# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 04 04_S64 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Gottes Barmherzigkeit verzweifelnd, sich in allen Schanden und Lastern herumwälzte, und zuletzt sogar das Haupt einer Bande von Straßenräubern ward, unter denen er sich bald wie an Macht und Ansehen, so auch an Grausamkeit und Tyrannei auszeichnete. Einige Zeit nachher besuchte der Apostel Johannes jenen Ort wieder und, nach Vollendung seiner andern Geschäfte, forderte er von dem Bischof das Pfand zurück, welches er seinen Händen anvertraut hätte. Dieser verwundert sich, als verstünde er nicht, was Johannes meine. „Ich meine, antwortete der Apostel mit heiligem Ernst, den Jüngling, den ich dir anvertraute, und will nun wissen, wie es um meines Bruders Seele stehe." Da ward der alte Greis traurig und sagte mit Thränen: „Ach! er ist todt." — „Und welches Todes ist er gestorben?" fragte der heil. Apostel wieder. „Ach! er ist Gott gestorben, und also ein geistlich Todter," antwortete der Bischof; denn er ist leider ein gottloser Bösewicht geworden; anstatt daß er hätte sollen zum Hause Gottes gehen, hat er sich mit seinen Gesellen hinauf aufs Gebirge begeben und übt Raub und Mord." Als das der heil. Apostel hörte, zerriß er seine Kleider und bejammerte die Seele seines Bruders, die der Bischof übel in Acht genommen hatte, ließ sich auf der Stelle ein Pferd und einen Boten geben und ritt eilig nach dem Gebirge zu. Hier angelangt wurde er von den Vorposten der Räuber gefangen genommen; er aber begehrte zu ihrem Hauptmann geführt zu werden. Dieser stand bewaffnet in einiger Entfernung und in dem Augenblicke, da er den heiligen Johannes wieder erkannte und ihn gerades Wegs auf sich zukommen sah, ergriff Scham und Bestürzung den wilden Räuber, so daß er eilig floh, um ihm aus den Augen zu kommen. Der Apostel, ungeachtet er sehr alt und schwach war, verfolgte ihn so schnell er konnte; da aber die Füße des Greises den raschen Jüngling nicht einzuholen vermochten, rief er ihm mit beweglichen Worten zu: „O mein Sohn, warum fliehest du doch vor deinem alten wehrlosen Vater? Erbarme dich doch meiner und fürchte dich nicht, es ist noch Hoffnung deines Heils vorhanden. Ich will Christum für dich bitten, ja wenn es nöthig wäre, bin ich gern bereit auch selbst den Tod für dich zu leiden und mein Leben niederzulegen, damit ich nur das deine erhalten möge. Ach! stehe doch nur stille, und glaube mir, denn ich bin von Christo hieher gesandt." Da blieb der Jüngling stehen und warf voller Scham, die Augen zur Erde gesenkt, seine Waffen von sich, zitterte und bebte und zerfloß in Thränen. Mit zerbrochenem Herzen umarmte er den greisen Apostel und weinte so sehr an seinem Halse, als wollte er ihn mit seinen Thränen taufen. Der heilige Johannes versicherte ihn, daß er Gnade bei Christo hätte, und nachdem er mit ihm gefastet, für ihn gebetet und sein zerknirschtes Gemüth durch viele trostreiche Zusprüche erquickt hatte, brachte er ihn mit sich zurück und schenkte ihn der Kirche wieder. — Während wir aus diesem Beispiel die treue Liebe und schonende Milde des Apostels gegen die Gefallenen erkennen, so leuchtet hingegen aus einem andern Beispiel sein strafender Ernst gegen verderbliche Irrlehrer hervor; wie Polycarpus, der Schüler des Johannes, dem Irenäus mit eignem Munde erzählt hat. (Iren. adv. haer. III, 3.) Johannes wollte einst mit einigen seiner Freunde zu Ephesus in ein öffentliches Bad gehen, und da er von dem außenstehenden Aufwärter hörte, daß sich Cerinthus im Bade befände, erschrak er heftig, und wollte vor Abscheu gegen diesen Irrlehrer nicht hineingehen. Er nahm auf der Stelle seinen Rückweg und sprach zu seinen Gefährten: „Ach! lieben Brüder, lasset uns ja schleunig wegeilen von diesem Orte, damit nicht etwa die Badstube, worin sich ein so abscheulicher Ketzer, ein so großer Feind der Wahrheit, als Cerinthus ist, befindet, über unsern Häuptern zusammenstürze. — Wäre dies nicht der heilige Johannes, der Apostel der Liebe, selbst gewesen, sondern ein Luther oder sonstiger Streiter JEsu Christi, so würden unsere Herren Evangelischen und Andere ihres Gleichen, welche nur Frieden suchen, wenn es auch die Wahrheit kostet, mit Verdruß und Unwillen ausrufen: O, wie unwürdig ist ein solches Betragen gegen Andersdenkende, wie unwürdig eines Dieners Christi! welche Unduldsamkeit! welche Lieblosigkeit! Man sieht aber aus diesem Exempel, wie die wahre Liebe den Irrthum und die Lügen hasset. Vergl. 1 Cor. 13, 6. Sch. Papistische Fastentragödie. Als in Siebenbürgen in der Zeit Königs Johannes (1527) ein lutherisch gesinnter Prediger das Fleischessen in der Fastenzeit für eine erlaubte Sache erklärt hatte, wurde derselbe deswegen im Gefängniß vom Henker vom Morgen bis an den Abend mit Ruthen gestrichen, und hernach mit Hasen, Gänsen und lebendigen Hühnern behängt, also durch die Gassen geführt und von Hunden, die man auf ihn hetzte, jämmerlich zerfleischt. — Siehe: Walchs Geschichte der ev.