# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 01 03_S81 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) einen ſolchen Eindruck, daß man ein kleines heimweh nach demſelben in die Heimath zurück⸗ mägt. Da erheben ſich mächtige Kegel mit präch— ugen Wäldern bewachſen; weit üb er ſie ſtarren rothe und graue Felsmaſſen in die Luft, an deren ſchroffen Seiten hin und her Bäume und Gras⸗ ſecken hängen, ihre Spitzen aber ſind kahl und nackt; und über dieſe ſtrecken ſich fürchterliche Rieſen hoch in die Wolken und über die Wolken 4* hinaus, deren Schultern und Häupter mitSchnee Winter und Sommer hindurch bedeckt ſind. Was für ein Leben hat hier die Natur! Tauſend Quel⸗ len rinnen aus dem Eis und Schnee der Gebir— ge oder aus deren inneren kalten Behältern; von den Felſen hoch herabſtürzende, brauſende Gieß⸗ läche machen Luft und Boden, dazu auch das herzerzittern, während ihr Waſſerſtaub das Auge nunderbar ergötzt, wenn ſich in ihm die Sonnen⸗ ſrahlen brechen und ihn in den Farben des Re⸗ genbogens ſpielen laſſen, und wunderbar befruch⸗ ten dieſe Waſſer die Abhänge uns Gründe mit da üppigſten Kräutern, den herrlichſten Blumen und dem ſaftreichſten Graſe. In ſtarker Strö— nung von Oſt gen Weſt zwiſchen grünen Ufern dahin rauſchend bildet die Salzach erſt ein großes, oft mehr als eine Stunde breites Thal, dann ſich auf einmal nordwärts wendend, treten die Berge thtem Ufer näher und näher, bis fie einmal gar üiber den Fluß zuſammen fallen, wie zwei kmpfende Stiere mit ihren Stirnen und die gluthen ſich wirbelnd, kochend und ziſchend hin⸗ durch dvrängen. Und tritt man denn endlich aus deſen „Ofen der Salzach“ wieder heraus, ſo ffnet ſich das Land gegen Bayern her in einen goßen Halbkreis, an welchem vorne die einzig ſcöne Stadt Salzburg grenzt, mit ihrer ſtolzen RVeſte Hohenſalzburg und den ringsumher liegen⸗ den vielen hundert weißen Landhäuſern und Hiuschen in dem friſch grünen Grunde, von treff⸗ lihen Baumanlagen umkränzt. — Die Bewohner diſes wunderſchönen Landes, ein ihm entſprech⸗ ender kräftiger, geſunder, treuherziger Menſchen⸗ ſclag, nähren ſich weniger von Ackerbau, mehr von Viehzucht, zum Theil ab er auch von Berg⸗ bau. Denn in ihrem Innern ſind die Gebirge nicht nur mit Gold und Silber und andern Me⸗ allen geſchwängert, ſondern auch in reichſtem Naße mit dem unentbehrlichen Salz, alſo daß von ihm Land, Stadt und Fluß benannt iſt. öDoch fällt von dem reichen Ertrag den Bergleuten ur der Tagelohn ab, indem jener dem Regenten 15 Landes gehört. Dieſer iſt der Kaiſer von dſreich; vor hundert Jahren noch war es ein Enbiſchof, ein geiſtlicher Fürſt, deren es zur damaligen Zeit in Deutſchland mehrere gab. In dieſes wunderſame Gebirgsland und ſeine ſtllen Thäler war denn auch ſchon zur Zeit Lu— thers und zwar beſonders durch die Wirkſamkeit eines Paul us Speratus *) das nun auf⸗ Vr, der Verfaſſer des herrlichen Liedes: „Es iſt das Heil uns kommen her, ſtammte aus einer adeligen Familie des Scwabenlandes und predigte bereits ſchon um 1522 wie zu Augsburg, Würzburg und Wien, ſo auch zu Salzburg mit Rohem Eiſer das Evangelium, bis er in Mähren von dem