# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 02 21_S50 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 50 und durch das Gesetz von der Auslösung der Erstgeburt für die Erhaltung der Prediger (damals die Leviten) gesorgt, überhaupt aber bei dem ganzen Gesetz Mosis sein Absehen allein auf Christum gehabt habe, daß man wisse, wenn und woher Christus kommen solle. Deßhalb habe Gott auch die Person, den Namen Christi, sein Volk, Stamm, Familie, die Stadt, Zeit ꝛc. seiner Geburt so genau bestimmt. Ob nun gleich Maria Christum nicht in Sünden geboren hatte und Christus ohne Sünde und ein Herr des Gesetzes war, so unterwarfen sie sich beide demselben freiwillig, uns zu einem Vorbild, daß wir um so williger dem Gesetze gehorchen und nie sagen, wir hätten dies oder jenes nicht nöthig zu thun. Von den erstgebornen Söhnen bemerkt Luther, daß sie wegen ihres Vorzuges vor andern Söhnen, indem sie Priester und Herren im Hause waren und doppeltes Erbe empfingen, oft stolz wurden und ihre Brüder verachteten, dafür aber auch von Gott gestürzt und gestraft worden sind, wie man an Cain und allen heutigen Juden sehen kann. Darum, wenn uns Gott Vorzüge und Vortheile gäbe, sollten wir uns hüten, daß wir nicht darauf stolz würden und andere verachteten, sondern wir sollten unsern Nächsten damit dienen, sonst würde auch bei großem Gut keine Genügsamkeit sein. Die dritte Predigt hielt Luther am 5. Sonntag nach Ep. (den 7. Febr.) über das gewöhnliche Evangelium Matth. 13, 24—30., worin er nach diesem Gleichniß Christi von dem Unkraut unter dem Weizen davon handelt, daß in der heil. christl. Kirche vom Anfang bis ans Ende der Welt immer Fromme und Böse vermenget sind; dies zu erkennen, sei große Weisheit, denn der Irrthum sei allezeit kräftig in der Welt gewesen, daß man eine solche Kirche haben wolle, worin gar nichts Böses mehr wäre. Diesen Irrthum hätten die Donatisten, die Wiedertäufer und alle Mönche gehegt, die sich eben deßhalb von der Welt zurückgezogen hätten, ja selbst fromme Herzen würden damit angefochten, wie an den Knechten des Hausvaters zu sehen ist, die das Feld von allem Unkraut säubern wollten. Ueberall nun, wo der Hausvater guten Samen oder das rechte Evangelium gesäet habe, da säe der Teufel Unkraut, nämlich Rotten und Schwärmerei; das sehe man in den Häusern der Patriarchen; denn Adam mußte Cain, Noah mußte Ham, Abraham den Spötter Ismael, ja Christus und die Apostel mußten Judas, den Verräther, dulden, Augustinus die Donatisten, Luther die Wiedertäufer, Sacramentirer und Gesetzesstürmer, die aus seiner Schule ausgegangen waren; denn wo Gott eine reine Kirche anrichte, da baue der Teufel bald eine Capelle daneben, weil er gern in der Kirche zu schaffen habe. Nun lehret Luther an einem Gleichnisse, wie man das Böse in der Kirche recht unterscheiden und nach diesem Unterschiede sich verhalten solle. Wie nämlich der natürliche Leib des Menschen unrein und vielen Schwachheiten und Gebrechen unterworfen sei, man pflege aber dennoch seiner und nähre ihn, man helfe ihm in Krankheit so gut als möglich und habe Geduld mit ihm, und sondere nur dann ein Glied ganz ab, wenn es die andern Glieder zu verderben drohe, so sey auch kein Christ in diesem Leben ohne mancherlei Schwachheit und Gebrechen, die allerdings verdammlich wären, wenn sie nicht vergeben würden, wozu Christus die Taufe, sein Abendmahl und die Absolution gegeben hat. Allein die Christen fühlten es wohl, daß sie solche Vergebung leider nicht so ungezweifelt glauben können; das sind aber nicht rohe, wilde Leute, die nichts nach Gott fragen, wie diejenigen, welche sich auch brüsten, gute Christen zu sein, und stehen doch wie Unkraut unter dem Waizen; denn diese verachten das Wort Gottes und zürnen dawider, wenn es sie ein wenig angreift, sie suchen nur ihre Wohllust, Geld und Gut, Fressen und Saufen, das ist ihre Predigt. Darum will Gott von uns haben, daß wir uns um der anklebenden Sünde willen sollen fortwährend üben in den 10 Geboten, christlichen Glauben und Vaterunser, derselben uns mit Ernst annehmen und darnach leben. Demnach soll kein Christ wegen täglicher Schwachheit an sich selbst verzweifeln oder sich von Gott für verworfen achten, sondern immer fortfahren, seinen Glauben durch emsiges Gebet zu üben, den alten Menschen auszuziehen und wider die Lüste des Fleisches zu streiten; denn die Sünde ist nicht darum vergeben, daß wir nun sicher werden sollen, als hätten wir keine mehr oder als könnte sie uns nicht mehr verdammen, sondern darum, daß wir ihr Herr sein sollen, daß sie nicht mehr herrsche in unserm