# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 01 03_S88 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſche wendend, den Aufſatz ſchließt. Es ſind folgende: „Seid Ihr noch nicht müde der Feſſeln, welche Euch die deutſchen Revolutionäre von 1848, die die Controlle der Preſſe auf verſchmitzte Weiſe an ſich zu bringen wußten, angelegt haben? Wollt Ihr länger Eure religiöſen, ſittlichen und ſocialen Verhältniſſe vor Euren amerikaniſchen Mitbürgern mißrepräſentiren laſſen? Ihr könnt, wenn Ihr nur wollt, dieſe Läſterer, die Euren Gott verhoͤhnen, Euren Glauben verſpotten, den guten Leumund Eurer Weiber und Töchter be— kleckſen, ſchnell zum Schweigen bringen. Haltet Gemeindeverſammlungen, und faſſet Beſchlüſſe, worin Ihr Euch entſchieden gegen die Redakteure der Zeitungen ausſprecht; erſuchet ſie ſolche Be— ſchlüſſe zu veröffentlichen, und wenn ſie Euch die Aufnahme verweigern, ſo entzieht ihnen Eure Unterſtützung! Errichtet neue Blätter, an allen Orten, die nicht Eure Anſichten mißrepräſentiren, ſondern dieſelben treu abſpiegeln! Auf u. drauf! Steuert dieſem Unweſen und ſtreifet die Feſſeln ab, die Ihr nun ſo lange ſchon mit Unwillen getragen habt. Wir ſind bereit ſolche Gemein— debeſchlüſſe, wenn die Lokalblätter die Aufnahme verweigern, in unſere Spalten aufzunehmen. Ihr aber, Herausgeber von deutſchen Zeitungen, die Ihr Gott ehrt, auf Zucht und Sitte haltet, redet der guten Sache das Wort! Wir werden die Namen aller Blätter, die ſich in unſerem Sinne ausſprechen, durch unſere Spalten ver— öffentlichen!“ — Der „Lutheraner“ hat hierzu nichts hinzuzu— ſetzen, als den Wunſch, Gott möge den theuren Herrn Herausgeber des „National Demokraten“ ſtärken, immer kräftiger gegen die hieſige deutſche ſataniſche Preſſe zu zeugen, die auch hier in St. Louis ſo eifrige Werkzeuge, unter anderem an dem Redakteur des „Anzeigers des Weſtens“, dem Juden Börnſtein, hat. — Urtheil der Reformirten über Luther, Zwingli und Calvin. In der neueſten Nummer der „Reformir— ten Kirchenzeitung“ von Chambersburg in Pennſylvanien findet ſich u. A. Folgendes: „Mit Luther ſtimmte Zwingli faſt in Allem über— ein. In der Lehre vom Abendmahl jedoch wichen ſie von einander ab. Sie kamen deshalb zu Mar— burg zu einer Berathung zuſammen (1529), konnten ſich aber nicht einigen. Dieß konnte auch nicht anders kommen; denn was Chriſtus, der oberſte Schulmeiſter 4), nicht hat erklären wollen, ſollten wir Menſchen zu erklären uns auch nicht unterſtehen. Zwinglüi blieb bei der Lehre, daß Brod und Wein beim Abendmahle nur Erinner— ungszeichen oder Sinnbilder des Todes Jeſu ſeien. Luther dagegen beharrte auf den Satze, daß in, mit und unter dem geſegneten Brode u. Weine der Leib und das Blut Chriſti auf eine unſichtbare und unbegreifliche Weiſe genoſſen werde. Dieſer nahm alſo die Worte ‚das iſt mein Leibdas iſt mein Blut, wörtlich, während jener ſie erklären wollte durch: dieß bedeutet meinen Leib, mein Blut'.— — Von Calvin heißt es nun; „Sein ſtreitſüchtiges und heftiges Betragen zog ihm ſo viele Feinde zu, daß man ihn aus der Stadt verbannte... So ward z. B. eine obrigkeitliche Perſon des Amtes entſetzt und mit zweimonatlicher Gefängnißſtrafe belegt, weil der Lebenswandel dieſes Mannes unregelmäßig ſei und er mit Calvin's Feinden in Verbindung ſtehe. Ein anderer ward enthauptet, weil er gott— loſe Briefe und unſittliche Verſe geſchrieben und die Kirchenordnungen zu ſtürzen geſucht habe. Am meiſten hat Cal vin ſeinen Ruf durch folgende That befleckt: Ein Spaniſcher Arzt, Na⸗ mens Servetus, läugnete in einem Buche: die Wiederherſtellung des Chriſtenthums', die Gott⸗ heit Chriſti. Deßhalb mußte er aus Spanien fliehen und kam nach Genf. Calvin ließ ihn feſtnehmen und überlieferte ihn dem Gericht, das ihn zum Scheiterhaufen verurtheilte. Unduldſam— keit war überhaupt Ealvin's größter Fehler. Er erkannte dieß ſelbſt, ſo daß er an einen Freund alſo ſchrieb: Ich habe keine härteren Kämpfe ge— gen meine großen und zahlreichen Fehler, als die⸗ jenigen, in denen ich meine Unduldſamkeit zu be— ſiegen ſuche. Dieſes reißenden Thieres bin ich noch nicht Herr geworden.