# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 01 03_S79 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) un Buffalo in Nr. 16 des „Kirchlichen Infor⸗ natorium“ geleſen. Darnach ſcheint uns über die Thatſache kein Zweifel ſein zu können; Sie ſelbſt haben in Ihrem erſten und zweiten Briefe Eu die Synode von Buffalo dieſelbe wenigſtens ſillſchweigend anerkanni. Nur meinen Sie Ihr Verfahren rechtfertigen zu können. Aber, theure grüder, erlauben Sie uns als unſere feſte und, vie wir nicht zweifeln, in Gottes Wort gegrün⸗ nie Ueberzeugung dieſes vor Ihnen darzulegen: Yn Gründe ſind nicht ſtichhaltig! Daher hat auch die Leipziger Konferenz kein Bedenken ge⸗ nägen, den beiden Abgeordneten der Synode von Buffalo auf deren Bitten mit Beantwor⸗ ung von drei ganz allgemein gehaltenen Fraczen ein Urtheil zu geben, nach welchem allerdings Ir Verfahren als ein zu rechtfertigendes nicht uſcheinen wird. Sie ſagen: „Die Synode von Buffalo iſt eine gefährlich irrende, welche rie Ztugen für die Wahrheit mit ihrem Zeug⸗ niſe nicht duldet, durch Aufdringung ihrer Irr⸗ hmer und der darauf gegründeten Praxis die Gewiſſen beſchwert.“ Lieben Brüder, haben Sie die Beſchuldigung auch bewieſen? Wer hat Eem das Urtheil geſprochen, daß die von Buffalo n gefährlichem Irrthume begriffen ſidd? Wenn das, was Sie Irrthum nennen, von Andern für die lautere Wahrheit erkannt würde? Das nan der gefährliche Irrthum doch nicht ſein, daß jtne freiwillig die ſächſiſche und pommerſche Kir⸗ chenordnung angenommen haben und nach den⸗ ſelben auch die Kirchenzucht üben. Das geſte⸗ hin auch Sie ſelbſt zu, daß der Irrthum jener noch nicht grundſtürzend iſt. Wie können Sie ts nun vertheidigen, wenn Sie doch die dort Gebannten, ohne ſie an ihre rechtmäßige Kirchen⸗ behörde zu verweiſen, aufnehmen, in jenen Ge⸗ neinden Altar gegen Altar aufrichten? Was ſalle aus der Kirche werden, wenn das allge⸗ neine Praris würve? Was würden Sie ſagen⸗ venn Sie von der Synode zu Buffalo das Glei⸗ 1 6% erführen? Die amerikaniſche Freiheit mag en ſolches Verfahren bürgerlich als völlig er— laubt gelten laſſen; aber darum iſt es nicht vor Gott gerecht; es iſt ja der unleugbare Ruin der Kirhe. Und wenn die Synode von Buffalo ;ͤllig ſo gefährlich, ja noch viel gefährlicher wäre als Sie ihr Schuld geben, dennoch behielten Sie das Wort, daß Niemand in ein fremd Amt grei⸗ fin ſoll, wider ſich. So hat unſer Vater Luther dit Sache angeſehen, und ſo wird jeder unpar⸗ heiſche lutheriſche Chriſt und Theologe urthei⸗ In müſſen. Halten Sie es uns zu Gute, daß vir Sie an ein Ihnen wohlbekanntes Luther⸗ vort erinnern. „Und Solches,“ ſo ſchreibt Dr. euther in der Auslegung des 82 Pſ. von 1530 i Vers 4 (Eclang. Ausg. d. Werke Bd. 39 8. 254, „ſoll man alſo feſthalten, daß auch kein NRrdiger, wie fromm oder rechtſchaffen er ſei, in „eints Papiſten oder ketzeriſchen Pfarrherrn Volk uu predigen oder heimlich zu lehren ſich unterſte⸗ hen ſoll ohne deſſelbigen Pfarrherrn Wiſſen und Willen. Denn es iſt ihm nicht befohlen. Was abter nicht befohlen iſt, das ſoll man laſſen an⸗ ſehen. Wir haben genug zu thun, ſo wir das Befohlene ausrichten wollen. Es hilft ſie auch nicht, daß ſie fürgeben: alle Chriſten ſind Prie⸗ ſter; aber nicht alle Pfarrer. Denn über das, daß er Chriſt und Prieſter iſt, muß er auch ein Amt und befohlen Kirchſpiel haben. Der Beruf und Befehl macht Pfarrherrn und Prediger; gleichwie ein Bürger oder Laie mag wohl gelehrt ſein, aber iſt darum nicht Doktor, daß er in den Schulen oͤffentlich leſen möcht, oder ſich ſolchs Amis unterwinden, er werde denn dazu berufen.“ Ganz in derſelben Weiſe erklärt ſich Luther auch im größern Kommentar zum Brief an die Gala⸗ ter von 1535 zu Kap. 1 V. 1 (Erl. Ausg. der latein. Werke, Bd. 1 S. 31): „Quare non est irruendum in alienam messem, ut diabolus in- eitare solet suos ministros, ut non vocati cur- rant et praetexant zelum hunc ardentissimum, dolere sibi, quod homines tam misere seducan- tur, se veritatem velle docere, se seductos e diaboli laqueis eripere, Imo si aliquis etiam pio zelo et bona intentione velit sana doctrina liberare seductos ex errore, tamen exemplum malum oritur, per quod datur occasio impiis doctoribus intrudendi sese, per quos Satan postea occupat cathedram et maxime nocet.