# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 03 07_S54 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 54 geschehen am 7. Tage Februarii.“ (Cölius Bericht L. W. XXI, 289†) Zwei Tage vor seinem Tode schrieb er noch folgende Worte, die er auch in Bibeln zu schreiben pflegte, lateinisch auf einen Zettel, die deutsch also lauten: Virgils Hirtenbuch kann nur der verstehen, welcher fünf Jahre Hirt gewesen ist. Virgils Buch über den Landbau kann nur der verstehen, welcher fünf Jahr den Landbau getrieben. Cicero's Briefe kann nur der, wie ich festiglich glaube, völlig verstehen, der 20 Jahr in einer berühmten Republik zu schaffen gehabt. Die heilige Schrift meine Niemand recht geschmeckt zu haben, der nicht 100 Jahre lang mit den Propheten, wie Elias und Elisa, Johannes dem Täufer, Christo und den Aposteln die christlichen Gemeinden regieret hat. Wohlan, so versuche dich an dieser göttlichen Christeis, aber wo du darin stehest, bete an in tiefster Demuth. Wir sind Bettler, das ist wahr. 16. Febr. Anno 1546. Am letzten Tage seines Lebens soll er nach der Abendmahlzeit, wie Dr. Ratzenberger berichtet, den bekannten lateinischen Vers: Pestis eram vivens, moriens ero mors tua, Papa, mit Kreide an die Wand geschrieben haben. Er lautet auf deutsch also: Im Leben war ich, o Pabst, deine Pest, im Tode werde ich dein Tod seyn. (L. W. XXI, 342.†) Diese Worte Luthers sind wirklich in Erfüllung gegangen; denn war es nicht ein sehr großes Uebel für den Pabst, daß zur Zeit der Reformation so viele große Reiche, Länder und Städte seiner Herrschaft entrissen wurden. Aber ein noch weit größeres Uebel betraf den Pabst durch den Augsburger Religionsfrieden im Jahre 1555, also nicht volle 10 Jahre nach Luthers Tode, denn dadurch bekamen die lutherischen Reichsstände die geistliche Gerichtsbarkeit und die lutherischen Unterthanen völlige Religions- und Gewissensfreiheit, welche durch den Westphälischen Frieden im Jahr 1648 noch mehr befestigt wurde, und seit dieser Zeit ist es dem Pabst immer schwerer geworden, selbst bei den Seinigen seiner gebietenden Sprache Nachdruck zu verschaffen, so daß also mit Recht behauptet werden kann, der Pabst sey in allem, was die lutherische Religionsübung betrifft, todt: er ist dies aber nur bei denen, welche an Luthers Lehre, die Gottes Wort ist, festhalten, widrigenfalls lebt doch irgend ein Pabst in ihrem Herzen, die menschliche Vernunft und ihr eigner Wahn, oder der Zeitgeist, oder das Vertrauen auf sich selbst und ihre Werke, oder überhaupt der Unglaube gegen Gottes heiliges Wort mit seinem ganzen höllischen Gefolge. Wie Luther aber in allem, was er andern zur Stärkung ihres Glaubens empfahl, selbst ein Vorbild war, so sehen wir dies insonderheit daran, daß er während seines nicht mehr als dreiwöchentlichen Aufenthalts in Eisleben zwei mal beichtete und die Absolution empfing und zwar das erste mal öffentlich, das andere mal privatim, und darauf zwei mal in der Kirche den wahren Leib und das wahre Blut des HErrn Christi im Abendmahl genoß und zwar das letzte mal am Sonnt. Septuages. (14. Febr.) und sich dadurch zur Reise in sein himmlisches Vaterland stärkte, welche 4 Tage darauf erfolgte. Wie hoch er die Absolution schätzte, erhellet daraus, daß er spricht: „Um dieses Stücks willen (nämlich um der Absolution vom Priester an Gottes Statt gesprochen), brauche ich der Beichte am allermeisten und will und kann ihr nicht entbehren, denn sie mir oft und noch täglich großen Trost gibt, wenn ich betrübt und bekümmert bin.“ (L. W. XVII, 2453.) Von dem heil. Abendmahl schreibt er an einen guten Freund also: „Gott gebe allen Christen ein solch Herz, daß, wenn sie hören das Wort Sacrament oder Abendmahl des HErrn, sie vor lauter Freuden springen, ja auch nach rechter geistlicher Freuden Art, süßiglich weinen; denn ich habs ja von Herzen lieb, das liebe selige Abendmahl meines HErrn JEsu Christi, darinnen er mir seinen Leib und Blut auch leiblich in meinen leiblichen Mund zu essen und zu trinken giebt, mit so überaus süßen und freundlichen Worten: Für euch gegeben, für euch vergossen.