# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 11 10_S41 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) konnte, das begreife ein Anderer! Hoffen wir, daß fortgeſetzte Prüfung den wackern Herausge⸗ ber evangeliſcher Kerngebete in Kurzem auf rich⸗ tige Bahnen leiten werde. Ref. enthält ſich hier jeder weitern Beſprechung der „Neuen Aphoris⸗ men,“ behält ſich aber vor, dieſelben (zugleich mit dem zweiten buffalo'er Synodalſchreiben) einer ausführlichern Erörterung in dieſer Zeit⸗ ſchrift zu unterziehen. (Für den Lutheraner.) 1. Der Pfarrer B. in E. pflegte oft über die ar⸗ men Alt⸗Lutheraner gewaltig loszuziehen. Da ſoll ihm denn einmal ein Mann, der noch nicht lange im Lande war, gefragt haben, was denn das eigentlich für eine Sorte von Leuten wären und was für ſchreckliche Dinge ſie trieben. Ei, ſagte der Pfarrer, dieſe Leute haben Crucifix und Lichter auf dem Altar. Nun das haben wir bei uns (in Baiern) auch auf dem Altar gehabt, er⸗ wiederte der Fragende. Was haben denn die Alt⸗Lutheraner noch? Sie ſingen am Altar ſagte der Pfarrer, und ſogar den Segen. Nun gerade ſo iſt's auch bei uns daheim, ſagtie der lernbegierige Mann, und wenn ſie weiter nichts haben, als das, ſo ſehe ich nicht ein, warum ſie ſo gefährlich ſein ſollen, denn das hat noch kei⸗ nem Menſchen was geſchadet. Aber, ſetzte der Pfarrer mit bedenklicher Mine hinzu, ſie haben noch etwas, nämlich die Ohrenbeichte! Die Ohrenbeichte, fragte verwundert der Mann, was iſt denn das? Davon habe ich bei uns al⸗ lerdings noch nichts gehört. Da mag nun der Pfarrer dies und das zur Erklärung oder viel⸗ mehr zur Verdrehung dieſes Wortes geſagt haben, kurz der Mann, der gefragt hatte, wußte eigent⸗ lich nachher ſo viel, als er vorher von der Oh⸗ renbeichte wußte. Da traf ſich's nun, daß die⸗ ſer Mann und andere Männer mit einem an⸗ dern Pfarrer zuſammenkamen. Dem legten ſie nun auch die Frage vor, was doch eigentlich die Ohrenbeichte ſei. Das will ich euch gleich ſa⸗ gen, lieben Leute, erwiederte der Pfarrer. Seht, wenn einer zur Ohrenbeichte kommt, ſo kriegt ihn der Prediger mit beiden Händen bei den Ohren und ſchüttelt ihn ſo lange, bis er Alles heraus⸗ ſagt; darum ſoll euer Pfarrer ja nicht zur Oh— frenbeichte kommen, denn er würde ſo lange an den Ohren geſchüttelt werden, bis er zum Ge⸗ fländniß gebracht würde, was denn eigentlich die Ohrenbeichte ſei. —— 2. Ein Bäcker kam einmal zu einem Pfarrer und rrkundigte ſich bei ihm nach Etwas, das er gern wiſſen wollte. Als ihm nun der Pfarrer Be⸗ ſcheid gegeben, erkundigte er ſich bei dem Bäcker, in welche Kirche er ginge. Der Bäcker ſagte, er wäre ſonſt in die und die Kirche gegangen, ſeit langer Zeit ginge er aber in gar keine Kirche mehr. Der Pſarrer fragte: Warum? Je nun, antwortete der Bäcker, ich traue keinem Pfarrer mehr, denn ich bin einmal angeführt worden. Da geht's Ihnen, ſagte der Pfarrer, mit den Pfarrern juſt ſo, wie mir's mit den Bäckern geht, ich traue auch keinem Bäcker mehr, denn es hat mich einmal einer mit einem Laib Brod angeführt, das ſollte neubacken ſein und war doch knochenhart. Der Bäcker ſagte darauf: Es ſind aber doch nicht alle Bäcker ſo, worauf der Pfarrer erwiederte: So ſind auch nicht alle Pfarrer ſo wie der, der Sie angeführt hat. Da⸗ mit ſchied der Bäcker von dem Pfarrer. 3. Verbot des Bibelleſen's bei den Römiſch⸗ Catholiſchen. (Vrgl. Lutheraner“ 9. Jahrg. Nr. 26.) Der bekannte Würtembergiſche Theolog Ben⸗ gel erzählt einmal folgende Geſchichte: Friedr. Fulgratius, Theologus zu Venedig, predigte über die Worte Jeſu Marci 12, 10: Habt ihrnichtgeleſen “ꝛc. alſo: Wenn der Hei⸗ land heutzutage dieſe Frage thäte, ſo würde al⸗ les Volk müſſen ſagen: „Nein, ſie hätten es nicht geleſen, weil es ihnen verboten geweſen, zu leſen.“ Und über die Frage Pilati, Joh. 18, 38: „Was iſt Wahrheit?