# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 01 05_S70 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) fahrt ver Kirche das Mittel des Treubruchs heilige, nicht aufzuheben erlaubt und gerathen hätten. Wir erinnern nur an das „unwiderrufl. Edict vou Nantes und an den Weſtphäliſchen Frieden. Die Aufhebung des erſtern erzwangen die Jeſuiten, an der Aufhebung des letzteren haben ſie jedoch ohne Erfolg nur gear⸗ beiet. Auch von dieſen ſchändlichen Grundſä⸗ tzen, daß man unter Umſtänden ſein Wort und inſonderheit Ketzern nicht Glauben zu halten habe, liegt die Wurzel ſchon in dem Inſtitutum des Ordens, worin es u. A, heißt: „Gelübde, welche die Unſrigen, als ſie noch in der Welt waren, gethan haben, ſind in unſerer Societät aufgehoben, und ſo muß man einſehen, daß die Verbindlichkeit derſelben (Gelübde) aufhöre, ſo lange ſie in dem Orden bleiben.“ (I, 700.) Man ſieht hieraus, mit dem Eintritt in den Je⸗ ſuitenorden muß ſogleich alles Gewiſſen fär die Heiligkeit eines gethanenen Verſprechens aus der Seele des Eintretenden verſchwinden. Maldonatus: Cin Richter ſündigt nicht, wenn er Jemanden nach dem Geſetz ver⸗ dammt, obgleich er ſelbſt weiß, daß derſelbe unſchuldig ſei.“ (Summ. quacst. 7. art. 3.) Caſtro Palao: „Endlich ſo oft eine ehr⸗ liche Urſache ſich darbietet, die Wahrheit zu ver⸗ decken, kann man ſich ohne Sünde eines doppel⸗ deutigen Schwures bedienen ꝛ2c. Deßhalb, wie Sanchez, Bonacina und Andere in deren Schrif⸗ ten wohl ſagen, wenn auch einer bittet, man möge alle Zweideutigkeit bei Seite laſſen, — ja eidlich fordert, man möge die Wahrheit aufrichtig und unzweideutig ſagen, ſo kann man doch immer doppelſinnig ſchwö⸗ ren und Rückhalte gebrauchen, weil es ſich hier von ſelbſt verſteht, daß man keine unrechte Art der Doppeldeutung gebrauche.“ (L. III. tr. 14. p. 7.) Wer mag nun hiernach den jetzigen Jeſuiten glauben, ſelbſt wenn ſie es mit einen leiblichen Eide betheuerten, daß ſie jetzt die alte Praxis ihrer Vorfahren, bei dem Eide doppelſinnige Worte zur Hintergehung An⸗ derer zu gebrauchen, aufgegeben hätten? Sind die jetzigen Jeſuiten anders geworden, warum treten ſie jetzt als der erneueuerte alte ZJeſuitenorden auf? warum ſchämen ſie ſich nicht eines Namens, der an eine Geſellſchaft erinnert, die ſyſtematiſch alle Sitlichteit vergiftet und ver⸗nichtet hat? Der Leſer ſieht, die Jeſuiten haben die um⸗ gekehrten zehn Gebote. Sie lauten: du ſoll ſt andere Götter haben; du ſollſt den Namen Gottes mißbrauchen; du brauchſt nicht den Feiertag zu heiligen: du brauchſt nicht Va⸗ ter und Mutter zu ehren; du kannſt tödten; du kann ſt ehebrechen; du kannſt falſches Zueg⸗ niß reden wider deinen Nächſten; du kann ſt deines Nächſten Gut begehren. Die Jeſuiten haben ſich und denen, die ſich ihnen anvertrau⸗ en wollen, durch ihren Grundſatz, daß der gute Zweck das ſchlechte Mittel heilige, alle zehn Ge⸗ bote vom Halſe geſchafft. Sie ſind es von de⸗ nen Jeſaias Cap. 28 geweiſſagt hat: „Ihr ſprechet: wir haben mit dem Tode eiren Bund — 68— und mit der Hölle einen Verſtand gemacht; wenn die Fluth daher gehet, wird ſie uns nicht treffen; denn wir haben die Lügen unſere Zu⸗ flucht und die Heuchelei unſeren Schirm gemacht.