# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 01 03_S76 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Urheberin (autrix).“ (Expos. in prov. Sal. 0. 9. n. 152.) Aehnlich ſchreibt Cornelius a Lapide: „Chriſtus hinterließ ſein Fleiſch in dem hl. Abendmahle, auf Wunſch und viel⸗ leicht Bitten der ſeligen Jungfrau.“ (In Syr. 0. 24. v. 19.) Ja, an eben dieſer Stelle führt Cornelius weiter aus, daß Maria dieſe Bitte darum gethan: „Damit auch ihr Fleiſch ſich mit den Gläubigen vereinigen möge.“ Der erſt⸗ genannte Salazar erzählt auch am angezo⸗ genen Orte n. 144.: „Unſer heiliger Vater Ig⸗ natius“ (der Ordensſtifter) „dachte, daß Sohn und Mutter Ein Fleiſch und Blut wäre, oder daß der Sohn ein Theil von der Mutter ſei; daraus ſchloß er, daß er in dem Abendmahl nicht allein Chriſti, ſondern auch Mariens Fleiſch und Blut, oder gewiß ein großes Theil von Maria zu ſich nehme. Denn wenn Mutter und Sohn Eines Fleiſches und Blutes ſind, ſo folgt noth⸗ wendig, wer des Sohnes Fleiſch und Blut ge⸗ nießet, der genießt auch der Mutter Fleiſch. Ueber welche Gedanken denn das Gemüth des heiligen Ignatius eine unglaubliche Wolluſt ( em⸗ pfand.“ — Man ſieht wohl, der Jeſuitenglaube wird im heiligen Abendmahle nicht ſowohl durch den Glauben, darin Chriſti, des Gottmenſchen, Leib und Blut zu genießen, geſtärkt, als viel⸗ mehr durch die wahnſinnige Vorſtellung, da mit dem Leib und Blut der heiligen Jungfrau ge⸗ ſpeiſt und getränkt zu werden. Der gute Zweck, den Mariencultus zu heben, heiligt bei ihnen auch das Mittel, daß man nicht eigentlich Chriſtum den Stifter und die Gabe des hl. Sa⸗ cramentes ſein läßt, ſondern Maria! Vasquez: „Wenn ein Kind, welches ge⸗ tauft werden ſoll, mit dem Tode ringt und man es auf keine andere Art taufen kann, als daß man es in einen Brunnen wirft und erſäuft, ſo iſts billig, daß man es in den Brunnen hin⸗ unterwerfe, mit der Abſicht, es zu taufen.“ (Tom. II. in 8. part. Thom. disp. 145. o 3.) In demſelben Sinne ſpricht ſich Escobar aus und ſetzt noch hinzu: „Vollzieht man nicht die Taufe wirklich, wenn man theils in der Ab⸗ ſicht zu taufen, theils in der zu todten, ein Kind mit ſiedendem Waſſer begießt? Wer will das leugnen, da ja die Tödtung nimmermehr ein Hinderniß der Abwaſchung iſt?“ (Universae th. mor. lib. II. sect. 2. probl. 19.) Jo h. de Alloza, aus Lima in Peru, geſt. 1666, ſchreibt, „Im Nothfall iſt die Taufe mit einer zweifelhaften Materie zu ertheilen, derglei⸗ chen Roſenwaſſer, Urin, Schweiß iſt.“ (Flores summar. seu alphabetum morale p. 30.) Gregorius de Valentia, oder Papſt Clemens der VIII. Doctor Doctorum (Lehrer über alle Lehrer) genannt, geſt. 1603, ſchreibt: „Jeder iſt verpflichiet das zu glauben, wovon das Gegentheil in der That wahr iſt, wenn ei⸗ eine Synode feſtſetzte, daß es zum Gluuben ge⸗ höre. (Tom. 3. disp 1. d. 2. p. 5.) Cornelius a Lapide ſchreibt zu den Worten Pauli: „Es iſt beſſer freien, denn Brunſt leiden,“ Folgendes: „Für die, die das Gelübde der Keuſchheit“ (ſo nennt er das Gelübde, nicht zu heirathen) „abgelegt haben, ſowohl —*— Männer/ als Weiber, iſt Heſe ie KX daß ſie in ih⸗ ren Begierden herbrennen und in AWS leben, als daß ſie wieder heirathen.