Nachweis angeheftet, ſondern ihnen auch u. A. erklärt hatte: „Schließlich verſichere ich Ihnen, daß ich Sie nicht für ſolche lutheriſche Paſtoren erkennen kann, die ſich noch mit Ernſt zu Gottes Wort und zu den Symbolen der Kirche halten.“ (1844.) Im Juni des Jahres 1845 hatten die Paſtoren Grabau, von Rohr, Kinder⸗ mann und Krauſe hierauf ihre erſte Synode gehalten und trotz des in ihren eigenen Gemein⸗ den laut gewordenen und an ſie gebrachten Wunſches, daß auch die Sachſen zu Beilegung des entſtandenen Zwieſpaltes dazu eingeladen werden möchten, dieſen vielmehr ſchon damals gemeldet, daß ſie ſelbige unter den obwaltenden Umſtänden nicht einladen könnten. Noch hatten die Sachſen jetzt gegen Paſtor Grabau und die mit demſelben Einſtimmenden nicht ein Wort veröffentlicht, ſondern die Sache mit Fleiß privatim verhandelt, als Paſtor Grabau die Sache zuerſt in die Oeffentlichkeit zog und die Sachſen in ſeinem erſten Synodalbrief als falſche Lehrer mit offenbarer Verkehrung der von den⸗ ſelben dargelegten reinen Lehre öffentlich brand⸗ markte. Dieſelben unterließen nicht, ſich ſchrift⸗ lich zu rechtfertigen. Da aber der gepflogene Briefwechſel zu keinem günſtigen Reſultate ge⸗ führt hatte, luden ſie, die ſächſiſchen Paſtoren, ſchon im Jahre 1846 Herrn Paſtor Grabau zu einem Geſpräch in Fort Wayne ein, Herr P. Grabau kam nicht, ſich mit den Umſtän⸗ den entſchuldigend, jedoch mit dem Verſprechen, ſpäteſtens im Frühjahr 1847 eine Conferenz mi den ſächſiſchen Paſtoren abzuhalten. Auch die⸗ ſe Zeit verfloß und Herr P. Grabau machte kei⸗ ne Anſtalt zu einer Zuſammenkunft. Ja, ob⸗ gleich ſchon im Januar 1847 ſelbſt der Paſtor und die Vorſteher der zur Buffalo-Synode ge⸗ hörenden Gemeinde zu Kirchhayn im Staatt Wiskonſin Paſtor Grabau im Namen der Ge⸗ meinde dringend baten, eine Synode abzuhalten, zu dem Zweck, „um die zwiſchen den miſſouri⸗ ſchen Predigern und ihnen“ (von der Grabaui⸗ ſchen Fraction) „obſchwebenden Streitigkeiten bei⸗ legen zu können, ſo ſchlug dies dennoch P. Grabau ab und führte dadurch auch in der Kirchhayner Gemeinde eine Spaltung herbei. — In dieſer Zeit wendeten ſich eine Anzahl Lutheraner, ge⸗ weſene Glieder der Gemeinden des Paſtors Krau⸗ ſe, an die ſächſ. Prediger mit der Bitte um ein Gut⸗ achten wegen gewiſſer höchſt gravirender Beſchul⸗ digungen ihres vormaligen Seelſorgers in Be. treff ſeiner Lehre und ſeines Lebens. Da im April 1847 die ſich bildende Synode von Miſſ⸗ ouri ihre erſten Sitzungen in Chicago am Mi⸗ chiganſee halten ſollte, ſo wurde die Sache bis dahin verſchoben und die Herren PP. Grabau und Krauſe eingeladen, dorthin zu kommen und mit den Sachſen über die obſchwebenden Strei⸗ tigkeiten brüderlich zu conferiren, mit Vermel⸗; dung, was jene Lutheraner den ſächſiſchen Pre⸗ digern vorgelegt. Die erſteren erſchie⸗ nenaberauch diesmalnicht, beſtimm⸗ ten vielmehr die ganze von ihnen geleitete Syno⸗ de von Buffalo, als ſich dieſelbe im Juli 1848 zum zweiten Male verſammelte, öffentlich zu er⸗ klären: „daß P. Grabau auf ſolche Einladung und ſolcher Weiſe hinzureiſen nicht befugt gewe⸗ ſen,“ angeblich nehmlich weil nicht alle ſeint Amtsbrüder mit eingeladen worden ſeien, die Verhandlungen alſo ohneZeugen hätten geſche⸗ hen ſollen (, und weil endlich die ſ. g. „Rot⸗ tenprediger“ noch nicht zurückgerufen worden ſei⸗ en. Es war dies außer allem Zweifel nur eint leere unehrliche Ausflucht, da es erſtlich ſich von ſelbſt verſtand, daß, wenn die beiden anderen Prediger, von Rohr und Kindermann, mitge⸗ gekommen wären, die ſächſiſchen Prediger das nur für eine gnſtige Aufnahme ihrer Einladung und für ein freundliches Entgegenkommen ange⸗ ſehen haben würden; es mußte jenen ſelbſt of⸗ fenbar ſein, daß dieſe nur, um nicht unbeſchei⸗ den zu ſein, nicht die Gegenwart aller vier Pa⸗ ſtoren verlangt hatten. Was nun ferner die vorgeſchobenen „Rottenprediger“ betrifft, ſo ver⸗ ſtand man damals den Paſtor Geper und einen gewiſſen Klügel darunter. Erſterer war aller⸗ dings, wie bemerkt, durch Vermittelung der ſächſiſchen Prediger nach Wiskonſin gekommen um Lutheranern zu dienen, welche früher Herr P. Kiudermann proviſoriſch bedient und von de⸗ nen er daher zu weiterer Bedienung eine neut Vocation verlangt hatte; allein dieſe Sendung war, wie gezeigt, in nichts weniger als rottireri⸗ ſcher Weiſe geſchehen, ſondern erſt ſpäter von de