# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 03 02_S102 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) daß man euch die Kirchen ſtiehli, ſo geſchieht das nach dem Worte Gottes, denn die Liebe iſt des Geſetzes Erfüllung, denn wir Unirten lieben uns unter einander, und die Liebe zu Euch zwingt uns, Euch auf dieſe Weiſe in unſtre ſelige Lie⸗ besgemeinſchaft hineinzuziehen.“ Unterdeſſen ſind die Profeſſoren und Paſtoren, und Juriſten auch nicht faul, und beweiſen auf's Klarſte, daß die Lutheriſche Kirche nicht aufgehoben ſei in der Union, ſondern noch eben ſo vollſtändig in der⸗ ſelben beſtehe, wie die blaue oder gelbe Farbe in dem aus beiden gemiſchten Grün. Dabei ver⸗ folgt man aber die luth. Prediger und Gemein⸗ den, enthält ihnen die geſtohlnen Kirchen vor, und zwingt ſie, die unirten Pfaffen und Schul⸗ lehrer mit zu ernähren, und heute noch muß der arme P. Eichhorn von einem Gefängniß in's andere wandern. Unterdeſſen ſpricht man viel von der Liebe, errichtet innere Miſſionen ꝛc. ꝛc., ſchreit gegen die Römiſche Kirche, ſchließt ſich an die Geſandſchaften, um das verfolgte Ehepaar in Turin loszubitten, während man doch die ar⸗ men Leute im eigenen Lande eben ſo ſchändlich maltraitiren läßt. Die Gelehrten beeifern ſich unterdeſſen, die Union weiß zu brennen, ſuchen nun ſchon ſeit Jahren in ihrem eignen Ausge⸗ heckten (denn in Goltes Wort werden ſie es nimmer finden) den richtigen Griff, um die Be⸗ kenner der Wahrheit und der Lüge unter Einen Hut zu bringen, natürlich mit Hülfe der Polizei⸗ büttel, die einem zu dicken Gewiſſen, das nicht mit hineinwill, Helegenllich einige appliciren müſſen, um das ſtobrige Ding ein wenig ge⸗ ſchmeidiger zu machen, und endlich 1853 haben ſie es nach mehreren verunglückten Verſuchen herausgebracht, und oͤffenilich proklamirt. Beſchloſſen: Die Unirte Kirche nimmt die Ungeänderte Augsburgiſche Confeſſion an, inſoweit ſie mit „der Geänderten, oder mit eines jeden Geſchmack übereinſtimmt, und Trotz ſei dem geboten, der nun nicht einſehen will, daß ſie 1853 ehrlich und rechtlutheriſch geworden. ö Erinnerſt du dich noch, Martin, der wunder⸗ lichen Reiſebeſchreibung, mit den putzigen Bil⸗ dern darin, die wir einmal mit einander in der Kindheit geleſen? Da wurde auch eine fliegende Inſel beſchrieben, die in der Luft umherfuhr, welche vom König und ſeinem Hof, außerdem aber von lauter Gelehrten und Künſtlern mit ih⸗ ren Dienern bewohnt war. Die trieben nun wunderliche Dinge. Z. B. in einem großen Fa⸗ brikgebäude befanden ſich lanter Spinnen und Spinnengewebe, und die Herren machten den Verſuch, ſeidne Gewänder aus letztern zu ver⸗ fertigen, aber eben nur Verſuche, denn man hatte, ſo lange die Inſel beſtand, noch nie gehͤrt, daß Ein Seidenfaden geſponnen ſei, doch das Ding ließ man ſich allenfalls noch gefallen. Aus ei⸗ nem andern ähnlichen Gebäude quoll dem Rei⸗ ſenden, dem man erlaubt hatte, die Merkwürdig⸗ keiten zu