# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 02 28_S121 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Seinigen Abſchied zu nehmen. „Gott vergelte Euch Eure gute Zucht,“ ſo ſprach er zu ſeinem 92 jährigen Vater, und vor Thränen konnte er nicht weiter reden. Der Greis war altersſchwach und blickte ihn kindiſch an; daneben aber ſtand ſein katholiſcher Bruder mit höhniſchem Lachen Das war der Abſchied aus dem väterlichen Hauſe. Der Muthwille der Soldaten war auch noch auf eine empörende Weiſe geſchäftig. Wer gerne die milde Jahreszeit zur Reiſe abgewartet hätte, wurde gewöhnlich fortgejagt; und wer um jeden Preis aus dieſer Stätte der Greuel fortwollte, wurde gewöhnlich mit Bajonetten zurückgetrie— ben. Deshalb, und um die ungeheuren Ab— Saw.. zu vermeiden, ergriffen Viele die lucht. So entflohen etliche 300über die Tyrsler Ge⸗ bitge. Schwangere Weiber kletterten über die ſteilen Feiſen, matte Greiſe wurden von ihren fräftigen Söhnen getragen oder gezogen, Kinder waren auf den Nücken ihrer Eltern gebunden Hund beteten, wenn es an den ſchauerlichen Ab⸗ gründen vorüberging, oder der Sturm ſie von den Höhen herabzuwehen drohte. Und das Gebet der Kleinen iſt dem himmliſchen Hüter angenehm geweſen, ſie kamen alle glücklich hin⸗ über. Viele von denen, die in dieſem Jahre um des Glaubens willen auswanderten, bekannten her— nach, daß ſie inſonderheit durch den ſchon am Anfang dieſer Erzählung erwähnten Joſeph Schaitberger in der Erkenntniß gefördert in ihrem Leide getröſtet, zur Standhaftigkeit ermuthigt und zur Auswanderung ſtaͤrk gemacht ſwurden. Dieſer redliche Jünger des HErrn ſuchte nämlich von Nürnberg aus, wo er ſich ſeit ſeiner Vertreibung 1686 aufhielt und mit Drahtziehen ernährte, durch allerlei Lehr- Mahn— und Troſtſchreiben an ſeinen verfolgten Glau— bensgenoſſen zu arbeiten, aus welchen denn bemach der bekannte „evangeliſche Sendbrief“ wurde. Auch wagte er ſich zu dreien Malen unter großer Lebensgefahr in die alte Heimath. Er war das in der Hand Gottes geſegnete Werk— zeug für viel tauſend ſeiner Brüder in den Salzburgiſchen Landen. Doch vielleicht iſt es dem Einſender ſpäterhin möglich, über den Lebensgang dieſes treuen und erleuchteten Be— kenners das Rähere mitzutheilen. Bitte um Unterſtützung zum Kirchen⸗ ö Bau. Indem ſich der Unterzeichnete im Namen ſei⸗ ner Gemeinde mit dieſer dringenden Bitte an ſeine Glaubens genoſſen wendet, hält er's für nö— thig, mit Wenigem die bedrängte Lage ſeiner Ge— neinde anzudeuten, damit nicht der Vervacht auf ſie falle, als wollte ſie von der ſo vielfach bean— ſruchten Mildthätigkeit ihrer Brüder Gebrauch machen, ohne derſelben wirklich benöthigt zu ſein. Die Glieder meiner Gemeinde gehörten frü— her faſt ohne Ausnahme zu der hieſigen deutſchen, dem Namen nach lutheriſchen, eigentlich aber Emirten Gemeinde, deren Prediger zur Mary⸗ land⸗ und mit dieſer zur Generalſynode gehört. Da die zu dieſer Gemeinde ſich haltenden Refor⸗ nitten, wenn auch nicht Eigenthumsrecht, doch ſonſt mit den Lutheriſchen gleiche Nechte genoſ— ſen, ſo mußte natürlich das luth. Bekenntuiß in . den Unterſcheidungslehren möglichſt unbekannt bleiben und einem Schullehrer, iin Spätjahr 1852 dahin berufen, wurde deshalb vom Predi⸗ Fger zunächſt die Darlegung der Unterſcheidungs⸗ chren zwiſchen Lutheranern und Reformirten, und