“ —Sollte aber eingewandt werden: Mit den von uns in jene Gemeinden geſandten Predi⸗ gern iſt's doch ein ander Ding, weil ſie berufen ſind, ſo giebt auch darauf Luther (a. a. O. S. 32) die rechte Antwort: Quod igitur doceo ver- bum, baptizo, administro sacramenta, jussus ac vocatus facio, quia vox Dei facta est super me, non in angulo, ut fanatici jactant, sed per os hominis, qui est in functione legitima. Si vero unus atquealter eivis me roga- rent, ut praedicarem, non debeo sequi priva- tam vocationem, quia per hoc aperitur fene- stra ministris Satanae, qni hoc exemplo postea nocent, quemadmodum supra diximus. Quum vero me rogant, qui ger unt publica 0 f- kicia, ibi parere debeo. Denn das werden Sie doch ſchwerlich beweiſen können, daß da, wo Ihre Prediger in die Gemeinden der Synode von Buffalo gegangen ſind, berufende Gemein⸗ den ſich befunden hätten, die in dem Fall gewe⸗ ſen wären, der im Tract. de Pot. et Jurisdict. Episc. §. 66 geſetzt wird, wenn es heißt: Itaque cum episcopi ordinarii sunt hostes ecelesiae et nolunt impertire ordinationem, eeclesiae reti- nent jus suum. So können wir denn nicht anders, theure Brüder aus der Synode von Miſſouri, wir müſſen urtheilen, daß Sie jener Synode — wir wollen gern annehmen in Irrthum und redlicher Meinung, aber doch Unrecht gethan haben. O ſagen Sie Sich denn von dieſem Unrecht los; wenn es auch nicht leicht iſt, hier zurückzugehen, thun Sie es dennoch. Der Herr wird dann gewiß ſeinen Segen geben. — Sie meinen, der rechte Friedensweg ſei ein Religionsgeſpräch mit der andern Synode, ohne daß Sie vorher die Forderung derſelben, daß Sie ihre Excommuni⸗ cirten entlaſſen, die in ihre Gemeinden geſandten Prediger zurückrufen möchten, zu erfüllen brau⸗ chen? Wir glauben nicht, daß die angeführten Schriftſtellen 2 Theſſ. 3, 14. 15, Röm. 16, 17. 18 es für die von Buffalo zur Sünde machten, Die proteſtantiſchen (Cent Sammlungen) in Frankreich. mit Ihnen ſofort zu colloquiren. Aber dennoch müſſen auch wir dafür halten, es wäre das Rich⸗ tige, wenn Sie vorher das gethane Unrecht gut machten, mit Jenen vorher irgendwie ein chriſt⸗ liches Abkommen träfen. Von der Erfüllung dieſer Pflicht wird Sie weder das entbinden kön⸗ nen, daß Sie noch nicht eingeſehen zu haben erklären, wie Sie Jenen zu nahe getreten wären, noch auch das, daß Sie be merken, Sie beſtänden ja auch nicht darauf, daß die andern vorher ihre eigenen ungerecht Excommnnicirten wieder auf⸗ nehmen müßten; — denn das Erſte ſollten Sie billig einſehen, das Letzte aber iſt eine Sache, welche zu fordern Sie gar nicht das Recht haben. Es möchte, wenn ohne vorhergehende Gutmach⸗ ung des Unrechts das Religionsgeſpräch gehal⸗ ten würde, heißen: Es iſt ein Bann unter dir, Iſrael! (Joſ. 7, 13) und der Herr möchte ebenſo wenig zu Ihrem Colloquio Segen geben, wie er den Ifraeliten, als ſie mit dem Bann unter ſich gegen Ai zogen, Sieg verlieh. Wenn aber Sie zuvor gut machen, was Sie mit der That an den Gliedern der Synode von Buffalo, und dieſe Ihnen abbitten, was Sie mit Worten gegen Sie nicht recht gethan haben, ſo iſt alle Hoffnung vorhanden, daß der Herr Gnade und Segen ge⸗ be und zu dem aufrichtig geſuchten Frieden helfen wird. O, daß unter Ihnen ein rechter, dem Herrn gefälliger Friede möchte geſchloſſen werden! Der gnädige, barmherzige Heiland laſſe dazu auch dieſes geringe Wort mitwirken. Theure Brüder in den beiden Synoden, ſeien Sie noch einmal von uns mit aller Inbrunſt der Liebe um des Blutes und der Wunden des Herrn Jeſu willen gebeten, Alles, was an Ihnen iſt, dazu zu thun, daß nicht länger Satan ſeine Freude habe an dieſem heilloſen Schauſpiel, da die Kirche Gottes in ihren eigenen Eingeweiden wühlt! Bedenken Sie, was Sie am Tage ſeiner Zukunfſ vor Dem werden verantworten können, der in ſeinem hohenprieſterlichen Gebete gefleht hat, daß die Seinen alle Eins ſein möchten, gleichwie der Vater in ihm und er in dem Vater iſt! Joh. 17, 21. Laſſen Sie uns nicht müde werden ihn an⸗ zurufen, daß er rechte Friedfertige (Matth. 5,9) aus uns machen und ſelbſt hier und uͤberall der wahre Friedensſtifter ſein wolle, auf daß ſein ſeliges Friedensreich zu uns komme. Ja getreu iſt, der uns ruft, der wird es auch thun. Ihm allein die Ehre! Amen. Den 18. Oktober 1853. A. F. O. Münchmeyer, Superinten⸗ denk in Catlenburg im Hannöverſchen. K. F. A. Kahnis, der Theol. Doktor und ordentl. Profeſſor an der Univerſität Leipzig. W. F. Beſſer, Paſtor der luther. Parochie Seefeld in Pommern. (Für den Lut heraner.) Sou⸗Collecten Sie ſind ein, in der evangeliſchen Chriſtenheit dieſes Landes ſeit erſt wenigen Jahren deg ꝛaue;· nes, aber trotz aller äußerlichen Unſcheinbarkeit