beſehen, ein entſetzlicher Geſtank entge⸗ gen, ſo daß er kaum den Muth faſſen konnte, hineinzutreten. Indeſſen Reugierde überwand den Ekel; aber was ſieht er? Alle Säle ſind angefüllt m mit“ **— du brauchſt dieſe Stelle 2e 74. — 100— deiner Catharine nicht vorzuleſen — und mitten darin und darunter tiefſinnige Gelehrte mit höchſtvergnüglichen Mienen, die ſinnen nun ſchon Jahre lang darauf, aus den menſchlichen Exkre⸗ menten wieder ordentliche eßbare Speiſe hervor⸗ zubringen. Wir konnten damals das Ding nicht glauben, und da wir auch auf unſerer gan⸗ zen weiten Wanderung kein dergleichen Land an⸗ trafen, ſo war es bei uns beſchloſſen, der Reiſe⸗ beſchreiber müſſe ein Aufſchneider geweſen ſein. Aber all nach gerade fange ich an, einzuſehen, daß wir dem Manne mögen Unrecht gethan ha⸗ ben. Das Land und die Leute exiſtiren, und du weißt nun auch hoffentlich, wo und wer die Leute ſind. Ra Gott befohlen Martin! Dein Hans. P. 8. Meine Frau läßt dich und deine Frau herzlich grüßen, und Ihr ſolltet das Welſchhin⸗ kel nur auf nächſten Montag zurichten, da wol⸗ len wir dem Teufel zum Trotz doch noch ein fröh⸗ lich Mahl mit Cuch halten, weil, wie meine Frau ſagt, unſer lieber Herr Gott noch lebt, und man den Teufel es nicht merken laſſen ſol daß er ei⸗ nen betrübt hat. Dein Hans. Der liebe Hans, der in dieſer Nummer ſeinem gepreßten Herzen wieder einmal Luft gemacht hat, wird gewiß das Mitleiden aller Leſer in Anſpruch nehmen; iſt jammerſchade, daß der gute Junge nicht auf Schulen geweſen iſt; es ſollte dann wohl etwas Tüchtiges aus ihm geworden und er ſolcher kläglichen Täuſchungen, dergleichen ihm wieder einmal paſſirt iſt, überhoben geblieben ſein. Denn die Geſchichte lehrt bekanntlich, daß die Calviniſten —und das ſind ja eigentlich die Unir⸗ ten — immer ſo mit der Augsburgiſchen Con⸗ feſſion geſpielt haben, wie auf dem Berliner unirten Kirchentag geſchehen. Sie ſind dabei ganz in den Fußſtapfen ihres lieben Glaubens⸗ vaters, Johann Calvin's, gegangen. Ealvin nehmlich hat bekanntlich auch, als er in Straß⸗ burg eine Predigerſtelle annehmen wollte, dit ungeänderte Augsburgiſche Confeſſion ohne Zögern mit der Hand unterſchrieben, und die geänderte nur im Herzen angenommen, da in jener Stadt damals niemand ein Amt beklei⸗ den durfte, der dieſe Unterſchrift nicht leiſten wollte. Calvin rühmt ſich ſelbſt noch im Jahre 1557 dieſer Handlung, indem er an Schelling in Regensburg ſchreibt: „Ich verwerfe die Augsburger Confeſſion nicht, welche ich vorlängſt willig und gern unterſchrieben habe, wie dieſelbe der Autor (Melanchthon) ſelbſt aus gelegt hat.“ (Ep. 236. ed. Lausan.) Wie ſchreibt aber derſelbe Calvin im Jahre nach Melanchthons Tode?