# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 10 27_S30 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Aber noch immer war das Fleiſch zu muͤchtig; noch zu feſt waren die Bande, die namentlich den Mann an das Heidenthum und deſſen un⸗ fruchtbare Werke feſſelten. In dieſer Gemüths⸗— verfaſſung ſtand er lange Zeit und konnte ſich nicht herauswinden. So oft ihm jetzt das Wort von der Gnade Gottes nahe trat, ſuchte er demſelben wenigſtens doch für einige Zeit aus dem Wege zu gehen u. wartete, wie einſt Felir auf gelegnere Zeit. Er wolle nur noch ein Feſt feiern und ſeine heidniſchen Genoſſen nur noch einmal um ſich ſammeln; er wolle ſich nur noch einmal betrinken, dann wolle er abbre⸗ chen mit dieſem alten Leben und ein neues an⸗ fangen. Wohl wurde ihm die Seelengefahr, welcher ein ſolcher ſich ausſetzt, der muthwillig und leichtſinnig auf gelegnere Zeit wartet, wo es ſich um das Heil der unſterblichen Seele handelt, ernſtlich vorgeſtellt, aber es half das nichts. Er that, wie er ſich vorgenommen, und was Wunder, wenn er dadurch wieder weit zu⸗ rückkam, und es nicht bei einem Male ließ, ſon⸗ dern es noch öfter wiederholte. Aber wie deut— lich offenbarte ſich jetzt die Treue unſeres gu— ten Hirten, der armen Sündern nachgeht und unermüdlich ſie ſucht! Hätte der Herr ihn ge— hen laſſen, er wäre wohl wieder ſo tief gefallen, daß er nie hätte wieder aufſteheu können zu ei⸗ nem neuen Leben, trotz alles ſeines guten Wil— lens und Vornehmens. Aber der Herr ließ ihn nicht; er ging ihm vielmehr nach, ob er nicht auch ſeine arme Seele herumholen und zu ſeiner Heerde führen könne. Und ihm, dem nichts un⸗ möglich iſt, dem kein Sünder zu ſchlecht, gelang es, ſein Herz hungrig und durſtig nach ſeinem Heile zu machen. Nachdem er ſchon Wochen lang ein ſehr ernſtes Weſen kund gethan und die Gottesdienſte faſt regelmäßig beſucht hatte, blieb er eines Sonntags Nachmittags allein nach dem Gottesdienſt in der Kirche ſitzen und wünſchte mit mir zu ſprechen. Auf meine Frage, was ſein Wunſch ſei, antwortete er mir in ganz in⸗ dianiſcher Weiſe: „Gar nichts.“ Das thun ſie, auch wenn ſie eine ganze Menge Bitten und Fra⸗ gen zu thun haben. Ich ließ mich durch ſolche Antwort nicht irre machen, denn ich ſah ihm an, daß er etwas Wichtiges auf dem Her⸗ zen haben müſſe. Und es war dies, was jetzt ſein Herz erfüllte, das Verlangen nach Gnade. Ee war die Frage: „Was muß ich thun, daß ich ſelig werde? Er wollte ſich anmelden zur Vor⸗ bereitung auf die heilige Taufe, nach welcher er herzlich verlangte. Ich ſprach mit ihm von dem Einem, was noth iſt zur Seligkeit und machte ihn namentlich aufmerkſam auf die unermüdliche Langmuth und Treue Gettes unſeres Heilandes, der ſein Herz nun ſo weit vorbereitet und willig gemacht habe. Sodann beſtellte ich ihn die näch⸗ ſten Tage zum Catechumenenunterricht und ver— ſprach ihm, ihn auf ſeinen Wunſch am nächſten Sonntag zu taufen, wenn er dazu vorbereitet ſei. Dieſe Zeit der Vorbereitung möchte für ei— nen Erwachſenen zu kurz erſcheinen, aber durch vielfache Erfahrung haben wir uns lernen mäßigen im