Bihof zu Olmütz ins Gefängniß geworſen wurde, aus wel⸗ hem er aber wieder entkam, worauf er ſich danu nach Witten⸗ herg wandte. Ebenſo finden wir um dieſe Zeit den Drl —— 7 — 709— gehende Licht des Evangeliums gedrungen, trotz. der himmelhohen Mauern, die es faſt von allen Ländern abſchneiden und nur wenige Zugänge bieten. Denn dieſes Licht ſteigt wie die Sonne auch über die höchſten Schneeberge leicht hinüber und kann auch von keinem Mauthner und Grenz⸗ wächter aufgehalten werden. Ja, wie die Son⸗ nen ſtrahlen zur Sommerzeit in den engen Thälern Salzburgs heißer und wirkſamer ſind, als in den Ebenen draußen, ſo ſcheint auch dieſes Licht der Seelen hier wärmer eingefallen zu ſein und mehr Lebenskraft hervorgebracht zu haben unter denen, die es aufnahmen, als anders wo. Von dem Worte Gottes wurden zuerſt mehrere Geiſtliche ergriffen. Dieſe predigten es dann mit freudigem Aufthun ihres Mundes und das Volk hörte es mit offenen Ohren, und nahm es voll Freuden von ganzem Herzen auf, denn es ſah in der lauteren Predigt des Evangeliums ein längſt ſchon heimlich gefühltes Sehnen des Herzens pflötzlich und herrlich geſtillt. Aber freilich drinnen in der Reſidenz hatte man nicht die geringſte Freude, als das Gerücht von der neuen Ketzerei“ dahin gelangte. Die lutheriſch geſinnten Geiſtli⸗ chen mußten eiligſt fliehen, einer mußte ſein Be⸗ kenntnis mit ſeinem Kopf bezahlen. Ihre An⸗ hänger ſich äußerlich an die papiſtiſche Kirche noch anſchließend, erbauten ſich insgeheim aus Bibeln der lutheriſchen Ueberſetzung und andern guten Büchern und ihre Zahl wurde nicht geringer, ſondern wuchs von Jahr zu Jahr um ein bedeu⸗ tendes. So lebte das Evangelium im Stillen 150 Jahre fort! Wie je⸗ des mal ein Erzbiſchof milder oder ſtrenger geſinnt war, ſo wurden auch die Evangeliſch geſinnten mehr in Ruhe gelaſſen oder mehr verfolgt. Als im Jahre 1685 ein harter Regent den erzbiſchöf⸗ lichen Stuhl beſtieg, brach zuerſt eine größere Verfolgung aus, ſo daß eine ganze Gemeinde im Tefferegger⸗Thale mit Zurücklaſſung ihrer Habe und ihres Gutes und — was ihr Herz bluten machte — ihrer eigenen Kinder unter 15 Jahren, den Wanderſtab ergreifen mußte. Unter ihnen befand ſich der alte Bergmann Joſeph Schafttberger, der damals ſein rührendes Erulantenlied dichtete, als er nach langer trauri— ger Gefangenſchaft von Weib u. Kind fort mußte. Wiewohl nun zwar der folgende Erzbiſchof die Lutheriſchen in Ruhe ließ, ſo fehlte es doch nicht insgeheim an Bedrückungen und Quälereien, welche ſie aber als Chriſten geduldig ertrugen u. ſich deſto mehr in ihrem allerheiligſten Glauben ſtärkten. Fleißig hielten ſie verborgene Zuſam⸗ menkünfte, zu gegenſeitiger Stärkung und Er⸗ munterung, oft in dunkeln Höhlen und tiefen Klüften. Daheim erbauten ſie ſich emſig fort, in Luthers, Arnds und andern geſalbten Schriften; die Alten unterrichteten die Jugend in Einfalt und mit aller Wärme und Freudigkeit erlöster Seelen, und der HErr gab Gedeihen, daß immer mehrere hinzu gethan wurden. Staupitz als Abt zu St. Peter in Salzburg, wo er auch 1524 ſtarb. Läßt ſich nun auch von ihm, der kleinmüthig und verzagt geworden, gerade