# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 03 02_S103 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Noch iſt kein Jahrzehend verfloßen, und unſre liebe, bekenntnistreue Synode, an deren geringe, armſelige Anfänge man nicht genug erinnern kann, iſt durch ein Wunder unverdienter göttlicher Baum herangewachſen, der ſegnend ſeine Zweige nach allen Seiten hin ausbreitet. An 70 Ge⸗ meinden gehören bereits zu unſerm Synodalver⸗ l an 140 Prediger und Schullehrer arbeiten, von der Liebe Chriſti getrieben, unter Mühen ö „und Entſagungen aller Art, mit Eifer und Treue ain dem Weinberg des HErrn, und ſelbſt den Narmen Heiden wird auf 2 Stationen durch den Dienſt unſerer Synode das Brod des Lebens ö obrochen. Zwei theologiſche Lehranſtalten ſind unter Gottes gnädigem Beiſtand gegründet, eine — gelehrt-theologiſche zu St. Louis, Mo., die euch mit ihrer trefflichen Einrichtung von deutſcher KTüchtigkeit und Gründlichkeit erſt in Nro. 4 des . diesjährigen Lutheraners zu treuem, dankbarem Fraktiſch-theologiſche hier in Fort Wayne, von der ich den noch Un- oder Falſchberichteten zur Kenntnisnahme, den übrigen zur Erinnerung hier Einiges in der Kürze beifügen will. Unmöglich kann unter den jetzigen Verhäli⸗ niſſen unſere gelehrt-theologiſche Anſtalt das ſchreiende Bedürfnis nach Predigern allgenug⸗ 1 ſam befriedigen. Dazu erfordert es auf dieſem Wege zu lange Vorbereitungszeit, dazu fehlt es 32. gar oft an den hiebei ſo nöthigen Sprachengaben, dazu geben im Ganzen leider, leider noch ſo gar Ewenige Eltern ihre begabten Söhne her. So ihat denn die Noth gezwungen, auch eine prak⸗ „tiſch-theologiſche Anſtalt hier in Fort Wayne zu trrichten, da in kürzerer Zeit, mit höchſt geringem rKoſtenaufwand gottfelige Jünglinge auf prak⸗ tiſchem Weg für den Dienſt der Kirche u. Schule orbereitet werden könnten. Dieſe Anſtalt, die it ihrer Gründung im Jahre 1846 bereits über 460 Prediger und Schullehrer ausgebildet hat, und fortwäh rend einige 20 Zöglinge zählt, beſteht itt3zt aus 3 Abtheilungen: einer Präparanden⸗ ſchule, darinnen fähige Knaben, die entweder die Mittel oder die nöthigen Sprachengaben nicht beſitzen, oder im Alter'ſchon zu weit vorgerückt heſind, um nach St. Louis in das College zu ge⸗ hihen, einen vorbereitenden Unterricht genießen; einem Proſeminar, in welchem ſich diejenigen u zottſeligen Jünglinge, die ſich noch in ſpäteren Jahren dem Dienſt der Kirche widmen wollen, Ldie ihnen etwa noch fehlenden Vorkenntniſſe er⸗ ionnen; und dem eigentlichen theologiſchen Se⸗ . minar. Lehrgegenſtände für die beiden erſten Feäbihellungen fi ſind: deutſche, lateiniſche, und ingliſche Sprache, Rechnen, Geographie, Ge⸗ Viſchichte, bibliſche Geſchichte, Katechismus⸗ ungen, Geſang, Inſtrumental-Muſik; dazu HUmmt für die Proſeminariſten noch: Dogmatik, Eehymboliſche Bücher, ältere Kirchengeſchichte, Ka⸗ ö lechiſierUebungen; im Seminar: Bibelken nt⸗ ris und Bibelauslegung, Dogmatik, ſymboliſche Hcher, vergleichende Symbolik, bibliſche Ge⸗ Eoshiichte, Kirchengeſchichte, Paſtorale, Anweiſung m Homiletik, homilktiſche und latechetiſche N N Gnade und Barmherzigkeit zu einem jungen „Gedächrnis empfohlen worden iſt, und eine werben oder ſich zum Schuldienſt ausbilden 11 — 4b IIYIH1 —1⁰1.