# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 09 23_S23 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) aber ſeine Lehrer erkannten, daß es ſowohl für ihn, als für ſeinen Freund Eißfeld, dermali⸗ gen Paſtor zu Sheboygan in Wisconſin, ange⸗ meſſener ſei, ihre letzten theologiſchen Vorberei⸗ tungsſtudien in einer Anſtalt zu machen, wo mehr, als damals in Fort Wayne geſchehen konnte, die Originalſprachen getrieben wurden, veranlaßten ſie beide, das Seminar zu Fort Wayne mit dem hieſigen Concordia-Collegium zu vertauſchen. Beide kamen denn auch am 16. April w1850 hier an. Wie nun unſerm Volck hier bald ſein muſterhafter chriſtlich gottſeliger Wandel und ſein hingebendes, aufrichtiges We⸗ ſen die Liebe Aller, die mit ihm in Berührung kamen, inſonderheit der hieſigen Gemeinde und ſeiner jüngeren Collegiengenoſſen, deren er ſich mit der aufopferndſten Liebe und Treue annahm, erwarb; ſo erweckten die ſich in ihm ſchnell und immer herrlicher entwickelnden Gaben, verbun⸗ den mit dem beharrlichſteu Fleiße, die ſchönſten Hoffnungen für ſeine einſtige Arbeit in unſerer Kirche. Wir können mit Grund der Wahrheit ſagen, daß er während ſeines dreijährigen Au— fenthaltes allhier ſowohl der hieſigen Gemeinde, und vor allem den Jünglingen derſelben, als auch den Zöglingen unſerer Anſtalt ein großer Segen geweſen und Vielen zu einem Vorbilde eines chriſtlichen Jünglings gedient hat. Unter den vielen ſchönen Gaben, womit ihn der HErr begnadigt hatte, offenbarte er namentlich eine herrliche Predigtgabe, daher er es beſonders oft war, der die Stelle unſerer hieſigen Prediger und der Prediger in der Nachbarſchaft im Predigen übernehmen mußte, immer zu reicher Erbauung der Gemeinden, ſo daß dieſelben den theuern Mann gewiß in unauslöſchlichem, geſegneten Ge— dächtniß behalten werden. Wenn und unter welchen merkwürdigen Um⸗ ſtänden unſer Volck nach Erlangung der theo⸗ logiſchen Candidatur einen Ruf an die lutheri⸗ ſche St. Johannis Gemeinde in New⸗-Or⸗ leans erhielt und demſelben folgte, das wiſſen unſere Leſer bereits aus einer in Nr. 23 des vo⸗ rigen Jahrgangs gemachten Mittheilung. So kurz nun das Wirken des theuern Mannes da⸗ ſelbſt war, ſo glühend war der Eifer, mit welchem derſelbe das ihm von dem unſichtbaren Ober⸗ haupte der Kirche aufgetragene Werk vollbrachte. Davon zeugen ſowohl ſeine eigenen an den Schreiber dieſes, wie an viele ſeiner hieſigen Freunde gerichteten Briefe, als auch Briefe aus der dortigen Gemeinde. Alle ſeine Briefe ſpre⸗ chen ebenſo auf wahrhaft rührende Weiſe das tiefſte Gefühl der eignen Ohnmacht aus, wie das heißeſte Verlangen, die ihm anvertrauten Seelen zu retten und in der Gnade zu erhalten⸗ u. den heiligen Ernſt, das Kleinod der rein en Lehre zu bewahren, als ein treuer Diener der rechtgläubigen evangeliſch lutheri⸗ ſchen Kirche erfunden zu werden und ſeine Gemeinde in der lautern Lehre derſelben feſt und tief zu gründen. Die Erſcheinung des in New⸗ Orleans bald nach ſeiner Ankunft ſo furchtbar auftretenden gelben Fiebers, weit entfernt, ihn verzagt zu machen und ſeinen Eifer zu lähmen, war ihm nur eine Veranlaſſung ſeine Liebe zu —21— den Seelen um ſo mehr zu erproben. Er ſchrieb uns: er wiſſe ja wohl den lutheriſchen Grundſatz und tröſte ſich damit, „daß ja oratio und medi- tatio ohne tentatio keinen Theologen machen.