ſpäter durchweg der Religionsunterricht nach —— — 419——— unſerm kleinen luther. Katechismus in der Schule verboten. Dazu konnte ſich derſelbe nicht verſte⸗ hen und ſo wurde er nach 2 Monaten beſonders auf Betrieb des Predigers wieder entlaſſen und darauf einem reformirten Lehrer die Schule über⸗ geben. Hatten nun einige Glieder der Gemein— de vorher ſchon Bedenken wegen ihres Predigers und des ganzen Gemeindeweſens gehabt, ſo muß— ten dieſe Vorgänge ſie vollends darüber zur Ge— wißheit führen. Sie proteſtirten gegen die Ab— ſetzung des rechtaläubig lutheriſchen und Zulaſ— ſung des reformirten Schullehrers und, da die— ſer Proteſt ſchnöde zurückgewieſen wurde, ſagten ſie ſich förmlich von Verbindung mit jener Ge— meinde los. Derer, die ſich losſagten, waren fünf, ihnen folgten ſpäter noch andere nach. Auf eine erhaltene Einladung beſuchte ſie Herr P. Keyl von Baltimore am Sonnt. Sexages. vor. Jahres, unter ſeiner Leitung wurde eine luther. Kirchenordnung angenommen und ſo bildete ſich eine neue Gemeinde rechtgläubigen Bekenntniſ⸗ ſes. Dieſelbe wurde den Sommer hindurch ab— wechſelnd von den Herren P.P. Rordmann und Sommer bedient und als die Gliederzahl auf 15 geſtiegen war, der Unterzeichnete als ihr Seel— ſorger berufen. Wir halten unſere Gottesdienſte gegenwärtig im Courthauſe, haben aber, da wir hier für die Länge nicht bleiben können und der gewiſſen Ueberzeugung ſind, daß ſich das reine Bekenntniß unſerer Kirche auch in dieſer Stadt immer mehr Bahn brechen wird, beſchloſſen, mit Gottes Hülfe in dieſem Sommer uns ein eignes Kirchlein zu bauen. Unſere Verhältniſſe ſind nicht ſehr ermuthigend, die Zahl unſerer Glieder iſt gering, unſere Kräfte beſchränkt, da wir durch— aus keine Bemittelten unter uns haben, und gußerdem die Mehrzahl von uns ſeit einer lan— gen Reihe von Jahren faſt ununterbrochen mit Kirchenbauen belaſtet war. Vor nicht gar lan— ger Zeit zauten die engl. unz deutſchen Luthe⸗ raner in Gemeinſchaft eine große Kirche, die Deut— ſchen trugen reichlich dazu bei in der Hoffnung, gleiche Rechte an der Kirche zu haben. Später wurden ſie enttäuſcht und erhielten das Verſpre— chen einer angemeſſenen Entſchädigung, wenn ſie ſelbſt für ſich eine Kirche bauen würden. Der Bau wurde begonnen, die Entſchädigung blieb außen und nur mit ſchweren Opfern wurde vor 22 Jahren die allerdings ſchöne und ſtattliche Kir— che vollendet, ſie, welche jetzt meine Gemeinde— glieder aus Liebe zum rechtgläubigen Bekenntniß abermals mit dem Rücken auſehen müſſen. — Doch wir gehen auf's Neue an's Werk im Vertrauen auf den Beiſtand Gottes, der unſere Hände ſtärken und die Herzen unſerer Brüder lenken möge, ihre hilfreiche Hand zu unſerm Be— ginnen uns zu reichen, wie wir uns denn für verpflichtet achten, au ihnen ſeiner Zeit ein Glei— ches zu thun. Alles dem Herrn zum Preiſe und zum Bau Seines Reiches: — Ein Gruniſtück iſt bereits für § 400 gekauft und der Betrag durch Unterſchriften, in dieſem Jahre zahlbar, gedeckt. Die Koſten des Gebäu— des werden ſich auf nahe 82000 belaufen.— Etwaige Beiträge erbitten wir uns unter der Adreſſe: NRev. F. J. Bilftz. Cumberland, Md., Febr. 23. 