# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 02 21_S49 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 2. St. Louis, Mo., den 21. Februar 1846. No. 13. Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. (Eingesandt von Pastor Keyl.) Säcularfeier des Todes Luthers. (Fortsetzung.) Luthers letzte Predigten. Besonders wichtig sind die 4 Predigten, welche Luther während seines dreiwöchentlichen Aufenthalts in seiner Vaterstadt Eisleben, ohngeachtet seiner Schwachheit, gehalten hat, deren Erhaltung wir dem treuen Schüler C. J. Aurifaber zu verdanken haben, der sie aus Luthers Munde nachgeschrieben und bald darauf in Druck gegeben hat. Sie sind zu finden in Luthers Werken, Walchs A. XII, 1566 fll. Leipz. XII, 402 fll. Wittenberg. XII, 584 fll. Altenb. VIII, 512 fll. Jen. VIII, 285 fll. Von diesen Predigten bemerkt Aurifaber treffend, daß sie beständige Zeugen der Lehre und des christlichen Abschiedes Dr. Luther's aus diesem Jammerthale seien, indem er sich dem HErrn Christo, den er auch darin abermals vor aller Welt bekannt, endlich in seine Hände befohlen habe. Luther folgte hierin dem heil. Apostel Petrus nach, der, als er ahnete, daß er seine Hütte bald ablegen werde, Fleiß that, daß solches (was er gelehret) allenthalben nach seinem Abschied möge im Gedächtniß gehalten werden. 2 Petri 1, 15. Daher legte er von den allerwichtigsten Hauptartikeln der christlichen Lehre noch einmal ein entschiedenes Zeugniß ab und warnte vor allen denselben entgegenstehenden Irrthümern mit einer solchen Beweisung des Geistes und der Kraft, welche keiner der spätern Lehrer erreicht, geschweige denn übertroffen hat. Um nun nach dem bisher Gesagten in den Lesern dieses Blattes noch mehr das Verlangen zu erwecken, diese Predigten selbst zu lesen und um zugleich diejenigen, welche zur Bekanntmachung derselben durch einen neuen Abdruck die Hand bieten können, zu diesem guten Werke zu ermuntern, so sollen nun nicht nur einige Bruchstücke daraus, sondern vollständige und treue Auszüge dieser Predigten mitgetheilt werden. In der ersten Predigt, welche Luther am 4. Sonntag nach Epiphaniä (den 31. Jan.) über das Evang. Matth. 8, 23—27. gehalten hat, zeigt er, wie Christus durch sein Schlafen im Schiffe bewiesen habe, daß er wahrhaft natürlicher Mensch sei, wie er aber auch dadurch, daß er den Wind und das Meer bedrohte und es plötzlich ganz stille ward, seine ewige Gottheit und seine Herrschaft über alle Creaturen offenbarte. Diesen Artikel nun, daß Christus wahrhaftiger Gott und Mensch in einer Person sei, sollten wir immerdar festhalten, denn darin unterscheide sich der Christen Glaube von aller andern Menschen Glauben und Religion, und mache sie allesammt falsch; denn ob sie sich gleich rühmen, den einigen Gott anzubeten, der Himmel und Erden erschaffen habe, und die Christen lästern, als ob sie viele Götter anbeteten, so hätten sie doch nicht den rechten Gott, und kenneten weder sein göttliches Wesen noch seinen Willen, denn sie wollten seinem Worte nicht glauben, darin er sich uns zu erkennen gibt und zwar, daß er ein solcher Gott sei, der da einen eingebornen Sohn habe, der mit ihm, dem Vater, gleich ewiger und allmächtiger Gott sei, und daß derselbe Gottes Sohn hat sollen menschliche Natur annehmen, durch den heil. Geist ohne Sünde empfangen und von der Jungfrau Maria geboren werden, auf daß er nach der göttlichen Verheißung 1 Mos. 3, 15. als des Weibes Same der Schlange d. i. dem Teufel den Kopf zerträte, uns also von Gottes Zorn erlösete und ewige Gnade erwürbe. So ist, sagt