# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 11 10_S39 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) — befallene Seuche auch hie und da die politiſche Kartoffel krankheit, bei der die Kräfte der Men⸗ ſchen auch, wie die Kartoffelknollen krank und ungenießbar gemacht wurden. In dem Ventri⸗ jel des Gehirns der an dieſer Seuche geſtorbe— nen Menſchen fand man bei den angeſtellten Sectionen ſchwarz, roth, goldengelbe Streifen, auch hatten die ſogen. corpora striata im Ge⸗ hirn derlei Färbung, die aber beim Zutritt von Luft und Licht ſogleich zu Waſſer wurden. Durch die Dauer der Zeit nahm dieſe Seuche nach und nach in manchen Gegenden von ſelbſt ab, oder nahm einen gutartigen Character an, ſo wie jene ältere Seuche des Veitstanzes auch nach und nach ſich verlor, als ſie zur Langen⸗ weile geworden war. Vieles mag auch zu ih—⸗ rer Beendigung beigetragen haben, daß man an verſchiedenen Orten, wo ſie ſehr heftig wüthete namentlich in der Stadt Wien, ſie, wie ehemals jene Epidemie des Veitstanzes, durch Sch läge, ſo wie durch Schießen und Tritte ſchnell zu be⸗ endigen wußte.— „Der Sendbote des Evangeliums.“ Soeben erhalten wir die 3 erſten Nummern ei⸗ nes unter obigem Namen neu herauskommenden religiͤöſen Blattes. Es wird daſſelbe in Phila⸗ delphia gedruckt und erſcheint in jedem Monat einmal. Als Herausgeber nennt ſich ein gewiſ— ſer Herr K. A. Fleiſchmann. Nach dem Aushängeſchild zu urtheilen, ſollte man freilich meinen, das Blatt habe ſich die Aufgabe geſtellt keiner Sekte zu dienen und ſich allein die Aus⸗ breitung des ungefälſchten Evangeliums ange— legen ſein zu laſſen. Dem iſt jedoch nicht ſo. Das Blatt führt ſeinen Namen in einem Sinne, in welchem ſo viele andere hieſige Blätter, als: „Der Wahrheitsfreund,“ „der Herold des Glau⸗ bens,“ „der chriſtliche Apologet,“ „der chriſtliche Botſchafter,“ u. ſ. w. ihre Namen tragen. Es will nämlich unter einemallgemein ſchriſt⸗ lichen Namen die beſonderen Lehren der Secte in Umlauf ſetzen, welcher es dienen ſoll Der angebliche „Sendbote des Evangeliums“ iſt nämlich nichts weniger als ein wieder aufer⸗ ſtandener Apoſtel—denn „Sendbote“ iſt die Ue⸗ berſetzung des griechiſchen Wortes Apoſtel—, ſondern ein Sendling—der hieſigen deutſchen Wiedertäufer oder, wie ſie ſich ſelbſt gerne nennen, Baptiſten. Was die Wiedertäufer für eigenthümliche Lehren haben, iſt oft ſchwer zu ſagen, da ſie nicht nur häufig durchaus von keinem öffentli⸗ chen, allgemeinen Glaubens- und Lehrbekenni⸗ niß oder Symbole wiſſen wollen, ſondern ſich auch dadurch von andern Secten unterſcheiden, daß ſie ſich wieder in eine Menge kleinere Sekt⸗ lein zerſpalten haben, die in die verſchiedenſten Farben ſpielen. Einig ſind alle Wiedertäufer nur darin, daß ſie die Kindertaufe verwer⸗ fen und, ſonderbar genug! daß ſie die Taufe überhaupt gering achten, dieſelbe nämlich nicht für das Bad der Wiedergeburt, wie der Apoſtel Paulus, ſondern für ein bloßes Bad zur Aufnahme in ihre „ſichtbare Kirche,“ nicht V* .— „ 3 * für ein Gnaden mittel, ſondern höchſtens für ein bloßes Gnadenzeichen anſehen. Sonſt findet unter ihnen die bunteſte Lehr- und Glau⸗ bensverſchiedenheit ſtatt. „Die Geſchichte des Baptismus iſt, wie Dr. Rudelbach) ganz wahr ſagt, wie ein Dornengeſtrüppe, das, je wei⸗ ter man hineinkommt, deſto verworrener wird, ſo daß Viele auf die Entwirrung deſſelben förm⸗ lich verzichtet haben.