# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 11 10_S45 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) — dit jungen Kinder an, die ja ohne Sünde tan⸗ zen und ſetzt hinzu: „wo Tanz an ſich ſelbſt Sünde wäre, müßte man es den Kindern nicht zulaſſen.“ Damit aber hierüber Niemand auf die Gedanken komme, als ob es Luther billige, den Kindern Tanzſtunde geben zu laſſen, ſollen ſeine eigenen Worte bei der Auslegung des 4. Gebots angeführt werden, wo er unter die El- tern, welche ihre Kinder verderben, auch die rechnet, „die ihren Kindern Anlaß ge— ben, die Welt lieb zu haben, die nicht weiter für ihre Kinder ſorgen, denn daß ſie tapfer einhertre— ten, ſpringen, tanzen und ſich zieren können, den Leuten gefallen, ihre Begierden rei⸗ zen, ſich der Welt gleich ſtellen.“ (3,1824) Daß Luther von dem Tanzen der Kinder nur inſofern redet, als es ein kindiſches Spiel iſt, worin ſie keines Unterrichts bedürfen, das ſieht man auch aus ſeiner Erklärung der Worte Zachar.. 56 ch ausſ 9 Zach daß ſie Luther's Bedingungen zu erfüllen, und 8, 5: „Und der Stadt Gaſſen ſollen ſein voll Knäblein und Mägdlein, die auf ihren Gaſſen ſpitlen“; denn er ſagt dabei: „Die Stifter und Klöſter ſollten ihre Güter und Heiligkeit die Hälfte darum geben, daß ihr Weſen und Werke halb ſo viel Zeugniß in der Schrift hätten; wie werden ſie beſtehen, wenn Chriſtus ſagen wird daß der Kinder Singen und Tanzen auf der Gaſſen ihm lieber ſei, denn alle ihr Geheule und Gemurre in ihren Kirchen.“ gleich eine deutliche Erklärung von dem, was Luther oben mit den ſauer ſehenden Heuchlern und ſelbſterwachſenen Heiligen gemeint hat? Fürs dritte ſagt Luther, daß er das Tanzen nicht verdamme, „ohn die Übermaß, ſo es un— züchtig oder zu viel iſt.“ Und dann ſpricht er mit einer deutlich hervorgehobenen Bedingung: „Wo es aber züchtig zugeht, laß ich der Hochzeit ibr Necht.“ Daß es nun aber auch ſchon da— mals nicht eben ſehr züchtig zugehen mochte, ſe— hen wir aus der Sahilrerung, die Luther kurz vor jener Tanzſtelle von dem Volksleben giebt, indem er ſagt: „Solch Übermaß, als zu un⸗ ſern Zeiten gehet, iſt aus der Weiſe: da man nicht iſſet und trinket, ſondern friſſet und ſäuft, ſchwelget und ſich ſtellet, als ſei es Kunſt oder Stärke viel Freſſen und Saufen; da man auch nicht ſucht fröhlich zu werden, ſondern toll und voll zu ſein; das ſind aber Säue, nicht Men⸗ ſchen; ſolchen würde Chriſtus nicht Wein ſchen— ken, noch zu ihnen kommen ſein.“ wundener ſpricht ſich Luther über das tiefe Ver— derben des damaligen Volkslebens in einer Pre⸗ Her die 2. „Arventsepiſtel bei den Worten aſſet uns ehrbarlich wandeln, als am. Ton *c.