# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 02 28_S118 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) gänzlich übertönt wurde, ward er, gleich vielen Andern, die der Herr in der Stille ſich erhielt, vor den ſchlimmſten Gefahren der Seele durch Gottes Gnade behütet. Kindlicher Glaube an ſeinen Gott und Heiland Jeſum Chriſtum und tägliches Gebet zu demſelben, tief empfundene Erkenntniß, daß er „allein unter ſeines Heilan⸗ des ſtarker und hoher Hand glücklich durch dieſes Leben kommen könne“ und herzliche Zuverſicht zu ihm lebten von früͤh an als die Frucht from⸗ mer Erziehung in ſeiner Seele. Anfänglich für den Kaufmannsſtand beſtimmt, in welchem er auch drei Jahre zubrachte, hatte ihn eine unbe— ſiegbare Neigung zu den Studien der wiſſen— ſchaftlichen Laufbahn zurückgeführt, und mit tüchtigen Kenntniſſen ausgerüſtet, konnte er, nachdem er die Gelehrtenſchulen zu Ratzeburg und ſpäter die zu Ilfeld beſucht, im Jahre 1812 die Univerſität Göttingen beziehen. Doch ging ſeine erſte Abſicht keineswegs auf die Theologie. Natürliche Neigung und Begabung wies ihn vielmehr zum Siudium der philologiſchen und Alterthumswiſſenſchaften, wähtend die Theolo— gie bei dem damals in ihr herrſchenden Ratio⸗ nalismus eher Abſtoßendes als Anziehendes für ihn haben mußte und auch in den erſten Jahren ſeines Univerſitätsſtudium ihm ganz fern blieb. Zufällig fiel ihm ein Band von Luthers Werken in die Hände und die Worte des deutſchen Neformators, den er zuvor nicht gekannt, drangen tief in ſeine Seele, er konnte nicht von ihnen loskommen. Mächtig zog ihn das Bild des theuren deutſchen Gottesmannes an, den er ſeibſt beſchrieben hat als „einen Mann von Eiſen und Stahl im Kampfe, voll Demuth gegen Gott, voll Furcht vor Gott, unterwürfig aller göttlichen und menſchlichen Ordnung, voll Liebe und In— brunſt, voll Treue und Güͤte, voll Hingebung und Aufopferung, ernſt und doch fröhlich, eifrig und doch beſonnen, thätig und nie verdroſſen, männlich und doch kindlich in allen Verhältniſſen ſeines Lebens.“ Jene Bewegung gab dem jungen Catenhuſen Entſcheidung für ſeinen Beruf und ſein zukünftiges Leben, ſie erweckte in ihm den Vorſatz, dem Gottes Gnade auch zur Ausfüh— rung geholfen hat, in gleicher Treue u. gleichem Gehorſam ſein Leben dem Worte Gottes zum Dienſte zu ſtellen; zugleich giebt ſie die Erklärung dafür, in welchem Sinne er nun die Theologie ſtudirte und wie er zu der theologiſchen Richtung kam, der er ſein ganzes Leben hindurch conſe— quent folgte. Sein Wahlſpruch ward von vorn herein: „Ein Theologe muß Alles lernen, Alles wiſſen, doch nur, was den Prüfſtein des gött— lichen Worts aushält, glauben.“ Zwar blieb ihm auf der Univerſität nur noch kurze Zeit zum Studium der Theologie, denn er verließ dieſelbe ſchon 1815, und bereits ein Jahr ſpäter, 1816, ward er als zweiterprediger der Stadt Lauenburg in's Amt gerufen, aber um ſo mehr iſt der Eifer und eiſerne Fleiß zu bewundern, mit dem er die Theologie ſtudirte und es bald zu bedeutender Gelehrſamkeit in derſelben brachte (namentlich ſeine gründliche Kenntniß des Hebräiſchen hatte er ſich erſt im Amte erworben). Vor Allem wendete er ſeine ganze Kraft auf das Studium — 116— der heiligen Schrift in den Grundſprachen, ſo⸗ dann auf die alten Kirchenväter, die Schriften Luthers und des Reformationszeitalters. Denn ſeiner Zeit ſein mochten, vor Allem darauf an, die über allen Zeitwechſel erhabene ewige Wahr— heit zu erkennen und ein recht ſicheres Wiſſen von dem zu erlangen, was der Glaube und die Lehre der h. Apoſtel und aller rechtgläubigen Chriſten, die je gelebt, geweſen iſt; und da mußte er ſich ja bald ven der Theologie ſeiner Zeit, die ſich ſo leicht als eine von Gottes Wort abweichende answies, ganz auf die früheren Zeiten zurückgewieſen ſehen; und ſo iſt es nicht zu verwundern, daß er ſich mit ganz entſchiedener Vorliebe in die alten Väter und beſonders Luther hineinzuſtudiren und hineinzuleben ſuchte. Arbeiten der Geiſter, welches in den letzten Jahr- zehnten in der deutſchen evangeliſchen Theologie erwachte, und mit ſo innigerer Freude begrüßte er das neu ſich regende Leben, je mehr es ſich dem alten ewigen Evangelium und dem Glauben der Bäter wieder zuneigte; aber nie, auch nicht bei den neueſten Ereigniſſen und Wendungen in der Theologie verließ ihn die rechte Nüchternheit, mit der ſein durch Gottes Wort geſchärftes Auge auch bei der gläubigen und kirchlichen Theologie der Neuzeit das Irrthümliche vom Wahren zu ſcheiden wußte. Er erkannte es, daß wir luthe— riſchen Chriſten in dieſer Zeit namentlich auch der modernen Gläubigkeit gegen über für Haus und Altar zu kämpfeu haben, daß es einen Streit nicht um einzelne Lehrſätze, ſondern um Principien (Grundſätze) gilt. Darum wie ſeine ſchmerzlichſte Klage war: „Gottes Wort und der Glaube iſt aus unſern deutſchen Vateslande gewichen; Luther, obgleich dem Namen nach allen bekannt, iſt doch ſeinem Geiſte und ſeinem Weſen nach nur von Wenigen gekannt!