# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 11 10_S46 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) lichen Tanzens erkennen und fich überzeugen daf nur Menſcheu mit zerrütteten Sinnen den hoch— erleuchteten Dr. Luther zum Schutzpatron dieſes ſündlichen Vergnügens machen kö inen. Die aber, welchen dies Alles nicht genügt weil ſie Alles beſſer wiſſen wollen, die ſollen wiſſen, daß ſolches Alles gar nicht um ihretwil⸗ len geſchrieben iſt. Sollte ich ihnen ein Sprüch— lein in ihr Stammbuch ſchreiben, ſo wäre es et⸗ wa das, welches Luther denen zu Cemüthe führt, welche unter anderen die Privatbeichte verwarfen, ohne dafür etwas beſſeres zu geben. Dieſes Sprüchlein lautet alſo: Meiſter Bügel, der geſcheidte Mann, „Der das Noß im Hintern zäumen kann, Und rücklings reitet ſeine Bahn, Seiner Sackpfeifen Hall Iſt der allerbeſte Schall. Muß ſich nicht ſelbſt die heil. Schrift gefallen laſſen, von den Kindern dieſer Welt auf mancher- lei Weiſe zur Beſchönigung ihres ungöttlichen Weſens gemißbraucht zu werden? Wie gern be⸗ rufen ſich Leute, die ſonſt gar nicht nach der Bi⸗ bel fragen auf den Spruch Pred. Sal. am drit⸗ ten: „Tanzen hat ſeine Zeit“, ohne zu beden⸗ ken, daß auch Würgen, Haſſen, Streit und An⸗— deres ſeine Zeit hat, wie dort geſchrieben ſtehet; ohne daß es darum Gott geboten, oder nur er— laubt hätte. Darf man ſich nun wundern, wenn auch Luther's Schriften, wie wir an jener Stelle aus der Kirchenpoſtille geſehen, haben herhalten müſſen, ſich gegen ihn ſelbſt und gegen die Wahr⸗ heit mißbrauchen zu laſſen? Er ſelbſt klagt da— rüber in der Vorrede zu den ſchmalkaldiſchen Ar⸗ tikeln mit folgenden Worten: „Ich bin noch am Leben, predige und leſe täglich, noch finden ſich ſolche giftige Leute, nicht allein unter den Wider— ſacher n, ſondern auch falſche Brüder, die unſeres Theils ſein wollen, die ſich unterſtehen, meine Schrift und Lehre ſtracks wider mich zu führen, laſſen mich zuſehen und zuhören, ob ſie wohl wiſſen, daß ich anderes lehre und wollen ihr Gift mit meiner Arbeit ſchmücken und die armen Leute unter meinem Namen verführen; was will doch immermehr nach meinem Tode wer— den?“ Würden endlich diejenigen, welche ſich zur Vertheidigung des Tanzes auf Luther berufen, ihn in anderen, nöthigeren Dingen zum Lehr— meiſter erwählen, ſo würden ſie nicht auf ſolche Thorheiten gerathen und dadurch ſich und An— dere verführen. Wollten und könnten ſie ſich ſelbſt prüfen, ſo würden ſie, die ſo viel von Glau⸗ be und Liebe ſchwatzen, vielmehr Luſt und Trieb in ſich verſpüren, mit den abgöttiſchen Iſraeli⸗ ten um das goldene Kalb herumzuſpringen und mit der tückiſchen wollüſtigen Tochter der Hero⸗ dias das Haupt eines Zeugen der Wahrheit zu verlangen, als mit David die heil. Bundeslade tanzend und frohlockend einzuholen, oder mit der heil. Jungfrau Agathe um Chriſti willen in Kerker und Tod wie zum Tanz zu gehen. —44 — (Für den Lutheraner.) So lange die Buffaloer Synode in ihrem Widerſpruch gegen die lutheriſche Lehre verharrt, hilft es ihr ſo wenig, daß ſie ſich auf das Alter und die Erfahrung ihrer Gemeinen beruft,“ wie 's dem Apoſtel Petrus half, den Heiland länger' gekannt zu haben, als Paulus ihn eines ähnli— Ken, nur nicht ſo groben Verſtoßes gegen den Artikel von der erangeliſchen Freiheit der Chri— ſten zieh, wie die ſächſiſchen Brüder den preuß'⸗ ſchen Lutheranern nachgewieſen haben. Viel— mehr beweiſt es nur, daß es auch, wenn die Sinne noch ſo geübt ſind, die Wahrheit vom Irrthum zu unterſcheiden, Gnade iſt, nicht auf eine falſche Fährte zu gerathen, wie das Sprich— wort ſagt: Alter ſchützt vor Thorheit nicht. Nun rührt ja aber die Offenbarung der Irr— thümer, denen ſie in Buffalo huldigen und wo⸗ von Nr. 5 des Kirchl. Informatoriums einen neuen Beweis liefert, größtentheils von Gliedern der Gemeinen her, die mit der Buffaloer Sono⸗ de im Verbande ſtehen. Warum läßt man ſol⸗ chen das Recht, die Lehre zu prüfen, wozu ſie ja nach dem Geſtändniß des Informatoriums be— fähigt ſind, nicht in gleichen Maaße zu Gute kommen wie den Jaherren? Übrigens gehört weder Erfahrung noch tiefe Kenntniß des Wortes Gottes dazu, um einzu— ſehen, daß es ſich nicht reimt, die wirkſame Kraft des Amts im Sakramente mit dem Pflügen des Ackermanns beweiſen zu wollen. Am Ende kommen die Ochſen auch noch und maßen ſich's an, daß