sündlichen Leibe. Luther sagt ferner, wir sollten das Unkraut falscher Lehrer und falscher Christen nach dem Gleichniß Christi nicht mit Gewalt ausrotten wollen, wie der Pabst thue, der doch selbst das allerschädlichste Unkraut sei, sondern wir sollten uns allein durch das Wort und den Glauben gegen sie wehren, daß sie uns unsern Glauben und unser Bekenntniß nicht nehmen; warnen und strafen sollten wir sie, soviel wir könnten, wollte es nicht helfen, so solle man sie öffentlich in den Bann thun, daß sie jedermann als schädliches Unkraut ansehe und meide. Stehen lassen müßten wir sie, z. B. den Pabst und allerlei Rotten, nur aber nicht herrschen lassen. Wie nun weltliche Regenten und Hausväter manchen geringen Schaden dulden müssen, um einen größern abzuwenden, so müsse man auch in der Kirche die Bösen dulden, nur aber darauf sehen, daß die Lehre rein erhalten werde; allein am jüngsten Tage, da werde alles ganz rein werden, wenn das Unkraut gar ausgerottet und ewiglich verbrannt werde. Die vierte Predigt hat Luther nach der Ueberschrift am Tage des Apostels Matthias gehalten; allein da derselbe den 24. Febr. fällt, so hat er dieselbe entweder am 6. Sonntag nach Epiph., oder wie Mathesius sagt, Tags darauf, den 15. Febr. gehalten, wie er denn öfter über gewisse kirchliche Texte früher oder später gepredigt hat. Er legte dabei das gewöhnliche Evangelium Matth. 11, 25—30. zum Grunde und zeigt, wie Christus den Weisen und Klugen feind sei, und hingegen Lust und Liebe zu denen habe, die nicht klug und weise, sondern wie die jungen Kinder sind; denn die Weisen und Klugen triebens so, daß Gott ihnen nicht günstig sein könne, da er ihr Schüler sein muß, den sie in allem, was er ordnet, meistern und dabei immer etwas Sonderliches stiften wollen; dies haben alle Ketzer und Rotten, Arius, Pelagius, die Wiedertäufer, Sacramentirer ꝛc. gethan, und der Pabst, der da meinte, Alles, was er wider Gottes Wort vornähme, sei eitel göttliche Weisheit. Solche alle, die klug sein wollen und es doch nicht sind, hindern das Predigtamt, daß die Leute dadurch nicht zu Gott kommen können. Weil nun Christus sage: ich danke dir ꝛc. und das Evangelium den Weisen und Klugen verborgen sein soll, so sollten wir nicht wollen die Kirche regieren und erhalten, sondern Gott um solche Gnade anrufen, also, daß Christus als der alleinige Meister und Herr gepredigt werde, denn er spricht nicht umsonst: mir ist Alles übergeben von meinem Vater. Daher sollten wir in Dingen, die das Gewissen betreffen, nichts annehmen, als was uns sein Wort sagt, und wenn es auch ein Engel vom Himmel sagte; ist's aber sein Wort, so sollten wirs annehmen, es sei nun der, der es uns sagt, klug oder ein Narr. Luther sagt dabei: „Unsere Weisheit und Klugheit in göttlichen Sachen ist das Auge, so der Teufel uns im Paradies aufgethan hat, da Adam und Eva ins Teufels Namen auch wollten klug sein.“ Da wir nun Christum jetzt selbst reden hörten in seiner rechten Predigt und in so vielen Büchern, so sollten wir ja dankbar sein, wie Christus auch seinem Vater dankt. Allein die Leute wären toll und thöricht, daß sie sich lieber von dem Pabst und den Seinigen betrügen ließen und Gottes Wort verachteten; wenn aber solche Feinde gegen uns zornig wären, sollten wir Christi Wort hören: Kommt her zu mir alle ꝛc. d. i. haltet euch nur an mich, bleibt bei meinem Worte, habt Geduld, ich wills euch süße machen, daß ihrs wohl sollt ertragen, wenn ihr um meinetwillen leidet, denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. Am Schlusse dieser Predigt warnt Luther noch vor andern Feinden Christi, nämlich vor den Juden, (L. W. XX, 2630 fll.) welche Christus täglich lästern und schänden, und den Christen nach Leib und Leben, Ehre und Gut trachten, wie sie damals besonders im Mansfeldischen thaten. Luther will, wir sollen uns so gegen sie verhalten, daß wir ihnen den christlichen Glauben anbieten; wollen sie denselben annehmen und von ihren Lästerungen, von ihrem Wucher ꝛc. ablassen, so sollen wir ihnen gerne vergeben und sie für unsere Brüder halten, wo aber nicht, so sollen wir sie auch nicht unter uns dulden. Er setzt hinzu: „Christus ist mein Schirm, so weit Himmel und Erde ist, und meine Gluckhenne, darunter ich krieche vor Gottes Zorn, darum kann ich mit den verstockten Lästerern und Schändern meines lieben Heilandes keine Gemeinschaft noch Geduld haben. Das habe ich als ein Landeskind euch zur Warnung wollen sagen, zur letzte, daß ihr euch fremder Sünden nicht theilhaftig macht; denn ich meine es ja gut und treulich beide mit den Herren und Unterthanen.“