# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 06 22_S177 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) x . — daß die Ordination, als die Ausſonderung und Beſtimmung zum Lehramte im Allgemeinen, das zu erſt Heraustretende, die Vocation hingegen, als Deſtination (Hinweiſung), zu ei⸗ nem beſtimmten Amtskreiſe, das Zweite iſt. „So hat es denn Herr Dr. R. hiermit deutlich ausgeſprochen, daß die Lehre der röm. Kirche von der Schaffung eines Standes gewiſſer geiſt⸗ licher Perſonen oder Prieſter durch die Ordina⸗ tion, aus denen die zu Berufenden zu nehmen ſind, auch die ſeinige ſei, allein mit dem Unter— ſchied, daß Dr. R. nicht zum Opfern für Leben⸗ dize und Todte ordinirt haben will. Sodann heißt es in dem Rudelbachſchen Auf— ſat weiter: „Neben der Auffaſſung Luthers bildete ſich ein anderer Typus in der Kirche, der auf vielfache Weiſe ſich dasjenige aneignete, was wirallein für die ſachgemäße darſtellung halten können“ *3). Wie ſchwach nun Dr. Nudelbach's Beweisfüh⸗ der luth. Kirche eine andere Lehrweiſe über Ordination neben der Luther's gebildet habe, übergchen wir hier. Die Beweisführung ſieht anderen Arbeiten dieſes großen Theologen kaum ähnlich, auf ſo ſchwachen Füßen ruht ſie. Muß doch der redliche Mann ſelbſt geſtehen, daß bei tinerlutheriſchen Ordination nach faſt allen Liturgicen immer die beſtimmte Pfarrſtelle mit Namen genannt wird, zu deren Verwaltung der zu Ordinirende berufen worden ſei, als wel— ches Berufes Beſtätigung daher die Ordination dadurch immer dargeſtellt wird. Wie weit ſich aber Dr. Rudelbach von der Lehre unſerer Kirche bereits verirrt hat, geht am klarſten endlich daraus hervor, daß er die be— lanntlich halbpapiſtiſche Lehre der Episkopalkirche von dem Weſen der Or⸗ dination unbedingt für die ſeinige erklärt! Er ſchreibt: „Am klarſten unter allen hat, wie wit meinen, die Anglikaniſche (Episkopal-) die darauf bezügliche liturgiſche Kirchenpraxis feſtgeſtel. Sie ordinirt bekanntlich nicht unter Verausſetzung eines beſtimmten Amtes“ (einer beſtimmten Pfarrei), „ſondern zum Kir⸗ benamte ſelbſt. Die Biſchöfe werden zum Bi— ſchofs⸗, die Presbyter zum Presbyter- Amte, die Diakonen zum Diakonate ordi⸗ nitt. Die engliſche Kirche hatte nicht blos den Muth, die Beſtimmung des Chalcedonenſiſchen Concils als bloßes menſchliches Herkommen zu verwerfen, ſondern Einſicht und Tüchtigkeit genug, dieſen Schritt und ihren ganzen Begriffdes Weſens der Ordination zu vertheidigen. Dies iſt unter andern von Richard Hooker“ (einem gelehrten Epis— lepalprediger, geſtorben im J. 1600) „in ſei⸗ nem, noch immer und mit Recht als die „ lütheriſchen Kirche, ſondern einer noch zu ſuchenden (noch rechigläubigeren 2), aber bereits in den Gedanken der gegen⸗ wärtigen Theologen lebenden abſtrahirten Kirche gem äß. D. R. D. L. ) Hierbei darf nicht vergeſſen werden, daß Dr. Rudel⸗ bach ehrlich genug geweſen iſt, einzugeſtehen, daß Luther's Lehrt in die ſem Beireff auch die unſerer Symbolt iſt. D. R. d. L. mug hiefür ausgefallen iſt, daß ſich wirklich in Kirche das