-luth. Religion. S. 569.) So bestrafen die Papisten die Uebertretung ihrer heuchlerischen Menschengebote da, wo sie die Macht dazu haben. Lehre und Leben. (Siehe: Luthers Auslegung des Br. an die Gal. 5, 10.) Wir halten dieser Zeit für verbannet und verdammet alle die, so da sagen, daß der Artikel vom Sacrament des Leibes und Blutes unseres HErrn JEsu Christi ungewiß sei, oder die den Worten Christi im Abendmahl Gewalt thun. Denn wir wollen kurzum alle Artikel der christlichen Lehre, sie seien groß oder klein, (wiewohl uns keiner klein und gering ist) ganz rein und gewiß haben und darin nicht einen Titel nachlassen. Und das muß auch sein. Denn die Lehre ist unser einiges Licht, das uns leuchtet und führt, und den Weg gen Himmel weiset; wenn wir uns dieselbe in einem Stück schwächen und matt machen lassen, ist es gewiß, daß sie ganz kraftlos wird; versehen wir es hierin, wird uns die Liebe nichts helfen. Wir können ohne der Sacramentirer Liebe und Einigkeit wohl selig werden, das kann aber nicht geschehen ohne die reine Lehre und Glauben. Darum wollen wir gern Liebe und Einigkeit haben mit denen, so mit uns christlich und gütlich in allen Artikeln der christlichen Lehre halten und glauben; ja wir wollen, so viel an uns ist, auch mit unsern Feinden Friede halten, wollen für sie bitten, so da unsre Lehre unwissentlich lästern, und verfolgen, aber für die nicht, so da wissentlich wider ihr eignes Gewissen einen oder mehr Artikel der christlichen Lehre anfechten. Man muß die Lehre fleißig vom Leben scheiden. Die Lehre ist der Himmel, das Leben die Erde. Im Leben ist Sünde, Irrthum, Uneinigkeit, eitel Mühe und Arbeit; da soll die Liebe überhören und übersehen, soll sich leiden, da soll die Vergebung der Sünden regieren und walten, so ferne doch, daß man solche Sünde und Irrthum nicht vertheidigen wolle. Aber mit der Lehre ist es viel ein ander Ding; denn sie ist heilig, rein, lauter, himmlisch, göttlich. Wer die ändern oder fälschen will, gegen den ist weder Liebe noch Barmherzigkeit zu beweisen; darum bedarf sie auch keiner Vergebung der Sünden. Darum taugt es gar nicht, daß man Lehre und Leben miteinander vergleichen will; denn an einem Buchstaben, ja an einem einigen Titel der Schrift ist mehr und größer gelegen, denn an Himmel und Erde. Darum können wir es nicht leiden, daß man sie auch in dem allergeringsten verrücken wollte. Was aber betrifft die Gebrechen und Fehler am Leben, da können wir wohl zu gut halten und übersehen. Denn wir sind auch arme Menschen, so täglich straucheln und sündigen; ja, alle lieben Heiligen bekennen mit großem Ernst im Vater Unser, daß sie Sünder sind und glauben Vergebung der Sünde. Aber unsere Lehre ist von Gottes Gnaden rein; so ist kein Artikel unseres Glaubens, deß wir nicht guten beständigen Grund in der heil. Schrift haben; dieselben wollte uns der Teufel gern besudeln und verkehren. Darum greift er uns so tückisch an mit diesem Argument, daß er uns durch die Secten Schuld gibt, wir halten nicht Friede, sondern sind zänkisch und zerreißen die Einigkeit und Liebe in der Kirche oder Christenheit. Ein Christ muß auch Undank ertragen lernen. „Wer ein Christ will sein, der lerne, daß er sich deß erwege, daß er mit aller seiner Wohlthat, Treu und Dienst nicht allenthalben werde Dank verdienen, sondern müsse auch Undankbarkeit leiden. Davor aber soll er mit Fleiß sich hüten, daß er sich damit wollte bewegen lassen, und andern nicht mehr dienen noch helfen. Denn das ist eine christliche Tugend und eine rechte Frucht des Glaubens, wenn du dein Bestes gethan hast und man dir dagegen in die Hände schmeißet, du Geduld habest und sagest: Nein, damit sollst du mich nicht erzürnen noch unlustig machen; ich will es leiden, und dennoch helfen wo ich kann. Willst du undankbar sein? ich weiß einen über uns im Himmel, der wird mir an deiner statt danken; das soll mir lieber sein, denn so du mir dankest. Das heißt christlich sich halten und, wie es Salomo Sprüchw. 25, 21. 22. nennet, „brennende Kohlen auf des Undankbaren Haupt schütten." — Der Welt thut's weh und verdreußt sie sehr, wo die Wohlthat nicht vergolten wird. Aber du denke und gewohne es: hast du einem heute Gutes gethan, und er entläuft dir durch den Undank morgen, laß dich's nicht anfechten, denn er wird's wohl finden, wie er solcher Undankbarkeit genießen werde. Du fahre fort und sprich: Ist's an dem verloren, flugs einen andern her und dem auch wohl gethan. Will der auch nicht gutthun, wohl her mit dem Dritten, und also fortan." — Luthers Hauspostille über das Ev. am 14. Sonntag nach Trin. Bezahlt: 2. Hälfte des 1. Jahrgangs Hr. P. Husmann. 2. Jahrg. die H H. P. Becker, P. Best, P. Husmann, Baum, J. Renecke, Jokel, Ellinger.