—Alſo ſchreibt er (an Beza am 10. Sept. 1561): „Die Augsburgiſche Confeſ⸗ ſiomiſt, wie du weißt, die Fackel eu⸗ rer Furie“ (er meint die Königin Mutter, Catharine von Medicis,) „um einen Brand an⸗ zuſchüren, durch den ſie ganz Frankreich in Flam⸗ men ſetze. Aber es iſt wohl zuzuſehen, wozu ſie (die Augsb. Conf.) aufgedrungen werden ſoll; da ihre zu große Gelinbigkeit (mollities) den Verſtändigen immer mißfallen und dem Urheber derſelben leid gethan hat und an den meiſten Stellen dem beſonderen Gebrauche Deutſchlands angepaßt iſt. Ich übergehe, daß ihre Kürze ſie ſoͤohl dunkel, als, wegen Auslaſſung mancher Stücke von größter Wichtigkeit, mangelhaft macht. Uebrigens wäre es ungereimt, jene mit Hintan⸗ ſetzung der Confeſſion der Franzoſen anzuneh⸗ men. Ja, auf dieſe Weiſe wird für die Zukunft Stoff zu Streit bereitet, weil die Majorität nit! von der einmal angenommenen Confeſſion wei⸗ chen wird.“ (Ep. 313.) Schon in jenem Jahrt, in welchem Calvin die vrrherangeführten Worte geſchrieben hatte, (1557) ſchrieb er an die Evan⸗ geliſchen in Polen: „Das wird doch kein Abge⸗ hen von der Augsb. Conf. ſein, wenn eine kla⸗ rere Auslegung (7) Eures Glaubens dazu kommt!“ Was verſteht denn nun aber Herr Calvin unter einer ſolchen klareren Auslegung! Er ſagt es in dem Folgenden mit dieſen Wor⸗ ten: „Die Art und Weiſe der Mittheilung iſt zu erklären: daß nehmlich Chriſtus, in dem er nach ſeinem Leibe im Himmel bleibt, durch eine wunderbare Kraft ſeines Geiſtes zu uns herabkommt und uns zugleich zu ſich hin⸗ auf erhebt. —Das iſt die ſaubere „klarere Aus⸗ legung,“ welche Calvin von dem 10. Artikel der Augsb. Confeſſion gibt, und die ihm erlaubte, dieſe Confeſſion zu unterſchreiben; wie es ſich Wort für Wort in dem 244. Briefe der angezo⸗ genen, von Beza beſorgten Ausgabe findet. Iſt's nun ein Wunder, wenn der Calviniſche Geiſt jetzt ähnliche Stücke ſpielt? x Da Hans dies alles nicht wußte, ſo iſt ihm wohl zu verzeihen, daß er ſich, weil ihm dieſe Sache ſo neu war, darüber vielleicht mehr altt⸗ rirt hat, als nöthig war. Sollte auch vielleicht manchem die Sprache Hanſens etwas rauh er⸗ ſcheinen, ſo bedenke man nur, daß er eben auf x der Feder nicht ſo geübt iſt, wie die Gelehrten, die es verſtehen, die größten Grobheiten auf dit feinſte Weiſe vorzubringen. ö (Für den „Lutheraner.“) Aufruf an alle Glieder unſerer Synode, ſich den immer noch ſo fühlbaren Mangel der⸗ ſelben an Predigern und Schullehrern recht zu Herzeu dringen zu laſſen. Während im alten Vaterland unſere theuere lutheriſche Kirche unter dem Joch des Staates ſeufzt und ſich die kirchlich-Iutheriſchen Angele⸗ genheiten dort immer mehr trüben und von dem Schwall der Tagesmeinungen und Tagesver⸗ ſuche die Stimme des Einen, reinen, ungefälſch⸗ ten Bekenntniſſes immer mehr übertäubt wird, und gar zu verſtummen droht, hat der barmher⸗ zige Gott unſer neues Vaterland in Gnaden angeſchaut und läßt hier das Licht Seines ſüßen, gnadenreichen Evangeliums in hellem Glanze leuchten, und ſammelt täglich Seelen aus der gottloſen argen Welt und ſchaart ſie um das Siegspanier des lauteren, ſchriftgemäßen Be⸗ kenntniſſes Seiner treuen Kirche von reinem Wort und Sacrameni. — Au