# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 03 07_S55 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) wollen. (S. L. Tischreden cap. 46 und 66, § 60 und 61.) Sehr merkwürdig sind auch die Worte Luther's, welche ein eifriger Schüler von ihm in seiner Schrift wider die Landlügen der Heidelberger Theologen im Jahr 1565, als ob Luther seine Meinung vom heil. Abendmahl vor seinem Ende geändert, mittheilt. Luther habe nämlich wenige Tage vor seinem Ende in Gegenwart vieler glaubwürdiger und ansehnlicher Leute unter andern auch diese Worte über Tische geredet: Er wolle noch vor seinem Ende (so ihn Gott ꝛc. kurze Zeit leben ließe,) drei Dinge ausrichten, darnach wolle er sich in sein Ruhebett legen und in Christo entschlafen. Eins wäre, er wolle wider die Universität zu Löwen schreiben und ihnen auf ihre Propositiones antworten. (Diese Antwort, wie er sie angefangen und sie auch gedruckt worden, hat man in seiner Tasche nach seinem Tode funden, welche Handschrift Dr. Caspar Creutziger bekommen hat.) Zum Andern wollte er, sobald ihm Gott wieder nach Wittenberg anheim verhülfe, wider die silbernen Juristen schreiben, die nichts anders thäten, als Fürsten und Herren in einander hetzen, und all das Unglück anrichten. Zum Dritten, so wolle er auch zum Valete noch einmal wider die Sacramentirer schreiben und alsdann beschließen. Ob er gleich bei aller seiner Schwachheit dennoch immer fröhlich war, so ließ er doch zu Zeiten sich also vernehmen: „Dr. Jonas und Herr Michal, ich bin hier zu Eisleben getauft, wie, wenn ich hier bleiben sollte?" Er hat auch noch einigemale und namentlich am 16. Febr. über Tische gesagt: „Wenn ich meine lieben Landesherren, die Grafen, vertrage, und, wills Gott, die Reise ausrichte: so will ich heimziehen und mich in den Sarg schlafen legen, und den Würmern den Leib zu verzehren geben." (L. W. XXI, 276 f.) (Fortsetzung folgt.) (Aus der Lutherischen Kirchenzeitung.) Welches sind die leitenden Grundsätze zur Bildung rechtgläubiger Synoden der luth. Kirche in hiesigen Landen? Ein brüderliches Wort zur Besprechung und Erörterung dem Geichgesinnten und Zugeneigten dargeboten. § 3. Das Wesen der luth. Kirche. Da lutherische Synoden, als leitende Körper, zum Gegenstande ihrer Leitung die luth. Kirche und ihr Wohl und Gedeihen haben, so muß ihnen auch das Wesen der lutherischen Kirche gegenwärtig und bewußt sein. Wie die heil. Schrift nur eine und dieselbe „Wahrheit zur Seligkeit" hat: so muß es unter den vorhandenen besondern oder Particular-Kirchen auch eine geben, welche in allen Artikeln der heilsamen Lehre dem Worte Gottes durchaus gemäß ist und ohne alle Beimischung von schriftwidrigem und seelenverderblichem Irrthum „ein Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit" ist. Diese nun ist keine andere, als die, welche dermalen, zum Unterschiede von andern „evangelisch-lutherisch" heißt; denn keine andere vermag es, darzuthun, daß alle Theile ihres Bekenntnisses und ihrer Lehre dem göttlichen Worte, wie es lautet, unbedingt unterworfen seien und daß sie mithin, als Trägerin und Bewahrerin der reinen und lautern Heilswahrheit, mit der evangelisch-apostolischen und katholischen Kirche der vorpapistischen Zeit wesentlich eins sei; jede andere ist, wie ihre Bekenntnisse es ausweisen, mehr oder minder mit Irrthum vermischt; keine andere hat die beiden untrüglichen Kennzeichen der rechtgläubigen Kirche, d. i. reine Lehre und reines Sacrament. Denn daß diese beiden, nicht aber irgend welche Ordnung und Verfassung, die wesentlichen Merkmale der rechtgläubigen Kirche seien, geht daraus unleugbar hervor, daß sie ja die einzigen Gnadenmittel des heil. Geistes sind, durch welche die Kirche begründet und erhalten wird. Oder wodurch anders entstand denn die erste neutestamentliche Kirche zu Jerusalem, als durch die Predigt Petri und durch die Taufe jener 3000, denen eben Gottes Wort durchs Herz ging? (Apg. 2, 37. 38. 41.) Und von diesen heißt es denn V. 42., daß sie auch beständig blieben in der Apostel Lehre und im Brodbrechen. Gleichwohl geben wir ein Doppeltes zu: 1. Nicht alle sind rechtgläubige Christen, die unsrer rechtgläubigen Kirche äußerlich angehören; und wie z. B. in Ananias und Sapphira das Unkraut unter dem Weizen und die faulen Fische im Netze schon in der herrlichen Pfingstgemeinde waren, so bekennen auch wir mit Herzeleid, daß Hunderte und Tausende unter uns sind, die allerdings durch Wort und Werk beweisen: daß sie bis jetzt von der Gnade ihres Taufbundes abgefallen und im Unglauben oder todten Maulglauben gefangen sind und den rechten Kirchenglauben nicht als lebendigen eignen Herzensglauben mit Mund und That bekennen. 