Luther, wahrhaftig kein anderer Gott, denn dieser, der da ist der Vater unsers HErrn JEsu Christi, welche beide sich durch den heil. Geist vermittelst des Wortes Gottes der Kirche offenbaren. Das sei der allerälteste Glaube, den die ersten Menschen schon im Paradiese auf Grund der ersten Verheißung gehabt, den alle heilige Väter und Propheten des ganzen A. Testaments bekannt, den Christus und seine Apostel gepredigt und bis an den jüngsten Tag der ganzen christlichen Kirche zu predigen befohlen hätten. Diesen Glauben habe Christus durch öffentliches Zeugniß selbst bestätiget und zwar nicht nur damals, als er seine Allmacht an Wind und Meer bewies, sondern auch später; denn so oft sich zu verschiedenen Zeiten der Teufel mit seinem Wind und Wellen, nämlich durch falsche Geister und durch allerlei Toben der Welt wider Christum erreget, so hat doch Christus endlich seine Kraft bewiesen und das bedrängte Schifflein seiner Kirche herrlich errettet, also, daß es erhalten worden ist auch unter dem letzten Grimm des Pabstes und ferner noch sicher bleiben wird. Darum sollen wir uns zu aller Zeit dieses HErrn gegen alle Feinde trösten und fest glauben, daß sie gegen dieses Schifflein mit allen Stürmen nichts ausrichten werden. So wie nun alle Heiden und Unchristen nichts Gewisses von Gott und seinem Wesen wissen, so haben sie sich bei ihrer Abgötterei selbst in viele Parteien gespalten, und sind immer von einem Irrthum auf den andern gefallen, wie man dies an den weisesten und berühmtesten Völkern des Alterthums siehet; an den Griechen, welche dem unbekannten Gott einen Altar errichteten (Apstlg. 17.) und an den Römern, welche für alle Götter einen Tempel baueten. Auf dieselbe Weise, sagt Luther, habe das Pabstthum allerlei Abgötterei angenommen und weil unter den Mönchen jeder seinen Orden für den besten gehalten, wären sie immer unter sich uneins und nur in dem Haß gegen die rechte Lehre des Evangelii und in der Liebe zu allem gottlosen Wesen einig gewesen. Das alles komme her von des Teufels tiefem Haß gegen Christum und sein Evangelium; denn die, welche ihm dienen, leiden wegen ihres falschen Glaubens keine Gefahr, da regen sich weder Wind noch Wellen, gerade wie einst, da Christus noch nicht auf dem Meere war; nur allein das Häuflein, da Christus ist, muß mit großem Ungestüm angefochten werden. Es sei auch eine besondere Schalkheit des Teufels, daß er gegen die Christen gerade an den Orten und zu den Zeiten am meisten wüthe, wo sie am schwächsten und leicht zu erschrecken sind, wie die Jünger auf dem Meere, besonders wenn sich sogar Christus eine Zeitlang so stellt, als wolle er seine Christen ohne Rath und Hülfe lassen, wie damals, als er im Schiffe schlief; allein das alles geschehe nur deßhalb, daß er seine Hülfe zu seiner Zeit desto herrlicher offenbare, zum Beweis, daß es nicht an seiner Macht, sondern an unserm Unglauben liege, wenn wir einmal verzagen, wie er auch deßhalb seine Jünger strafte, und ob wir auch solchen Unglauben fühlten, sollten wir doch wie die Jünger anhalten mit Rufen zu ihm in unsrer Noth, wodurch wir unsern schwachen Glauben an ihn stärkten, und solches wolle er auch haben und gern erhören und so würden wir lernen, wie seine Kraft in unsrer Schwachheit unüberwindlich sei. Die zweite Predigt hielt Luther am Tage Mariä Reinigung (den 2. Febr.) über das Festevangelium Luc. 2, 22—32. und zwar mit mehrfachen Beziehungen auf die obschwebenden Streitigkeiten der Grafen. Er zeigt darin, wie sich Gott durch das Gesetz von den Wöchnerinnen als ein weiser Hausvater bewiesen