“ Schon vor der Reforma⸗ tion hat es zwar Leute hie u. da in der Chriſten⸗ heit gegeben, welche die Kindertaufe verwarfen, aber eine beſtimmteLehre, durch welche ſolche hie u. da auftauchende Wiedertäuferl auch ſonſt geeinigt geweſen wären, läßt ſich nicht auffinden, ſon⸗ dern hier haben ſie dieſe, dort haben ſie j e⸗ ne Irrthümer mit ihren wiedertäuferiſchen Grundſätzen verbunden. Und als ſie hernach in den durch die Reformation bewirkten allge⸗ meinen Bewegungen in Deutſchland, der Schweiz, den Niederlanden und Lievland auch ihre Erſcheinung machten, erſchienen ſie als weit aus einandergehende Sekten. Unter ihnen ver⸗ ſielen z. B. die ſeit 1533 in Münſter unter Johann Matthi eſen, einem Bäcker aus Harlem und Johann Bockhold, einem Schneider aus dem Haag (genannt Johann von Leyden), ſich ſam⸗ melnden Wiedertäufer hier in ebenſo entſetzliche Irrthümer, als unerhörte Gräuel, welche aufzu⸗ zählen wir uns für andere Zeit vorbehalten.1 Ein gewiſſer Menno Simons, geweſener römiſcher Prieſter aus Witmarſum unweit Fra⸗ neker, ſuchte zwar die nach dem unglücklichen Ausgang in Münſter zerſprengten Wiedertäu⸗ fer zu ſammeln, ihnen einen beſtimmten Lehrbe⸗ griff zu geben und ſie zu chriſtlicher Ordnung zu führen, aber auch die nach ihm genannten Men⸗ noniten (oder „Taufgeſinnten“) geriethen noch bei Menno's Lebzeiten über die Kirchenzucht in große Uneinigkeit, welche nach ſeinem 1561 er⸗ folgten Tode eine völlige Trennung zur Folge ) In ſeinem „theologiſchen Gutachten über die Frage betreffend das Verhältniß der Baptiſten zur Kirche und zum Staate und die denſelben zu gewährende Religionsfreiheit. Magdeburg, 1846,“ worin Dr. Rudelbach ſich dafür ent⸗ ſcheidet, die Baptiſten aus Dänemark nicht mit Gewalt zu vertreiben, ſon dern denſelben Religionsfreiheit zu gewähren. 7) Die jetzigen Baptiſten ſchämen ſich freilich jen er fleiſch⸗ lichen Schwärmer und weiſen es von ſich, daß ihre Gemein⸗ ſchaft in irgend einer Verbindung und Berührung mit den⸗ ſelben geſtanden habe. Allein wenn wir auch keineswegs unſere hieſigen Baptiſten, was Moralität betrifft, jenen gräuelvollen Fanatikern an die Seite ſetzen wollen, ſo iſt doch der Grundirrthum beider gemein. Unleugbar iſt, was Dr. Rudelbach in der angezogenen Schrift ſagt: „Wenn die Baptiſten allerdings Recht haben, von den Wiedertäufern vor der Reformation zu ſagen: Das iſt Fleiſch von meinem Fleiſch—wie mögen ſie denn mit irgend einem Schein Rech⸗ tens die Ketten zerreißen, die auch Thomas Münzer und die Münſterſchen Anabaptiſten mit den äl⸗ tern verbindet? Der blutige Strom, der von Allſtädt (im Bauernaufruhr). bis Münſter ſich wälzte, war ein Durch⸗ gangspunkt, der mit einem Gottesgericht in jedem Ausgange zeigte, welche Früchte dieſedehre tragen kön⸗ ne, wenn nicht die Wurzeln beſchnitten und gereinigt wurden.