# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 03 28_S124 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſei allerdings wider das Gewiſſen, hier in Fort Wayne eine neue Gemeinde zu errichten. Wie⸗ wohl uns nun dieſe Erklärung Hoffnung mach⸗ te, daß ſein bisheriges Verfahren mehr aus ſchwärmeriſchem Unverſtand, als aus böſem Wil⸗ len hervorgegangen ſei, ſo wurden wir doch von einer aufſchneideriſchen Prahlerei des Herrn Strauß nicht weuig betroffen, indem er beiläufig zu uns ſagte: „er habe in allen morgenländi⸗ ſchen Sprachen das Evangelium gepredigt.“ Auch wurde Strauß von jenem oben erwähn⸗ ten Studenten Lemke, der mit ihm in Columbus ſtudirt hatie, mehrmals ernſtlich und brüderlich ermahnt nnd gewarnt, ſich ja in Foit Wayne nicht mit der Errichtung einer Oppofitions⸗Ge⸗ meinde einzulaſſen; und da auch hier ſein Verſtand und Gewiſſen von der Ungerechtigkeit ſolches Vornehmens überzeugt wurde, ſo verſprach er auch hier, es nicht zu thun. Wer aber weder dieſem ſeinem damaligen Freunde, noch mir Wort hielt, das war Herr Strauß. Mit keinem einzigen Kläger iſt er zu mir gekommen, um ſich gegenüber von dieſem und mir, dem Verklagten, in's Klare zu ſetzen und angenommen, es hätte keiner dieſer Leuie wollen mit ihm zu mir kommen, ſo wärt es doch ſeine Pflicht geweſen, es mir zu ſagen, damit ich mit ihm, zu dem Beſchwerdeführer gegangen wäre. Im Gegentheil fand er es nicht wider ſein Gewiſſen, von Neuem den geiſtlichen De⸗ magogen zu ſpielen, und nach einer deutſchen Predigt in der engliſch⸗lutheriſchen Kirche auch gegen Mißvergnügte allerhand heuchleriſche De⸗ clamationen auszuſtoßen, als z. B. „er wolle mit ſolchen, die der P. Sihler ungerecht behan⸗ delt habe, lieber Brod und Salz eſſen, als ſi ie verlaſſen.“ Auch ließ er es ohne Widerſpruch geſchehen, daß einige ſeiner bereits gewonnenen Anhänger theils bei notoriſchen Saufbrüdern und kirchlo⸗ ſen Rationaliſten, theils bei noch unwiſſenden und wegen Strafpredigten, Kirchenzucht und Beichtanmeldung mir widrig geſinnten Abend⸗ malgenoſſen meiner Gemeinde herumliefen, um die Unterſchriften derſelben zur Bildung einer ſo⸗ genannten lutheriſchen Gemeinde und zur Be⸗ rufung des Herrn Strauß zuſammenzubringen, welches denn auch gelang, Dieſe ganze unlautere Handlungsweiſe des Herrn Strauß, der jetzt ſchwerlich mehr im ſchwärmeriſchen Unverſtande befangen war, be⸗ wegte nun den Studenten Köſtering, der den Strauß von Deutſchland aus kannte, und mit ihm über See gekomm en war, ſein bisheriges Schweigen zu brechen und mir mitzutheilen, daß Strauß als Gehülfe des P. Gräber in Meide⸗ rich bei Duisburg, im Dienſte der ſogenannten innern Miſſion, Miſſionsgelder veruntreut, ſich auch ſonſt ſehr unlauter und lügenhaft betragen habe und von P. Gräber fortgeſchickt worden ſei, da dieſer keine Ueberzeugung gewinnen konnte, daß Strauß aufrichtig Buße gethan, auch deſſen unchriſtliches Verhalten in der Gemeinde ſchou zu großes Aergerniß gegeben habe; er