“ — ſo war die Summa ſeiner theologiſchen Ueber— zeugung die: „Wir müſſen wieder zu Luther hinan!“ (Schluß folgt.) — — —— (Eingeſandt.) Die Auswanderung der evangeliſch lutheriſchen Salzburger in den Jahren 1731, 32 u. 33. (Fortſetzung) Bald nach der bereits erzählten Begebenheit, noch im Herbſt 1731, kamen die vom Kaiſer er— betenen Hilfstruppen. Sechstauſend Mann Infanterie und Kavallerie ſtrömten in das Land ein und drangen überall hin, ſelbſt in die vergeſſenſten Schlupfwinkel. Nun erreichte das Ouälen u. Leiden eine ungeheure Höhe. Die Soldaten quartirten ſich in die lutheriſchen Häuſer ein, wirthſchafteten darin mit Fluchen und Toben, zehrten den Wohlhabenden ihre beſten Stücke, den Armen ihr letztes Brot auf, erbrachen Kiſten und Schränke und plünderten, ſpürten den etwa verborgenen Schätzen nach und raubten, und ſelber die Ehre der Frauen und Jungfrauen war nicht ſicher vor ihrer Frechheit. es kam ihm, was auch die allgemeinen Meinungen. Mit — großer Theilnahme ſah er das neue Ringen und Bedenkt man nun, daß die Soldaten jener Zen nicht nur viel rauher und gewaltthätiger waren, als heutzutage, ſondern auch, vaß dieſe hier in dem Wahne ſtanden, Gott habe ein Wohlgefallen an dem Elend der von der katholiſchen Kirche Abgefallenen: ſo muß einem das Elend unſerer armen Glaubensgenoſſen ja überaus groß er⸗ ſcheinen. Es läßt ſich daher leicht denken, daß dieſelben hierdurch meiſtens an den Bettelſtad geriethen. Und dennoch ſollten ſie ihre Steuern und Abgaben entrichten. Fehlte es ihnen nun an den Mitteln, ſo kamen die Bearaten und Schergen, zogen ihre Grundſtücke ein, nahmen ihr Bieh, ihr Hausgeräthe weg; ja mehr als einmal wurde ein Alter, ein Krauker von ſeinem letzten irdiſchen Troſt, aus ſeinem ärmlichen Bette geworfen, mit welchem die Obrigkeit ſich bezahlt machte. ö Doch „Gott iſt getren, der uns nicht läßt verſuchen über unſer Bermögen, ſondern macht⸗ daß die Verſuchung ſo ein Ende gewinne, daß wirs ertragen können“ (1 Cor. 10). Durch ſeine wunderbare Regierung fügte er es, daß den Seinen die Tage der Trübſal erleichtert, ja ver⸗ kürzt wurden und das gerade durch einen Theil der als ihre Dränger und Quäler herbeigerufenen Soldaten. Gewis, der Leſer wird davon nicht. ohne Rührung hören können. Unter den kaiſerlichen Soldaten war nemlich das Dragonerregiwent „Prinz Eugen“ mit ein⸗ gerückt, das größtentheils in proteſtantiſchen Gegenden mußte angeworben worden ſein, denn die Mehrzahl dieſer Dragoner beſtand ans Lutheranern. Daran hatten freilich die Wiener nicht gedacht, und die Soldaten hatte auch der Erzbiſchof nicht nach ihrem Glauben gefragt. Dieſe lutheriſchen Dragoner nun, ſo wild und ſchrecklich ſie gegen bewaffnete Feinde ſein moch— ten, hatten gar keine Luſt, einem wehrloſen Volke wehe zu thun, um ſo weniger einem Volke, das ihren eigenen Glauben bekannte und um desſelben willen ohnedem ſchon unbarmherzig genug mis— handelt war. Vielmehr nahmen ſie ſich der Unglücklichen heimlich an, ſo gut ſie konnten. Die Unterrichteten ſetzten ſich ſogar oft des Nachts mitten in die Familien, laſen ihnen ein Stück der heil. Schrift vor, wo noch eine ſolche gerettet war, und legten es mit herzlichem Eifer aus, oder hielten ſonſt mit ihnen erbauliche Geſpräche, ſie über die Wege Gottes zu belehren und ihr mattes Herz zu erquicken und aufzurichten. Ja mancher ſchreckhafte bärtige Reiter ſtellte da die Kinder um ſich herum, nahm ein kleineres auf den Schooß und ging mit ihnen den lutheriſchen Katech ismus durch. Und die Kleinen, welche anfangs ſchen auf den Mann mit dem Schwerte und ſeinen furchtbaren Bart geſehen hatten, merkten bald, daß er ein milderes Herz haben müſſe, als der ſchleichen de Jeſuit, ſchmiegten ſich mit Vertrauen um ſeine Kniee und an ſeine Bruſt und ließen ſich mit kindlicher Luſt von ihm ſchulmeiſtern. Auch muß man es den ka⸗ tholiſchen Dragouern zum Ruhm nachſagen, daß ſie nach demBeiſpiele ihrer lutheriſchenKameraden ſich ſchämten, gegen Unbewaffnete Krieg zu führen und ſich ebenfalls ordentlich betrugen.