“ Bekannt iſt, daß Melchior Hoff⸗ mann, von dem die holländiſche Wie dertäufer⸗Parthei der Melchi oriten oder Hoffmannianer ſtammt, den Saamen der Wiedertäuferiſchen Irrthümer durch eigene Sendboten in Münſter verbreitet hatte. Ein ſolcher Sendling war un⸗ ier andern Johann Matthieſen, der dann mit Johann von Leyden und Knipperdolling das von allen Wiedertäufern gehoffte tauſendi ährige Reich in Münſter aufzurichten, die entſetzlichſten Gräuel verübte. hatte. Die ſogenannten Feinen oder die al⸗ ten Flam inger behielten nämlich Menno's ein⸗ geführte ſtrenge Zucht bei, während die andere Parthei, die ſ. g. Groben oder Waterländer dieſelbe aufgaben. Später, im Jahre 1664, ſpalteteten ſich auch die Groben wieder in zwei Partheien, von denen die eine, die Apoſtooler, unter Anderem die calviniſtiſche unbedingte gött⸗ ligkeit oder Verdammmiß feſthielt, während die andere, die Galeniſten, mehr und mehr ar⸗ minianiſche und rationaliſtiſche Grundſätze an⸗ nahm, z. B. das Geheimniß der heil. Dreieinig⸗ keit leugnete. Endlich vereinigten ſich im Jahre 1800 die beiden letzten Partheien wieder, aber Oberhand gewann. Aehnlich wie mit den hol⸗ ländiſchen iſt es mit den engliſchen Bapti⸗ ſten gegangen. Seit 1633 haben ſie in Eng⸗ land eigene Gemeinden zu bilden angefangen, ſind aber auch ſchon 1691 mit einander zerfal⸗ len, indem die eine Parthei, die „Particular⸗ Baptiſten“, an der calviniſchen Gnadenwahls⸗ lehre feſthielt, die andere hingegen, die „General⸗ Baptiſten,“ nicht nur die Lehre von der allge⸗ meinen Gnade, ſondern auch neben den gemei⸗ nen wiedertäuferiſchen Irrthümern andere be⸗ ſondere rationaliſtiſche Irrlehren annahm. In Nordamerika, wohin ſich inſonderheit die engliſchen Baptiſten verpflanzt haben, befinden ſich noch eine ziemliche Anzahl anderer von ein⸗ ander durch verſchiedene Lehren getrennter bap⸗ tiſtiſcher Partheien; z. B. die Snake-Baptists, welche die Nichterwählten gar nicht für die na⸗ türlichen Nachkommen Adams, ſondern der Schlange, nämlich des Teufels, halten, ſo daß für ſie unbedingt keine Seligkeit ſei; die Seventh- day-Baptists, welche ſtatt des Sonntags den Sonnabend als Sabbath feiern; die Dunkers, die Obristians etc. 44 Hieraus iſt erſichtlich, daßh man bei der baby⸗ loniſchen Verwirrung, welche unter den Bapti⸗ ſten ſelbſt herrſcht, freilich nicht über alle daſſelbe urtheilen kann. Uns ſind ſelbſt ſchon die ver⸗ ſchiedenartigſten deutſchen Baptiſten vorge⸗ kommen. Einige waren, mit Ausnahme des Punktes von der Kindertaufe, iſtreng' calvi⸗ niſch, andere, z. B. in der Lehre von der Erbſün⸗ de, zwinglianiſch, andere ſo arg rationaliſtiſch, daß ſie den Glauben an die heil. Dreinigkeit nicht nur verwarfen, ſondern geradezu verſpotte⸗ ten und läſterten. Was für einen Glauben bekennt denn nun der neue deutſche baptiſtiſche ſogenannte „Send⸗ bote des Evangeliums“? So weit. es ſich aus den drei erſten Num⸗ mern des Blattes erſchließen läßt, können wir da⸗ rüber Folgendes berichten. +Bekanntlich ſind die nordamerikaniſchen Bapiiſien ge⸗ genwärtig wieder in einer gegenſeitigen Entfremdung und Scheidung begriffen, indem eine bedeutende Anzahl der⸗ ſelben die gebräuchliche engliſche Bibelüberſetzung verwirft und eine neue herzuſtellen beabſichtigt, offeubar zunächſi nur dar um, um anſtatt des Wortes baptism das Wort ümmersion (Untertauchung) hineinzubringen, während an⸗ dere Baptiſten dies Vornehmen für ebenſo unnöthig, als berabe hrer ganzen Gemeinſchaft gefährlichn. erkennen ſo, daß nun die mehr rationaliſtiſch geſinnte die liche Vorherbeſtimmung der Menſchen zur Se⸗