1854. ö Proſpectus. Der Unterzeichnete beabſichtigt, eine Samm-— lung von Kirchenmuſtk, betitelt: „Cantica Sa- cra“, auf Subſcription herauszugeben. In dieſer Sammlung hofft er der Kirche eine Auswahl der auserleſenſten und beliebteſten, deutſchen und engliſchen vierſtimmigen Choräle — „ „ * — 114. . — . C. — zu liefern, welche, in Rückſicht aufdie Versart, den verſchiedenen, jetzt üblichen, lutheriſchen Geſangbüchern dieſes Landes angemeſſen ſein und, der Geſangsweiſe der Zeit Luthers ſich nähernd, mehr dem eigentlichen Charakter des lutheriſchen Gonlesdienſtes entſprechen werde. Der Rhythmus des deutſchen Geſangs wird dieß Werk von allen andern der Art in unſrer Kirche in dieſem Lande mit Vortheil auszeichnen. Die vortreffliche und berühmte Sammlung alter, deutſcher, rhythmiſcher Kirchenmuſik des Dr. F. Layriz, Deutſchland, ſoll dem deutſchen Theile dieſer Sammlung zum Grunde gelegt werden. Die meiſten, wo nicht alle deutſchen Choräle, welche es nöthig ſein wird in dieſe Sammlung. aufzunehmen, wird der Unterzeichnete mit großer Sorgfalt aus der beſagten Sammlung von Dr. F. Layriz ausleſen. Und damit der engliſche. Theil, ſo wie der deutſche, auch, ſo viel wie möglich dem eigenthümlichen Charakter des luthe⸗ riſchen Gottesdienſtes entſprechen möge, wird der Unterzeichnete ſich die Hülfe ſachverſtändiger und urtheilfähiger Glieder der Kirche ſichern, um die Auswahl aus den verſchiedenen bekannten eng⸗ liſchen Muſikſammlungen zu machen. Das Werk wird drei- bis vierhundert Choräle enthalten, nebſt einem Anhange von Pſalmodie und andern auserleſenen Muſikſtücken. Deutſche und engliſche Worte aus den üblichen Geſang⸗ büchern werden, wenn möglich, zu allen Stücken geſetzt. Es wird auch eine kurze Anweiſung in den Anfangsgründen der Siugkunſt enthulten; ſo wie auch eine ſyſtematiſche Tabelle der Versarten, nach welcher ein jeder Choral bezeichnet und deſſen Versart erkannt wird. Anſtatt der runden Noten werden die ſieben Charakternoten für dieß Buch gewählt, weil man glaubt, daß dieſe im Allgemeinen mehr Beifall finden werden. Bedingungen. Das Buch wird, ſobald es gedruckt iſt, den Subſcribenten an den folgenden Plätzen porto⸗ frei geliefert: nämlich, Canton und Columbus, Ohio; Fort Wayne, Indiana; St. Louis, Mo., und New⸗York, Philadelphia und Balti⸗ more. Der Preis der Subſcribenten iſt 75 Cents das Stück nüd 58. 00 das Dutzend, zahlbar, wenn die Bücher geliefert werden. ö So bald eine zulängliche Anzahl von Subſcri⸗ benten eingeſandt ſein wird, um die Koſten zu decken, wird das Buch zum Druck befördert werden. Alle Prediger und andere Freunde der Ver— beſſerung unſres Kirchen-Geſangs werden achtungsvoll gebeten, dieſe Angelegenheit ihren Gemeinden undSingvereinen vorzulegen und ſich dafür zu verwenden, damit die nöthigen Beſtel⸗ lungen ſo bald wie möglich geſammelt und ein⸗ geſandt werden mögen. Canton, Ohio, Januar 1. 1854. J. J. Faſſt, ev.⸗luth. Prediger. Die Paſtoralconferenz des St. Louis Diſtricts hält ihre nächſten Sitzungen den 21. April d. J. und die folgenden Tage zu Cheſter Ill. Es iſt der Wunſch auszuſprechen, daß die Conferenzen von den betheiligten Gliedern fleiß⸗ iger beſucht werden möchten. Daher die Bitte an die Ehrw. Herrn und Bruͤder der Couferenz, durch ihr Erſcheinen bei den jemaligen Verſammiungen einen thätigen Antheil zu nehmen, und nicht ohne Noth ſich davon abhalten zu laſſen. In ſolchen Fällen aber wird von den Abweſen⸗ den erwartet, daß ſie ſich wenigſtens brieflich entſchuldigen. J. A. F. W. Holls d. z. Secr.