# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 06 06_S166 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) να Zeſus, mein Jeſus! bin ich verlaſſ ſen, ſo hältſt du doch unaufhörlich bei mir. Jeſus, mein Je⸗ ſus! bin ich von einem Orte vertrieben, ſo haſt du doch ſehr viele andere Oerter in der Welt, da du den gläubigen Nachfolgern kannſt eine Woh⸗ nung verſchaffen. Jeſus, mein Jeſus! bin ich arm, ſo haſt du alle himmliſchen Güter in dei⸗ ner Hand. Jeſus, mein Jeſus! habe ich keine Nahrung, ſo biſt der allerreichſte und vorſichtig⸗ ſte Hausvater, der die Seinen am beſten zu verſorgen weiß. Jeſus, mein Jeſus! weiß ich weder aus, noch ein, ſo haſt da ſchon vor aller Ewigkeit für mich geſorget, und auf ſolche deine fleißige Fürſorge verlaſſe ich mich allezeit. Amen. HErr Jeſu! Amen!“ — Wir wandern mit den Glaubensbrüdern wei⸗ ter und begleiten ſie nach Halle. Hier redete Johann Franke, der Sohn von Au guſt Herrmann Franke, dem Stifter des Wai⸗ ſenhauſes zu ihnen. Man führte ſie unter Ge⸗ ſang und Glockengeläute ins Waiſenhaus, wo Erquickung für Seel und Leib ihnen geboten wurde und außerdem jeder noch einen Kaiſer⸗ gulden empfing und, wer leſen konnte, eine Bibel und Arnds wahres Chriſtenthum.? Während ſie in Halle waren, empfingen auch Biele von ihnen zum erſtenmale nach lutheriſcher Weiſe das Abendmahl mit großer Rüh⸗ rung und Inbrunſt. Als ſie aus Halle zo⸗ gen, begleiteten ſie auch die Studenten und tröſteten ſie aus Gottes Wort. Ein junger Theologe ging von hier aus mit ihnen bis nach Preußen und ermahnte ſie in den Herbergen und betete mit ihnen und ermunterte ſie unterwegs zum Singen auf. Sie ſahen dieſes ſehr gern und die Hausväter baten ihn beſonders oft, den jungen Leuten unter ihnen zuzureden, daß ſie, deren manche wohl zuweilen es in der Zucht ver⸗ ſahen, ja ſich recht zum HErrn kehren und das Evangelium mit einem unſträflichen Wandel zieren möchten. Auch war es den Alten nicht recht, daß Viele von dem jungen Volk, denen man in Salzburg die prieſterliche Einſegnung zur Ehe in der letzten Zeit verſagt hatte, und die— ſich daher nur vor den Haus vätern, und, wie ſie doch auch meinten, vor Gottverſprochen hatten, noch immer ohne die öffentliche Beſtät⸗ tigung durch die kirchliche Trauung bei einander lebten. Sie drangen alſo darauf, daß ſie, ſobald ſie an lutheriſche Orte kamen, ſich förmlich co⸗ puliren laſſen mußten. In Potsdam langten nun die erſten Salz⸗ burger am 29. April 1732 an. Der König hielt ſich eben daſelbſt auf. Der königl. Komiſſarius, welcher ſie ſchon in der Nähe der preußiſchen Staaten in Empfang genommen hatte, erhielt Befehl, unter Geſang in die Stadt mit ihnen einzuziehen und am Garten vor dem Schloſſe zu halten. Der König trat dann zu ihnen, den erſten ſeiner neuen Unterthanen, deren er ſich ſo väterlich angenommen hatte. Auf die Frage an den Hofprediger Cachius, ob man mit den Leuten geredet und wie man ſie befunden habe, war die Antwort: es wären gute Leute u. man habe auch bei Vielen von ihnen eine über Er⸗ warten gute Erkenniniß gefunden. Dann mußte mein nicht werth!