die Saat gedeiht und man wird ſie ſchwerlich mit 1. Cor. 3, 7: „So iſt nun weder der da pflanzet noch der da begießet etwas, ſon⸗ dern Gott, derdas Gedeihen giebt, zur Vernunft bringen. Es ſcheint freilich bei den Gliedern der Buffaloer Spnode eben ſo wenig anzuſchlagen: darum iſt wohl Schweigen die beſte Antwort auf die wunderlichen Behaup— tungen von der Kraft des Anits, die Nr. 5 des Kirchl Informatorium's bringt. Venn ein Wanderer vom Gipfel eines Ber— ges in's Thal hinabblickt, ſo geht ſchon der nächſte Schritt abwärts und wer ihn oben er— halten will, warnt ihn davor. Wenn er aber aus der tiefen Ebene am Fuß des Berges wie⸗ der hinauf ſteigen will, ſo wöre es thoricht, ihm den Weg zu verbieten, der freilich vom Gipfel aus abwärts, vom Thal aus aber hinauf führt. Nur ſoll er nicht auf ſolchem Wege ſtehen blei— ben. N. Der lutheriſchen Kirche iſt es eigenthümlich, und weſentlich, daß ſie auf reine Lehre des Worts und rechte Verwaltung der Sakramente das Hauptgewicht legt, weil ſie weiß, daß an Chriſto nur ſo viel Theil hat, als an ſeinem reinen Worte Theil hat. Sie bekennt, daß nur aus der Predigt und dem Glauben der Predigt eine heilige Lebenskraft und Lebensgemeinſchaft, ei⸗ ne Gemeinſchaft der Heiligen hervorgehen könne, ſo wahrhaft als nur aus dem Glauben die Lie⸗ Diee zu nämlich im Aformatorium geſchehen. D. R. 79 * einträchtiglich der Furcht und Liebe Gottes. * be und ihre Erbauung bhervorgehen kann, und dieſe Gemeinſchaft des Glaubens und heiligen Geiſtes im Herzen iſt ihr allein (proprie, princi- paliter) die Kirche. Daher auch ihr voller Be— griff von Kirche Augsb. Konf. Art. 7: „Es wird auch gelehrt, daß allezeit müſſe eine heilige chriſtliche Kirche ſein und bleiben, welche iſt die Verſammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heil. Sakra⸗ mente laut des Evangelii gereicht werden. Denn dieſes iſt genug zur wahren Einig⸗ keit derſchriſtlichen Kirchen, daß da nach reinem Ver⸗ ſtaäand das Evangelium gepredigt und die Sakramente dem göttli⸗ chen Worte gemäß gereicht werden.“ Und dieſes weiter dahin erklärt in der Apologie Art. 4.: „Aber die chriſtliche Kirche ſtehet nicht allein in Geſellſchaft äuſſerlicher Zeichen, ſon⸗ dern ſtehet fürnemlich in Gemein⸗ ſchaft inwendig der ewigen Güter im Herzen, als des heiligen Geiſtes, des Glaubens, Und dieſelbige Kirche hat doch auch äuſſerliche Zeichen, dabei man ſie kennt, nämlich wo Gottes Wort rein gehet, wo die Sakramente demſelbigen gemäß gereicht werden, da iſt gewiß die Kirche, da ſein Chriſten.“ . .. Apologie Art. 12: „Denn der rechte äuſſerliche Kirchenſchmuck iſt auch rechte Predigt, rechter Brauch der Sakramente und daß das Volk mit Ernſt dazu gewöhnt ſei und mit Fieiß und züchtig zuſammen komme, lehre und bete. . . . Denn es iſt kein Ding, das die Leute mehr bei der Kirchen behält, denn die gute Predigt. Aber unſere Widerſacher predigen die Leute aus der Kirchen. . . u. ſ. w. Bei dieſer auf das Innere als das Weſentliche und Wahre gekehrten Richtung der lutheriſchen Kirche, daß ſie fürnehmlich (principaliter) eine innere Chri⸗ ſtenheit ſein will, und nur ſo viele wahre Glie der der Kirche kennt, als Heilige ſind d. h. welche aus dem heil. Geiſt wahrhaft bekehrt ſind d. h. im Glauben ſtehen, muß ihr auch die den Glauben weckenre, den heil. Geiſt gebende Predigt des Wortes das Primäre (die Hauptſache) ſein, allt äuſſere Inſtitution (Oronung) als das Sekun⸗ däre (die Nebenſache) erſcheinen. Doch iſt ſie nicht gleichgültig gegen äuſſere Form, vielmehr achtet ſie es für nothwendig, daß die Kirche e'⸗ nen Leib habe, wie die Seele einen Leib haben muß. Apologie Art. 4: „Und wir reden nicht von einer erdichteten Kirchen, die nirgends zu finden ſei, ſondern wir ſagen und wiſſen für wahr, daß dieſe Kirche, darin Heilige leben, wahrhaftig auf Erden iſt und bleibet, nämlich, daß etliche Gotteskinder ſind hin und wieder in aller Welt, in allerlei Königreichen, Inſeln, Ländern, Städten vom Aufgang der Sonnen bis zum Niedergang, die Chriſtum und das Evangelium recht erkannt haben, und ſagen, die⸗ ſelbige Kirche habe die äuſſerlichen Zeichen, das Predigtamt oder Evangelium und die Sakra⸗ mente. Und dieſelbige Kirche iſt eigenilich, wie Paulus ſagt, eine Säule der Wahrheit, denn ſie behält das reine Evangelium, den rechten Grund.“ (1. Tim. 3, 15.) Eben ſo weiß fe.