# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 01 03_S78 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) das laffei euch Gott offenbaren, doch ſofern, daß wir nach einer Regel, darein wir gekommen ſind, wündeln und gleichgeſinnet ſein. Phil. 3, 15, 16. So viel wir ſehen, iſt der erſte Grund Ihres traurigen Zwiſtes allerdings eine Lehrdifferenz. In den Lehrpunkten von der Kirche, dem geiſt⸗ lichen Amte, der Ordination u. ſ. w. haben dit beiden Synoden ſehr verſchiedene Lehre. Fern ſei es von uns, hier eine Entſcheidung uns her⸗ ausnehmen zu wollen. Nur das wollen wir ausſprechen, daß, wenn die Miſſouri⸗Synode die Bedeutung, welche ſie dem allgemeinen Prie⸗ ſterthume beilegt, dahin ausdehnen ſollte, das geiſtlice Amt für einen Ausfluß deſſelben zu halten, deſſen ſich der Einzelne nur um gemei⸗ ner Ordnung willen zu Gunſten der Träger des Amtes brzzebe, dies mit Schrift und Kirchenlehre nicht beſtehen könnte und namentlich auf dem Boden von Amerika bald genug bittere Früchte tragen würde. Ebenſo würden wir es verwer⸗ fen müſſen, als zum Romanismus abſchüſſig, wenn die Buffalo⸗Synode die Bedeutung, wel⸗ che ſie dem geiſtlichen Amte beilegt, dahin ſtei⸗ gern wollte, daß ſie nur in Mund und Hand des Geiſtlichen Wort und Sakrament für kräf⸗ tig anſehen wollte. Noch aber wollen wir glau⸗ ben, daß der Gegenſatz beider Synoden inner⸗ halb dieſer falſchen Ertreme ſich bewege. Die Oerter von der Kirche, vom kirchlichen Amte und was damit zuſammenhängt, ſind ja ohne Zwei⸗ fel ſolche, welche unſere Symbole, wenn ſie auch die Grundlagen zu deren Ausführung richtig und vollſtändig enthalten, doch nicht bis zur vol⸗ len theologiſchen Durcharbeitung und Abſchlie⸗ ßung geführt haben. Dieſe letzte ſcheint viel⸗ mehr die Aufgabe unſerer Tage auszumachen. Daher ſollten die auseinandergehenden Auffaſ⸗ ſungen in Betreff dieſer Fragen, von denen, wie⸗ wohl nur eine die ſchrift⸗ und ſombolmäßige iſt, doch ſowohl die eine als die andere einzelne Aus⸗ ſprüche der Schrift und Symbole für ſich deu⸗ ten kann, weder die eine noch die andere aus⸗ drücklich verworfen iſt, ſo lange die Kirche noch nicht geſprochen hat, beide nebeneinander in die⸗ ſer Kirche Raum finden. Dabei erlauben wir uns, die verehrten amerikaniſchen Brüder zu er⸗ innern, daß, bei aller Anerkennung, die wir gern ihren am Bekenntniſſe feſt haltenden Synoden, ohne auf die geringe Zahl der Mitglieder zu ſe⸗ hen, zu Theil werden laſſen, wir doch einer von denſelben und ihnen allen gemeinſchaftlich eben⸗ ſo wenig wie einer einzelnen europäiſchen Landes · kirche oder einer beliebigen Anzahl ſolcher das Recht zugeſtehen können, Fragen, wie die ge⸗ nannten, auf eine für die ganze lutheriſche Kir⸗ che verpflichtende Weiſe zu beantworten. Warum, geehrte, in dem Herrn geliebte Brü⸗ der, iſt denn nun dieſer unglückliche Zwieſpalt unter Ihnen ausgebrochen, in dem man oft gar nicht erkennt, daß Brüder mit einander ſtreiten, in dem es von Worten leider auch ſchon zu Tha⸗ ten gekommen iſt? O, geſtatten Sie es uns, daß wir in dem demüthigen Bewußtſein, nichts