# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 01 03_S84 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) — — + und noch opfern, während alle Proteſte gegen ſie Seitens der anderen Jeſuiten nur Gaukel⸗ ſpiel und Blendwerk für die Uneingeweihten, für den Haufen ſind; denn bei dieſen Geſellen gelten die Sprüchwörter: Intus ut libet, foris ut moris est— Loquimur cum vulgo, sentimus cum doc- tis, das heißt, Im Herzen wie's beliebt, im Aeußeren wie's Sitte iſt — Wir reden mit dem gemeinen Pöbel, wir denken aber mit den Ein⸗ geweihten. Ehe wir nun den verſprochenen Schluß hinzu⸗ ſetzen, können wir nicht umhin, unſere Leſer noch darauf aufmerkſam zu machen, daß, wenn irgend etwas, es die Geſchichte der Jeſuiten iſt, welche es unwiderſprechlich beweiſt, daß das Pap ſt⸗ thum wirklich die Eeclesia malignantium, die Kirche der Gottloſen oder Verſammlung der Boshaftigen (Pſ. 26, 5.), die Synagoga Sata- nae, die Schule des Satans (Offg. 2, 9.), die Meretrix magna, die Babylon magna, die Mater fornicationum et abominationum terrae, die große Hure, die große Babylon, die Mutter aller Gräuel auf Erden (Offg. 17, 1. 5.), kurz, die Kirche des Antichriſts ſei, von welchem geſchrieben ſteht, er ſei „der Menſch der Sünde und das Kind des Verderbens. Der da iſt ein Widerwärtiger, und ſich überh ebt über alles, das Gott oder Gottesdienſt heißt, alſo, daß er ſich ſetzet in den Tempel Gottes, als ein Gott, und gibt ſich vor, er ſti Gott ... Welches Zukunft geſchieht nach der Wirkung des Satans, mit allerlei lügenhaftigen Kräften, und Zeichen, und Wundern, und mit allerlei Verführung zur Ungerechtigkeit unter denen, die verloren werden; dafür, daß ſie die Liebe zur Wahrheit nicht haben angenommen, daß ſie ſelig würden“. I2 Theſſ. 2, 3. 4. 9. 10.] Es iſt ja freilich wahr, ein Pabſt ſelbſt hat den Jeſuitenorden aufge⸗ hoben, allein Päbſte ſelb ſt waren es auch, welche dieſe Satansſchule beſtätigt, dieſelbe mit unerhörten Privilegien ausgezeichnet, die Ordensglieder viele Male als die treueſten Glieder und Vertheidiger der Kirche belobt, ihr teufliſches Inſtitutum feierlich gutgeheißen und beſiegelt und mehrere Jeſuitengenoſſen canoniſirt und zu Schutzheiligen gemacht haben; ja, ein Papſt war es auch, der im Jahre 1814 vie beiſpielloſe Unverſchämtheit hatte, in jener Bulle, die ſich mit den Worten anfängt „Solli- citudo omnium“, den (von ſeinem Vorgänger, unter Androhung des großen Bannes für alle Erneuerer, auf immerwährende Zeiten aufge⸗ hobenen) Jeſuitenorden kraft ſeiner päpſtlichen Vollgewalt wiederherzuſtellen. Darin heißt es zuerſt u. A. von dem geweſenen Jeſuiten Karnu in Rußland, es ſolle ihm mit anderen Weltgeiſtlichen erlaubt ſein, „in eine Geſellſchaft zuſammen zu treten, damit ſie deſto leichter nach der Weiſe ihres Inſtitutum“ predigen, unterrichten ꝛc könnten. Hierauf wird erklärt, daß dieſe Reſtauration hiermit „auf den geſammten Kirchenſtaat und auf alle anveren Staaten und Länder ausge⸗ dehnt werde“. Weit