# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1844 09 23_S6 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 6 Abendmahl, betrifft, — ist unser Wille und Meinung nicht, daß hiermit die Personen, so aus Einfalt irren, und die Wahrheit des göttlichen Worts nicht lästern, vielweniger aber ganze Kirchen — gemeinet, sondern daß allein damit die falschen und verführerischen Lehren und derselben halsstarrige Lehrer und Lästerer — eigentlich verworfen werden; — sintemal wir uns ganz und gar keinen Zweifel machen, daß viel frommer und unschuldiger Leute auch in den Kirchen, die sich bisher mit uns nicht allerding verglichen, zu finden seien, welche in der Einfalt ihres Herzens wandeln, die Sache nicht recht verstehen und an den Lästerungen wider das heil. Abendmahl — gar keinen Gefallen tragen und sich verhoffentlich, wenn sie in der Lehre recht unterrichtet werden, durch Anleitung des heil. Geistes zu der unfehlbaren Wahrheit des göttlichen Wortes mit uns und unseren Kirchen und Schulen begeben und wenden werden.“ In diesem Sinne heißt es daher auch in der Apologie der Augsb. Conf. im 13. Art. „Von Klostergelübden:“ „Wir sagen nicht von allen; es mögen etliche in Klöstern sein, die das heil. Evangelium von Christo wissen, und keine Heiligkeit auf ihre Traditiones (Menschensatzungen) setzen.“ Damit stimmt denn auch Luther in seinen Privatschriften überein. Er zeigt nicht nur, wie Gott in den finstersten Zeiten allgemeiner Pabstherrschaft sich einen heiligen Saamen seiner Kinder, eine heilige Kirche, erhalten habe, sondern wie auch noch jetzt, nach dem Aufgange des evangelischen Lichts durch die Reformation, rechtschaffene Seelen in den päbstlichen Banden gehalten werden, welche Glieder der wahren Kirche sind. Er spricht, um nur ein Zeugniß anzuführen, in seiner Auslegung des 1. Buchs Mose (28, 17): „Der Pabst und sein Anhang sind die Kirche nicht. Wenn man uns aber vorwirft: haben sie doch die Taufe, das Abendmahl des HErrn? ꝛc., darauf antwortete ich also: Die das reine Wort und die Taufe haben, gehören zu uns und zu der rechten Kirche; die aber das Kirchengepränge menschlicher Satzungen dabei haben, sind nicht die Kirche; ob sie wohl die Taufe und den Text des Evangelii haben, so haben sie es doch vergeblich.“ Dasselbe urtheilt Luther auch von redlichen Leuten, die in der äußerlichen Gemeinschaft mit andern Secten stehen. Er schreibt in seinem Briefe „von der Wiedertaufe,“ (Luthers Werke, Halle, XVII. 2675): „Müssen wir doch bekennen, daß die Schwärmer die Schrift und Gottes Wort haben in andern Artikeln; und wer es von ihnen hört und glaubt, der wird selig, wiewohl sie unheilige Ketzer und Lästerer Christi sind.“ Diesen Grundsatz, daß nicht nur diejenigen, Lutheraner seien, welche sich so nennen, haben daher ächtlutherische Theologen nie verleugnet. Sie haben allezeit gelehrt, daß Unzählige diesen Namen tragen, die diesen Namen nur schänden und durch ihr fleischliches Wesen zeigen, daß sie keine Glieder der wahren Kirche sind, keine Glieder am geistlichen Leibe JEsu Christi, keine wahren Christen; daß es hingegen Unzählige gibt, welche sich zwar nie lutherisch genannt haben, und die doch wahre Christen und darum Lutheraner in der That und Wahrheit gewesen sind. Es genüge anstatt vieler Zeugnisse, die hier angeführt werden könnten, nur eines. Als im Jahr 1573 die Reformirten in Frankreich (gemeiniglich Hugenotten genannt) von den Papisten die gräßlichsten Verfolgungen erlitten hatten und auf der berüchtigten Pariser Bluthochzeit und innerhalb zweier Monate darauf gegen 70,000 derselben mit unerhörter, ganz teuflischer Grausamkeit gemordet worden waren, so schrieb ein lutherischer Theolog, welcher Mitverfasser der Concordienformel war und gerade durch die Ränke der Reformirten aus Leipzig verjagt wurde, (der durch sein herrliches Lied: „Allein Gott in der Höh' sei Ehr' ꝛc. bekannte N. Selneccer) folgendes Urtheil in die Welt: „Es sind auch wohl in den Verfolgungen, so in Frankreich, Niederland und anderswo entstanden, viel unschuldige Leute der Religion halber jämmerlich erwürgt, und sind viel Märtyrer auch aus dem Haufen, die Sacramentirer*) sind, gefunden worden, mit denen auch ein steinern Herz billig Mitleiden haben muß. Aber, lieber Gott! solche alle sind nicht wegen der Lehre vom heil. Abendmahl, sondern darum, daß sie den päbstlichen Gräuel nicht haben wollen anbeten, als Lutheraner getödtet worden. Darum ihnen auch Gott in ihren Nöthen gnädig beigestanden und sie freudig und getrost zu sich abgefordert, und ihnen ihre Schwachheit und Nebenwahn, darin sie des heil. Abendmahls halber gesteckt und verführt gewesen, zugedeckt und damit Geduld getragen hat; wie der fromme Gott allezeit seiner Gläubigen Fehl und Mängel, die nicht muthwillig, aus Vorsatz oder Halsstarrigkeit vertheidigt werden, zum besten wendet.