# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 11 23_S52 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) einiger Scenen aus der jeſuitiſchen Lebens⸗ und Lehrgeſchichte nothwendig verſetzt. „Herold' bedenkt aber nicht, daß Schwarz auf Weiß, daß Thatſachen, daß berrits Geſchehe⸗ nes ſehr hartnäckiger Natur iſt und daß dawi⸗ der ſich wenig oder nichts mit allerhand ſophiſti⸗ ſchen Argumentationen (Schleichſchlüſſen) und ſelbſt luſtigen ergötzlichen Poſſen und Sprüngen ausrichten läßt. Das erſte Zeugniß gegen die Jeſuiten, wel⸗ ches wir dem „Herold“ hierdurch vorhalten, iſt ein ſolches, das ſelbſt der „Herold“ gelten laſſen wird, es iſt das Zeugniß eines Papſtes. Wir haben ſchon erwähnt, daß die Jeſuiten einſt ſo arge Umtriebe maͤchten, daß ſelbſt die ganze rö⸗ miſche Chriſtenbeit wider ſie aufſtand. So wur⸗ den ſie denn in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, da der Papſt ihnen keinen Ein⸗ halt thun wollte, oder konnte, nach und nach aus faſt allen ſtrengcatholiſchen Ländern als Lehrverfälſcher, als Verführer und Ver⸗ derber der Sitten, ale Erbſchleicher, als Aufwiegler, als Königsmörder ꝛc., nemlich aus Portugal, Frankreich, Spanien, Parma, Malta ꝛc. vertrieben. Immer lauter wurden allenthal⸗ ben die Klagen über den verderblichen Orden. Aus allen Ländern der catholiſchen Welt erhob man ſich wider ſie, als Feinde der kirchlichen und lgerlichen Ruhe und Wohlfahrt, und beſtürmte de Päpſte ihre Gewalt gegen ſie zu gebrauchen. So geſchoh es denn endlich, daß Papſt Cle⸗ mens XIV. Ganganelli im Jahre 1773 den 21. Juli eine Bulle erließ, die ſich mit den Worten anfängt: Dominus ac redemptor no- ster'' d. h. „Unſer Herr und Erlöſer“ in welcher er, da er an einer bloßen Neformation des Jeſuitenordens verzweifelte, denſelben, wie er ſagt, auf immerwährende Zeiten r) für auf ge⸗ ben und abgeſchafftt erklärte. nun zunächſt Einiges aus dieſer väpſtlichen Bulle folgen. Als Einleitung zu ſeinem Ausſpruch, daß der Jeſuitenorden hiermit aufgehoben ſein ſolle, macht der genannte Papſt erſt die Bemerkung: „Es kann allerdings nicht bezweifelt werden, daß unter allem, was zur Wohlfahrt des catholiſchen Gemeinweſens das Meiſte beiträgt, den Regu⸗ lar⸗Orden beinahe die oberſte Stelle einzuräu⸗ men iſt. „Aber,“ fährt er fort, „wenn es dahin kam, daß das chriſtliche Volk aus irgend einem Regular⸗Orden entweder dergleichen überaus reiche Früchte und erwünſchte Vortheile nicht mehr zog, dazu dieſelben urſprünglich geſtiftet ge⸗ weſen waren, oder wenn es erſchien, da ſte mehr zum Nachtheil und zur Stö⸗ rung der Ruhe der Völker als zur Förderung derſelben dienten: ſo hat eben dieſer apoſtoliſche Sitz, welcher zu ihrerPflan⸗ zung gearbeitet und ſich dafür mit ſeinem An⸗ 1) Die Herrn Päpſte nehmen es bekanntlich nicht eben ſo genau mit den Beſchlüſſen ihrer Vorgänger, ſondern der eine Unfehlbare corrigirt immer friſch den andern; daher hat ſich denn auch Papſt Pius VII. nichts um die Aufhebung der Je⸗ ſulten „auf immerwährende Zeiten“, durch Clemens XIV. gekümmert, ſondern da er eine ſolche Garde wieder nothwen⸗ dig hatte, dieſelben 1814 wieder durch eine andere Bulle in ih⸗ re alten Rechte eingeſetzt. Der liebe und fährt fort: Wir laſſen alles genug geweſen wäre, das laute Schreien. — 50̃— ſehen in's Mittel geſchlagen hatte, keinrsmegs angeſtanden, dieſelben enweder durch neue Ge⸗ ſetze zu verwahren, oder zur alten Strenge des Lebens zurückzurufen, oder auch völlig auszu⸗ rotten.