entfernt, daß in dieſer Wiedereinſetzungsbulle der in der Aufhebungs⸗ —52— 4 bulle namhaft gemachten Verbrechen der Jeſuiten auch nur mit einem Wörtlein Erwähnung gethan würde, ſo nennt vielmehr Pabſt Pius VII., kaum den Klauen Napoleons entronnen, die Jeſuiten ohne Schaam und Scheu: „die er⸗ fahrenen und muthvollen Arbeiter, die ſich darbieten, um die Wogen des Meeres zu brechen“, die an das Schifflein Petri jetzt anſchlügen. Nicht neue beſſere Jeſuiten alſo waren es, welche Papſt Pius VII. wieder in ſeinen Sold nahm, da er ſeinen Satansſtuhl (Offg. 2, 13.) wieder erſchüttert wanken ſah, ſondern die alten Jeſuiten, mit ihrem alten Inſtitutum und allen ihren alten Gräueln, Bosheiten und teufliſchen Praren! Wie konnte es auch anders gehen? Hatte ja doch ſchon der Jeſuitengeneral Lorenz Ricci auf den Antrag, den Jeſuitenorden zu reformiren, geantwortet: „Sint, ut sunt, aut non sint“, das heißt, „Entweder ſeien ſie, wie ſie ſind, oder ſie müſſen zu ſein aufhören“. Was hätten ſie aber auch Pabſt Pius VII. zu ſeinen Zwecken helfen können, wenn er ſie nach Gottes Wort hätte umſchaffen wollen? Ihm konnte nur mit ſolchen Jeſuiten gedient ſein, die laut ihres alten Inſtitutum bereit ſind, wenn es ihr Oberer gebietet, mit Freuden auch eine „Todſünde“ zu begehen. Ohne daher die Gabe der Weiſſagung zu haben, ſondern nur weil er eingeweiht war in das Geheimniß der Bosheit 12 Theſſ. 2, 7.J, auf welchem das Papſtthum beruht, hat daher der dritte Ordensgeneral der Jeſuiten, Franz Borgia lden Benedikt XIII. im Jahre 1724 wegen ſeiner Verdienſte um den päpſtlichen Stuhl unter die Heiligen verſetzte‚! ſchon im 16. Jahrhundert die merk— würdige Vorausverkündigung gethan: „Wie Lämmer haben wir uns eingeſchli⸗ chen, als Wölfe regieren wir, wie Hunde wird man uns vertreiben, aber wie Adler werden wir uns verjüngen“. — Wohl iſt es ferner geſchicht⸗ liche Thatſache, daß Päpſte ſelbſt die ſchändlichen Moralgrundſätze öffentlich verdammt haben. Innocentius XI. hat u. A. im Jahre 1679 nicht weniger als 65 Teufelslehren (1 Tim. 4, 1.), welche er, wie er in ſeiner Bulle ſagt, aus den Schriften der jeſuitiſchen Moraliſten, inſonder⸗ heit des Azorius, Sanchez, Leß, Laymann, Filliucius, Tamburini u. A. gezogen hat (die wir ſeiner Zeit unſeren Leſern noch mitzutheilen gedenken), verdammt. Allein was waren alle dieſe Verdammungen andres als ein Komödien⸗ ſpiel? Was waren ſie anderes, als eine Beichte der Päpſte, welche, ſo wahrheitsgetreu und ſo wichtig für uns ſie auch iſt, denſelben doch nur auf der Tortur der Zeitumſtände erpreßt war? Wenn in der römiſchen Kirche je ein Mann auftrat, der für wahren lebendigen Glauben und wahre Herzensgottſeligkeit und gegen Pfaffenherrſchaft und päpſtliche Tyrannei eiferte, da mußte er jederzeit alsbald öffent lich und fei⸗ erlich widerrufen, oder er wurde verbannt oder mußte brennen: wo hat aber je ein Pabſt von den Jeſuiten, welche jene verfluchte, alle Sitt— lichkeit aufhebende Moral gelehrt haben, Wider— Stuhles