— Uebungen. Aller Unterricht wird unentgeldlich ertheilt. Die Koſten für Logis, Heitzung, Licht, Verköſtigung, Bedienung ꝛc. betrugen im ver⸗ gangnen Jahr nur § 20 für die Perſon und dürften ſich, wenn die hieſige Gemeinde und die umliegenven Landgemeinden in ihrem löblichen Eifer, die Anſtalt mit Lebensmitteln ꝛc. zu unter⸗ ſtützen, nicht müde werden, kaum erhöhen, wahrſcheinlich aber noch verringern. Die Wäſcht wird von den Frauen hieſiger Gemeinde beſorgt und das Ausbeßern ꝛc. von leinen Zeug, Wäſche und Kleidern geſchieht durch den hieſigen Frauen⸗ verein. Ja nur wenige beſtreiten ſelbſt die ſo geringen Unkoſten aus eignen Mitteln, ſondern werden meiſt theils von Gliedern der hieſigen Gemeinde, theils von andern Gemeinden unter⸗ ſtützt oder ganz erhalten. — Alle dieſe unaus⸗ ſprechliche Wohlthat hat der HErr an uns Unwürdigen aus freier Gnade gethan, denn wer wäre ſo ruchlos, die Ehre davon einem andern beizulegen als Ihm, dem ſie allein gebührt? Wit verhalten nun wir uns zu ſolchem reichen unverdienten Segen Gottes? Sollte man doch meinen, daß da Schaaren von Evangeliſten ausgebildet werden müßten, daß die frommen Jünglinge ſich in einem heiligen Wetteifer zu Haufen herzudrängen würden, um nach treuer Vorbereitung ſich im Dienſt der Kirche aufzu⸗ opfern, und alles weithin mit dem ſüßen Schall des gnadenreichen Evangelii zu erfüllen, und ihre vielen predigerloſen deutſchen Glaubensbrü⸗ der in den Wäldern Nardamerikas mit Wort und Sacrament zu verſorgen. Aber Gott ſeis ge⸗ klagt, noch ſind wir nicht einmal völlig im Stand unſere eigenen Gemeinden gehörig mit Predigern zu verſehen und dem zur Freude aller treuen Gottesmänner immer lauter werdenden Bedürf⸗ nis der größeren Gemeinden nach treuen, tüchtigen Schullehrern gebührend abzuhelfen, geſchweige denn, daß wir daran denken könnten, die Grenzen unſeres ſo reichen Arbeitsfeldes in dem Maaße zu erweitern und auszudehnen, als wir wohl ſollten und wollten. Angeſichts dieſer großen herzzerreißenden Noth der Kirche wende ich mich denn zuvörderſt an euch, ihr chriſtlichen Eltern unſeres Ver⸗ bandes, denen Gott fähige und begabte Knaben geſchenkt hat. Ach, denkt doch an die unaus⸗ ſprechliche Wohlthat, die euch der HErr dadurch erzeigt, daß Er euch Sein heilig ſeligmachend Wort lauter und rein verkündigen, euch und euren Kindern den Weg des Lebens recht lehren läßt; denkt an das theuere unſchätzbare Gottes⸗ blut, das zu dem Ende euer HErr und Heiland Jeſus Chriſtus auch für euch am Stamm des heiligen Kreuzes vergoſſen hat; denkt an all den Troſt, die Freude, den Frieden, die Seligkeit, die Er euch in Seinem gnadenreichen Evangelio und in den heiligen Sacramenten bereits geſpen⸗ det hat; denkt an die unglückſeligen Eltern, die im alten Vaterland durch Gewalt des Staates in gottloſe Gemeinden eingepfercht oder gar falſcher Lehre preisgegeben ſind, wie ſie ſeufzen und ächzen, und wie ſie freilich Gott auf den Knieen danken und ſich und alles, was ſie ſind und haben, Ihm