“ Nachdem nun hierauf Papſt Clemens der mancherlei Freiheiten und Privilegien gedacht hat, womit der römiſche Stuhl von Zeit zu Zeit den Orden der Jeſuiten freigebig ſt bedacht habe, ſetzt er hinzu: „Aus dem Inhalt und den Worten der apoſtoliſchen Conſtitutionen ſelbſt er⸗ giebt ſich jedoch offenbar, daß eben in dieſer Ge⸗ ſellſchaft faſt vonſeinem Anfange an der⸗ Same von allerlei Uneinigkeit und neidiſcher Ei⸗ ferſucht hervorſproßte, nicht nur unter den Glie⸗ dern ſelbſt, ſondern auch mit anderen Regular⸗ Orden, mit den Weltgeiſtlichen, den Academieen, den Univerſitäten, den öffentlichen literariſchen Gymnaſien und ſelbſt auch mit den Fürſten, in deren Gebieten die Geſellſchaft aufgenommen. worden war; und daß eben dieſe Streitigkeiten und Trennungen bald über die Beſchaffenheit und Natur der Gelübde ꝛc., bald über die unumſchränk⸗ te Macht, welche ſich der vorgeſetzte General dieſer Geſellſchaft anmaßte ꝛc., bald überverſchie⸗ dene Hauptſtücke der Lehre ꝛe. erregt worden ſind. Und endlich fehlte es keineswegs an ſehr ſchweren Anklagen, welche gegen dieſe Glieder erhoben wurden, und die den Frieden und die Ruhe der chriſtlichen Staaten nicht we⸗ nig ſtörten. Daher ſind viele Klagen wider die Geſellſchaft entſtanden, welche ſelbſt durch das An ſehen von Fürſten bekräftigt und an unſere Vorfahren im Amte gebracht worden ſind.“ Hierauf zeigt nun Clemens, was von Seiten ſeiner Borgänger bereits geſchehen ſei, dem im⸗ mer weiter um ſich freſſenden Uebel zu begegnen, „Weit entfernt aber, daß dieſes und Klagen wider die Geſellſchaft zu dämpfen, ſo verbreiteten ſich vielmehr mehr und mehr die gefährlichſten Streitigkeiten beina⸗ he durch den ganzen Weltkreisüber die Lehre der Geſellſchaft, welche die Meiſten als dem orthodorxen Glauben und den guten Sitten wi⸗ derſtreitend brandmarkten. Auch entbrannten innerhalb und außerhalb Zwiſtig⸗ keiten und immer häufiger wurden die Anklagen wider die Geſellſchaft, hauptſächlich wegen zu großer Begierde nach zeitlichen Gütern. Daher iſt es geſchehen, daß dieſe Geſellſchaft, um eine neue Beſtätigung ihrer Conſtitution (Institu⸗ tum) von Papſt Paul V. zu erlangen, gezwun⸗ gen worden iſt, von ihm zu bitten, daß er ge— wiſſe Beſchlüſſe (im Jahre 1606) bekräftigte, in denen mit klaren Worten geleſen wird, daß ſo⸗ wohl innere Feindſchaft und Zerrüttung unter den Gliedern, als auch Klagen und Beſchwer— den wider die Geſellſchaft von außen dazu ange⸗ trieben haben, Folgendes feſt zu ſetzen: . . „Da in⸗ ſonderheit in dieſen ſehr gefährlichen Zeiten an mehreren Orten und bei verſchiedenen Fürſten, vielleicht (2) aus Schuld Einiger, und entweder um ihrer Ehrſucht, oder um ihres unverſtändigen Eifers willen unſer Orden in üblem Rufe ſteht, laſſung derjenigen, welche von der allgemeinen kaum, oder durchaus