# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 03 21_S59 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 59 Teufel disputiren, auch nicht mit solchen großen und schweren Todesgedanken, als die, so mit langwieriger Krankheit angegriffen werden, sich plagen und martern. Derowegen als dem Herrn Luthero angesagt ward, wie der fromme und gottselige Mann, Herr Nicolaus Hausmann, auf dem Predigtstuhl mit dem Schlage gerührt und gestorben wäre, sagte er, er wünschte, daß er dermaleins auch also sterben und von dieser Welt scheiden möge.“ — Die heilige Absolution, gerettet gegen die Lästerungen der Methodisten. Motto: Das andere Stück in der Beichte ist die Absolution, die der Priester spricht an Gottes Statt, und darum ist sie nichts anders, denn Gottes Wort, damit er unser Herz tröstet und stärket wider das böse Gewissen, und wir sollen ihr glauben und trauen, als Gott selber. Wer aber so blind ist, daß er solches nicht siehet, oder so taub ist, daß ers nicht höret, der weiß freilich nicht, was Gottes Wort und geistlicher Glaube oder Trost sei, was kann er denn Gutes lehren? Siehet ers aber und hörets, und verdammt also wissentlich die Beicht in diesem Stücke, so ist er ein lauter Teufel und kein Mensch, als der sich wissentlich wider Gott setzt, und wehret, daß man Gottes Wort den Leuten nicht soll sagen, noch die Herzen trösten und im Glauben stärken; der mag billig Gottes und aller Menschen Feind gehalten werden, sonderlich der heiligen Christenheit. Und wo solche Prediger sind, da mögen sich wahrhaftig alle fromme Christen vor ihnen hüten, als für dem leibhaftigen Teufel, denn Gottes Wort soll frei sein, und gehen beide öffentlich und sonderlich, jedermann lehren und trösten. Luther. In der Nr. 371 des „Apologeten“, des bekannten Methodistenblattes, vom 13. Februar d. J., finden sich zwei Aufsätze über die heilige Absolution; der erste ist von einem Methodistenmissionar in Fort Wayne, Namens Mulfinger, der andere ist das Werk Herrn Nasts, des Herausgebers der genannten Zeitung. Drei Ursachen sind es hauptsächlich, die uns bewegen, diese Aufsätze nicht ganz mit Stillschweigen zu übergehen. Erstlich weil wir uns, da wir zu reden Gelegenheit haben, nicht der schrecklichen Sünde der Lästerung Gottes und seines heiligen Wortes durch Schweigen theilhaftig machen wollen, denn es steht geschrieben: „Wenn eine Seele sündigen würde, daß er einen Fluch hört, und er deß Zeuge ist, oder gesehen, oder erfahren hat, und nicht angesagt, der ist einer Missethat schuldig.“ Zweitens, weil es insonderheit unser Amt und Beruf erfordert, die uns anvertraute Heerde vor den falschen Propheten zu warnen, die in Schafskleidern zu uns kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind. Drittens endlich, weil die angegriffene Lehre von der heiligen Absolution, leider! selbst von vielen Lutheranern unsrer Tage nicht in ihrer unberechenbaren Wichtigkeit und in ihrem unzertrennlichen Zusammenhange mit der Gesammtlehre von dem Rathe Gottes zu unserer Seligkeit erkannt wird, so daß Gefahr ist, daß das ungeistliche lose Geschwätz der Methodisten auch unter den Lutheranern wie der Krebs um sich fressen werde (2 Tim. 2, 16. 17.), wenn nicht ernstlich dagegen aufgetreten wird. Obgleich wir nach den Erfahrungen, die wir von dem Wesen und Treiben der echten Methodistenprediger unserer Zeit gemacht haben, nie glauben konnten, daß dieselben von dem Geiste der Wahrheit getrieben werden, so haben wir doch nicht erwartet, daß sie es je selbst so deutlich an den Tag geben würden, weß Geistes Kinder sie sind, als es in den oben bezeichneten Aufsätzen geschehen ist. In beiden legen nämlich die Schreiber nicht etwa bloß Bedenken dar, die sie gegen die heilige Absolution oder wegen deren Mißbrauch haben, sondern sie entblöden sich nicht, dieselbe geradezu einen „Rohrstab Egyptens“, ja, „einen Hauptkunstgriff des Teufels“ zu nennen und die, welche der ihnen von einem Diener Christi auf seinen Befehl und an seiner Statt im Namen des dreieinigen Gottes gesprochenen Absolution sich trösten, mit den Worten in den Bann zu thun: „Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verläßt und mit seinem Herzen vom HErrn weicht.