“ (Ad 1 Cor. c. 7. v. 9.) Das ſpätere eigen erſonnene Gelübde geht alſo über das in der Taufe abgelegte Ge⸗ lübde. Lieber ſoll man wider Gottes Gebot Hurerei treiben, als wider des Papſtes Ver⸗ bot und das demſelben geleiſtete Verſprechen in den von Gott gegen Hurerei und alles unreine Weſen eingeſetzten heiligen Eheſtand treten! Wer erkennt hier nicht in den Jeſuiten die echten Kammerdiener der babyloniſchen Hure? Edmund Campianus aus London wurde zwar 1581 wegen ſeiner Jeſuitiſchen Um⸗ triebe enthauptet, wie wenig aber davon Urſache Ueberzeugungstreue geweſen ſei, erhellt aus einem Briefe, den er an den Ordensgeneral geſchrieben hat und der zu Trier 1583 durch den Druck ver⸗ öffentlicht worden iſt; darin heißt es nehmlich: „Der Zuſtand der Catholiken in England iſt ſehr beſchwerlich, nichts iſt den Gemüthern freigelaſ⸗ ſen, nichts unangetaſtet, nicht die Rede, nicht die Religion, man muß mit Anderen reden und durch einen Eid bekräftigen, was die Anderen bekräfti⸗ gen, wenn man auch im Herzen weit anders denkt, ſelbſt wenn man im Gewiſſen das gerade Gegentheil fühlt“. IA. a. O. p 86.] Ar⸗ mer Menſch! Erſt ſieht er ſich gezwungen, um der Verfolgung zu entgeheu, wider ſein Gewiſ⸗ ſen zu handeln und endlich verläßt ihn ſelbſt ſein letzter Troſt! Lüge, Heuchelei, Meineid. Der Jeſuit Paul. Bombini hat des unſeligen Men⸗ ſchen Leben und Tod als eine Märtyrerge⸗ ſchichte beſchrieben! Steph. Bauni, vielleicht der underſchäm⸗ teſte und unflätigſte Moraliſt unter den Jeſuiten, ein Franzos, geſt. 1649, ſchreibt: „Es iſt er⸗ laubt, die Gelegenheit zu etwas zu ſuchen, was vorerſt und an ſich Sünde iſt, wenn es um eines geiſtlichen oder leiblichen Nutzens willen, ſei es um eines eigenen oder fremden, geſchieht.“ C(Tractat. de poenitentia q. 4. p. 94.) Wenn damit der Grundſatz, daß der gute Zweck das böſe Mittel heilige, nicht ausgeſprochen iſt, dann wiſſen wir in der That nicht, wie er deutlicher ausgeſprochen werden könne. Mart. Creſſer, geſt. zu Brügge in Weſt⸗ flandern (Niederlanden) 1635, ſchreibt: „Nie⸗ mand kann ohne eine beſondere Offenbarung mit Glaubensgewißheit gewiß ſein, o beer ein gutes Gewiſſen habe, ob er jetzt in der Gnade ſtehe, geſchweige ob er werde ſelig wer⸗ den. Dies iſt die Meinung aller Katholiſchen.“ (Lib. 2. de conscientia c. 13. p. m. 140.) — Gewiß ein ſchauerliches Bekenntniß, das in den Abgrund eines jeſuitiſchen Herzens ſchauen läßt. Bei ihrer ſchändlichen Moral iſt es auch freilich nicht möglich, daß ſie je ein gutes, der göttlichen Gnade und des göttlichen Wohlgefallens ver⸗ ſichertes, heiteres Gewiſſen haben; aber iſt's nicht erſchrecklich, daß ſie es ſelbſt als einen Glaubensartikel in die Welt hinaus ſchreiben, ſie könnten ohne eine außerordentliche Offenba⸗ rung nie wiſſen, ob ſie ein gutes Gewiſſeu ha⸗ ben? O ihr Lutheraner! preiſet, preiſet Gott, daß ihr ein Evangelium habt, das eure Gewiſſen kindlichen Geiſt gibt, der da rufet: —— reinigt von den todten Werken und euch jenen „Abba, lie⸗ ber Vater!