# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 03 07_S56 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) müthigen, und um solcher Un- oder Maulgläubigen willen herzlich Leid zu tragen, danach aber durch Gebet und Fürbitte, Ermahnen, Strafen, Locken, Bitten, Drohen, Verheißen, die Stimme des guten Hirten zu den verlornen Schafen zu tragen und sie für ihn zu gewinnen suchen. Denn die reine Liebe soll allerdings stets bei der reinen Lehre sein; und sie ist es auch bei denen, die dieser Lehre von Herzen anhangen, und zwar ohne jene gefährliche Beimischung von geistlichem Hochmuth und falschem, fleischlichen Bekehrungseifer, der, als der Schein der Liebe bei der unreinen Lehre der Sectirer und bei der falschen Heiligkeit der Separatisten gewöhnlich gefunden wird. (Fortsetzung folgt.) Klage über den Verfall der Americanisch-lutherischen Kirche. In der 52. Nummer des 3. Jahrgangs des „Lutheran Standard" (d. h. lutherisches Panier), einer durch die Directoren des Columbus-Seminars publicirten englischen Zeitung, finden wir ein Geständniß von dem Verfall der americanisch-lutherischen Kirche, das um so mehr zu beachten ist, da diese Zeitung durchaus nicht auf Seiten der sogenannten Altlutheraner stehen will, ja dieser noch in derselben Nummer in einem eingesandten Artikel mit unverkennbarem Widerwillen gedacht wird. Nachdem Hr. Spielmann, Ehrw., der Herausgeber, erwähnt hat, wie zwei ausgezeichnete Männer der hiesigen reformirten Kirche, die Doctoren der Theologie Schaaf und Nevin, jetzt mit gutem Erfolge darauf hinarbeiten, die deutsch-reformirte Kirche in America zu der auch von ihr verlassenen Lehre ihrer Symbole zurückzuführen, insonderheit auch in Betreff der Lehre vom heil. Abendmahle, so bricht Hr. Spielmann in folgende gerechte Klage über den in der americanisch-lutherischen Kirche geschehenen Abfall aus: „Wir sind mit Trauer und Schmerz erfüllt, wenn wir die gegenwärtige Beschaffenheit unserer eigenen Kirche betrachten. Wir können den Zustand unserer eigenen Kirche nicht einen glücklichen und gedeihlichen nennen, wie manche thun. Wir meinen, wir haben überflüssige Ursache, uns vor Gott in Staub und Asche zu demüthigen und Ihn inbrünstig anzurufen, sie vor gänzlicher Auflösung zu bewahren, welcher sie, leider! entgegen zu gehen scheint. Es kann nicht geleugnet werden, daß unsere Kirche in beträchtlicher Ausdehnung von den Principien (Grundsätzen) und Lehren ihrer Confession abgewichen und in demselben Verhältniß in andern Benennungen aufgegangen ist. Wir sind fern davon, einen freundlichen Verkehr mit andern Zweigen der christlichen Kirche zu mißbilligen. . . Aber dies kann geschehen ohne daß es nöthig wäre, die Principien unserer Kirche zu verlassen oder von ihren Lehren abzugehen. Die lutherische Kirche kann, wie irgend eine andere, ihren Bestand als solche allein behaupten durch ein festes und in allen Puncten treues Anhangen an ihren öffentlich anerkannten Lehren und Principien. Wir sind nicht gemeint, um Worte zanken zu wollen, aber so weit es die Lehren und Principien betrifft, dringt sich uns die Ueberzeugung auf, daß selbige in ihrer Reinheit erhalten werden sollten. Es thut uns Leid, daß solches nicht geschehen ist und daß so manche unserer Glieder so wenig mit ihnen vertraut sind. Es ist daher von hoher Wichtigkeit, daß wenigstens Theile unserer symbolischen Bücher bald übersetzt und in weiten Kreisen verbreitet werden sowohl in deutscher