“ Wie tief gerade jetzt die römiſche Kirche geſun⸗ ken iſt, iſt daher ſchon daraus offenbar, daß ſie jetzt faſt durchgängig die Jeſuiten preiſt und dieſelben in dieſer Zeit zu Hülfe gerufen hat. Wir konnten noch eine große Menge Zeugniſſe für die Verworfenheit der Moral des Jeſuiten⸗ ordens anführen (ja gerade die ſcheußlichſten das Schaamgefühl beleidigenden haben wir weg⸗ gelaſſen), aber es eckelt uns, mehr abzuſchrei⸗ ben. Dies ſei für diesmal geuug. Jeder Le⸗ ſer urtheile nun ſelbſt, was er von dem hieſigen „Herold des Glanbens“ zu denken habe, wenn derſelbe den Jeſuitenorden „eine Geſellſchaft, die ſich um die Welt in jeder Beziehung ſo verdient gemacht hat und einzig daſteht“, nennt, und der ſich nicht entblödet zu ſchreiben: Zum Schluße wöchten wir gerne irgend eine Schrift oder ein Werk eines Jeſuiten wiſſen, wo⸗der Grund⸗ ſatz ausgeſprochen iſt, daß der gute Zweck ein ſonſt böſes Mittel heilige.“ Es iſt klar, ſo kann nur ein Jeſuit, dem nie eine Schamröthe in das Antlitz tritt, fragen und ſagen. (Fortſetzung folgt.) X 7 ᷑mm — (Ciugeſandt.) Ueher Beſelſches Pampblet von der „Kleinen Taufe“ im diesjäbrigen Jahresbericht. Der Unterzeichnete hat zu ſeinem Bedauern dieſen Artikel im diesjährigen Jahresbericht ge— leſen, und fühlt ſich um der Sache des Herrn willen gedrungen, hierüber einige Berichtigung zu geben. Daß der „Styl“ nicht nach Wunſch in dem Schriftchen über die Kindertaufe gerathen ſei, darüber ließe ſich Manches ſagen. Hier aber nur dieſes. Man ſtelle ſich das anweſende Publikum vor. Auf der einen Seite Menſchen, die vor der Zeit, da ich die Gemeinde an- trat, ſeit 28 Jahren von trägen, höchſt ge⸗ wiſſenloſen Unionsmachern alle 4 Wochen mit einer flachen Predigt beſucht worden ſind. Un⸗ ter ihnen ſtehen zwar jetzt einige liebe Chriſten und verſtändige Männer, die zu meiner Zeit aus der Union austraten; aber man bedenke doch den andern Haufen, und zwar Viele auch unter meiner Gemeinde, denen man geiſtliche Dinge gleichſam vorkauen, wieder und immer wieder erklären und einbläuen muß; ſo daß ich genöthigt war, ſogar in Predigten und noch mehr beim Schulunterricht eine Menge deutſche Wor⸗ te ins ſog. Penſylvanier⸗Deutſch (vielmehr eng⸗ liſch welſch) einzukleiden, und im Umgang mei⸗ ne Sprache ſo nach der ihrigen zu richten, daß ich heute noch an jenes Kauderwelſch mehr als mir lieb iſt, gewöhnt bin. Alles darum, um je⸗ nen vernachläßigten Leutlein beizukommen und ſie zum Heiland zu führen. Wer ſolches als Stylverhunzen tadeln will, bedenke, ich habe es alſo ſein laſſen, weil es mir am Seelenheil der Leute lag. Auf der andern Seite waren die langbärtigen Amiſchen, eine