# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 04 18_S66 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) heimliche Reformirte d. i. Irrgläubige und halten die heil. Taufe und Abendmahl auch nur für äußerliche Schalen und Hülsen, ohne Kern und Mark; denn wären sie hierin aufrichtig lutherisch d. i. rechtgläubig und verstünden und lehrten sie diese heil. Gnadenmittel einfältig und ohne Künste nach den Einsetzungsworten des HErrn JEsu Christi, wie sie lauten, so wäre es unmöglich, daß sie nicht gern und willig sich zur evangelisch-lutherischen Kirche bekenneten, da nun einmal dermalen keine andere Kirche von den heil. Sacramenten schriftgemäß glaubt, bekennt und lehrt als die evangelische Kirche, lutherischen Bekenntnisses. — 4) Sie erkühnen sich, die Lehren von der heil. Taufe und Abendmahl als Nebenlehren anzusehen und geben vor, eine Union (Einigung) zwischen Lutheranern und Reformirten sei gar wohl möglich, wenn gleich jene lutherisch (d. i. schriftgemäß), diese dagegen reformirt (d. i. schwärmerisch) von den heil. Sacramenten hielten. Dawider aber ist Folgendes zu sagen: a) Es ist überhaupt menschlicher Vorwitz, in der goldnen Kette der reinen Lehre, diese und jene Glieder für minder wichtig zu achten als andere. Wähnet man, dies und jenes Glied nach menschlichem Dünken und Willkühr herausnehmen zu dürfen, so ist die ganze Kette entzwei, gleich wie auch eine Glocke, die an einer Stelle einen Riß oder Sprung hat, hinfort nirgends mehr rein tönet. Der Apostel Paulus sagt: „ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig“ (Gal. 5, 9.); und daß diese warnenden Worte besonders die Lehre angehen, lehrt der Zusammenhang, gleichwie er auch Gal. 1, 8. den Fluch über sich oder irgend eine andere Creatur ausspricht, die sein Evangelium fälschen oder zu- und abthun würde. Die heil. Sacramente sind aber das göttliche Siegel an dem Gnadenbriefe des Evangeliums. Welcher Mensch darf nun so vermessen und frevelhaft sein, dies Siegel und seine evangelische Umschrift gleichgültig und verächtlich anzusehen, und doch dabei zu heucheln, vor dem Gnadenworte über diesem Siegel habe er großen Respect? b) Es ist nicht wahr, daß die Lehre von der heil. Taufe und Abendmahl Nebenlehren seien. Denn zum ersten machen sie für die Aneignung des Heils in Christo die Hälfte der Heilswahrheit aus, da der heil. Geist nur durch sie und die Predigt des Evangeliums uns Christum und sein Verdienst zueignet; zum andern aber lehret grade die bunte Menge geistlicher Parteigänger und Freibeuter hier in America, die so kläglich und so verderblich an den armen Seelen hantieren, wie wichtig und wesentlich die reine Lehre und Handhabung der heil. Sacramente sei. Denn so uneins diese geistlichen Parteihäupter unter sich sind, so sind sie doch alle darin eins, daß sie z. B. 1) die reine Schriftlehre der luth. Kirche von der heil. Taufe gründlich verachten und hassen und darin 2) das Gesetz ins Evangelium hineinmengen. Was nun das Erste betrifft, so ist es klar und am Tage, daß diese Häuptlinge entweder Zeit und Weise der heil. Taufe zur Hauptsache 66 machen, wie z. B. die Baptisten in allen Aesten und Zweigen, oder sie als leere Form äußerlich stehen lassen, und handhaben, innerlich aber die Bußbank höher achten, und ihre selbsterwählten Menschenfündlein, als da sind: besondere Gebetsweise, einzelne Bußschmerzen und Gnadengefühle u. s. f. gleichsam an die Stelle der heil. Taufe setzen, wie die Methodisten, vereinigten Brüder u. A. Was ist dies aber anders als schändliche und schädliche Einmischung des Gesetzes ins Evangelium zum Verderben der Seelen? Was ist es anders als Trübung und Fälschung des Gnadenbundes Gottes mit dem Menschen in der heil. Taufe? Was ist es anders als die Erzeugung eines krankhaften, schwankenden und ungewissen Gefühlsglaubens und Hinderung des gesunden, festen und gewissen Schrift- und Kirchenglaubens, der sich nach vorausgegangener, gründlicher und aufrichtiger Reue und Buße, Angesichts des Gesetzes, der festen unwandelbaren Gnadenthat Gottes in der heil. Taufe, d. i. in dem Bade der Wiedergeburt kindlich getröstet? Was ist dies anders als Gesetzeskram und Verdunkelung der Gnade Gottes, des Verdienstes Christi und der Gnadenmittel des heil. Geistes im Evangelium und Sacrament, darauf der Mensch mit bußfertigem und gläubigem Sinne feststehen soll, nicht aber auf seinen innern Buß- und Glaubensgefühlen, die heute stark, morgen schwach sind, übermorgen gar nicht gespürt werden und am folgenden