“ (L. W. XIX, 1576.) Es verdienen auch hier die Trostsprüche erwähnt zu werden, welche sich Luther länger als ein Jahr vor seinem Tode aus der heil. Schrift und aus Kirchenlehrern, z. B. Ambrosius, sammelte und sie in sein Psalter- und Betbüchlein schrieb, das er stets bei sich trug, als wollt er sagen: Ich will dermaleins mit Gottes Hülfe, in meiner letzten Todesstunde der Sprüche einen ergreifen, und damit wider den Satan und alle Pforten der Hölle gerüstet seyn. Der erste Spruch, den Luther sich zum Schutz und Trost aufgeschrieben hat, ist 1 Petr. 5, 7: „Alle eure Sorge werfet auf ihn, denn Er sorget für euch.“ Diesem Spruche nach, sagt Dr. Jonas in der Leichenpredigt Luthers, der diese und andere Trostsprüche erwähnt, hat der fromme und theure Dr. Martinus alle seine Sorge auf den HErrn Christum geworfen in seiner Todesstunde, und nicht gefraget noch gesorget, wo er bleiben werde, sondern hat Gott sorgen lassen für seine Seele, die er ihm befohlen, wie er die werde versorgen und erhalten. Er setzt hinzu: Den Spruch Petri hätte ich wahrlich nicht auf die letzte Todesstunde also können tröstlich brauchen. Da siehet man, was Dr. Martinus für ein Mann gewesen, und wie fleißig er der Apostel Wort erwogen. (L. W. XXI, 368 † fll.) Unter die unausgesetzte Vorbereitung Luthers zu einem seligen Ende kann man mit vollem Recht auch seine tägliche Uebung des Katechismus, insonderheit der 3 ersten Hauptstücke, rechnen; dies war seit länger denn 30 Jahren seine tägliche Gewohnheit, die er also auch ohne allen Zweifel bis zum letzten Tag seines Lebens fortgesetzt hat. Eine der merkwürdigsten Stellen, darin er selbst davon Zeugniß gibt, ist folgende: „Ich bekenne das frei zum Exempel, wem es gefällt, der ich nun fast ein alter Doctor und Prediger bin, und freilich so viel kann, oder ja können sollte in der Schrift, als alle solche Klüglinge können; noch muß ich zum Kinde werden, und täglich des Morgens frühe bei mir selbst daher mündlich zählen die zehn Gebote, den Glauben, das Vater Unser, und was ich für liebe Psalmen und Sprüche haben will, wie man jetzt die Kinder lehret und gewöhnet; wiewohl ich sonst über das täglich mit der Schrift muß umgehen, und mit dem Teufel im Kampfe stehen; noch darf ich nicht sagen in meinem Herzen, das Vater Unser ist alt, du kannst die Zehen Gebote, du weißt den Glauben wohl ꝛc., sondern lerne täglich daran, und bleibe des Katechismus Schüler, fühle auch, daß mich es merklich hilft, und befinde mit der Erfahrung, daß Gottes Wort nicht auszulernen ist, sondern ist eigentlich wahr, das der 141. Psalm v. 5. davon sagt, seines Verstandes ist keine Zahl. Und der weise Mann: Wer von mir trinket, den dürstet immer nach mir, ꝛc. Sir. 24, 29.“ (L. W. V, 1652 fl.) Endlich haben wir noch seiner besondern Art und Weise zu gedenken, wie er sein Gebet verrichtete. Davon berichten Dr. Ratzeberger und Mathesius, die oft um ihn gewesen: er habe seines Gebets, Morgens und Abends, treulich abgewartet und namentlich ehe er schlafen gegangen, habe er sich im Sommer und Winter vor das offene Fenster gestellt fast eine halbe Stunde lang, seine Augen gen Himmel gerichtet und alle seine Sorge und Anliegen auf den HErrn geworfen; und was insonderheit die letzten Tage seines Lebens betrifft, so heißt es davon in dem Bericht von Lutheri Absterben: „Alle Abend, die 21 Tage durch, ist er aus der großen Stuben vom Tisch in sein Stüblein gangen um 8 Uhr, oder oft davor, auch die Abend alle eine gute Weile im Fenster gestanden, und sein Gebet zu Gott so ernstlich und emsig gethan, daß wir, D. Jonas, M. Cölius, Ambrosius (sein Diener,) Joh. Aurifaber (nachdem wir stille waren,) oft etliche Worte gehöret, und uns verwundert; darnach hat er sich aus dem Fenster umgewandt, fröhlich (als hätte er eben eine Last abgelegt,) und gemeiniglich noch eine halbe Viertelstunde mit uns geredt, alsdann zu Bett gegangen.“ (L. W. XXI. 282 †.) Merkwürdig sind auch die letzten Reden Luther's, welche seine Freunde besonders über Tische aus seinem Munde gehört und aufgezeichnet haben; denn wie er gewohnt war, den Genuß der leibl. Gaben Gottes durch liebliche, nützliche Gespräche noch schmackhafter zu machen, so that er dies auch noch in den letzten Tagen seines Lebens. Insonderheit redete er den 10. und 11. Febr. mit Bezug auf die vorhabenden Vergleichs-Unterhandlungen viel Tröstliches, besonders von der christlichen Einigkeit und schrieb noch am 16. Febr. an die Wand seiner Schlafkammer mit Kreide diese Worte: Wir können nicht thun, was jedermann will: wir können aber wohl thun, was wir