Auswendiglernenlaſſen. Der india⸗ niſche Catechismus iſt ſo erſtaunlich ſchwer zu lernen, daß bei Erwachſenen ein ganzes Jahr nicht genug wäre, denſelben wörtlich auswen⸗ dig zu lernen. Dazu ſind ſie ſo bange vor dem Lernen, daß ſie leicht dadurch von der Taufe zu⸗ rückgehalten werden könnten, wollten wir ernſt— lich auf das Auswendiglernen des Catechismus dringen. Am Montag ſtellte er ſich zum Unter⸗ richt ein und war aufmerkſam, ernſt und heils⸗ begierig. Nicht wenig beſorgt machte er mich jedoch, als er mir noch an demſelben Abend ſagte, er könne morgen nicht zum Unterricht kommen, er müſſe Mehl holen für ſeine Familie. Daß mich dieſes ſo beſorgt machte, kam daher, weil ich fürch⸗ teie, er möchte auf dieſem Wege wieder in ſein altes Laſter des Trunkes verfallen, denn noch nie hatte er dieſe Reiſe gemacht, ohne ſich betrun⸗ ken und noch überdies Brantwein mit nach Hau⸗ ſe gebracht zu haben. Ich machte ihn auf die Gefahr aufmerkſam und verhehlte ihm nicht meine große Beſorgniß um ihn, aber da befriedigte er mich mit ſeiner Autwort ſo, daß alsbald meine Beſorgniſſe um ihn ſchwanden. Er ſagte mit freundlicher Mie⸗ ne, ich brauche davor nicht bange zu ſein,‚ er habe nun reiflich erfahren, wie weit man komme mit dem Trinken und mit einem Leben, wie er es bisher geführt; er wolle jetzt ſolchem Leben mit Gottes Hülfe ein Ende machen. Er⸗ freut über dieſe Aeußerung befahl ich ihn der Gnade Gottes und ließ ihn gehen. Am andern Morgen trat er ſeine Reiſe an, und, obgleich der Ort, dahin er ging, 30 engliſche Meilen von Bethanien entfernt und der Weg ſehr ſchlecht iſt, kam er doch ſchon am zweiten Tage zurück, und zwar bewahrt vor aller Verſuchung. Die fol— genden Tage benutzte er noch für ſeine Vorbe— reitung zur heiligen Taufe, welche er den Sonn⸗ tag darauf empfangen hat. Während der feier⸗ lichen Taufhandlung war er ernſt und offen⸗ barte ein rief gerührtes Herz. Aninde ninte- bwoienina“ d. i. „ja freilich, ich glaube an ihn,“ ſprach er mit lauter u. nachdrucksvoller Stimme. Zur geſegneten Erinnerung an ſeinen Taufbund erhielt er den Namen Chriſtian. Möge der treue und barmherzige Gott geben, daß er ein recht wackerer Chriſtianus bleibe und den ſelig⸗ machenden Namen deſſen, nach dem er genannt iſt, verherrliche im Leben und im Sterben. Er macht uns mit ſeinem aufrichtigen Wandel viel Freude und läßt uns hoffen, daß vielleicht durch ſein Beiſpiel auch andere gereizt werden, den Weg des Verderbens zu verlaſſen und ſich zu Gott zu bekehren. Seine Frau iſt noch Heidin, wird aber bald ſeinem Beiſpiele folgen und ſich taufen laſſen. Ein anderes ſchon bejahrtes Ehepaar iſt nun auch entſchloſſen, ſich bald taufen zu laſſen. Ihr bisheriges Verhalten zum Worte Gottes war ähnlich dem eben erzählten. Sie ſind ſchon ſeit längerer Zeit entſchloſſen, Chriſten zu wer— den, waren aber doch in Bezug auf das Heil ihrer unſterblichen Seelen noch immer ſo gleich— gültig, daß ſie die Taufe von einer Zeit zur an⸗ dern hinausſchoben und den und jenen vorange⸗ hen laſſen wollten. Und das iſt der traurige Stand der meiſten bejahrten