Abart Menn o⸗ niten, welche aber weder Menno's noch Dietrichs Lehre ſtreng beobachten, ſondern wieder ein Mittelding, eine eigne Sekte bilden. Sie haben ſich in großer Menge dort angeſiedelt, ſind meiſt ſehr reich, und-voller Verführungsliſtz dazu hat der Gott dieſer Welt ſie dermaßen ver⸗ blendet, daß ſie zum wahren Wort- oder Schrift⸗ glauben nicht nur höchſt untüchtig, ſondern auch für die Verſpottung wichtiger Glaubensartikel gar tauglich ſind. Wie nun mit ſolchen Leuten reden? Antwort: in ihrer Weiſe und wie man ihnen beikommen kann, und wie das zu thun kann nur der wiſſen, der unter ihnen wohnt. Gefliſſentlich wurde alſo die zu vorufgeſchrie⸗ bene Disputation in einer, den Zuhörern faßlichen Sprache abgefaßt, ohne anf gu⸗ ten Styl Rückſicht zu nehmen. Ein klarer Be⸗ weis dafür, daß es mir nie in den Sinn gekom⸗ men iſt, dieſes Büchlein durch den Druck zu veröffentlichen; ſonſt hätte ichs wohl ein wenig abgeſchliffen. — Auch die „Darſtellung“ iſt nicht gera⸗ then. Als ich dieſes las, verſetzte ich mich im Geiſt wieder unter jene Leute, deren Sinn und Pfeile ich ja längſt kannte. Der Teufel war dort, wie ſonſt oft, ein dummer Teufel, ſonſt hätte er nicht ein Glied, und zwar ein abgeſand⸗ tes Glied der Amiſchen Gemeinde dazu bewo⸗ gen, zwei MalAbends zu mir zu kommen und aus der Schule zu plaudern. Somit wußte ich alſo ſchon zum Voraus, welche Pfeile gegen mich ab⸗ gedrückt werden ſollten. Und denen hielt ich den Schild vor, gleichviel, ob ſonſt das Eine hieher, oder das Andere dorthin gehört; genug, ich ſtand allein vor vielen giftigen Feinden und nahm das Baurenkriegsrecht in Anſpruch, wo ſtudirte Taftik unberückſichtigt bleibt, denn man wehrt ſich, wie man kann. Dabei läuft nun freilich Manches mit unter, was dem Zuſchauer von Ferne etwas ungereimt roh und unpaſſend erſcheint! da muß man aber eben wieder die Sa⸗ che und das anweſende Volk berückſichtigen. Und welcher treugeſinnte Hirte wird ſolche unver⸗ ſchämte und grobe Wolfsmenſchen noch ſtreicheln, die ſeit dreißig Jahren ſo viele, viele Familien verführten, daß ſie ihre Kinder ungetauft groß werden ließen! Fand ich voch nur in meiner klei⸗ nen, 12 Familien zäblenden Gemeinde 19 Kin⸗ der, die ungetauft umherliefen, und wie viele warens noch außer meiner Gemeinde unter deutſchen Familien! Dies bedenke man! Endlich, auch der „Inhalt“ iſt nicht gera⸗ then. Bisher habe ich noch nichts gefunden, was dem Worte Gottes zuwiderliefe. Daß ich aber den Tertullian ſo hart angelaſſen habe, weil er gegen die Kindertaufe ꝛc. geweſen, da⸗ rüber muß ich hier öffentlich bekennen, daß ich gerade dieſen Satz im mündlichen Vortrag aus⸗ ließ und erſt auf Gutheißen meines Amtsnach⸗ folgers im Manuſcripte ungeſtrichen ließ. Ich entnahm dieſen ganzen Satz aus Browunle's Vertheidigung der Kindertaufe, und geſtehe, daß ich ſtatt deſſen (was ich wörtlich mit Bemerkung des Namens hinſtellte) die Quelle hätte aufſu⸗