# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 06 22_S174 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) gläubige Gemeinde ſich gründet und in deſſen Glauben ſie die Aemter erfüllt, nicht Wort des Gebotes und Geſetzes, ſondern Wort der Gnade und Verheißung iſt, ſo ſetzt die Kirche die Ord⸗ nung, in welcher ſie das, was des Amtes iſt, es heiße, wie es wolle, darreicht, nicht als ge⸗ ſetzlichen Zwang und Gebot, ſondern als Darbietung an denfreien und un⸗ gezwungenen Glauben der Gemein⸗ de. v. 17. Dies ſind die Grundzüge der Lehre von Kirche und Amt, wie ſie in der Gemein⸗ de der Gläubigen gilt und eine gläubige Gemeinde oder Kirche, ein chriſtlich heilig Volk, zur Vorausſetzung hat. §. 18. Nach dem Vorbild der Ordnung der gläubigen Gemeinde richtet nun auch mit Recht „die äußere Chriſtenheit“, — die Gemeinſchaſt der kirchlichen Zeichen oder die ſichtbare Kirche ihre Ordnung ein; nur daß hiebei viel Schwach⸗ heit und Fehl, Sünde und Schande, Rotten u. Aergerniß mit unterlaufen kann (ſ. zu Satz 8.). Dies Leidweſen darf die Gläubigen nicht be⸗ ſtimmen, von einer Kirche, die noch Wort und Sacrament lauter hat, zu ſcheiden, ſondern muß da erſt recht geblieben, gekämpft und geſtritten werden, bis der Herr der Kirche Sieg giebt. Dies die Harleß'ſchen Theſen. Es mag ſein. daß dieſe Theſen manche unbeantwortet bleibende Fragen hervorrufen. Wir müſſen deßwegen nochmals auf die beigegebenen Zeugniſſe aus Luther's Schriften verweiſen, in denen ſich die weitere Ausführung findet und nach deren auf⸗ merkſamer Vergleichung dem Leſer ſchwerlich eine ſich ihm aufdrängende, die Sache unmittelbar betreffende Frage unbeantwortet bleiben wird. — — Leicht- und Schattenſeiten der lutheriſchen Kirche in Deutſchland. Wenn wir hier vorerſt davon Nachricht geben wollen, daß jetzt in der lutheriſchen Kirche un⸗ ſerer allen Heimath bei allem Jammer unſerer Zeit mehr und mehr Lichtſeiten hervortre⸗ ten, ſo gehen wir keinesweges von dem Grund⸗ ſatze gewiſſer hieſiger Theologen aus, daß Friede und Verträglichkeit unter den Theologen in Abſicht auf Lehrdifferenzen eine Lichtſeite einer Kirche ſei. Vielmehr rechnen wir gerade dies mit zu den mehr und mehr hervortretenden Licht⸗ ſeiten der vaterländiſchen Kirche, daß eben jener Friede, jene Verträglichkeit, jene Scheu vor ei⸗ nem Kampfe, der der Gemächlichkeit und der Traulichkeit des Zuſammenlebens, Eſſens und Trinkens ſtörend entgegen tritt, auch drüben faſt allenthalben zu ſchwinden beginnt. Als die ſchönſte Lichtſeite erſcheint uns aber dies, daß man in Deutſchland jetzt mehr und mehr zu der Einſicht kommt, wie man gerade von Seiten der⸗ jenigen, welche bisher für die Vertreter der lu⸗ theriſchen Rechtgläubigkeit gegolten haben, all⸗ mählig das Vorbild der alten lutheriſchen Lehre verläßt und ſeine Richtung nach Rom nimmt, und daß man nun dagegen in die Schranken tritt und, unangeſehen welche hohe Auktoritäten 4 der Gegenwart dadurch angegriffen werden, für das gefährdete theure Erbe der Väter immer ent⸗ ſchiedener kämpft. Der Zeugniſſe hiefür, die uns mit den neue⸗ ſten verſchiedenen deutſchen Zeitſchriften allmo⸗ natlich in die Hände kommen, ſind ſo viele, daß wir uns damit begnügen müſſen, nur