# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 02 21_S52 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 52 beides leugnen, erstlich, daß der Leib Christi mit leiblichem Munde, und zweitens, daß er daher von einem Gottlosen und Ungläubigen ebensowohl wie von einem Frommen und Gläubigen genossen werde, so ist aus obigen Zeugnissen sonnenklar, daß Luther nicht nur gegen die zwinglische, sondern auch gegen die calvinische Lehre bis an seinen Tod gekämpft habe. Die von Herrn N. nacherzählte Geschichte erweist sich daher deutlich als eine Erfindung der Lüge. Möchten doch Reformirte, Evangelische u. a. endlich einmal anfangen, sich solcher Lügen zu schämen, und nicht mehr, wären sie auch in noch so dringender Verlegenheit, zu ihrer Rechtfertigung etwas Unerweisliches beweisen zu müssen, zu solchen Lügen ihre Zuflucht zu nehmen. Durch solche Lügen wird nicht geringer Schade angerichtet. Einfältige und sehr Schwachgläubige, die weder Calvin noch Luther genau kennen, glauben solche Lügen und werden durch das vermeintliche Urtheil eines anerkannt treuen Lehrers irre gemacht. Es ist immerhin merkwürdig, daß die Evangelischen, die sonst gegen alles Menschenansehen protestiren und den Lutheranern einen Auctoritätsglauben strafend beimessen, daß dieselben nur zu gern zu ihrer eigenen und Anderer Beruhigung den seligen Luther zu ihrem Patrone machen möchten. Auf einen Lutheraner übrigens, der nicht mehr ein Kind ist, das sich wägen und wiegen läßt von allerlei Wind der Lehre, machen solche Beweise, die man für eine Sache von Menschen hernimmt, wenig oder keinen Eindruck. Ein Lutheraner nimmt die lutherische Lehre nicht darum an, weil sie Luther angenommen, sondern weil er sie aus Gottes Wort klar und unwidersprechlich bewiesen hat. Ein Lutheraner liebt Luthern darum so herzlich vor tausend andern Lehrern, weil er so herrlich anleitet, sein Gewissen allein und ganz allein auf das unwandelbare Wort Gottes zu gründen. Eben solche Schüler verlangt Luther und keine andern. Derselbe spricht daher in seiner Missive an Hartmuth von Cronberg: „Denn das ist ein Zeugniß, daß sie nicht um der Menschen willen, sondern um des Worts selbst willen gläuben. Viel sind ihr, die um meinetwillen gläuben; aber jene sind allein die rechtschaffenen, die darinne bleiben, ob sie auch höreten, daß ich es selbst (da Gott für sei) verleugnete und abträte. Das sind die, die nichts darnach fragen, wie böses, greuliches, schändliches sie hören von mir oder von den Unseren. Denn sie gläuben nicht an den Luther, sondern an Christum selbst. Das Wort hat sie, und sie haben das Wort; den Luther lassen sie fahren, er sei ein Bube oder heilig. Gott kann sowohl durch Balaam, als durch Jesajam, durch Caipham als durch Petrum, ja durch einen Esel reden. Mit denen halt ichs auch. Denn ich kenne selbst auch nicht den Luther, will ihn auch nicht kennen; ich predige auch nichts von ihm, sondern von Christo. Der Teufel mag ihn holen, wenn er kann: er lasse aber Christum mit Frieden bleiben, so bleiben wir auch wohl.“ (L. W. XV, 1988. 89.) Dr. M. Luthers Sermon von Bereitung zum Sterben. Diesen Sermon haben einige hiesige Liebhaber der lutherschen Schriften als eine Gabe zur dritten Säcularfeier des Todes des seligen Luther wieder unverändert abdrucken lassen. Luther hat denselben zwar schon 1519 geschrieben, wo er noch nicht die Sprache führte, die er später, z. B. in seiner Auslegung des Briefes an die Galater, geführt hat. Aber gerade dieser Sermon gibt Zeugniß davon, welch eine vortreffliche Erkenntniß Luther schon 1519 von dem wahren evangelischen Heilsweg gehabt habe. Wer gern selig sterben will, der lese diesen Sermon und befolge Luthers Rath, so wirds ihm nicht fehlen, so gewiß das Evangelium eine Kraft Gottes ist, die da selig macht Alle, so daran glauben. Wer ferner den Unterschied der lutherschen Lehre und der Lehre der Methodisten und der methodistisch gesinnten After-Lutheraner, Reformirten, Evangelischen ꝛc. kennen lernen will, der lese dieses Schriftchen, und er wird finden, daß der Unterschied der alten lutherschen und der unter den sogenannten „Gläubigen und Neu-Maßregel-Leuten“ herrschend gewordenen Lehre nicht blos in einzelnen, scheinbar nicht so gar wichtigen Lehren bestehe, sondern daß man jetzt auf einen ganz andern Grund baut und einen ganz andern Weg zur Seligkeit zeigt, nehmlich den rechten Grund, Christum, in seinem Wort und Sacrament durch den Glauben ergriffen, umstößt und sein Heil auf seine Buße, Zerknirschung, Erfahrungen, Gefühle, Zustände, Heiligung, kurz auf sich selbst