Weſen der Ordination aufgefaßt und —17⁵5— erſte elaſſiſche Autorität für Kir⸗ chenverfaſſungsfragen angeſehenen Werk: „the laws of ecclesiastical policy“ ge⸗ ſchehen. Und da das Ganze überhaupt zum Trefflichſten gehört, was über den Grundbegriff der Ordination geäußert iſt, ſo trage ich kein Bedenken, das Weſentliche ſeiner Beweisführung zu wiederholen. Hooker legt Upſalaer Coneil im J. 1593: „Die Mißbräuche ſeien jetzt ſo hoch geſtiegen, daß man in Aller Munde das ärgerliche Sprüchwort hörte: „„Wenn man auf einen Buſch ſchlägt, kriechen gleich neun Prieſter hervor!““ — — So beklagenswerth es nun iſt. daß es hiernach Herr Dr. Rudelbach ſelbſt öffentlich kund gethan hat, daß er nicht mehr zu den Theologen vom Anfange großes Gewicht darauf, daß das gerechnet ſein will, die ſich ohne Rückhalt und ganze Parochialverhältniß und der Begriff der Einſchränkung zu der ganzen in den Bekennt⸗ Parochie“ (einer abgegrenzten Pfarrei, für wel- niſſen unſerer Kirche niedergelegten Lehre beken⸗ che Jemand berufen und ordinirt iſt) „im Apo⸗ ſtoliſchen Zeitalter durchaus keine Stelle hat(?), wodurch denn der Irrthum derer, die die Be⸗ hauptung aufſtellen, ein Kirchendiener müſſe durchaus an eine gewiſſe Parochie gebunden ſein, ſofort getroffen iſt. „„Die Presbyter, ſagt er, und Diakonen werden durch die Ordination nicht zu einem beſtimmten Pfarramte, ſon⸗ dern zu Funktionen““ (d. h. um gewiſſe Amtshandlungen verrichten zu können) „„ge⸗ weiht.““ So wie Hooker durch dieſe letztere Beſtimmung einen Wink giebt, wie er den „„Charakter““ der Ordination auffaßt, ſo faßt er nun weiterhin das Ganze in folgenden Hauptpunkten zuſammen. „„Es iſt, ſagt er, von der größten Wichtigkeit, 1. genau zwiſchen dem Weſen des Kirchenamtes und dem Ge⸗ brauch, der Ausübung deſſelben zu unter⸗ ſcheiden; “) 2. anzuerkennen, daß die eine wahre und eigenthümliche Handlung der Ordination darin beſteht, Perſonen mit der Macht zu beklei⸗ den, welche ſie zu Kirchendienern macht, durch die Einweihung ſolcher Perſon zum Dienſte Gottes in heiligen Werken für ihre Lebenszeit, es ſei, daß ſie dieſe Machtausüben, oder nicht; 1) 3. daß die Uebertragung eines Pfarramtes an dieſelben, in welchen ſie ihr““ (durch die Ordination bereits erhaltenes) „„Kir— chenamt ausüben können, nur die Anſtellung der““ (ſchon vorher durch die Ordination gemachten) „„Diener Gottes betrifft.“ Anhangsweiſe erwähnt Dr. Rudelbach noch in Betreff der ſchwed iſchen Kirche, daß in derſel⸗ ben in gewiſſen Zeitperioden Viele, ſobald ſie ihre theologiſchen Studien vollendet hatten, a b— ſolut d. h. ohne Rückſicht auf eine ergangene Vocation ordinirt worden ſeien. Es wird aber auch von dem Schreiber ſelbſt gemeldet, daß hier— aus große Uebelſtände hervorgegangen ſind. So erklärte der Profeſſor und Dompropſt Nicolaus Bothnienſis von Upſala auf dem berühmten ) Hiermit tritt der Episkopale ſchnurſtracks der Lehre der luth. Kirche von dem Predigtamte als einem Amt des Dienſtes, als einem ministerium, entgegen. Vergl. die Zeugniſſe zur vierten Theſis des zweiten Theils von: „Die Stimme unſerer Kirche.