“ Gr. 9, 14. Räm. 8, 15. Wäh⸗ rend ein Jeſuit ſelbſt bekennen muß, er gehöre zu denen, von welchen unter anderem geweiſſa gt iſt, daß ſie Brandmaal in ihrem Gewiſſen ha⸗ ber, 1 Tim. 4, 1—3. J. Pet. Maffejus, geſt. 1603 zu Tivoli, ſchreibt in ſeiner Biographie des Stifters des Jeſuitenordens, Ignatius von Lojola von demſelben Folgendes: „Ignaz beſaß eine wunderbare Liſtigkeit, die Sterblichen zu locken und von der Sclaverei des Satans zum Gehor⸗ ſam Chriſti herüberzuführen, und dieſelben Künſte, deren ſich der böſe Geiſt zum Verderben der Seelen bedient, wendete er, ſoweit es erlaubt, und recht ſein mochte, (2) zum Heil und zur⸗ Wohlfahrt der Menſchen an. Die Reigungen und Gemüthsarten derjenigen, mit denen er ver⸗ handelte, ſpürte er auf eine feine Weiſe aus, ſtellte den Ehrſüchtigen Glänzendes, den Geizigen Nu⸗ tzenbringendes, den Wollüſtigen Angenehmes vor und fing ſo einen jeden, wie man ſagt, mit ſei⸗ ner eigenen Angel u. Lockſpeiſe.“ (Vit. Ignatii lib. 3. c. 11.) — Dieſe Bemerkung eines treuen Jeſuiten von ſeinem Ordensſtifter ſchließt das Geheimniß auf, wie doch die Jeſuiten ſo frech haben ſein können, ihre über alle Maaßen lockere Moral ſogar in die Oeffentlichkeit hinauszu⸗ ſchreiben. Dieſes ſollte die Lockſpeiſe ſein, durch welche man auch die laſterhafteſten Menſchen für den Orden gewinnen wollte. Man war alſo von dem Ordensſtifter ſelbſt gelehrt, daß, wenn man den guten Zweck habe, jemanden zur wah⸗ ren Religton (nämlich zum Pabſtthum) zu ge— winnen oder dabei zu erhalten, auch das ſchlech⸗ teſte Mittel, nämlich die Anſtachelung des Stolzes bei dem einen, die Nährung des Geizes bei dem anderen, die Nachſicht gegen die Wolluſt bei einem dritten ꝛc., gebraucht werden könne, ja durch jenen guten Zweck geheiligt werde. Es iſt freilich erſchrecklich, daß ſich ſolche Men⸗ ſchen die „Societas Jesu““ (Geſellſchaft Jeſu) nannten. Sie hätten ſich vielmehr „Societas Satanae“ (die Geſellſchaft des Satans) nen⸗ nen ſollen. Denn während Jeſus, um die Menſchen zu gewinnen und zu bekehren, ihren natürlichen ſündlichen Neigungen entgegentritt und Buße für dieſelben fordert, ſo iſt es eben der Satan, welcher bei dieſen ſündlichen Neigun⸗ gen anknüpſt und dieſelben dazu gebraucht, die Menſchen für ſeine Teufelsreligion zu gewinnen. Mit Recht hat man daher im vorigen Jahrhun⸗ dert anſtatt Jeſuiter— Jeſuwider geſagt. — Hiernach und nach allem, was wir bisjetzt von den Jeſuiten mitgetheilt haben, mag nun der Le⸗ ſer urtheilen, was von den hieſigen ſ. g. catho⸗ liſchen Zeitungsſchreibern, inſonverheit was von Herrn Oertel zu halten iſt, der in ſeiner „ca⸗ tholiſchen Kirchenzeitung“ vom 7. April vor. Jahres ſchreibt: „Auch laß ich mich mit Freuden einen „„Handlanger,““ einen „„Fganz untergeordneten““ Handlanger der Jeſuiten nennen.“ —Fürwahr, deutlicher hätte dieſer arme Menſch nicht bekennen können, wie tief er, nachdem er die Wahrheit verließ, geſunken iſt!