# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 04 04_S62 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) aus Wasser und Geist zu Kindern Gottes wiedergeboren werden, sondern nur zum Sinnbild der inneren Reinheit der Seele ꝛc. Das sind die Gehülfen eurer Seligkeit, die, so viel an ihnen ist, eure Kinder der seligmachenden Kraft dieses himmlischen Bades berauben würden. — Meint man doch, man hört einen erklärten Rationalisten reden! Ich bin überzeugt, ein ehrlicher Calvinist wird dieses lose Geschwätz von der Taufe als eine Blasphemie der Taufe verabscheuen, und ein Lutheraner sollte das gut heißen, oder doch ein stillschweigendes Ja dazu sagen? Ich übergehe eine Menge anderer widerlicher Sätze im 3. Formular und sage vom 4. nur so viel: Auch dieses Formular verleugnet seine Geistesverwandtschaft mit Nro. 2 und 3 ganz und gar nicht; theils ist es rein pelagianisch und setzt das natürliche Verderben in die „Macht der sinnlichen Neigungen,“ theils halbpelagianisch, indem es dem natürlichen Menschen einen Kampf zwischen Geist und Fleisch zuschreibt, theils reformirt, indem es die Taufe zu einem „äußerlichen Zeichen macht, welches dem Kinde die Gnade Gottes verbürgt,“ theils rationalistisch, indem es wieder die Taufe die „Weihe des Christenthums“ nennt. Nun nehme ein luth. Christ seinen kleinen Katechismus zur Hand, der ihm auf die Frage: was gibt oder nützt die Taufe? antwortet: Sie wirket Vergebung der Sünden, erlöset von Tod und Teufel und gibt die ewige Seligkeit allen, die es glauben, wie die Worte der Verheißung Gottes lauten; und vergleiche damit die Agende, ob er eben dasselbe Bekenntniß von der heil. Taufe darin findet; so wird er die obige Frage sich leicht beantworten können. Ich behaupte zwar nicht, daß eine nach dieser Agende vollzogene Taufe keine Taufe sei, so sie anders noch mit Wasser und im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes geschieht; aber das behaupte ich: „Wenn ein lutherischer Christ, welcher die lutherische Lehre vom Sacrament der heil. Taufe wohl kennt und von Herzen glaubet, diese lästerliche Entstellung der Lehre vom Sacrament der h. Taufe billigt oder doch stillschweigend sich gefallen läßt, so macht er sich aller der schweren Sünden theilhaftig, die die Verfasser der Agende auf sich geladen haben.“ — In einer der nächsten Nummern soll eine kurze Beleuchtung der Abendmahlshandlung folgen, wie sie in der Agende von 1842 vorgeschrieben ist. Die heilige Absolution gerettet gegen die Lästerungen der Methodisten. (Fortsetzung.) So deutlich die Lehre von der heil. Absolution, wie wir in voriger Nummer gesehen haben, in der heil. Schrift gegründet ist, so gibt es doch kaum eine Lehre, welche in dieser Zeit des Unglaubens und der Schwärmerei so allgemeinen Widerspruch fände, als eben diese. Nun möchte man zwar meinen, da die Schrift so deutlich rede, so sei es unnöthig, über die Einwürfe, die man gegen die in Rede stehende Lehre erhebt, ein Wort zu verlieren, denn wer diese Lehre verwerfe, könne doch unmöglich an die Schrift glauben; einem solchen könne man daher nicht anders helfen, als daß man ihn von der Göttlichkeit der heil. Schrift zu überzeugen suche; sei das geschehen, so würden alle Zweifel wegen der Göttlichkeit der von einem menschlichen Apostel gesprochenen Absolution von selbst wegfallen. Aber so gewiß es ist, daß es bei den meisten, auch den sogenannten „Gläubigen,“ welche wider die Lehre von der Absolution auftreten, daran liegt, daß sie noch nicht von Herzen glauben, daß die Bibel Gottes Wort und der HErr JEsus der wahrhaftige Gott und das ewige Leben sei (1 Joh. 5, 20.), so sagt uns doch eben das Wort Gottes, daß die Ketzer „durch süße Worte und prächtige Reden leicht auch die unschuldigen Herzen verführen“ (Röm. 16, 17. 18.) und ihre „Sinne von der Einfältigkeit in Christo verrücken.“ (2 Cor. 11, 3.) Um solcher leicht verführter und irre gemachter unschuldiger Herzen und einfältiger Seelen willen ist es daher wohl nöthig, auf die Einwürfe einzugehen, den Widersprechern das Maul zu stopfen, denselben das Gift der Verführung zu benehmen und sie so wenigstens für die unschädlich zu machen, die nicht muthwillig in Irrthum bleiben und darin verdammt sein wollen. Die Art und Weise, wie man gegen die Lehre von der heil. Absolution auftritt, ist sehr verschieden. Die gottloseste und infamste, deren sich sogenannte Gläubige bedienen können, ist diejenige, welche die Methodisten unserer Tage und jetzt namentlich die HH. Nast und Mulfinger gebrauchen. Sie leugnen nehmlich nicht