2. Einzelne Christen, die nach den bestimmten Confessions-Namen uns nicht zugehören, gehören uns doch innerlich zu, sofern sie dem gesammten Worte Gottes sich ohne Falsch unterwerfen und durch eine besondere Gnadenleitung des heil. Geistes von den besondern Irrlehren ihrer kirchlichen Gemeinschaften und Glaubensparteien nicht lebensgefährlich durchdrungen sind. Gleichwohl sagen wir: ad 1. daß die Reinheit des Bekenntnisses und die irrthumsfreie Wahrheit der Lehre unsrer Kirche, die wir in unsern Symbolen glauben, bekennen und lehren, dadurch um nichts geringer wird, ob tausend und aber tausend in dem äußern Umfange ihrer Kirche nicht mit ihr also glauben. Denn gleich wie die Sonne mit demselben Glanze strahlt und mit derselben Kraft erleuchtet, ob auch viele die Augen schließen, also wird der reinen schriftgetreuen Lehre von ihrem Lichte und Werthe nichts benommen, ob auch viele ihr nicht glauben und darnach leben; denn sie stehet nicht auf Vieler Glauben und fällt nicht mit Vieler Unglauben (Röm. 3, 3.), sondern sie stehet und gründet sich allein auf Gottes Wort und ist deßhalb ebenso felsenfest und unwandelbar als dieses, es mögen nun viele äußerliche Bekenner auch innerlich zu ihrem Heile glauben oder zu ihrem Unheile nicht glauben. Die reine Lehre wird nicht reiner und stärker durch Vieler Glauben und wird nicht dunkler oder schwächer durch Vieler Unglauben, sondern wie sie in ihrem einfältigen Schriftgehorsam, in den Bekenntnißschriften unserer Kirche enthalten ist, also ist und bleibet sie fest und gewiß, es mögen nun 3 oder 3 Millionen wahrhaft glauben. Durch Gottes Gnade aber hat auch unsere Kirche, selbst in den Zeiten ihres tiefsten Abfalls und Verfalls (gegen Ende des vorigen und im Anfange dieses Jahrhunderts) ihre 7000 gehabt, die ihre Kniee nicht gebeugt haben vor irgend welchem Vernunft-Baal. Und der HErr unser Gott sei hochgelobt, daß er einen Baal des 19. Jahrhunderts, nämlich die sogenannte Liebes-Union zwischen Lutheranern und Reformirten, dieses elende Menschengemächte auf Kosten der biblischen Wahrheit, nach seiner Liebe und Wahrheit gerade dazu dienen lässet, unsere Kirche aus dem Schlafe zu rütteln, daß sie das Wächter- und Zeugenamt vom reinen Wort und Sacrament, das ihr so besonders vertrauet ist, von Neuem ergreife und den alten Kampf um das Kleinod der reinen und ungefälschten Lehre von Neuem kämpfe. — ad 2. daß die mehr oder minder mit Irrthum gemischte Lehre anderer kirchlicher Gemeinschaften und Glaubensparteien dadurch nicht reiner wird, wenn auch diese und jene von ihren Gliedern durch Gottes wunderbare Gnadenleitung weniger von solchem Irrthum durchdrungen sind und „die Wahrheit zur Seligkeit," so weit sie noch innerhalb ihrer Gemeinden gelehrt und getrieben wird, mit bußfertigem und glaubwilligem Herzen zum Heile ihrer Seele ergreifen und sich aneignen. Denn wenn wir auch gern zugeben, daß es solche Einzelne selbst in der römischen Kirche gebe, so wird doch durch sie kein einziger schriftwidriger Beschluß des Tridentinischen Concils (das im Angesichte der hellen evangelischen Wahrheit mit schauderhafter Verblendung und Verstockung nicht nur frühern Irrthum der Schule kirchlich sanctionirte, sondern auch frühere Mißbräuche jetzt als kirchliche Lehre feststellte und die Verwerfer solcher Irrlehre verfluchte) um ein Haar breit anders und besser. Wie Gott also in diesen Einzelnen seine allmächtige Gnade beweist, durch die er die heilsbegierigen, aufrichtigen Seelen selbst mitten in furchtbaren und seelenverderblichen Irrthümern ihrer Kirche, die durch des Teufels und der Menschen Lügen aufkamen, errettet d. i. zum rechten Glauben an Christum bringt und erhält: — so beweist er an Jenen im Schooße unsrer rechtgläubigen Kirche, die dennoch den Glauben derselben nicht theilen, seinen heiligen Ernst; und falls sie im Unglauben beharren, würde natürlich ihr Gericht um so schrecklicher sein, je größer das Licht war, das sie empfangen hatten. Zugleich aber sollen solche bis jetzt noch todte Glieder unserer Kirche eine natürliche Züchtigung für sie und ein Antrieb für die Gläubigen in ihr sein, zumal auch für die Diener des Wortes, sich vor dem HErrn zu de-