“ — Fürwahr, merkwürdige Geſtän dniſſe über die Helden der reformirten Kirche! Nimmt man nun noch, was Calvin betrifft, ein anderes Geſtänd⸗ niß deſſelben hinzu, nehmlich: „Ich bekenne, daß ich von Natur furchtſamen, weichlichen u. blöden Gemüthes bin“(Pr. ad Ps.) — ſo weiß man in der That nicht, was man denken ſoll. — — (Eingeſandt. ) Welthändel. Das Jahr 1853 geht zu Ende unter Ereig⸗ niſſen, welche viel bevorſtehendes Unheil anzu— deuten ſcheinen. Die europäiſchen Völker, wel⸗ che eben darüber jubilirten, daß die Türken an der Donau und in Aſien am Caukaſus über die Ruſſen ſiegten, namentlich die Franzoſen und Engländer wurden plötzlich durch die Botſchaft aufgeſchreckt, daß die Ruſſen zur See und bald auch zu Lande über die Türken geſiegt hätten. Der engliſche Befehlshaber der türkiſchen Flotte war eben nach Conſtantinopel zurückgekehrt mit der Nachricht, im ganzen ſchwarzen Meere ſei kein ruſſiſches Kriegsſchiff zu ſehen; die mächtige Kriegsflotte der Engländer und Franzoſen, zum Schutz der Türkei dort verſammelt, lag unthätig im Hafen von Conſtantinopel wie zuvor und die Officiere ergötzten ſich mit Tanzereien und Ga— ſtereien. Da eilte ein flüchtiges Dampfboot herbei und berichtete, daß am 30ſten Rovember ein Theil der türkiſchen Flotre unter Osman Bey, 11 Schiffe, im Hafen von Sinope durch eine ruſſiſche Flotte von 24 Schiffen unter Ad⸗ miral Nachimow gänzlich zerſtört ſei; 5000 Tür— ken ſollen dabei ihren Tod gefunden haben. Ob *) Wir machen ein⸗ ſür allemal bekannt, daß der Bericht von Welthändein von einem Correſpondenten aus Philadel⸗ phia gegeben wird, damit, wenn das „Cingeſandt,“ wie ſchon beſchehen, vergeſſen wird, niemand meine, wir wollten uns mit fremden Febern ſchmücken. D. R. nun wirklich der Verluſt der Türken ſo groß iſt, wie die Ruſſen behaupten, iſt unbeſtimmt, aber das iſt gewiß, daß der ruſſiſche Admiral ſein eig⸗ nes Flaggenſchiff nur eben noch in den Hafen von Sebaſtopel bringen konnte; ſo zerſchoſſen war es; nur einige Gefangene, unter denen namentlich Osman Bey ſelbſt, dagegen nicht ein einziges türkiſches Schiff konnte er zum Zeug⸗ niß ſeines Sieges aufweiſen. Da indeß der ruſſiſche Kaiſer bei dieſer Gelegenheit angegriffen hat, ſo werden die Engländer und Franzoſen jetzt wahrſcheinlich genöthigt ſein, ihre Flotten in's ſchwarze Meer gegen die Ruſſen zu ſenden, ſo daß ſie damit nun wirklich auch von ihrer Seite den Krieg beginnen würden. Die engli- ö ſche Regierung zwar zögert noch immer, den Be. fehl zum Angriff zu geben, und mit ihr die fran— zöſiſche, allein darüber herrſcht bereits in beiden Ländern große Unzufriedenheit, zumal da nach den letzten Nachrichten die Ruſſen auch in Aſien an zwei Plätzen geſiegt haben und der Schah von Perſien droht, vom Süden her die Türken zu ängſtigen. Oeſtreich müht ſich ordentlich ab, Frieden zwiſchen den Streitern zu vermitteln, aber Nikolaus wird wegen ſeiner Ruſſen, Abdul Meſchid wegen ſeiner Türken nicht Frieden ma⸗ chen dürfen. — Gott Lob, daß wir den Frieden haben, den die Engel haben den Menſchen zu— geſprochen in der heiligen Weihnacht! Hier zu Lande hat ſich in den letzten Wochen nichts beſonders zugetragen. Das ſchöne hei— lige Weihnachtsfeſt iſt wohl wieder überall mit abſcheulichem Lärmen und viel Freſſen und Sau— fen gefeiert worden; in Philadelphia wenigſtens ſind an den beiden heiligen Tagen nicht weniger als 270 Betrunkene beigeſteckt worden. Wie iſt es doch möglich, daß die chriſtlichen Gemein— den, welche aus Amerikanern beſtehen, ſogar zu keiner chriſtlichen Feier der Feſttage und des Kir— chenjahrs überhaupt kommen können? Iſt es denn ſo ſchwer zu begreifen, daß durch die Feier des Kirchenjahrs und namentlich ſeiner ſchönen hohen Feſte die Kinder ſchon in der heiligen Ge— ſchichte leben lernen, welche die großen Thaten Gottes in Chriſto erzählt? daß dadurch dieſe göttlichen Heilsthaten nicht bloß dem Gedächt— niß, vielmehr noch dem Herzen unauslöſchlich eingeprägt werden? daß überhaupt das ganze Leben dadurch eine göttliche Weihe, ich möchte ſagen einen himmliſchen Glanz erhält und wir vom heiligen Geiſte wie an einer lieben Freun— deshand von einer Gnadenthat Gottes zur an⸗ deren Jahr aus Jahr ein geführt werden, bis der Tag anbricht und der Morgenſtern aufgeht in unſerm Herzen? Die lieblichſten Erinnerun⸗ gen unſerer Jugendzeit im alten Vaterlande knü— pfen ſich an die ſchönen Feſte des Herrn; es iſt mir, als wäre ich da ſelber mit im Stall zu Beth— lehem geweſen und hätte an der Krippe gekniet und angebetet den Heiland der Welt, als hätte ich unter ſeinem Kreuze geſtanden, in das leere Grab hinabgeſchaut, ihm gen Himmel nach ge— ſchaut, das Pfingſtwunder ſelbſt geſehen. Ach daß doch alle Chriſten dieſes Landes die ſchönen Feiertage des Herrn begehen lernten! Viele meinen freilich, das ſei katholiſch, aber es iſt nicht