“ ſingen wüßten. —Al der Kommiſſarius berichten, wie ſie ſich unter⸗ wegs betragen und wie man ſie aufgenommen? Hierauf wurden einige von ihnen vorgerufen u. im Beiſein des Königs über ihren Glauben befragt, die mit großer Freudigkeit Antwort gaben zu des Königs hohem Wohlgefallen. Und da man nun mit Gebet dieſe Catecheſation ſchloß, ſo ward unter den Umſtehenden ſolche Bewegung wahr⸗ genommen, daß auch mehrere vornehme Offiziere mit auf die Kniee fielen und beteten, und von allen Umſtehenden Thränen der Rührung ver⸗ goſſen wurden. Es fand ſich ein Knabe von 14 Jahren unter den Salzburgern, welcher der Re⸗ ligion wegen Vater und Mutter verlaſſen hatte. Der König fragte ihn, wie er das bei Gott ver⸗ antworten würde? Der Knabe ſagte; „wer Vater oder Mutter mehr liebt, denn mich, der iſt Wer ſich denn nun ſeiner annehmen und was er nun anfangen werde, da er weder Vater, noch Mutter habe? „Vater u. Mutter verlaſſen mich, war die Antwort, „aber der HErr nimmt mich auf!“ Dieſe Antwort gefiel dem König beſonders, und er beſchenkte nun alle reichlich und ſprach ihnen Muth ein durch die wiederholten Worte: „Kinder, ihr ſollt's gut haben, ihr ſollt's bei mir gut haben! — Man verſorgte ſie auf königliche Koſten reichlich mit Speiſe und Trank, und es wurde ihnen Be⸗ fehl ertheilt, an dieſem Tage nicht weiter zu reiſen, ſondern auszuruhen. Auch die Königin beſchenkte ſie reichlich und hatte eine herzliche Freude an dieſen Jeſusbekennern, die endlich ei⸗ nen ſichern Zufluchtsort und ein Land gefunden hatten, wo ſie das Wort Gottes, um des willen ſie ausgezogen waren, reichlich haben konnten. Am 25. Juni 1732.kam wiederein Trupp von 800 n ach Potsdam. Der König war dies Mal nicht da, reiſete ihnen aber gleich von Berlin entgegen. Er war ſehr gnädig und freundlich gegen ſie und fragte ſie: weshalb ſie emigrirt ſeien? Sie antworteten: um des Evangelii willen, das man ihnen ent⸗ zogen. Dabei verſicherte ſie der König ſeiner Gnade und verſprach ihnen auch in Preußen Aecker und Bauerhöfe und Freijahre zu gewäh⸗ ren und verlangte endlich, daß ſie das Lied: „Auf meinem lieben Gott ꝛc.“ anſtimmen ſollten. Der Kommiſſarius ſtellte vor, daß ſie das Lied nicht anzufangen und auf die dortige Weiſe zu Darauf fing zur höchſten Ver⸗ wunderung der Salzburger und zur innigſten Rührung aller Anweſenden der König das Lied ſelbſt an und intonirte Vers für Vers, da dann Alles mit fortſang und unter ſolchem Singen vorüber zog. Da alle vorüber waren rief der König ihnen nach: „Rriſet glücklich!“ und fuhr nach Potsdam. — Die Emigranten aber zogen. nach Berlin. Vor Berlin kamen ihnen Prediger und Schullehrer, nebſt den Schülern entgegen. Die Salzburger zogen unter dem Geſang: „Wenn wir in höchſten Nöthen ſein ꝛc.“ gegen die Stadt. r Als die Deputation ſie erreicht hatte, machie man Halt. Die ihr Entgegengekommenen ſtellten ſich der Deputation gegenüber, und man ſtimmte ge⸗ meinſchaftlich „Ein feſte Burg iſt unſer Gott“ an. Darauf hielt Paſtor Campe an ſie eine Rede über Pſ. 115, 14. 