ſelbſt, Köſtering, müſſe leider mit Schaam bekennen, daß er in ſeinem damaligen ſchwärmeriſchen Pie⸗ — 122— tismus den erheuchelten Bußbetheuerungen des Strauß mehr Glauben geſchenkt habe, als dem Urtheil des P. Gräber; da indeß Strauß jetzt alſo handle, ſo werde er als ein unbußfertiger Heuchler offenbar und er dürfe und wolle nun nicht länger deſſen frühere Sünde bedecken. Ich fragte nun Herrn Köſtering, der uns zu⸗ dem immer als ein offener und aufrichtiger Cha⸗ rakter erſchienen war, auf ſein Gewiſſen, ob er dieſe Beſchuldigung des Herrn Strauß nöthigen Falles auch durch unumſtößliche Zeugniſſe von Deutſchland aus beweiſen könnte, und da er die⸗ ſes bejahte, ſo erklärte ich, daß ich dieſe ſeine Mittheilung öffentlich nach gehalienem Sonn⸗ tags⸗GOttesdienſt meiner Gemeinde und allen andern Zuhörern kund thun würde, damit doch die moraliſche Verwerflichkeit der Perſon des Strauß ſolche von ihm zurückſchrecke, welche die Ungerechtigkeit der Sache d. i. der Bildung die⸗ ſer ſogenannten neuen lutheriſchen Gemeinde nicht einſähen. Ehe jedoch dieſe Veröffentlichung erfolgte ging Herr Köſtering noch einmal zu Strauß hinaus, bat ihn auf das Ernſtlichſte von ſeinem Werke der Ungerechtigkeit abzuſtehen und verhehlte ihm ſchließlich nicht, was ihm bevorſtehe, wenn er auf ſeinem böſen Wege beharre, nämlich daß ſeine Schande offenbar werde. Aber auch dieſe Warnung war vergebens; und da mir Herr Köſtering die Fruchtloſigkeit ſeines Bemühens mittheilte, ſo erfolgte denn die öffent⸗ liche Bekanntmachung und Verwarnung vor die⸗ ſem Menſchen, zugleich mit einemllnterricht aus u. nach GOties Wort, theils über die Schriftwi⸗ drigkeit undlngerechtigkeit der Sache, die Strauß in die Hände genommen, theils über die Ver⸗ werflichkeit des Verfahrens, wie er dabei zu Werke gegangen, theils über ſeine moraliſche Untüchtigkeit überhaupt, auf Grund von 1. Tim. 3. 7. Ich hoffe, kein verſtändiger und gewiſſenhaf⸗ ter Leſer des Lutheraner wird es mißbilligen, daß ich nicht zudeckte, was Gott aufdeckte; denn dieſe Veröffentlichung wurde erfordert theils von der Ehre Gottes, deſſen heiliger Name in dieſem Weike der Finſterniß ſo vielfach verunehrt und gemißbraucht wurde; theils von dem eigenen Gewiſſen, das ich durch feiges und fleiſchliches Schonen dieſes genugſam berichteten und ver⸗ mahnten und dennoch in ſeiner Bosheit fortfah⸗ renden ſich und Andern ſchädlichen Menſchen nothwendig verletzt hätte; theils von der Liebe des Nächſten, um wenigſtens einfältige und aufrichtige Leute vor ſeinen Heuchel⸗ und Schmeichelkünſten zu warnen, oder aus ſeinem Lügennetz wieder heraus zu reißen und ihnen außer der Ungerechtigkeit der Sache auch die Verwerflichkeit der Perſon und deſſen Widerſpruch zu 1 Tim. 3, 2.7; 4, 12 und Tit. 1, 6 — 8 klar zu machen; theils endlich von der Seele dieſes vom Teufel ſo kläglich verführten Menſchen ſelber, zu deſſen wachſendem Verderben ich durch Schweigen beigetragen und ihm die Gelegenheit zu, ob Gott wollte, reumüthiger