dann und wann Ein ſolches unſeren Leſern mitzutheilen. Diesmal zu nächſt das Zeugniß eines Lauenbur⸗ ger Theologen, Namens A. Brömel. Der⸗ ſelbe hat nehmlich in dem zweiten diesjährigen Ouartalheft der Rudelbach⸗Guerick'ſchen Zeit⸗ ſchrift einen Aufſatz unter der Ueberſchrift: „Die unſichtbare iſt die rechte Kir⸗ ch e, veröffentlicht, aus welchem wir unſeren Leſern einige Auszüge mittheilen wollen. Aufſatz redet zwar nur von Schattenſeiten der lutheriſchen Kirche Deutſchlands, gehört aber ſelbſt zu den Lichtſeiten derſelben, daher wir mit demſelben beide ſchön beiſammen haben. Im Eingange des Aufſatzes klagt und tröſtet zugleich der Schreiber darüber, daß die Theolo⸗ gen Deutſchlands über die Frage, was die Kirche ſei, in Zwieſpalt gerathen ſind. Daß man ſich auch auf der letzten Leipziger Conferenz darüber nicht habe einigen können, deßwegen will er auf dieſe Conferenz keinen „ganz beſondern Schatten fallen laſſen,“ denn „die Männer, ſagt er ganz richtig, die in Leipzig redeten, ſeien ja gerade dieſelben, die ſie in ihrer Heimath ſind, wo es allenthalben immer „plötzlich zu Tage trete, daß der Grund aller Differenzen die Lehre von der Kirche iſt.“ Brömel gibt daher den Rath, „die Conferenz jetzt lieber ganz auszuſetzen,“ da durch Hin und her reden die Sache doch nicht ausgemacht werde, u. fährt nun folgendermaßen fort: „Unlutheriſche An⸗ ſchanungen von der Kirche werden immer un⸗ lutheriſche Anſichten vom Amte in der Kirche mit ſich führen, ſo wie wer von der Kirche recht *) Prof. Dr. Guericke macht hierzu die Bemerkung: »„daß eine Conferenz, welche ſo, wie jüngſt laut Protokolls geſchehen, die amerikaniſche Frage gerichtet hat, ſchon dadurch ſich ſelbſt des ökumeniſch lutheriſchen Charaeters ent⸗ kleidet und ſich die frühere unter eines Rudelbach und Harleß Präſidium kirchenhiſtoriſch ökumeniſch lutheriſche Bedeutung als einer „„großen,'“' genommen, ihr ferneres Halten oder Nichthalten alſo — da freiere (d. h. überall und beſonders in der Lehre von Der Kirche wirklich ſymboliſche) Lutheraner ſie doch hin fort ignoriren — ſelbſt indifferenzirt' (d. h. gleich⸗ gültig gemacht) „hat. — Uebrigens urtheilt nicht nur Prof. Dr. Guericke, der von manchen für Partheimann angeſehen werden dürfte, ſo von der Leipziger Conferenz. Aehnliche Stimmen ſind über dieſelbe bald nach der letzten Abhaltung derſelben in den verſchier enſten Theilen von Deut ſchland laut geworden. So hatte u. A. der Herausgeber des „Kirchen⸗ blattes für die ev.⸗luth. Gemeinde des Herzogthums Braun- ſchweig, L. Wolff, ſchon in der diesjährigen Februar⸗ Nummer Folgendes geſchrieben: „Wir glauben nicht zu viel zu behaupten, wenn wir ſagen: Die Leipziger Conferenz hat den ökumeniſch luth. Character, der ihr in den erſten Jahren innewohnte, verloren. Nicht wenig pflegt zur Störung eines gedeihlichen Verlaufs ſolcher Conferenzen beizutragen, wenn ſie mit der Zuſtimmung der Mitglieder zu formulirten, ins Allgemeine hinausgehenden Theorematen (Lehrbeſtimmun⸗ gen) endigen ſollen. Schließlich wird das wahre Ergebniß der Verhandlung durch Vereinigung über abſichtlich halbdeut⸗ lich gehaltne Sätze verſchattet. Und was iſt mit dem allſeitig halb-unwilligen Ausſpruche und der unbefriedigten