als englischer Sprache." „Wir empfehlen eine sorgfältige Durchlesung des oben mitgetheilten Artikels" (es war eine Abhandlung vom heil. Abendmahl aus einer Zeitung der reformirten Kirche), „welchen wir, ohne ihn zu unterschreiben, hauptsächlich darum veröffentlichen, um unsern Lesern die Ansichten unserer reformirten Brüder vom Sacrament des Mahls des HErrn vorzulegen. Es sollte uns nicht Wunder nehmen, wenn manche unserer Leser diese (reformirten) Ansichten mehr lutherisch finden sollten, als diejenigen, welche von manchen Gliedern der luth. Kirche genährt werden." ꝛc. Es hat uns innig erfreut, selbst in dem „Lutheran Standard" ein so offenherziges Geständniß des tiefen Verfalls unserer Kirche hier und eine so wehmüthige Klage darüber auch vor unseren englischen Glaubensgenossen ausgesprochen zu finden. Denn worüber hier Hr. Spielmann vor aller Welt seine Klage ausschüttet, das ist es und nichts anderes, was auch wir und alle diejenigen beklagen und gern zum allgemeinen Bewußtsein bringen möchten, die wir hier oft deswegen wie eine neue Secte behandelt und darum nicht Lutheraner, was wir doch bloß sein wollen, sondern Altlutheraner genannt werden.*) Nun wohlan, will man uns, etwa weil wir hier nicht erzogen worden sind, nicht hören, wenn wir gegen den geschehenen Abfall Zeugniß ablegen, so höre man doch auf solche Zeugnisse, wie das obige ist, gegen welches man kein ähnliches Vorurtheil hegen kann. *) Recht verstanden, ist freilich der Name „Altlutheraner" kein Sectenname, denn ein Lutheraner kann eigentlich nur dann diesen seinen Namen in der Wahrheit führen, wenn er ein Alt-Lutheraner ist, d. h. wenn er die alte lutherische, und nicht eine neue Lehre annimmt. Mit gleicher Freude begrüßen wir die Aufforderung Hrn. Spielmanns zu Veranstaltung eines neuen Abdrucks der symbolischen Bücher der luth. Kirche in deutscher und englischer Sprache. Und so sehr wir wünschten, daß diese öffentlichen Bekenntnißschriften sogleich sämmtlich aufgelegt würden, so sind wir doch bereit, wenn dieses unausführbar schiene, damit wenigstens Etwas geschehe, die Hand auch dazu zu bieten, daß vor der Hand einzelne Symbole unserer Kirche aufs neue abgedruckt und etwa mit der vollständigen Augsburgischen Confession, einschließlich der drei allgemeinen Bekenntnisse, der Anfang gemacht würde. Wir hoffen zu Gott, daß so das Verlangen nach diesen Zeugnissen geweckt und nach und nach sämmtliche Symbole herausgegeben werden könnten. A COMMENTARY on St. Paul's Epistle to the Galatians, BY MARTIN LUTHER. 8vo. $1.50. New York: R. Carter, 58 Canal Street. — Pittsburg: 58 Market Street. 1844. Unter dieser Aufschrift fanden wir vor einiger Zeit eine englische Uebersetzung der Lutherschen Auslegung des Briefes an die Galater in dem hiesigen "Herald of Religious Liberty" angezeigt. Diese Anzeige erfüllte uns mit großer Freude, da wir schon längst gewünscht hatten, daß auch diejenigen Lutheraner, welche nur der englischen Sprache kundig sind, ein Buch Luthers in die Hände bekommen möchten, aus welchem Luthers wahre Lehre vollständig eingesehen werden kann. Nachdem wir uns aber das Werk selbst angeschafft und dasselbe näher geprüft haben, finden wir unsere Hoffnung getäuscht. Dasselbe enthält zwar eine bereits 1575 zu London besorgte, von dem Bischof Edwinus Sandys empfohlene und ziemlich treue Uebersetzung des lateinischen Urtextes, es sind jedoch viele wichtige Stellen weggelassen. Die nicht selten