“ D. R. d. L. 7 Durch dieſen Satz, wie durch die ſchon oben erwähnte, von Dr. Rudelbach adoptir te Lehre, daß die Ordination der Vocation vorausgehen und daß erſt durch die Ordination eine Schaar von geweihten Perſonen geſchaffen und dann aus die ſer Schaar allein Perſonen zu den beſtimmten Aemtern genommen und berufen werden müßten, iſt die ganze Lehre der Papiſten von einem Prieſter ſtannd, in den man zuerſt aufgenommen werden müſſe, um hernach auch ein Pfarramt v erlangen zu können, wieder aufgenommen. Welcher treuer Lutheraner erſchrickt nicht, daß ſelbſt einem Rudelbach ſeine Conſequenz zu einem ſolchen Ergebniß führen konnte?! D. R. d. L. nen, ſo iſt doch Gott zu preiſen, daß dieſer theure Mann, von dem vielleicht alle bedeutenderen Theologen unſerer Kirche gelernt haben, ſich ſeine ſtets bewieſene Geradheit und Aufrichtigkeit be— wahrt und es daher verſchmäht hat, durch un⸗ redliche Auslegungskünſte den Sinn unſerer Symbole zu verdrehen, ſeine Anſichten hineinzu⸗ deuten und ſo nur immer größere Verwirrung anzurichten. ——— —————..— Berichtigung. In der 20.Nummer wird in einer Einſen⸗ dung, die wir leider! im Geſchäftsdrang vorher nicht durchgeſehen hatten, ausgeſprochen, daß das Gebet zu den Mitteln der Gnade gehöre. Es iſt dies durchaus wider allen kirchlichen Sprach⸗ gebrauch. Mittel der Gnade ſind nur ſolche Mittel, durch welche entweder Gott uns ſeine Gnade anbietet, überreicht und verſiegelt, und das iſt allein das Wort und die heiligen Sacramente, oder ſolche, durch welche wir uns dieſe Gnade aneignen, und das iſt allein der Glaube. Unſere Theologen reden zwar auch von Mitteln des Heils in einem weiteren Sinne, aber dann verſtehen ſie darunter den Tod, die Auferſtehung und das Ende der Welt, als ſolche Mittel nehmlich, durch welche der Menſch in das volle Heil eingeführt wird, oder als Be⸗ dingungen, ohne welche ein Eingang in die Herr⸗ lichkeit nicht möglich iſt. Das Gebet kann daher in keiner von dieſen beiden Bedeutungen ein Gnadenmittel genannt werden. m Erbalten a. zur Synodal⸗-Caſſe: von Hrn. Paſt. Werfelmann —— „61 0⁰ von deſſen Gemeinde in Auglaize Co. O. — 256 von der Gemeinde des Hru. Paſi. Detzer in Fult on Eo. O. „„q¶207 b. Zur Spnodal-Miſſions⸗Caſſe: von der Gemeinde des Hrn. Paſt. Fick in Bremen Mo. 25 van der Bemeinde zu St. Louis — „14 5⁰ Zum Landankau für die luth. Indianer in Michigan: von einemUnbekannten in der 115 Dr. Einigke. Kirche aufgelent — — 2 von der Gemeinde des Hrn. paſt. Link zu NeuBiele⸗ ſeld, St. Louis Co. Mo. — „ 3⁵ von N. N. durch Hrn. Paſt. Albachh 3 0⁰ von Hrn. Gottfr. Züngler durch Hrn. Paſl. Ciofeld 1 0⁰ von Hrn. Conrad Eckert bei St. Louis 5⁰0 von Hrn. Ed. Bertram daſ. — 4 00⁰ von Hrn. Adolf Hermann — 1 0⁰ von Hrn. Dr. A. Haynel in Baltmore durch dmm. Prof. Bie wend — 10 0⁰ c. zum Unterhalt bes Concordia⸗ College: von Hrn. Paſt. Werfelmann u. deſſen Gemeinde in Auglaize Co. O. —g℔e 144 d. für arme Studenten und Schüler im Concordia-College und . von Hrn. Paſt. Hatiſtädt in Monroe, Mich. —