zu ſein als arme Mitſünder mit Ihnen, Ihnen vorhalten, was nach unſerer Ueberzeugung nicht techt gethan iſt vor dem Herrn auf beiden Sei⸗ ten. Die lieben Brüder aus der Synode von Buffalo haben uns ſelbſt darum gebeten, ſie zu ſtrafen und es auch willig angenommen, wo wir der Aufforderung bereits nachgekommen ſind Die geehrten Glieder der Spnode von Miſſouri werden es auch nicht anders meinen. Nun, ſo wollen denn zuerſt ſämmtliche theure Glieder der ehrwürdigen Spnode von Buffalo uns geſtatten, hier noch einmal gegen ſie auszu⸗ ſprechen, in welchen Stücken ſie nach unſerer Meinung es verſehen haben. Es wird Ihnen namentlich zum Vorwurf gemacht, daß in vielen Fällen der Bann mit Unrecht von Ihnen ver⸗ hängt ſei. Da müſſen wir freilich geſtehen, nicht nur daß ohne Kirchenzucht und alſo auch ohne Kirchenbann keine Kirche, am wenigſten eine amerikaniſche, der der Zaum des chriſtlichen Staates durchaus fehlt, beſtehen kann, ſond ern auch daß wir weder in den Akten Ihrer Syno⸗ dalbriefe einen Fall gefunden, noch auch vom Herrn Miſſionar Baierlein, als früherem Mit⸗ gliede der Miſſouri⸗Spnode, oder von einem An⸗ dern einen ſolchen gehört haben, wo wir hätten mit Beſtimmtheit ſagen können: Hier iſt der Bann nicht in der Ordnung Chriſti verhängt. Aber dennoch, theure Brüder, es pflegt ſelten vorzukommen, daß in den Anklagen des Gegen⸗ parts nicht wenigſtens etwas von Wahrheit ſich fände. Es hat die Anwendung des Bannes ſo außerordentlich häufig unter Ihnen Statt. Da⸗ gegen in der großen Gemeinde zu Korinth, in der auch längſt nicht alles ſo ſtand, wie es ge⸗ ſollt hätte, begegnet uns nur ein einziges Beiſpiel, wo ein Menſch dem Satan übergeben wird. Der Bann ſoll gewiß nur das alleräußerſte Mit⸗ tel ſein. Sollte es nicht auch unter amerikani⸗ ſchen Gemeindeverhältniſſen bei einem hinrei⸗ chenden Maße von Liebe, Sanftmuth, Geduld und Weisheit hier und da möglich geweſen ſein, es nicht bis auf den Punkt kommen zu laſſen⸗ wo dann freilich der Bann nicht mehr zu umge⸗ hen war? Aus Ihren Akten meinen wir ab⸗ genommen zu haben, daß Sie Ihre Ermahnun⸗ gen bei Ausübung der Kirchenzucht bisweilen auch ſchriftlich geben: da würden wir faſt aus⸗ nahmslos die Mündlichkeit bei Weitem vorzie⸗ hen. Wir können es nicht leugnen, daß uns in allen Ihren Schriften ein Ton nicht nur einer gewiſſen Bureaukratie, ſonvern auch von Schärfe und Säure entgegengetreten iſt, den wir uns wohl aus der Eigenthümlichkeit Ihres Lebens⸗ ganges und Ihrer gegenwärtigen Lage erklä⸗ ren, aber doch keineswegs billigen können. Das ſüße Evangelium ſoll ja nimmermehr als Geſetz getrieben, der Hirtenſtab des Biſchofs unſerer Seelen nicht als ein Stecken des Trei⸗ bers gehandhabt werden! Wir bitten Sie denn nochmals inſtändig und brüderlich im Namen unſeres lieben Heilandes, verſuchen Sie künftig noch mehr als bisher voller Langmuth und Weis⸗ heit, die Er darreichen wird, Alles, ehe Sie zu dem alleräußerſten Mittel ſchreiten. Auch hier⸗ her gehört vas Wort des Apoſtels: Auf daß wir nicht übervortheilet werden vom Satan, denn es iſt