Zuſtim⸗ mung gewonnen? Eigentlich nichts, als ein Gewiſſensdruck, 0 * das nicht gethan hat, was man eigentlich hätte 0 en. * * geſprochen hätte! Der ſetzt: die ſichtbare, denkt, auch recht denken wird von dem Amte in der Kirche und ihrer Verfaſſung.. Suchen wir aber über die Kirche uns zu verſtändigen, ſo müſſen wir erſt bemerken: neue Gedanken, neue wiſſenſchaftlicheUnterſuchungen mit neuen Reſultaten (Ergebniſſen) müſſen hier falſch ſein. Was wäre das auch für eine Kirche, die über ſich ſelbſt Jahrhunderte lang falſch gelehrt hätte! Und was wäre heut von dem Verſuche, die Kirche beſſer zu verſtehen, zu erwarten, wo ſie, aus tauſend Wunden blutend, erſt allmählig wieder zur Beſinnung kömmt, nachdem ſie in den Tagen ihrer Kraft ſich vergeblich darüber aus⸗ Wir müſſen bleiben bei dem, was die Symbole lehren. Man braucht in die⸗ ſer Sache nur hinter ſich zu ſehen, die beiden einzig folgerechten Moinungen über die Kirche ſind ausgeſprochen und ſattſam auseinander ge⸗ Rom nennt in ſeinen Bekenntniſſen nur die lutheriſche Kirche nennt nur die unſichtbare die eigentliche u. rechte Kirche. Was heut zu Tage zwiſchen den alten Beſtimmungen als neu und angeblich tie⸗ fer bereits erfunden iſt oder noch erfunden wer⸗ den wird, das gehört einer der geſchichtlich ſchon ausgeſprochenen Folgerungen an. Das aber muß vorab gleich bemerkt werden: die luth. Kirche hat es nie geleugnet, daß die Kirche auch eine ſichtbare Geſtalt habe. Darüber iſt kein Streit. Nur legt die luth. Kirche nicht auf ihre Sichtbarkeit den Nachdruck — ſee lehrt: die ei⸗ gentliche Kirche iſt die unſichtbare.“ „Es geht nun unter uns eine Definition (Erklärung) von Kirche umher, die es offen aus⸗ ſpricht, daß ſie nicht mit den ſymboliſchen Feſt⸗ ſtellungen fertig werden könne.. Wie kömmt es nun, daß man heut zu Tage zu ſolchen ent⸗ gegengeſetzten Anſichten kömmt? Die Erklärung liegt nahe. Die Alten waren mit der Kirche in statu confessionis (ſie wurden von den Feinden gedrungen, ihr Bekenntniß zu thun), ſie waren mit ganzer Seele dabei, ſeufzend und kämpfend, bildend und forſchend ſuchten ſie nicht die Kircht überhaupt, ſondern die rechte Kirche. Ueber⸗ all in den Bekenntnißſchriften iſt daher nicht von der Kirche überhaupt die Rede, ſondern von der rechten Kirche. Unter den Neueren, die oft we⸗ niger in statu confessionis als vielmehr in sta- tu professionis ſich befinden (d. h. ſie wollen ſich als gelehrte Profeſſoren in ihrer Studirſtube ausſinnen, was die Kirche ſei), wird nicht die rechte Kirche geſucht, ſondern die Kirche über⸗ haupt. Wie man fragt: was iſt Staat? oder wie weiland die Philoſophen frugen; was iſt Gott? ſo fragt man jetzt: was iſt die Kirche? Aber ſo kann man ſehr viel über die Kirche dis⸗ putiren und erfährt es doch nicht, was ſie iſt. Was iſt die wahre Kirche, dieſe Frage iſt Gott und Menſchen wohlgefällig. Und von dieſer rechten Kirche reden, wie eben bemerkt worden iſt, die Bekenntnißſchriften. Im 7. Artikel der Augsb. Confeſſion wird gelehrt, daß allezeit müſ⸗ ſe eine heilige, chriſtliche Kirche ſein und bleiben, alſo nicht überhaupt eine Kirche, ſondern eine heilige, chriſtliche Kirche, und zwar iſt ddieſe nicht die große, geiſtig unverhundene Maſſe