“ ſagte er: „Die Un⸗ geduld und Unzufriedenheit Pilati iſt uns heut zu Tage ſehr verdrießlich; hätte er gewartet, bis ihm Jeſus geantwortet, oder wenn ſeine eige⸗ nen Untugenden die Antwort nicht verhindert hätten, ſo dürften wir jetzt ſolche Mühe nicht ha⸗ ben, die Wahrheit zu ſuchen. Ich habe ſie geſucht in der Wüſte, in den Städten, in den Geſellſchaften und Klöſtern, bei den Einſiedlern, am Hof des Papſtes, der da ſagt, er ſei unfehl⸗ bar, und habe ſie nirgends gefunden. Endlich habe ich ſie doch gefunden, nämlich in dieſem Buch! —und da zog er ein neues Teſtament hervor, ſteckte es aber wieder ein und ſprach ganz trocken: „Aber ſehet zu, daß Ihr darin die Wahrheit nicht ſuchet, denn es iſt verboten, dies Buch zu leſen.“ (Süddeutſche Originalien, herausg. v. Barth) Luther's Brief an Marcus Crodel, Lehrer zu Torgau, als er demſelben ſeinen Sohn Johannnes zuſandte. „Gnade und Friede! Wie wir mit einander übereingekommen ſind, ſende ich Euch, mein lie⸗ ber Marcus, meinen Sohn Johannes, daß Ihr denſelben mit unter die Knaben, welche Gram⸗ matik und Muſik lernen, aufnehmen und auf ſeine Sitten Obacht haben und dieſelben beſſern möget; denn ich habe zu Euch ein ſehr großes Zutrauen in dem HErrn. Die Koſten werde ich willig erſtatten. Zu ſeiner Zeit werdet Ihr mich wiſſen laſſen, welche Fortſchritte er gemacht hat und wie weit er zu bringen ſein möchte. Ich habe den Knaben Florian mitgeſendet, haupt⸗ ſächlich darum, weil ich ſehe, daß dergleicheu Kna⸗ ben das Beiſpiel recht vieler Knaben, die ihre Kameraden ſind, nöthig haben, was mir ſie privatim ein jeder für ſich un⸗ terrichtet und erzogen werden. Gott ſegne das angefangene Werk. Wenn ich an je⸗ nem Sohn guten Erfolg ſehe, ſollt ihr bald, ſo ich lebe, auch meine beiden andern Söhne ha⸗ ben. Denn ich beſorge, daß es nach Euch kei⸗ nen ſo eifrigen Lehrer geben werde, beſonders was Grammatik und Ernſt der Sitten be⸗ trifft. Man muß daher der Zeit wahrnehmen, verſchwinden fleißige Lehrer. Hernach werden die Schüler vorbereitet zu den höhern Studien hierher zurückkehren. Lebet wohl in dem HErrn und grüßet und bittet Johann Waltern, daß er ſich meinen Sohn in der Muſik anempfohlen ſein laſſe. Denn ich kann wohl Theologen zur Welt Muſiker zu gebären. Lebet nochmals wohl und grüßet mir auch Gabriel mit den Seinen. Zum drittenmal und für immer lebet wohl! Sonn⸗ abends den 27. Auguſt, 1542. Euer Martin Luther.“ Luther über Matth. 2, v. 11. Sie thaten ihre Schätze auf und ſchenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen. Alſo ſollen wir, (wer es vermag), Gold und Gut dahin wenden, daß un ſers HErrn Chriſti Reich erhalten und gemeh ret werde, und Gut dazu helfen, daß man fleißige Pre⸗ diger des Evangelii, feine Kirchendiener ihrer Nahrung, Kranheit oder anderer Noth halben nicht ſchaffen koͤnnen, erhalten werden. Und ſonderlich, daß man junge auf daß unſere Nachkommen auch recht⸗ ſchaffene Prediger und Kirchendiener ha⸗ ben mögen, denn wir ſollen in ſolchem Fal⸗ le thun, wie ein kluger, vorſichtiger Gärt⸗ ner, der immerdar junge Bäume aufziehet, auf daß, wo heuer, über ein Jahr oder zwei ein alter Baum abgehet, bald ein anderer an die Statt geſetzt werde, der Frucht bringe. Wer ſein Geld dermaßen anleget, der ſchenkt und opfert es dem Kind⸗ lein IEſu, ſowohl, als die Weiſen. —080 Catechismusauslegung aus Dr. Luthers Schriften und den ſymboliſchen Büchern zuſammengeſtellt von Ernſt Gerh. Wilh. Keyl, Paſtor der evang.⸗luther. St. Paulsgemeinde in Baltimore. Dieſe bereits angezeigte Schrift iſt endlich an⸗ mehr zu wirken ſcheint, als wenn gekommen und durch die Buchhandlung und die Zeit verſtreicht ſchnell, und noch viel ſchneller bringen, wünſche aber auch Grammatiker und und Schulmeiſter habe, daß die Armen, ſo Knaben, ſo zur Lernung tüchtig, aufziehe, und das Kindlein im Elend ſeine Nahrung haben könne, das iſt: wir ſollen mit Geld