nur, daß die christliche Kirche die Gewalt Sünden zu vergeben und zu behalten noch jetzt habe, sie behaupten sogar, Christi sonnenhellen Worten zum Trotz, daß selbst die heil. Apostel diese Gewalt nie gehabt noch gebraucht hätten; sie schließen ganz richtig, daß sie, wenn sie die Christen dessen überreden könnten, damit am besten die Lehre von der Absolution mit Stumpf und Stiel aus aller Herzen ausgerottet haben würden. Um aber diesen Zweck zu erreichen, verdrehen sie die Worte JEsu Christi auf eine Weise, daß es ein christliches Herz tief empören muß. So schreibt nämlich Hr. Mulfinger erst: „Die Stelle: „„Welchen ihr die Sünden vergebet““ ꝛc. — scheint beim ersten Anblick der Absolution günstig zu sein.“ Hernach aber erklärt er, die Absolution sei nach dieser Stelle nur die „Autorität, die Bedingungen der Versöhnung und der Vergebung der Sünden durch den Glauben an JEsum zu predigen.“ Wir würden dieses Gewäsch eines aufgeblasenen unwissenden Neulings nicht hierher setzen, wenn es nicht Hr. Nast für sehr „gründlich und erbaulich“ erklärte und das zum Beweise anführte, daß auch ein „großer deutscher Gottesgelehrter“ unserer Zeit sage: „Die Schlüsselgewalt sei nichts anderes, als die Darlegung der Bedingungen, unter welchen Gott die Menschen selig macht oder verdammt.“ Fürwahr, wer aus dieser Probe methodistischer Schriftauslegung nicht einsieht, daß die Methodisten das Eigenthümliche ihrer Religion nicht aus der Bibel nehmen, sondern aus ihrem Herzen und ihrer Vernunft, was soll dem dann noch die Augen öffnen? Bedenke, lieber Leser, wenn unser HErr JEsus Christus jemanden den Auftrag gibt, andern die Sünden zu vergeben, so heißt das nach methodistischer Bibelerklärung so viel, man solle demselben die Bedingungen der Vergebung vorlegen. Wenn also Christus von seinen Gläubigen fordert, daß sie ihren Beleidigern vergeben sollen, so fordert er nach den Methodisten nicht etwa, daß sie den Beleidigern ihre Beleidigungen wirklich verzeihen; mit dem Munde, daß dieselben wirklich vergeben und vergessen seien, zuverlässig versichern, und dieselben im Herzen wie nicht geschehen betrachten sollen, sondern Christus fordert nach den Methodisten damit allein dieses, daß die Christen ihren Feinden zu zeigen die Macht haben sollen, was sie thun müßten, um Vergebung zu erlangen. Heißt das die Schrift nicht fein ausgelegt? ja heißt das nicht die Rede Christi — es ist schrecklich zu sagen — wie die Rede eines Narren behandeln, der nicht wüßte, wie er sich hätte ausdrücken sollen? heißt das nicht den heil. Geist zur Schule führen? Darf man Gottes Worte so auslegen, an welches Wort kann sich dann der Sünder noch halten? welches Wort steht dann noch fest? welche Lehre der Schrift kann man, wenn diese Weise gelten sollte, nicht aus der Schrift hinaus exegesiren (erklären)? — Es ist unleugbar, hiermit beweisen die Methodisten, daß sie, als Sprößlinge der reformirten Kirche, eigentlich mit den Rationalisten auf gleichem Grund und Boden stehen. Denn es frage einmal jemand den Hrn. Lichtfreund, ob er auch das glaube, daß Christus, wie die Bibel sagt, die Menschen erlöst habe? so wird der genannte Herr sogleich antworten: „Ei wohl, denn ich halte es keineswegs mit dem etwas zu ehrlichen Fackelschreiber in New York, der die Bibel als ein Lügenbuch und Christum als einen Betrüger verwirft; aber man darf freilich nicht meinen, daß Christus die Menschen wirklich erlöset habe; nein, dies hat er nur insofern gethan, als er den Menschen die Bedingungen gezeigt hat, die sie erfüllen müßten, um erlöst zu werden.“ Ist die methodistische Weise, das Vergeben und Behalten der Sünden zu erklären, um ein Haar besser, als diese? Sieht sie nicht der rationalistischen wie ein Ei dem andern ähnlich? Wer daher noch an Gottes Wort glaubt, sei gewarnt vor dem methodistischen Geiste; es ist ein Geist, der sich vor Gottes Worten nicht fürchtet. Die Worte von dem Amt der Schlüssel sind nicht die einzigen, bei denen sich dies offenbart. Ebenso leichtfertig und frevelhaft gehen die Methodisten mit den Worten Gottes um, die von der heil. Taufe, vom heil. Abendmahl, von der Zurechnung des thätigen Gehorsams Christi und dergl. handeln. Und möchte man diese schändliche Verachtung des geschriebenen Wortes nur bei den Führern der Methodistengemeinden antreffen! Aber leider hat diese Seuche die armen Seelen, die von ihnen geführt werden, fast ohne Ausnahme angesteckt; denn wenn man mit einem Methodisten, oder methodistisch gesinnten Evangelischen, Afterlutheraner und dergl. redet, so sieht man,