“ (Siehe: Brev. resp. ad crimen Danaei.) So redet ein Mann, der die falsche Lehre der Reformirten auf das entschiedenste verworfen hat. Hier aber beweist er es, daß er dabei nicht von Verdammungssucht und von dem Geiste eines Sectirers, sondern allein von der Liebe zur Wahrheit geleitet wurde. Obgleich man daher die Lutheraner wegen ihres ernstlichen Verwerfens aller falschen Lehre am meisten der Unduldsamkeit, Engherzigkeit und Verdammungssucht beschuldigt, so verdient dies niemand weniger, als sie. Sie schränken, wenn sie ihren Namen mit Recht führen, die wahre Kirche nie auf diesen Namen ein. *) Sacramentirer nennen die alten luth. Theologen diejenigen, welche die Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im h. Abendmahl leugnen. Ebenso wenig glauben wir aber auch, daß die Kirche, welcher wir angehören wollen, auf irgend ein Land oder auf irgend eine Zeit eingeschränkt sei. Wir bekennen uns vielmehr mit dem Namen „Lutherisch“ zu der wahren katholischen (allgemeinen) und apostolischen Kirche, deren Lehre Luther gepredigt hat. Deutlich wird, was das Erste betrifft, in unseren öffentlichen Bekenntnißschriften dieses bezeugt: „Es ist der tröstliche Artikel in den Glauben gesetzt: „„Ich glaube eine katholische gemeine christliche Kirche,““ damit niemand denken möchte, die Kirche sei wie eine andere äußerliche Polizei an dieses oder jenes Land, Königreich oder Stand gebunden, wie der Pabst von Rom sagen will. Sondern das gewiß wahr bleibt, daß der Haufe und die Menschen die rechte Kirche seien, welche hin und wieder in der Welt, von Aufgang der Sonne bis zum Niedergang, an Christum wahrlich glauben, welche denn Ein Evangelium, Einen Christum, einerlei Taufe und Sacrament haben, durch Einen heil. Geist regiert werden; ob sie wohl ungleiche Ceremonien haben.“ (Siehe: Apol. Art. 7.) Dasselbe bezeugt Luther mit diesen Worten: „Die Christenheit ist nicht allein unter der römischen Kirche oder dem Pabst, sondern in aller Welt; wie die Propheten verkündigt haben, daß Christi Evangelium sollte in alle Welt kommen (Pf. 2, 19.); daß also unter Pabst, Türken, Persern, Tartaren, und allenthalben die Christenheit zerstreut ist leiblich, aber versammelt geistlich in Einem Evangelio und Glauben, unter Ein Haupt, das JEsus Christus ist.“ (Siehe: Anhang zum großen Bekenntniß von 1528.) Wir können nicht umhin, noch einen Ausspruch Luthers anzuführen, um einen Beleg zu geben, daß demselben eine sectirerische Ansicht von der Kirche durchaus fremd gewesen sei. Er spricht über Gal. 1, 2.: „Derhalben so ist die Kirche allenthalben heilig, auch an den Oertern, da gleich die Schwärmer und Rottengeister regieren, soferne sie nur das Wort und Sacrament nicht allerdings verleugnen und verwerfen. Denn die diese Dinge ganz und gar verleugnen, sind keine Kirche mehr. Wo aber Wort und Sacrament wesentlich bleiben, da bleibet auch eine heilige Kirche, und liegt nichts daran, obgleich der Endechrist daselbst auch regieret, welcher nicht in einem Teufelsstalle, noch in einem Schweinskober, noch in einem ungläubigen Haufen, sondern an der alleredelsten und heiligsten Statt, als nämlich „„im Tempel Gottes sitzt,““ 2 Theß. 2, 4. Daraus ja gewiß und offenbar ist, daß Gottes Tempel sein und bleiben muß auch unter den geistlichen Tyrannen, so darinnen walten und wüthen. Denn man findet ja überall, auch unter denselben Tyrannen, die recht glauben ꝛc. Darum ist eine kurze und leichte Antwort auf diese Frage zu geben, daß die Kirche ist allenthalben in der ganzen Welt, wo nur das Evangelium und die Sacramente sind. Aber Juden, Türken, Schwärmer und Rottengeister oder Ketzer sind nicht die Kirche; denn dieselben verleugnen und vertilgen solche Dinge.“ Was aber von den Schranken des Orts gilt, das gilt auch von den Schranken der Zeit. So lange es eine rechtgläubige Kirche auf Erden gegeben hat, so lange hat es auch eine lutherische gegeben; sie ist (so seltsam es auch klingen mag) so alt als die Welt, denn sie hat keine andere Lehre, als die die Patriarchen, Propheten und Apostel von Gott empfangen und gepredigt haben. Wohl ist der Name, Lutherisch, erst vor 300 Jahren aufgekommen, aber nicht die Sache, die damit bezeichnet wird. Wenn man uns daher so oft fragt: Wo war denn die lutherische Kirche vor Luther? so ist dies gar leicht zu beantworten: Sie war