“) Ein Glied ſeiner Gemeinde ſchrieb, man habe ihm, aus Sorge für ſein ihnen allen ſo theures Leben, als die Seuche immer verheerender gewor⸗ den, den Antrag gemacht, bis vie Gefabr vorü⸗— ber ſei, die Stadt zu verlaſſen und, wie andere Stadtbewohner, an den lake zu gehen; er ſolle für jeden Sonntag die Predigt nur aufſchreiben und ein Vorſteher dieſelbe der Gemeinde vorle⸗ leſen. Aber ſeine Antwort ſei geweſen: „Ein Hirt dürfe ſeine Heerde nie verlaſſen und wenn gefährliche Krankheiten da ſeien, am allerwenig⸗ ſten.“ Daſſelbe Gemeindeglied, welches dies berich— tete, ſchrieb uns noch kurz vor des theuern Mannes Tode unter Andern Folgendes: „Mö⸗ ge der barmherzige Heiland auch wieder ſei⸗ nen egen zu Ihrer Arbeit geben, daß das Wort, das Sie in Kraft des heil. Geiſtes reden, recht tief in Ihrer Zöglinge Herzen ge— hen und daß alle recht aufrichtige, treue, eifrige Arbeiter in des HErrn Weinberg werden mö⸗ gen. O wie thut es ſo noth zu unſern betrübten Zeiten! O wie groß iſt das Arbeitsfeld, und doch wie wenig treue und aufrichtige Arbeiter giebt es! Wie glücklich und begnadigt aber iſt eine Gemeinde, die einen Seelſorger hat im rech⸗ ten Sinne des Wortes! Mit eude kann ich Ihnen verſichern, daß auch wir mit zu dieſen glücklichen und begnadigten Gemeinden gehören. Unſer lieber Volck wird immer eifri⸗ ger und ernſter; er ſtraft, ermahnt und bittet von Grund ſeiner Seele. Es iſt ihm ein gan⸗ zer Ernſt, ſelig zu werden, und zugleich die ihm anvertraute Gemeinde ſelig zu machen. Er ſteht aber daher auch allein, und muß der Steifkopf ſein; denn es iſt wenig Blut hier für die reine Lehre; die meiſten hier wollen nur ein Modechriſtenthum. Doch was klage ich? Ich will lieber aus dem Klaghaus gehen und umher⸗ ſchauen, was der Herr bisher an uns gethan u. noch thut: dann finde ich Urſache genug, nieder— zufallen und zu loben, zu danken und zu prei⸗ ſen für Seine große Güte und Barmherzig⸗ keit u. ſ. w.“ Beſonders tröſtlich hierbei iſt, daß unſer theu⸗ rer Volck bei dieſer ſeiner muſterhaften Treue doch offenbar immer in wahrer Armuth des Gei⸗ ſtes ſtand und bei allem Muth in der größten Gefahr doch keineswegs ſich vor dem nahen To⸗ de ſicher dünken ließ, ſondern zur baldigen Heim⸗ fahrt ſich rüſtete. Einem ſeiner hieſigen Freun— de, dem er noch ſterbend hat ſagen laſſen, „er ſol⸗ le wiſſen, daß er ihn bis in den Tod geliebt und ſeiner gedacht habe,“ ſchrieb er am 8. Auguſt, nachdem er demſelben von ſeinen innern Kämp⸗ fen und ſeiner Hoffnung auf baldigen Sieg, Bekenntniſſe gethan hatte, Folgendes: „Viel⸗ leicht nimmt mich Gott auch bald ganz hinweg, denn er ſieht ja auch, daß