freudig zuln Dienſte en 15 würden, wenn ſie's im Geiſtlichen ſo gut haben könnten, als ihr es habt; denkt an eure zerſtreu⸗ ten Glaubensbrüder in dieſem Lande, die in der Dürre ſitzen und nach dem Waſſer des Lebens dürſten, die ihre zarten Kindlein vielleicht nicht einmal zur Taufe bringen können, weil weit und breit kein ordentlicher Diener des Worts zu finden iſt, die ſie mit Furcht und Zittern heranwachſen ſehen in heidniſche Finſternis hinein, die ſammt ihnen in der tödlichen Gefahr ſchweben, den. laufenden und rennenden Schwarmgeiſtern in die Hände zu fallen und durch das Gift falſcher Lehre ewiglich zur Hölle verderbt zu werden, — und dann beſchließet bei euch, ob es recht ſei, und ihr es vor Gott verantworten könnt, wenn ihr aus irgend welchen irdiſchen, nichtigen Rück⸗ ſichten eure begabten und natürlich vor allem auch gottesfürchtigen Knaben dem Dienſt der Kirche vorenthalten wolltet. Sind ſie doch allein Gottes Gabe, der ſie im Augenblick wieder von euch zurückfordern kann, und ſeid ihr doch ver⸗ bunden, ſie Ihm aufzuerziehen in der Zucht und Vermahnung zum HErrn und ſie, ſo viel an euch liegt, jedenfalls Ihm und dem gemeinen Wohl zum Dienſt zu ſtellen, — warum nicht auch der Kirche, dem Reiche Gottes, zum beſon⸗ dern Dienſt, der ſie derſelbigen ſo dringend bedarf? Sprecht nicht: ei wir können ja von Deutſchland her mit Predigern verſorgt werden, dort gibt es der müſſigſtehenden Candidaten genug. Ich ſage euch: nicht Deutſchland zu⸗ nächſt, ſondern wir haben die heilige Pflicht von Gott, für die Bedürfniſſe der Kirche hier zu ſorgen; nicht Deutſchland zunächſt, ſondern wir werden dermaleinſt von Gott dafür zur Rechen⸗ ſchaft gezogen werden. Wendet nicht ein: ja wir müſſen doch auch auf das leibliche Wohl unſerer Kinder bedacht ſein, ſtellen wir ſie aber der Kirche zum Dienſt, ſo überliefern wir ſie der Noth und dem Elend, zahlloſen Mühſeligkeiten und Entbehrungen. Ihr folltet Gott darum danken, wenn eure Kinder gewürdigt würden, ſich Ihm und Seiner heiligen Kirche aufopfern, um Seines Namens Ehre und um Seines heiligen Wortes willen auch etwas leiden zu dürfen, denn dann würde einſt im Himmel ihr Lohn gewislich groß ſein. Ach bedenkt es wohl, wie würdet ihr erſchrecken müſſen, wenn Gott Sein ſeligmachend Wort von euch nähme, und ihr müßtet ſelbſt bekennen: das haben wir mit dieſer unſerer Gleichgiltigkeit und unſerm Undank gegen das heilige Evangelium nur zu wohl verdient! Wie wolltet ihr im Gericht beſtehen, wenn euch einſt eure eignen Kinder verklagen würden, daß ihr ſie durch ſolch irdiſchen Sinn ſelbſt der Welt und ihrem Dienſt ausgeliefert, oder doch dem Dienſt der Kirche entzogen habt; wenn Hunderte und Tauſende das Ach und Weh über euch ſchreien würden, weil ihr ſie, ſo viel an euch lag, der reinen Predigt und ſchriftgemäßen Verwaltung der heiligen Sacramente beraubt habt. Darum noch einmal bitte und beſchwoͤre ich euch bei der Liebe Chriſti, bedenkt es wohl, und durchbrecht alle die kleinlichen irdiſchen Rück⸗ ſichten, die euch bisher abgehalten haben, in dieſem Punkt eure Pflicht zu thun, und erweiſet 37 25. 1 H ½