# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 06 06_S164 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) — vollbringen. Denn unſer und dein Wille ſins wider einander; deiner allein gut, obwohl er nicht ſcheine tunſer böſe, ob er wohl gleißet. Es iſt wohl mehr geſchehen, daß man mich mit dem Munde geliebet hat und das Herz weit von mir geweſen; und wenn ich ſie angegriffen habe zu beſſern, ſind ſie zurückgelaufen und mitten im Werk mir entfallen, wie du lieſeſt Pſ. 78, 9. Conversi sunt in die belli (ſie fielen ab zur Zeit des Streits,) die wohl an⸗ gefangen, und mich bewetzet, mit ihnen zu handeln, ſind umgekehret von mir u. wiederum in Sünde und meine Unehre gefallen. Ach Vater, es iſt wahr, Niemand kann ſtark ſein in ſeinen Kräften (I. Sam. 2, 4.) Und wer mag vor deiner Hand bleiben, ſo du nicht ſelbſt uns ſtärkeſt und tröſteſt? Darum, lieber Vater, greif uns an, vollbringe deinen Willen, daß wir dein Reich werden, dir zu Lob und Ehren. Aber lieber Vater, ſtärke uns in ſolchem Handel mit deinem heiligen Worte, gibuns unſer täglich Brod, bilde in unſer Herz deinen lieben Sohn, Je⸗ ſum Chriſtum, das wahre Himmelbrod, daß wir durch ihn geſtärket, fröhlich tragen und leiden mögen Abbruch und Tödtung unſeres Willens. Chriſtenheit, ſende uns gelehrte Prieſter und Prediger, die uns nicht Treſtern und Spreuen eitler Fabeln, ſondern vein heil. Evangelium Ja, gieb auch Gnade der ganzen und Jeſum Chriſtum lehren. Es iſt nicht gut, daß man den Hun⸗ den das Heiligthum vorwirft und das Brod der Kinder (Matth. 7, 6. 15, 26. Ihr ſündiget täglich, und wenn ich euch viel laſſe predigen Tag und Nacht, ſo folget und höret ihr nicht und wird mein Wort verachtet. Ach Vater, das laß dich erbarmen und ver⸗ ſage uns nicht darum das liebe Brod, ſon⸗ dern daß wir nicht genug thun deinem heil. Worte, iſt uns leid, und bitten, wolleſt Ge⸗ duld mit uns armen Kindern haben und uns verlaſſen ſolche un ſere Schuld, u. ja nicht mit uns in's Gericht gehen, denn Nirmand vor dir gerechtfertiget iſt. an dein Verheißen, daß wir unſern Schuldi⸗ gern herzlich vergeben, denn du verſprochen Siehe haſt Vergebung —nicht, daß wir durch ſolche Vergebung würdig ſind deiner Vergebung, ſondern daß du wahrhaftig biſt und gnü⸗ diglich Vergebung verſprochen Allen, die ihrem Nächſten vergeben. Auf dein Verſprechen verlaſſen wir uns. Gar oft vergebe ich und erlöſe euch, und ihr bleibet noch beſtehet nicht (Pſ. 78, 8.) Eines geringen Glaubens ſeid ihr, nicht ein wenig möget ihr mit mir wachen und beharren, fallet ſchnell wie⸗ der in die Anfechtung (Matth. 26, 41.) Schwach und krank ſind wir, o Vater und die Anfechtung iſt groß und mannichfaltig im Fleiſch und Welt. O lieber Vater, halte uns —162— und laß uns nicht in Anfechtung fallen und wieder ſündigen, ſondern gieb uns Gnade, daß wir beſtändig bleiben undritterlich fechten bis an un⸗ ſer Ende, denn ohne deine Gnade und Hülfe wir nichts vermögen. Ich bin gerecht und richtig iſt mein Gericht, darum muß die Sünde nicht ungeſtraft bleiben (Pſ. II, 8.) Alſo müſ⸗ ſet ihr das Uebel tragen, daß ihr davon Anfechtung habt. Es iſt eurer Sünden Schuld die mich dazu zwinget, ſie zu ſtra⸗ fen und ihr zu wehren. Dieweil denn das Uebel uns Anfechtung gibt und mit Sünden anſicht, ſo erlöſe uns, lieber Vater, daraus, auf daß wir, von allen Sünden und Uebel nach deinem göttli⸗ chen Willen erlöſet, dir ein Reich ſein mögen, dich inniglich zu loben, preiſen und heiligen. Amen! Soweit Luther. Fortſetzung folgt. —) .— (Eingeſondt.) Die Auswanderung der evangeliſch⸗ lutheriſchen Salzburger in den Jahren 1731, 82 u. 33. (Fortſetzung.) — In Kaufbeuern, einer Stadt im ſchwä⸗ biſchen Bayern, deren Einwohnerſchaft theils aus Lutheranern, theils aus Katholiken beſteht, ſahen unſere Emigranten zum erſtenmal luthe⸗ riſche Glaubensbrüder u. wurden von denſelben mit Freuden empfangen. Am 27. Dez. 1731, am dritten Weihnachtsfeiertage, langte der erſte Trupp Salzburger, 800 an der Zahl, hier an, größtentheils ſchlecht bekleidete Dienſtboten und ſehr arme Leute, welche bei der ſtürmiſchen Aus⸗ treibung wirklich Alles verlaſſen hatten und nur einige unmündige Kinder, die ſie mit Mühe und Noth ihren