nicht erwarten, daß er dem Evange⸗ io einen großrn Voeſchub leiſtete, ſo hat er daſſelbe doch gewis auch nicht gehindert, ſondern eher heimlich gefördert. Doch dieſe äußere Ruhe währie wieder nur eine Zeitlang. Ein neuer Erzbiſchof kam auf und mit ihm brach en für die Bekenner des Evangeli⸗ ums die Tage einer gro ßen Noth herein, von der alle früheren Verfolgung en und Nöthen nur ein Vorſpiel waren. Im Jahre 1727 wurde Leopold Anton von Firmian Erzbiſchof von Salzburg, ein Mann ſtolzen Sinnes, harten Herzens und finſtern Angeſichts. Ihm zur Seite, an ſchlimnm⸗ men Eigenſchaften ſeinen Herrn aber noch über⸗ treffend, ſtand ſein Kanzler Chriſtian von Röll, ein ſehr pfiffiger und verſchlagener Kopf, ein gefühlloſer Menſch, der ganz ruhig zu ſein ſchien, wenn er noch ſo viele Menſchen ins Elend und zum Tode brachte, ein arger Mammons⸗ knecht, des Herz zum Goldklumpen ſprach: „Du biſt mein Troſt“. Dieſer Erzbiſchof und ſein Miniſter faßten daher gleich nach ſeinem Regie⸗ rungsantritt den Entſchluß, die lutheriſche Ketz⸗ erei mit Stumpf und Stiel aus ihrem Gebiet auszurotten und die Anhänger derſelben entweder zur Verleugnung ihres Glaubens zu zwingen oder aus dem Lande zu jagen. Der Kanzler hoffte dabei aus dem Vermögen der Ketzer eine ſchöne Summe Geldes zu gewinnen, der Erz⸗ biſchof ſich dadurch die Gunſt ſeines Oberherrn, des Papſtes, in hohem Grade zu verdienen. Auf Befehl der Regierung durchzogen ſofort ganze Haufen Jeſuiten unter dem Namen „Bußprediger“ das Land und an ſie, die Meiſter im Verfolgungshandwerk, ſchloſſen ſich zu tüch⸗ tigen Geſellen die Prieſter der Ortſchaften an. So drangen ſie bei Tag und Nacht in die Häuſer ein, durchſtöberten alle Schränke und Winkel nach luth. Büchern, ſtellten mit allen, der Ketzerei verdächtigen Leuten ein Examen an, ließen ſie auchtohne Ende Roſenkränze abbeten, Meſſen beſuchen, Umgänge und Wallfahrten halten u. dgl. m., um ſich von ihrer papiſtiſchen Recht⸗ gläubigkeit möglichſt zu überzeugen. Jedes Eramen, auch wenn es noch ſo gut beſtanden war, mußte mit 7 Gulden bezahlt, jede Ver⸗ ſäumnis der Meſſe, der Wallfahrt ꝛc mit Geld gebüßt werden. Wehe aber dem, der als ein Lutheraner erkannt wurde. Er wurde öffentlich in der Kirche dem Teufel übergeben, durfte nicht mehr das Sakrament des Altars genießen, nicht mehr Taufzeuge ſein ꝛc; und wenn er ſtarb, wur⸗ de ſeinem Leichnam die Ruheſtätte in geweihter Erde verſagt. Ja, man ſollte es kaum glauben, ſelbſt über Kinder wurde im Voraus der Fluch ausgeſprochen, wenn ſie einmal ihren ketzeriſchen Eltern nicht fluchen würden. So verfuhren die Geiſtlichen und man muß ehrlich bekennen, daß die weltlichen Beamten mit ihnen wetteiferten, Auch ſie ſtürmten mit ihren Bütteln in die friedlichen Wohn ungen, riſſen die Evangeliſchen heraus, warfen ſie in tiefe Gefäng⸗ niſſe und wenn dieſelben nach langer, ſchwerer Haft wieder freigelaſſen wurden, ſo mußten ſie entweder ungeheuere Strafgelder erlegen, oder wurden von Weib und Kind, Haus und Hof hinweg über die Grenze gejagt. Gelang es aber einem ſolchen Bekenner den nahenden Quälern zu enifliehen, ſo wurde ſein Bildnis mit Unter⸗