“ „Heutiges Tages ſind's nicht Säue, ſondern gröber als Säue; ihr verzweifelten Stüe, ihr ſeid Säue und bleibt Säue; wo fromme, ehrbare Bürger, Frauen und Jungfrau⸗ en gehen, da muß man ſich ſchämen, wer anders ein Menſch ſein will. Folglich redet Luther weder dem damaligen noch dem jetzigen weltüb⸗ lichen Tanzen das Wort; denn wenn man ihm auch hier und da einen feineren. Anſtrich und eine ſchönere Larye geben wil ſo bleibt doch darunter Iſt das nicht zu⸗ Noch unum⸗ der dreiköpfige Götze, dem die Welt dabei dient, — namlich Fleiſchesluſt, Augenluſt und hoffärtiges Leben. Zum Vierten ſagt Aither: „Der Glaub und die Liebe laßt ſich nicht austanzen noch =ſitzen, ſr du züchtig und mäßig drinnen biſt.“ Hierbei bezanbert nun vollends der Gott dieſer Welt ſei ne lieben Getreuen auf mancherlei Weiſe; ſi überreden ſich ſelbſt und Andere, ſie wären be— reits ſo voll von Glaube u. Liebe, daß es gar nicht möglich ſei, daß ſie an einem oder dem andern etwas verlieren könnten, während doch der eigent liche Grund davon darin liegt, daß ſie nur we— nig, oder nichts zu verlieren haben. Geſetzt nun aber, Glaube und Liebe ließen ſich nicht a us.- tauzen, ſo laſſen ſie ſich doch gewiß noch weii weniger eintanzen, wenigſtens iſt davon nichts in der heil. Schrift zu finden. Ferner verblen— det der Teufel ſolche zum Tanzen Luſtige, zum Glauben und Lieben aber ſehr unluſtige Leute, dabei ganz züchtig und mäßig' zu ſein wähnen, obgleich ihre Geberden, Reden und Worte das gerade Gegentheil bezeugen und ſie ſelbſt Brandmal in ihrem Gewiſſen haben. Dabei bilden ſie ſich ſteif und feſt ein, daß ſie wirklich Luther's Rath beſolgen könnten: „werde ein Kind, ſo ſchadet dir das Tanzen nicht.“ Ach, wenn doch dieſe armen Leute wo anders anfin— gen umzukehren und zu werden, wie die Kinder. Denn der Tanz iſt doch fürwahr ein ganz neuer Weg, ins Himmelreich zu kommen! Wie kommt es, daß dieſe Leute nur beim Tanzen Kinder ſein wollen, auſſerdem aber ſich dünken laſſen, als ob ſie im Verſtändniß, im Glauben umd Lieben, kurz in Allem bereits zum vollkommenen Mannesalter herangereift und weit erhaben über andere Leute wären? wätten ſie nun in ihrem kindiſchen Unverſtande auf eine Zeit lang mit den Kindern auf der Gaſſe getanzt und ge— ſpielt, und ſich darüber brav auslachen laſſen, ſo ſollten ſie doch nun einmal das Wort St. Pauli 1. Cor. 13, 11bedenken: „da ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind und war kiug wie ein Kind und hatte kindiſche Anſchläge; da ich aber ein Mann war, that ich ab was kindiſch war.“ Endlich macht ihnen der Vater der Lüge auch darin einen blauen Dunſt vor die Augen, daß ſie nicht ſehen, wie ſie doch ſo gar nichts von Glauben und Liebe haͤben, da ſie den Allen nicht glauben und es nicht üben, was das Wort Got⸗ tes in den beiden wichtigen Capiteln Röm. 14 und 1. Cor. 8. von dem Mißbrauch der chriſt— lichen Freiheit ſagt; denn geſetzt, daß ſie wirk— lich mit gutem Gewiſſen tanzen könnten, ſo ſoll⸗ ten ſie doch als Chriſten allen Anſtoß bei ihren Miichriſten in der Welt vermeiden und es lie— ber unterlaſſen nach Pauli Wort und Vor⸗ gang: „Ich habe es zwar Alles Macht, aber er beſſert nicht Alles.