nicht wieder hergeſtellt *) Wie konnte auch ein Geſetz z. B. gegen Einmiſchung in einen gewiſſen Cultus mit Räuchern u. dgl. zu widmen, wei ſo unterſagt die Congregation ſtreng und ernſt allen den Unſrigen, ſich in ſolche öffentliche Angelegenheiten (weltliche und politiſche) ein⸗ flechten zu laſſen.. . Wir haben jedoch, fährt Clemens fort, „mit größter Betrübniß unſeres Herzens geſehen, daß ſowohl die genannten, als viele andere darnach angewendete Mittel beina⸗ he nichts ausgerichtet“), um die ſo zahlreichen u. ſo ſchweren Zerrüttungen, Anklagen und Be⸗ ſchwerden wider die oft genannte Geſellſchaft zu dämpfen und zu zerſtreuen und daß unſere übrigen Vorfahren vergeblich ſich bemüht haben, welche die ſo erwünſchte Ruhe der Kirche durch die heilſamſten Conſtitutionen herzuſtellen ver⸗ ſucht haben; ſowohl in Betreff nicht vorzuneh⸗ mender weltlicher Händel, als in Betreff ſehr ern⸗ ſter von der Geſellſchaft wideralle Arten von Gemeinſchaften in Euro⸗ pa, Aſien und Amerika nicht ohne erſchreckliches Verderben der See— lemerregterStreitigkeiten und Zän⸗ kereien; ſodann auch in Betreff der Ausle⸗ gung und Ausübung gewiſſer heid niſcher Gebräuche, welche hie und da an manchen Orten angewendet worden war,“*) mit Aus⸗ Kirche ordentlich beſtätigt worden ſind, ferner in Betreff der Anwendung und Deutung ſolcher Meinungen, welche der apoſtoliſche Sitz als ärgerliche undguter Sittenzucht offenbar ſchäd⸗ liche mit Recht geächtet hat.“) Daher ſagt denn Clemens weiter, das päpſt⸗ liche Schreiben ſeines Vorgängers, Clemens XIII., worin die Verfaſſung der Jeſuiten em⸗ pfohlen und auf's Neue beſtätigt werde, ſei dem⸗ ſelben „mehr mit Gewalt erpreßt, als von ihm erhalten worden.“ Aber, heißt es weiter, des Jammers ſei durch die Jeſuiten immer mehr geworden, ſo daß ſelbſt die allerchriſtlichſten „Kö⸗ nige von Frankreich, Spanien, Portugal und bei⸗, der Sicilien gezwungen worden ſeien, die Glie⸗ der des Ordens aus ihren Reichen, Gebieten und Provinzen zu entlaſſen und auszutreiben, Überzeugt, daß nur dieſes äußerſte Mittel gegen ſo viele Uebel übrig und durchaus nöthig ſei, um zu verhindern, daß ſich nicht die chriſtlichen Völ⸗ ker in dem Schooße der heiligen Mutter, der Kirche, gegenſeitig zerriſſen.“ Clemens fährt fort: „Da wir außerdem erkannten, daß, wenn die vorgenannte Geſell⸗ chaft Jeſu ihren Beſtand behielte, ein wah⸗ rer und dauernder Friede der Kirche entweder werden könne, ſo wollen wir aus dieſen hoch⸗ weltliche Händel etwas helfen, das die Jeſuiten, wie der Papft ſelbſt ſagt, nur „gezwungen“, alſo zum Schein, in ihre Conſtitution aufgenommen und ſich beſlätigen hatten laſſen? —) Bekanntllch haben die jeſuitiſchen Miſſionäre ihren Neubekehrten (2) in China erlaubt, erſt ſelbſt trotz der Ein⸗ ſprache der Päpſte, erlaubt, noch fort und fort ihrem heidni⸗ ſchen Religionsſtifter Confucius und anderen Verſtobenen ſie nur durch dieſes Mittel ihren Zweckerreichen konnten. *) Schon Papſt Innocenz XI. hatte 65 „hropositiones laxorum moralistarum“. d. i. Sätze lockerer Sittenlehrer im Jahre 1679 verdammt, wovon die meiſten aus jeſuitiſchen Schriſtwerken gezogen waren.