in dem Urtext vorkommenden Bestrafungen des Irrthums der Sacramentirer (der Reformirten, welche die wirkliche Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im heil. Abendmahl leugnen) und die Widerlegungen derer, welche auf Kosten der Wahrheit Kirchenfrieden (Union) stiften wollen, fehlen sämmtlich in dieser englischen Uebersetzung, so daß also der englische Leser den ganzen, oder den wahren Luther aus derselben nicht kennen lernen kann. Wir können nicht sagen, wer sich dieser unredlichen Verstümmelung des Lutherschen Werkes schuldig gemacht habe, ob der Uebersetzer im Jahre 1575, oder derjenige, welcher die neue New Yorker Auflage von 1844 besorgt hat. Wollte der "Lutheran Standard" nicht die englisch redenden Lutheraner auf die gerügte Verstümmelung aufmerksam machen und eine gute Uebersetzung der weggelassenen Stellen als Supplement liefern? Wir wollen hier nur auf eine solche aufmerksam machen. Weggelassen ist in der englischen Uebersetzung, was Luther z. B. zu Gal. 4, 17. sagt: „Gleich also müssen wir dieser Zeit von den Sacramentirern auch hören, daß sie uns Schuld geben, wir seyn allzu steif und halsstarrig, und zertrennen alle Liebe und Einigkeit in den christlichen Gemeinden, damit, daß wir ihre Lehre vom Abendmahl strafen, und nicht recht sprechen wollen; meinen, es sollte viel besser seyn, daß wir ein wenig die Augen zuthäten, und ihnen etwas nachließen, sonderlich weil daran nicht groß gelegen, denn daß wir um dieses einigen Artikels willen, welcher doch nicht der fürnehmsten einer sein soll, so große Zwietracht, Spaltung und Zank in der Christenheit anrichten, so sie doch sonst in keinem Artikel der christlichen Lehre mehr uns entgegen sein, denn in diesem einigen allein, von dem Abendmahl. Darauf antworte ich also: Verflucht sei die Liebe und Einigkeit, um welcher willen zu erhalten man Gottes Wort in einen Mißverstand kommen lassen soll." Das ist freilich keine Sprache, wie man sie jetzt zu hören gewohnt ist, aber ist es nicht höchst unredlich, daß man solche Stellen ausgetilgt hat, und doch auf dem Titel den ganzen Commentar Luthers verspricht, ja in der Vorrede den Leser versichert, daß der Urtext „auf das gewissenhafteste übersetzt sei"? ("most sincerely translated into our language.") Die Hauspostille Dr. M. Luthers. Die Leser werden sich noch aus einer in der 1. Nummer des 2. Jahrgangs dieses Blattes gemachten Anzeige erinnern, daß diejenigen, welche auf obiges Werk subscribiren wollten, die Zahlung für dasselbe, wenn es seiner Vollendung nahe sein würde, baar einsenden mußten. Vor einigen Tagen haben wir die Nachricht erhalten, daß das Werk bis zum 1. April 1846 fertig sein wird. Es sind daher alle diejenigen, welche durch den Herausgeber des „Lutheraner" auf das gedachte Buch subscribirt haben, hierdurch dringend aufgefordert, den Betrag für jedes bestellte, nehmlich für ein gebundenes Exemplar $2 und für ein geheftetes $1,50 in den nächsten Tagen einzusenden. Hr. H. Ludwig, der Herausgeber der Hauspostille, zeigt hierdurch den Subscribenten an, „daß er ein größeres Format und größeren Druck, als er Anfangs beabsichtigte, gewählt hat; obschon dies die Kosten etwas erhöht, so hofft er, daß die Zahl der Abnehmer diese wieder decken wird. Sollte das Unternehmen eine günstige Aufnahme finden, so wird mit Gottes Hülfe auch zum Abdruck der Kirchenpostille Dr. Luthers unter gleichen Bedingungen und demselben Format geschritten werden."