15. „Der HErr ſegne Euch je mehr und mehr, Euch und Euere Kin⸗ der, Ihr ſeid die Geſegneten des HErrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Hierauf wur⸗ den Neue Teſtamente unter ſie ausgetheilt, wobei die Salzburger dankerfüllt gegen Gott äußerten: „Zu Hauſe hat man uns das Wort Gottes weg⸗ genommen, hier aber trägt man es uns entge⸗ gen!“ Hierauf hielten ſie unter mehreren Ge⸗ ſängen ihren Einzug und wurden vor dem kö⸗ niglichen Schloſſe vorbeigeführt, wo die könig⸗ liche Familie ſie in Augenſchein nahm. Man führte ſie dann zum Königsthore hinaus, wo die Quartiere beſtellt waren. Hier empfing ſie Paſtor Schönemann mit einer Rede in Ver⸗ ſen. Des folgenden Tages kamen wieder meh⸗ rere an. An ſie hielt Probſt Raue eine Anrede über die Worte, die man auch ſchon von andern Orten ihnen zugerufen: „Gehe aus deinem Va⸗ terlande und von deiner Freundſchaft in ein Land, das ich dir zeigen will.“ (1 Moſ. 12, 1.) Man begleitete ſie wie die vorigen in die Stadt und auch ſie waren voll Dank und Lob gegen den, der ſie durch Trübſal glücklich hindurch ge⸗ führt zur Freude, zu der Freude, nun bei luthe⸗ riſchen Brüdern wohnen und das gütige Wort Gottes ungehindert und reichlich ſchmecken und ſo wachſen zu können in der Gnade u. Erkennt⸗ niß! Auch in Berlin genoſſen Viele das heil. Abendmahl. Was ihren Einzug betrifft, ſo war dieſer ſtets rührend anzuſehen. Alle Straßen und Plätze, wo ſie durchzogen, waren immer mit Schaaren von Menſchen erfüllt. Thränen des Mitleids und der Theilnahme floßen überall, u. wohl auch nicht ohne Urſache, denn ſie waren ja meiſtentheils, beſonders die erſten von ihnen, arm und dürftig ausgezogen und hatten Alles zurückgelaſſen; erſt als ſiez auf dem Zuge waren, fanden ſie nach und lnach Abhülfe ihrer Noth. Eisgraue Köpfe, übel bekleidete und am Stabe wankende Greiſe, Schwache, Kranke, Gebrech⸗ liche, Krüppel, neugeborne Kinder und Säug⸗ linge fand man unter ihnen in Menge. Viele, beſonders die erſteren, kamen, ohne das Geringſte bei ſich zu führen und ſchätzten ſich glücklich, mit Hinterlaſſung ihrer Habe, nur ihre Seelen ge⸗ rettet zu haben. Etliche freuten ſich, daß ſie einen ſteinalten Vater, eine dem Grabe zu wan⸗ kende Mutter glücklich gerettet hatten. wußten nichts als ihre Kinder aufzuweiſen, wel⸗ che ſie als ihren beſten Schatz mit Mühe den Händen der Verfolger hatten entführen können. Und bei allem äußeren Mangel war doch an ih— nen eine beſondere Freudigkeit warzunehmen. Unter andern ſahe man zu Berlin unter ihnen einen recht alten Mann, der kaum von der Stelle gehen konnte. Er ging an einem Stock u. führte ein Pferd hinter ſich. An beiden Seiten des Pferdes hing eine Wiege, in welcher Kinder von einigen Monaten lagen, welches Zwillinge wa⸗ en. Auf dem Sattel ſaß das dritte Kind, bei⸗ nahe 5 Jahre alt. Dies war Alles, was der Mann gerettet hatte. Aber die Heiterkeit und die Freude in dem HErrn glänzte auf ſeinem Angeſichte und das Kind, das auf ſeinem Sat⸗ Andere