und sein Thun und Machen gründen lehrt. Im 19. Capitel des Sermons gibt Luther selbst den Hauptinhalt desselben kurz an; daselbst spricht er nehmlich: „Nun muß man in diesem Handel allen Fleiß ankehren, daß man dieser dreier Bilde keins zu Haus lade, noch den Teufel über die Thür male“ (nehmlich das Bild des Todes, der Sünde und der Hölle); „sie werden selbst allzu stark hereinfallen und das Herz mit ihrem Ansehen, Disputiren und Zeigen ganz und gar inne haben wollen. Und wo das geschieht, so ist der Mensch verloren und Gottes ganz vergessen. Denn diese Bilde gehören gar nicht in diese Zeit, anders denn (es sei denn), um mit ihnen zu fechten und sie auszutreiben; ja, wo sie allein sind, ohne Durchsehen in andere Bilde,“ d. h. ohne daß man sie durch das Bild der Gnade Christi anschaut, so „gehören sie nirgend hin, denn in die Hölle unter die Teufel. Wer nun wohl mit ihnen fechten und sie austreiben will, dem wird nicht genug sein, daß er sich mit ihnen zerre und schlage oder ringe. Denn sie werden ihm zu stark sein, und wird ärger und ärger. Die Kunst ists ganz und gar, sie fallen lassen und nicht mit ihnen handeln. Wie gehet aber das zu? Es gehet also zu: Du mußt den Tod in dem Leben, die Sünde in der Gnaden, die Hölle im Himmel ansehen und dich von dem Ansehen oder Blick nicht treiben lassen, wenn dir es gleich alle Engel, alle Creaturen, ja, wenn es auch dich dünket, Gott selbst anders vorlegen, das sie doch nicht thun; aber der böse Geist machet einen falschen Schein. Wie soll man denn thun?“ ꝛc. Möge das Samenkorn der evangelischen Wahrheit, was hiermit wieder ausgestreut wird, manches Herz finden, in welchem es aufgehe und reiche Früchte des Trostes und Lichtes in Sterbensnöthen und Todesnacht bringen! Wer das Schriftchen (zu 16 kleinen Octavseiten mit Umschlag) zu haben wünscht, kann es durch den Herausgeber dieser Blätter, das Exemplar zu 5 Cents, beziehen. Weller wird durch eine Predigt Luthers bekehrt. Hieronymus Weller, geboren den 5. Sept. 1499 zu Freiberg, und den 20. März 1572 daselbst gestorben, dieser Hausfreund Luthers, der besonders berühmt geworden ist durch die ihm von Gott verliehene Gabe, Angefochtene und Schwermüthige zu trösten, erzählt in seiner Auslegung über 2 Cor. 7, 10., wie er bekehrt worden sei, und zwar der gottseligen Einfalt unserer Alten gemäß also: „Als ich vor vierzig Jahren nach Wittenberg gekommen war, um daselbst die Redekunst zu erlernen und die Studien der Rechtswissenschaft zu beginnen (denn damals dachte ich an nichts weniger, als daß ich ein Theolog werden würde), so trug es sich einmal zu, daß Dr. Luther den Katechismus in der Kirche auslegte und erschreckliche Exempel des göttlichen Zornes wider die Sünde anführte, zugleich mit furchtbaren göttlichen Drohungen. Durch diese Predigt Luthers wurde ich so tief gerührt, daß ich in eine ungewöhnliche Traurigkeit verfiel, wodurch ich angetrieben wurde, ernstlich Buße zu thun und mich von den Sünden zu bekehren, in welche ich vorher theils durch gottlose Gesellschaft, theils durch begieriges Lesen des Lucian, dieses gottesleugnerischen Religionsspötters, gerathen war. Kurz, die Bestürzung und Betrübniß meiner Seele, welche in mir entstand, wurde mir eine Veranlassung, daß ich mich von nun an auf das Studium der Theologie legte. Daher habe ich mich oft wegen dieser mir von Gott zugeschickten Traurigkeit selig gepriesen, indem ich an jenen Spruch Ps. 119, 71. dachte: „Es ist mir lieb, daß du mich gedemüthiget hast, daß ich deine Rechte lerne.“ Es sagt aber Paulus ausdrücklich, daß es uns nie gereuen wird, so von Gott selbst betrübt und traurig gemacht worden zu sein. 2 Cor. 7, 10.“ Gefühlsglauben. Also thut die Vernunft und Natur allezeit, daß sie nicht weiter folgt, denn sie fühlt; wenn sie nicht mehr fühlt, so darf sie alsbald Gott leugnen, und sagen, wie Ps. 14, 1. von ihr gesagt hat: „Hier ist Gott nicht,“ der Teufel muß hier sein. Das ist das Licht der hohen Schulen, das sie zu Gott führen soll; ja, in Abgrund der Höllen! Es mag nicht Naturlicht und Gnadenlicht Freund sein. Natur will fühlen und gewiß sein, ehe sie gläubet; Gnade will gläuben, ehe sie fühlet. Darum geht die Natur nicht weiter, denn in ihr Licht. Gnade tritt heraus fröhlich in die Finsterniß, folget dem bloßen Wort und Schrift, es scheine sonst oder so; es dünke die Natur wahr oder falsch, so hält sie am Wort fest. — Luthers Kirchenpostille. Bezahlt: 1. und 2. Jahrg.: Hr. P. Hattstedt, P. Cronenwett; 2. Jahrg.: Hr. P. Detzer, Ch. Piepenbrink, N. Schwegmann, A. Schraub. Gedruckt bei Weber und Olshausen.