für Opfer an, die man der Erhaltung ruf verlangt? welche unter denſelben * deswegen in den Bann gethan? welche hat + verbrannt? Gerade als das teufliſche Moral⸗ ſiren der Jeſuiten in der höchſten Blüthe ſtand,? haben die Päbſte in ihren Bullen ſich im Lobt derſelben kaum erſchöpfen können. Die bn lichſten jeſuitiſchen Moraliſten waren der Päbſte; eigene Beichtväter, Cardinäle und an Schützlinge. Und als endlich der unglückliche Clemens aus Angſt, im widrigen Fallt die größten Reiche und Staaten, die dem päbſtlicn Strhle unterworfen waren, zu verlieren, in den ſauren Apfel biß und den Jeſuitenorden aufhob,“ was geſchah da den Jeſuiten trotz der furchtharrn Verbrechen, deren ſie vom Pabſt ſelbſt öffentlih bezüchtigt wurden? Wurde ihnen ein Widermi abgefordert und eine Buße aufgelegt, wenn ſi; von der römiſchen Kirche wieder als gute Glieder anerkannt und behalten werden wollten? Mit nichten! Man gloriirte vielmehr, als übet. einen Beweis der Macht und Herrlichkeit der römiſchen Kirche, daß das von dem Pabſt ſelbſt d an den Pranger geſtellte jeſuitiſche Geſindel nichts deſto weniger in der „heiligen römiſchu Kirche“ bleibe und nicht ſelbſt ſcheide. In, von päbſtlicher Seite wurde es vermittelt, daß; die Erjeſuiten aus dem Ertrage ihrer eingezo⸗ genen Güter ſogar Jahrgelder erhalten mußten. 5 Man ſah ſie offenbar von Seiten des päbſtlichen ganzer Läunder und Völker bei der „heiligen Mutter“ habe bringen müſſen. Schon dit Nachfolger Clemens XIVX. zeigte ſich als einen Jeſuitenfreund, und daß erſt Pius der WM.; es wagte, ſie öffentlich und feierlich in ihre alln, Rechte wieder einzuſetzen, kam allein daher, daß erſt er den dazu paſſenden Zeitpunkt erlebke. Uebrigens dürfen wir überhaupt nicht vergeſſen, daß die jeſuitiſchen Moralgrundſätze keines wegs. Grundfätze ſind, die in der römiſchen Kirche dii Jeſuiten allein eignen. Sie ſind von den namhafteſten nichtjeſuitiſchen römiſchen Theol⸗ gen innerhalb und außerhalb religiöſer Ondn, vielmehr immer hochgeprieſen worden. So ſchreibt, um nur Ein Beiſpiel anzuführrn, DUr. Auguſtinus Michel, geweſerer biſchöflicher Kirchenrath und Profeſſor der“ Theologie zu Freiſingen, in ſeiner „Widerlegunz! der Erpoſtulation und Proteſtation Pasquiß Quesnel's“, deutſch herausgegeben zu Auge⸗ burg 1721: „Die Jeſuiten haben ihre larn Moral-Lehren in ſo weit untadelhaft zn⸗ gebracht, weil ſie das Joch Chriſti und der Kirche dadurch haben erleichtern und verſüßen wollen.“ ( S. 32.) Doch die Nichtjeſuiten der römiſchen Kirche haben nicht nur die jeſui⸗d tiſche Moral vielfach in ihren Schutz genommu. Y ſondern ſie haben auch ebenſo oft ſelbſtſtändiz dieſelben Grundſätze als Lehren der ganzu, römiſchen Kirche vorgetragen und entwickel. Wir behalten es uns jedoch für andere Zeiln vor, noch mehr Zeugniſſe von Nichtjeſuiten aus“ der römiſchen Kirche für die Jeſuitenmonl! mitzutheilen und ſo zu erweiſen, daß der I⸗ ſuitismus nicht ein Flecken, ſondern die wahrt Blüthe des Pabſtthums und dieſes daher 2