“ (1. Cor. 10, 23). Nun wollen wir aber auch die Stellen beſe— hen, in welchen Luther gegen das weltübliche Tanzen ohne allen Vorbehalt Zeugniß ablegt, ohne tein ſauer ſehender Heuchler und ſelbſter— wachſener Heiliger zu ſein. Den Urſprung alles ſolchen Tanzens leitet e en dem Sohne des gottloſen Cain, dem Jubal! br und ſagt in einer Predigt äber 1. Moſ. 4, 21: „Von dem ſind herkommen die Geiger und Pfeifer,“ alſo: „der dritte Sohn von den andern Frauen iſt mit Tanzen, Springen und Hofiren umgegangen, hat ſein Datum auf gute Tage, Luſt und Frude geſetzt. Das iſt der Welt Lauf. So iſt es bei einander; nach großer Nahrung und Reichthum trachten, Land und Leute unter ſich bringen, Gewalt und Ehre haben und in Luſt und Wohltagen leben.“ (3, 17. B.) Unter den Heiligen, die man im Papſtthum zu Schutzpatronen für allerlei Dinge erwählt hat, führt Luther auch St. Veit an, indem er lagt: „der hat ſeinen Theil in dem e lenden Tanzen und Springen.“ (3, 1734) Indem er die Uebertreter des dritten Gebots aufzählt rechnet er dazu auch: „Wer Freſſen Saufen, Spielen, Tanzen, Müſſiggang, Un⸗ keuſchheit treibt“ (10, 190), und weiſt damit dem Tanz ſeinen Platz in einer nicht eben ehrbaren Geſellſchaft an. Beſorders aber ſtraft Luther die Sünden, die bei dem öffentlichen Tanzen vorgehen, gar nach— drücklich bei der Erklärung des 6. Gebots; nach— dem er nämlich von den äußern Kennzeichen der Unkeuſchheit geredet u. als ſolche namentlich das Auſchauen, das Hören, das Geſchwätz, das Handbieten und Umfangen und das Küſſen er⸗ wähnt hat, fährt er alſo fort: „Dieſe er⸗ wähnten Zeichen begebenſich nie öf⸗ ters und gröber, dennin denöffent⸗ lichen Tänzen. wie viel und große Sünden da ge⸗ ſcheben und was das Geſicht und Ge⸗ hör da faſſe: dazu, was vor Unrath daͤs Betaſten und Geſchwätz bringe, Kurtz, die Welt iſt Welt, ja, eine Unwelt und ein Feind Gottes. Man darf in der Welt nicht etwas Gutes ſuchen, das Gott gefalle; denn da iſt eine Sünde über die andere. Man ſpürt auch den großen Zorn Gottes; noch lachet man, man hüpfet und ſpringet, iſt luſtig und guter Dinge, gleich als ob keine Gefahr vorhanden und alles unſer Thun gut und köſtlich Ding wäre.“ (3,19370 Endlich in rer Hauspoſtille am 2. Advent re⸗ det Luther vom ſchuellen Kommen des jüngſten Tages und ſpricht bei den Werten Chriſti: „Hütet Erch, daß Euere Herzen nicht beſchweret werden mit Freſſen und Saufen,“: „Wenn ſie am ſicherſten ſein, die Trummnel ſchlagen, ſpringen tanzen, werden ſie unverſehens daliegen“; und dann: Eleichwie es zuging zu Sodom, ſie fraßen, ſoffen, tanzten, jauchzten und hätten dem frommen Leth nicht einen Heller gewünſchet ‚c.—alſo gehet es heutiges Tages auch ne. Wenn dieſer mit der Metzen herumſpringet und zanzet, wird er plötzlich daliegen.“ 1 Sellte nun den Leſern die Erklärung der er⸗ ten Stelle aus Lythers Schriften, welche die Liebhaber des Tanzes für ſich anführen, nicht ge⸗ ügt haben, ſo werden ſie hoffentlich in den fünf atzten eben ſo viel kräftige Schleuderſteine aus David's Es iſtnicht zu ſagen, ö Hirtentaſche gegen den Rieſen Goliath, ämlich den hölliſchen Schutzpatron des weltüb⸗