“ Wir gestehen, als wir solche Worte lasen, haben wir uns recht von Herzen entsetzt, daß Methodistenprediger, welche sonst so ernstlich für Gott zu eifern vorgeben, vor aller Welt solche greuliche Lästerungen ausstoßen, Gottes ewiges Wort für einen wankenden und zerbrechlichen Rohrstab und eine hochheilige Einsetzung Christi für einen Hauptkunstgriff des Teufels erklären und also den Sohn Gottes selbst zu einem Teufel machen konnten. O, daß den Schreibern in dem Augenblicke, da sie solches schrieben, die Feder nicht aus der zitternden Hand fiel! O, daß sie nicht, da sie das Wort vor sich hatten: „Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen,“ durch dieses sonnenhelle Wort des lebendigen Gottes auf ihre Kniee geworfen wurden, mit Thränen der Reue Gott um Vergebung zu bitten wegen ihres ebenso vergeblichen als frevelhaften Vorhabens, diese hellen Worte zu verdunkeln und dem darin redenden wahrhaftigen und treuen Gott ins Angesicht zu widersprechen! Wir zwar, wenn wir von der Absolution weiter nichts wüßten, als daß ein Luther und tausend andere redliche und hocherleuchtete Zeugen der Wahrheit bekennen, durch die Absolution in ihren höchsten Gewissensnöthen und Aengsten Trost, Licht, Leben und Kraft und das Zeugniß des heiligen Geistes empfangen zu haben, wir würden uns schon darum der schändlichen stinkenden Hoffart schämen, uns über solche Männer zu erheben und ihnen verwegener Weise beizumessen, daß sie dabei in einem fluchwürdigen fleischlichen Vertrauen auf Menschentand gestanden, ja damit einen Hauptkunstgriff des Teufels angewendet hätten, sich einen falschen Trost zu machen. Aber gesetzt, Herr Mulfinger und Herr Nast achten sich für so hocherleuchtet, daß sie auf einen Luther, Melanchthon, Brentius, Chemnitz, Arndt, Paul Gerhardt, Scriver, Heinrich Müller, Conrad Rieger, Schade, Woltersdorf, kurz, auf alle lutherischen Theologen mitleidig, als auf abergläubische und sich mit Hauptkunstgriffen des Teufels behelfende Leute, herabsehen zu können meinen, sollten sie nicht wenigstens vor der Versuchung erzittern, ein heiliges theures Wort Gottes zu verdrehen und zu verdammen? Doch wir gehen ohne weitere Umschweife zur Sache. An drei Orten der Schrift hören wir unsern lieben HErrn und Heiland, IEsum Christum, drei wichtige und merkwürdige Aussprüche thun, welche offenbar von einer und derselben Sache handeln. Nach Matth. 16, 19. spricht er, nachdem Petrus bekannt hatte, daß er des lebendigen Gottes Sohn sei, zu Petro also: „Ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben; Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und Alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein.“ Ferner spricht der Mund der Wahrheit nach Matth. 18, 18. zu allen Aposteln also: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein; und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein.“ Endlich spricht Christus nach Joh. 20, 21—23., da er nach seiner Auferstehung wieder das erste Mal als Sieger über Sünde, Tod, Teufel und Hölle mitten unter seine Jünger trat, zu diesen also: „Friede sei mit euch! Gleich wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und da er das sagte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmet hin den heiligen Geist; welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.“ Diese Worte sind so klar, daß sie keiner Erklärung bedürfen. Wer sie wirklich erst durch seine Auslegung klar machen wollte, der würde nicht anders handeln, als derjenige, welcher mit einem brennenden Talglichte die Sonne erhellen wollte. Daß die Worte: „Sünde erlassen“ oder vergeben, bedeuten: jemanden von seiner Schuld und der damit verdienten Strafe freisprechen, und daß die Worte: „Sünde behalten“, bedeuten: jemanden seine Sünde nicht vergeben und darum zur verdienten Strafe verurtheilen, dies weiß jedermann. Die Ausdrücke: „binden, lösen, Schlüssel“, deren sich Christus in den beiden ersten Stellen bedient, sind zwar metaphorische, das heißt uneigentliche, bildliche Ausdrücke, aber darum nicht zweideutige und ungewisse, sondern so deutliche, daß es auch ein christliches Schulkind einsehen kann, daß sie dasselbe anzeigen sollen, was in der letzten Stelle gesagt wird. Es ist nämlich bekannt, daß die Sünden in der heiligen Schrift sehr oft mit Stricken und Ketten verglichen werden, womit der Satan die Menschen zu ihrer Verdammniß bindet und gefangen nimmt, Spr. 5, 22., 1 Tim. 6, 9., 2 Tim. 2, 26. Wenn daher jemandem die Macht gegeben wird, die Menschen geistlich zu lösen, so ist dies nichts anderes, als die Macht, ihnen ihre Sünden zu vergeben und so die Banden der Sünde und Verdammniß, damit sie gebunden waren, aufzulösen; und wenn jemandem die Macht gegeben wird, die Menschen geistlich zu binden, so ist dies offenbar keine andere Macht, als die, ihnen die Sünden zu behalten und sie so in den Banden der Verdammniß zu lassen und zur Gefangenschaft der Hölle zu verurtheilen. Endlich bedarf es wohl