Umkehr be⸗ nommen hätte. Da mir indeſſen viel daran lag, von Deutſch⸗ Fland ſelber urkundliches Zeugniß von dem 1 und Weſen dieſes Proſelyten zu erlangen, ſo; ſchrieb ich in Gemeinſchaft mit Herrn P. Hus⸗ mann an Herrn P. Gräber zu Meiderich bei Duisburg in Rheinpreußen, bei dem Strauß im Dienſte der ſogenannten „innern Miſſion“ vor ſeiner Ueberſiedelung nach Amerika Gehülfe geweſen war, und bat ihn, indem ich ihn zugleich mit den Beweggründen unſers Geſuchs und der dermaligen Sachlage in unſerm Verhältniß zu Strauß bekannt machte — ein Brief, der, ohne alle perſoͤnliche Gereiztheit geſchrieben, weſentlich daſſelbe enthält, was ich an Herrn Profeſſor. Lehmann, den Präſes, ſchrieb und deſſen Abſchrift der Ohio⸗Synode zur Einſicht jeder Zeit vor⸗ liegt. Einige Monate darnach empfingen wir denn auch eine von Herrn P. Gräber abgefaßte und von ihm und dem Herrn P. Dr. Wortmann, Superintendenten der Kreisſynode Duisburg, unterſchriebene und durch zwei Amtsſiegel be⸗ glaubigte Antwort, daraus uns zu unſerm Schrecken eine noch grͤßere moraliſche Verdor⸗ benheit und ſonderlich ein vom Lügengeiſte ganz durchfreßener Menſch in dem Proſelyten A. Strauß offenbar wurde. Da jedoch dieſe Ant⸗ wort zu lang iſt, um ſie hier wörtlich aufzuneh⸗ men, ſo möge nur das Wichtigſte hier angezogen werden. Diie beiden P. P. beſtätigen nun zuerſt, wo⸗ rüber wir auch beſonders angefragt hatten, daß Strauß allerdings von den in den Bibelſtunden geſammelten Gaben für die Armen „für ſich verwendet, dabei aber behauptet habe, daß er auch von dem Seinigen den Armen gegeben ha⸗ be.“— „Uebrigens“— ſo fährt der Schreiber, H. P. Gräber, fort — „lege ich auf dieſen Punct kein großes Gewicht. Was aber nun ſein lügen⸗ haftes Weſen anbelangt, ſo iſt dies über alle Maßen ſchrecklich, ſo daß es mich oft mit Grauen erfüllt hat. So z. V. hatte Strauß uns er⸗ zählt: „er ſei 31 Jahre alt, ſei 10 JahreRabbiner geweſen, habe eine Reiſe nach Jeruſalem ge— macht, habe eigentlich einVermögen von 200,000 Gulden; ſein Vater habe ihn jedoch in ſeinem Teſtament wegen ſeines Chriſtenthums enterbt; jetzt ſchwebe die Sache wegen ſeines Vermögens noch im Proceß; das Teſtament ſei in den Händen ſeiner Freunde in Frankfurt; er habe einen reichen Bruder, Rabbiner in Brüſſel, ferner eine ſehr vermögende und wohlthätige Schweſter; er ſei wegen ſeines Chriſtenthums von den Juden verfolgt, ſehr ſtark körperlich mißhandelt worden, wovon er lange lebensgefährlich krank geweſen, und dieſen Verſolgungen ihn zu ent⸗ ziehen, habe man ihn nach Duisburg geſchickt u. ſ. w. Als nun Herr P. Gräber darüber Nachricht von dem Judenmisſionar Poper in Frankfurt einzog, der den Strauß unterrichtet hatte, ſo er⸗ wieſen ſich dieſe Behauptungen als-Lügen und Herr P. Gräber fährt alſo fort: „Das Mitge⸗ theilte iſt mehr als hinreichend, um die bodenloſen Lügen des Strauß als ſolche zu documentiren. Das Mitgetheilte iſt nur ein Weniges ſowohl von der Menge ſeiner Lügen, als der Größe derſelben