ich dem Poſten hier *) D. h. daß Gebet und Treiben des Wortes Gottes ohne Anfechtung keinen Gottesgelehrten ma⸗ chen. nicht gewachſen bin. Ich erwarte täglich, jevoch ohne Angſt, das gelbe Fieber, und wenn ich es bekomme, ſo thut mir es nur weh, daß ich Dich und die andern lieben St. Louiſer nicht noch ein⸗ mal ſehen und Euch für alle Eure Liebe danken kann. Gott ſei mir Sünder gnädig! Amen. Schreibe doch ja bald, es könnte die Correſpon⸗ denz zwiſchen uns bald ganz ein Ende haben.“ Wie hart durch dieſen Todesfall vor allem vie theuere Gemeinde des Entſchlafenen, die mit dem⸗ ſelben in einer wahren Geiſtesgemeinſchaft ſtand, betroffen worden iſt und wie ſchmerzlich ſie den erlittenen Verluſt fühle, können ſich die lieben Leſer wohl denken. Die Todesnachricht, welche an uns aus der Gemeinde kam, war, wie der Be⸗ richterſtatter ſhrieb, „mit zitternder Hand und bebenden Glirdern“ geſchrieben. Es hieß da— rin: „Ach, mein lieber Bruder, ich weiß, es iſt ein ſehr harter Schlag für Sie, aber iſt er nicht doppelt hart für uns? Ach, ich kann nicht ſagen und beſchreiben, wie viele Thränen über ſeiner Leiche gefloſſen ſind. Ach, der Herr Jeſus wolle Sie und uns und Alle, die um ihn trauern, tröſten.“ Mit dieſem Wunſche ſchließen denn auch wir dieſen unſeren Bericht, und ſetzen noch hinzu: mögen alle und inſonderheit alle jüngern Pre⸗ diger, die dieſes leſen, ſich das Gedächtniß des Knechtes, der nach kurzer, aber treuer Arbeit ſchon den Lohn derſelben empfangen hat, ein ge⸗ ſegnetes, nämlich ſein ſchönes Beiſpiel ein Vor— bild der Nacheiferung ſein laſſen und möge ein jeder bitten, eifrig, brünſtig, gläubig bitten hel— fen, daß Gott die durch dieſen Todesfall unſerer Kirche und namentlich der theuern Gemeinde in New⸗Orleans geſchlagene tiefe Wunde bald hei⸗ len, der letzteren bald wieder einen treuen Hirten beſcheren und denſelben mit den Gaben des Früh⸗ vollendeten doppelt begnaden wolle, daß er das dort angefangene gute Werk, auf demſelben gol⸗ denen Grunde, Jeſu Chriſto und ſeinem reinen Worte, bauend, fortſetzen und es dem ſeligen Ziele glücklich entgegen führen möge. Gott hel⸗ fe auch in Gnaden (und auch das ſei unſer Ge⸗ bet), daß die theuern Eltern jenſeit des Meeres, welche den geliebten Sohn ſeinem Heiland von Jugend auf gewidmet und geweiht hatten, nun auch den reichſten Gottestroſt empfinden, wenn ſie die Kunde erhalten, daß ihr geliebter Sohn nun durch ſeinen treuen Dienſt ein Opfer ſeines Heilandes geworden iſt. Amen. — ——— (Eingeſandt.) Privateorreſpondenz aus Schleſiien. L. . .. „am 22. Juni 1853. . . . . . Der Streit über das Amt hat auch in unſere preußiſch lutheriſche Kirche große Bewe⸗ gung gebracht; doch hat der Herr einen Riß ver⸗ hütet. Auf unſerer Synode im September und Oktober vorigen Jahres, wo keine wichtigen neuen Beſchlüſſe gefaßt wurden, durften wir uns einer großen erhebenden Einigkeit erfreuen. Auch in den praktiſchen Conſequenzen der Amts⸗ frage, den Anträgen wegen Herſtellung Liner