Verfolgern zu entführen gewußt, mit ſich führten. Sie kamen ſpät abends an die Stadt und meldeten ihre Ankunft durch den Geſang: „Ein' feſte Burg iſt unſer Gott. Die Thore waren bereits geſchloſſen, doch ließ man ſie noch ein und brachte fie alle noch unter. Ei⸗ nige verlegte man in die Wirthshäuſer, andere nahmen die Magiſtratsperſonen in ihre Häuſer auf. Gleich Tags darauf führte man ſie in die lutheriſche Kirche des Orts — welcher Anblick für die Salzburger, der ihr Inneres in hohem Dankgefühl gegen Gott und in begeiſterter Freu⸗ de erhob, ſich zum erſtenmale in einem lutheriſchen Gottes hauſe zu ſehen! — und hielt ihnen Predig⸗ ten, welche ſie mit großer Inbrunſt, Eifer und Begierde anhörten. Man theilte darauf ganze Bibeln, neue Teſtamente und erbauliche Bücher unter ſie aus, und ſie zogen dann, ihre Bibeln und Bücher vor ſich, Kinder auf dem Rücken oder in den Armen tragend, ſingend und den Herrn ihren Gott lobend, weiter. Der mildthätige Sinn Vie⸗ ler ſprach ſich gegen ſie in reichlichen Spenden aus und ſelbſt Dienſtboten und arme Leute boten ihre Scherflein dar, von dem Schauſpiel dieſer pilgernden Heerde Chriſti angezogen. Oft höͤr⸗ — te man die Aeußerung: „Ach ſeht doch, wie die⸗ ſe Leute uns beſchämen, ſie ſind viel andächtiger und begieriger nach dem Worte Gottes, als wir, ob ſie es gleich bisher ſo wenig, wir aber ſo reich⸗ lich gehabt!' Die Salzburger hörten die Pre⸗ digten hier und auch nachher an andern Orten mehrentheils ſtehend an und konnten nicht ſatt werden, dieſelben recht zu faſſen. Die Prediger, ſagt ein Beſchreiber ihrer Auswanderung, redeten auch mit brünſtigem Geiſte und die Salzburger predigten mit ihrem Lebenswandel, denn keine Unordnung, nur höchſt ſelten, — und wenn's ſtatt fand, nur von denjenigen, die ſich um des Gewinnes willen, oder weil ſie zu Hauſe nichts mehr zu verlieren hatten, an ſie angeſchloſſen — nur höchſt ſelten einen Ausbruch der Rohheit oder gar des Laſters, keine Völlerei u. Trunken⸗ heit bemerkte man an ihnen: und kam ja aus den vorhin angeführten Urſachen, hin und wie⸗ der ſo etwas vor, ſo beſtraften und rügten die Hausväter es hart und wußten das junge Volk in Zucht und Ordnung zu halten, ſo daß es da⸗ her auf der ganzen Neiſe ſo zuging, daß ſie über⸗ all wegen ihres guten Betragens Lob erhielten. Am 31. Dezember 1731 langten die erſten Emigranten aus Salzburg vor Augs⸗ burg an, bis wohin ſie ein Kommiſſarius aus Kaufbeuern geleitet hatte. Der katholiſche Magiſtrat verweigerte ihnen aber den Einzug in die Stadt, und beſchränkte die lutheriſchen Bür⸗ ger hinſichtlich ihrer Aufnahme und Verpflegung, welches bis zum Mai 1732 währte, wo zuerſt, auf nachdrückliche Vorſtellung des Königs von Preußen, ein Trupp wirklich in die Stadt gelaſ⸗ ſen wurde. Die erſteren Ankömmlinge aber mußten außerhalb der Stadt bleiben. Die luth. Bürger beeiferten ſich jedoch, ihren Glaubens⸗ brüdern alle nur mögliche Liebe zu erweiſen. Man brachte ſie in nahe gelegene Wirths⸗ und Gartenhäuſer, Mühlen, Eiſenhämmer ꝛc. vor der Stadt unter, und ſorgte auf das freundlich⸗ ſie für ihre Bedürfniſſe, leibliche und geiſtige. Vornehme und Geringe gingen ihnen entgegen; die Geiſtlichkeit, an der Spitze derſelben der Se⸗ nior Urlſperger, empfing ſie mit herzlichen Anmahnungen. Urlſperger und noch ein ande⸗ rer Prediger des Orts hielten am Neujahrstage 1732 Nachmittags an zwei verſchiedenen Orten außerhalb der Stadt verſchiedene Anreden an ſie über den im Evangelio des Tages vorkommen⸗ den Namen Jeſus. Urlſperger zeigte: „wie man dieſen Namen bei dieſer ſonderlichen Begebenheit recht anzuſehen und auf beiden Sei⸗ ten (nämlich von Seiten der Salzburger und der ſie hier aufnehmenden lutheriſchen Be⸗ wohner Augsburgs) recht anzuwenden ha⸗ be. Auch begleitete man ſie, als ſie ihren Wanderſtab weiter ſetzten, ebenſo herzlich. Dit erſten, die nachher im Frühling in die Stadt ſelbſt eingelaſſen wurden, empfing man mit dem größeſten Freudenjubel, welchen die Katholiſchen mit Staunen und manche ſelbſt mit Rührung zuſahen, und ließ ſichs angelegen ſein, ihnen Gaben aller Art für Leib und Seele reichlich zu ſpenden. Man führte dieſe — es war gerade Bußtag — in die lutheriſche St. Anna⸗