Tage gar in Verzagen oder in Sicherheit umschlagen? — Heißt das nicht Gottes Wort verachten und sein Eigenwerk aufrichten? heißt das nicht das Evangelium abthun oder doch abschwächen, das die heil. Taufe einsetzt als That des dreieinigen Gottes, und daneben und dawider den neuen feinen Gesetzeskram der einzelnen Buß- und Glaubensgefühle als eine Art mitwirkenden Verdienstes aufrichten? Wird da nicht der hochwichtige Artikel der Rechtfertigung durch solche gesetztreiberische falsche Heiligung auf das Aergste beschädigt? und werden nicht tausend und aber tausend Seelen um ihren herrlichsten und festen Gnadentrost auf das Schändlichste betrogen und bestohlen und statt dessen in stete Unruhe hineingeworfen, auf das Stück- und Flickwerk ihrer krankhaften Bekehrung gewiesen? Ja wahrlich! wenn man diesen Seelen echte Perlen und Edelsteine wegnähme und ihnen dafür Wachsperlen und geschliffenes Glas gäbe, oder sie, statt sie in den Hafen einzulootsen, draußen auf der unruhigen See ließe, daß sie das Land zwar sähen, aber nicht landen könnten — das wäre ein Geringes dagegen. — Und die Lehre von den heil. Sacramenten, deren Verkennung und Verachtung all dies Elend über so viele Seelen herüber führt, sollte eine Nebenlehre sein? c) Es ist eine wahre Einigung (Union) zwischen Lutheranern und Reformirten nur dann möglich, wenn diese letzteren ihren stolzen Vernunftdünkel von den heil. Sacramenten und Anderem, was damit zusammenhängt, fahren lassen, die Einsetzungsworte einfältig und gläubig annehmen, wie sie lauten, und damit in die Schrift- und ursprüngliche Kirchenlehre, wie sie die luth. Kirche hat und festhält, eingehen. Dann wäre allerdings eine wahre evangelische Kirche vorhanden und bedürfte keines weitern Zunamens. Wir Lutheraner wollten dann gern und fröhlich das Beiwort: lutherisch fahren lassen; und sicherlich freute sich der theure Mann Gottes Dr. M. Luther selber darüber im Himmel, wenn er aus der triumphirenden auf die kämpfende Kirche hernieder schauen kann. — Die Sache liegt aber dermalen ganz anders. Denn noch halten die Reformirten ihre Kopfschwärmerei über die heil. Taufe und Abendmahl hartnäckig fest; und so uneins Zwingli und Calvin hierüber in anderer Beziehung sind, so sind sie doch darin eins, daß im Wasser, Brot und Weine durch das Wort Gottes kein himmlisches Gut mitgetheilt und empfangen werde. — Wie ist nun da, um anderweitiger Einigkeit der Lehre willen, zwischen Lutheranern und Reformirten eine wahre Union aus lauterem und aufrichtigem Herzen und mit unverletztem Gewissen, Beides gegen Gott und gegen Menschen, möglich? Im Gegentheil ist diese jetzige Union und die Gesinnung der heutigen sogenannten Evangelischen, eine mehrfache Verletzung von Herz und Gewissen, zumal lutherischer Seits, und wir bitten unsere lieben lutherischen Glaubensgenossen nah und fern, das Folgende aufmerksam zu lesen und ernstlich zu bedenken. Zum Ersten ist „das Vorbild der heilsamen Worte“ (2 Tim. 1, 13.) d. i. die reine Heilslehre zur Seelen Seligkeit nicht unser selbständiges Eigenthum, daß wir könnten nach Belieben damit schalten und walten und unsers Gefallens zu- und abthun, dies Stück für wichtig und jenes für unwichtig halten, sondern diese lautere Heilswahrheit ist uns in allen Stücken von Gott vertrauet in seinem Worte; dessen Eigenthum ist sie; wir dagegen sollen treue Haushalter und Verwalter dieses Gnadenschatzes sein. Dies geschieht aber, wenn wir diese Heilslehre des Wortes Gottes in Predigt und Sacrament bußfertig und gläubig annehmen, sodann aber sie auch, jeder nach seinem Beruf, nach Außen mündlich und schriftlich bezeugen und behaupten, bewahren und fortpflanzen, als die „Regel und gleiche Gesinnung,“ von welcher der Apostel Phil. 3, 16. handelt. Wie dürften wir hier nun, gegen Gottes klares Wort, dem Gegenlehrer auch nur in einem Stücke dieser Heilslehre weichen und um äußerlicher Gemeinschaft und Einigkeit willen die Wahrheit daran geben und eine irrige Deutung dieses Stücks uns gefallen lassen? Was würden wir von einem Diener sagen, der von seines Herrn Besitzthum, gegen dessen Willen etwas verschenkte? oder der ruhig zusähe, wenn man ihm seines Herrn Gold wegnähme und Messing dafür hinlegte? Wäre er nicht jedenfalls ein Dieb? (s. Luc. 16, 10.) Heißt es nicht: „Wir können nichts wider, sondern für die Wahrheit,“ gehe es uns auch darüber, wie es Gott gefällt? Sollen wir nicht schon für die rechte Bewahrung der christlichen Freiheit Gut und Blut daransetzen, d. i. daß wir durch