Indianer; ſie wol⸗ * len wohl gern Chriſten werden, aber ſie denken, es hat noch Zeit, ein Anderer möge den Anfang machen. Aber der Herr trägt ſie auch bei dieſer Sünde mit großer Geduld und zieht ſeine ſu⸗K Dasf chende Hand nicht ſogleich von ihnen ab. haben wir namentlich an dieſem Ehepaar deut⸗ lich geſehen. Durch den Tod eines geliebten Enkelkindes, welches der Herr vor einigen Wo⸗ 5 chen zu ſich genommen hat, ſind ihre Herzen ge⸗“ waltig erſchüttert worden. digt nahm ich beſonders Rückſicht auf die alten Großeltern, ſowie auf alle noch Ungetaufte (bei einer ſolchen Gelegenheit ſind die Indianer alle verſammelt, ſo viel ihrer im Orte ſind), und ſprach von der großen Seligkeit, in welche das Kindlein durch den Tod eingegangen ſei, und von der Nothwendigkeit, die uns gebotenen Gnadenmittel zu gebrauchen, um einſt auch alſo ſelig ſterben zu können. Nun der Herr hat ſein Wort nicht vergeblich ſein laſſen, wie wir das an den Herzen der Großeltern deutlich ſpüren kön—⸗ nen. mir die Frau, die ich allein zu Hauſe antraf,‚ daß ſie und ihr Mann ſich nun feſt entſchloſſen hät⸗ ten, ſich bald taufen zu laſſen. Sie kam dann auf ihr Enkelkind zu ſprechen, und ſagte: „Wenn das wahr iſt, was das Wort Gottes ſagt von der Seligkeit der Gläubigen, ſo iſt unſer kleines Kind in der That ſehr ſelig.“ beweiſen, daß es Wahrheit iſt, daß derer, die da glauben, eine ſolche unausſprechliche Seligkeit! wartet. Dann ſagte ſie mir, daß ihr Mann vor! ſeiner Abreiſe geſagt habe: „Wir wollen uns; bald taufen laſſen, denn wir wiſſen nicht, wie lange wir noch leben; wir ſind heute geſund, und ſchon morgen können wir todt ſein, und wie ſchrecklich wäre es, wenn wir ohne Taufe, und alſo ohne Chriſtum ſterben müßten!“ Möge der Herr das in ihren Herzen angefanngene gute Werk fortführen und vollenden zu ſeinem Preiſe und ihrem Heile. Neben dem ſchon gemeldeten hat ſich vor eini— gen Wochen noch ein trauriger Todesfall ereig⸗ net. Einige Indianerfrauen, eine Urgroßmut⸗ ter (unſere alte hundertjährige blinde Sarah), ö eine Großmutter, eine Mutter und einige Kin⸗ der verreiſten in ihrem Konde für mehrere Wo⸗ chen, um Binſen zu holen und Herrn Paſtor Sievers, den ſie von ſeinem Hierſein noch F herziich lieben, einmal in ſeinem Orte zu beſu— chen. Auf der Rückreiſe ließ es Gott nach ſei⸗ nem unerforſchlichem Rathe geſchehen, daß ein Kind, etwa ein und ein viertel Jahr alt, in den Pine River fiel und darin ſeinen Tod fand. Die Methodiſten, in ihrer teufliſchen Schaden— freude, meinten hierbei wieder einen Fingerzeug Gottes zu ſehen, wie mißfällig ihm unſere luthe⸗ riſche Lehre ſei; ſie ſchämten ſich nicht, zu ſagen, daß dieſer Todesfall ein deutlicher Beweis von der Falſchheit unſerer Lehre ſei. Aber wie wol— len ſie das beweiſen? Es traf ſich freilich wun⸗ derbar ſo, daß die Umſtände für ſie zu ſprechen ſchienen. An einem Sonntag Morgen, als ein Methodiſt von einer andern Indianerbande bei dieſen am Pine River campirenden Indianer⸗ In der Leichenpre⸗ * Als ich ſie vor einiger Zeit beſuchte, ſagte Was konnte ich! Beſſeres und Lieberes thun, als ihr nochmals