uns nicht unbewußt, was er im Sinne hat. 2 Kor. 2, 11. Und nun auch das noch. Wenn wir auch in Ihrem Lehrgegenſatze gegen die Miſſouri⸗Synode aus dem Ernſte einer hei⸗ ligen Ueberzeugung uns Vieles erklären wollen, ſo können wir uns doch mit der Art Ihres Strei⸗ tens und Ihrer Selbſtvertheidigung durchaus nicht einverſtanden erklären. Es kommt immer wieder vor, daß Sie Ihren Gegnern Lüge, Heu⸗ chelei, böſen Willen, ja Eidbruch (3. Synodal⸗ brief S. 15) vorwerfen. Sollte das Eidbruch ſein, wenn der Freiheit der Gemeinden überlaſ⸗ ſen wird, Privatbeichte zu haben oder nicht zu haben? Art. 11 der Auguſtana ſagt freilich: Von der Beichte wird alſo gelehrt, daß man in der Kirche priratam absolutionem behalten und nicht fallen laſſen ſoll. Aber ſollte das anders zu verſtehen ſein, als das, was Art. 15 von Kir⸗ chenordnungen geſagt iſt, wo es alſo heißt; Von Kirchenordnungen, von Menſchen gemacht, lehrt man diejenigen halten (lateiniſch hier: quod servandi sint, dort: quod retinenda sit,) ſo ohne Sünde mögen gehalten werden. —Theure Brüder, es ſchaudert uns, wenn wir die furcht⸗ bar harten Urtheile leſen, welche Sie ſo leichthin fällen über Männer, an deren Frömmigkeit und chriſtlich⸗theologiſcher Tüchtigkeit wir nie gezwei⸗ felt haben, wie z. B. über Loͤhe, S. 7 Ihres 4. Synodalbriefs. Liebe Brüder, wie verträgt ſich das mit der Liebe, welche Alles glaubt, Alles hofft? 1 Kor. 13, 7. So will es der Apoſtel doch nicht, der gebietet: So ein Menſch etwa von einem Fehl übereilet würde, ſo helft ihm wieder zurecht mit ſanftmüthigem Geiſte, die ihr geiſtlich ſeid, und ſiehe auf dich ſelbſt, daß du nicht auch verſucht werdeſt. Gal. 6, 1. Es kann Einer ſich tief verirren, ſchwer verſündigen, und es iſt doch nicht boͤſer Wille. Der Herr gebe Ihnen zu beſſern, was hier bisher gefehlt iſt; ohne Verleugnung, aber doch in aller Milde und Sanftmuth, nur die Sache nach 1 Kor. 2, 15, nicht aber die Perſonen nach Luk. 6, 37 rich⸗ tend, dem Frieden nachzujagen. Damit wird ſchon viel zur Heilung des betrübten Bruches gewonnen ſein.— Auch zu Ihnen, ehrwürdige und geliebte Brü⸗ der aus der Synode von Miſſouri ꝛc. hegen wir das zuverſichtliche Verirauen, daß Sie uns ge⸗ ſtatten werden, das, was wir als Ihr Unrecht anſehen müſſen, Ihnen vorzuhalten und Sie um Abſtellung deſſelben inſtändigſt zu bitten. Sie wiſſen es recht gut, was die ehrwürdige Spnode von Buffalo wider Sie hat. Die Deputirten der letztern haben uns geklagt, daß Sie die von ihnen in der Ordnung Chriſti ercommunicirten Sünder ohne Weiteres aufnähmen und ſo lange aufzunehmen Willens wären, bis der gegenwär⸗ tige Lehrſtreit einmal möchte beendigt ſein; daß Sie in ihre Gemeinden und Parochien Rotten⸗ prediger geſandt, Gegenaltäre da aufgerichtet hätten. Wir haben Sie ja nicht gehört über dieſe Beſchuldigung, hätten es überaus gern ge⸗ ſehen, wenn auch aus Ihrer Mitte ein paar Brü⸗ der in Leipzig hätten anweſend ſein können. Aber es war doch Herr Miſſionar Baierlein, der zu Ihnen gehört hat, gegenwärtig, und wir haben Ihre letzte Korreſpondenz mit der Spnode