# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 09 15_S15 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) andermal beſſer machen.“ Während alſo für diesmal das wankende tür⸗ liſche Reich ſo weit gereltet zu ſein ſcheint, um noch ein Paar Jahre weiter ſich hinzuſchleppen, wankt, ja ſtürzt eben ein anderes großes Reich, China. Das iſt jenes wunderbare Land in Uſien, in welchem die Menſchen ſo dicht gedrängt auf einander wohnen, wie kaum anderswo. Thee namentlich und Seide kommen daher zu uns. Die Religion des größten Theils der Chi⸗ neſen iſt der Fohismus(Buddhaismus), da ſie als Gottheit das Weltall anbeten; China nen— nen ſie das Reich der Mitte oder des Himmels, und ihren Kaiſer halten ſie für den gegenwärti⸗ gen Gott, den Sohn des Himmels und der Er⸗ de, der Sonnenſchein und Regen giebt und da⸗ her ſich immer höflichſt bei ſeinen Unterthanen entſchuldigt, wenn durch vielen Regen Ueber— ſchwemmungen entſtehen und Schaden anrich— ten: „Er habe es verſehen, er wolle es ein Bis vor einigen Jahren und ſeit 1746 tödtete man alle chriſtli— liche Miſſionäre, die in China eindrangen, ſo bald man ſie bei der Predigt des Wortes Got— tes ertappte; allein die Engländer haben den Kaiſer von China gezwungen, ſein Land chriſtli⸗ chen Miſſionären zu öffnen. Nachdem daher ſchon früher von mehreren Predigern, namentlich einem Deutſchen, Gützlaff, heimlicherweiſe das Wort Gottes gepredigt war, ſind in den letzten Jahren viele chriſtliche Prediger dahin geſandt und haben hin und wieder Gemeinden geſam— melt und Kirchen gebaut. Schon ſeit mehreren Jahren nun kamen Nachrichten zu uns, daß die Nachkommen eines alten Kaiſergeſchlechtes, wel— ches von den Voreltern des jetzigen Kaiſers, den Mantſchu Tartaren, vertrieben war, ſich aufge— macht und allmählig einen Theil des Landes nach dem andern unter ihre Gewalt brächten. Endlich in dieſem Jahre drangen die briden neuen Könige, Nang und Sian, bis zur zwei— ten Stadt des Reiches, Nankin, vor und ero— berten ſie; die Heere des bisherigen Kaiſers. werden beſtändig geſchlagen, das Volk fällt faſt überall von ihm ab und es ſcheint mit ſeiner Herrſchaft zu Ende zu gehen. Und nun hören wir, daß die beiden neuen Könige und ihre An⸗ hänger, die ſich die Schangti Brüderſchaft nen— nen, behaupten, ſie ſeien Chriſten. Ihre Ent— ſtebung beſchreiben ſie folgendermaßen: Ein Chineſe, Namens Hung Siu Tſinen kam 1846 nach Canton, der Haupthandelsſtadt des Reichs, wo die Europäer und Amerikaner ihre Faktoreien haben, und ließ ſich dort von einem Miſſionär im Worte Gottes unterrichten. In ſeine Hei— math zurückgekehrt, ſammelte er dort eine Art von Gemeinde, die bald von der chineſiſchen Ob⸗ rigkeit verfolgt wurde. Unter der Verfolgung ergriff ihn der Gedanke, daß er berufen ſei, die Mantſchu Tartaren, d. i. den Kaiſer von China und deſſen Beamten, die Mandarinen zu ver⸗ nichten. Offenbar hat er allein die beiden oben genannten Könige, Nachkommen des frü— heren vertriebenen Herrſchergeſchlechts, an die Spitze ſeiner Anhänger geſtellt und bisher leich— te Mühe gehabt, die Mantſchus zu überwinden, zu ſchlachten und das Land zu erobern. Sie verbreiten mehrere religiöſe Bücher vor und um ſich her, deren eines, genannt „das Buch der Religionslehren des Thae Ping Herrſcherge— ſchlechts“ in's Engliſche überſetzt iſt. Nach ei⸗ ner Ermahnung an die Chineſen, daß ſie ſollen den „Großen Gott“ anbeien, der ſich geoffenbart, folgt in dieſem Buche eine Darſtellung der Glaubenslehren, welche vorzüglich aus dem al⸗ ten Teſtament genommen iſt, aber behauptet, die Vorväter der Chineſen hätten bereits dieſe Lehre gehabt, daher ſollten die Chineſen nur zum Glauben der Väter zurückkehren. Alle Men⸗ —18— ſchen ſeien Sünder, aber erlöſt dürch Jeſum ergeben; —daher war ich den Herren im Wege.“ Chriſtum, den ſie nicht Gottes Sohn nennen, weil jeder Chineſe bei dieſem Namen an den Kaiſer von China denken würde, wohl aber ih— ren Herrn, den Heiland der Welt und himmli⸗ ſchen Bruder heißen. Die folgende Formel ſol⸗ len ſie zum Preiſe Gottes gebrauchen: Wir periſen Gott, unſern heiligen und himmliſchen Vater, Wir preiſen Jeſum, den heiligen Herrn und Heiland der Welt, Wir preiſen den heiligen Geiſt, die heilige Weisheit, Wir preiſen die drei Perſonen, welche verei⸗ nigt bilden einen wahren Geiſt. Gebete zu Gott, darunter auch das „Gebet ei⸗ nes reuigen Sünders“, endlich die heiligen 10 Gebote machen den fernern Inhalt dieſes Bu— ches aus. Die heiligen 10 Gebote namentlich ſind mit Auslegungen verſehen und mit Liedern, welche die Auslegung in Verſe bringen. Das Ganze zeugt davon, daß der Verfaſſer Unterricht im Chriſtenthum erhalten hat, aber nicht in der reinen Lehre deſſelben, ſondern nach der engliſch amerikaniſchen Weiſe, welche allerdings Chri— ſtum lehrt, als den Erlöſer der Welt, aber doch immer wieder aus dem Evangelium Geſetz macht und namentlich Gottes Reich und Weltreich, Kirchen- und irdiſches Regiment, chriſtliche und politiſche Freiheit durch einander miſcht, daher auch die Zeugniſſe, welche die Schrift ablegt wi⸗ der allen Gebrauch des Schwertes gegen die Ob-⸗ rigkeit nicht verſteht. Wie aber, wenn die Chri— ſten recht fleißig und inbrünſtig beteten, daß das Reich Gottes zu den 100 und mehr Millionen Chineſen käme? Gott wendet auch das Böſe zum Guten, und die Empörung Sin-Tſiuen's mag durch Gottes wunderbare Regierung dazr dienen, daß Gottes Wort ſiegt und jene Heiden im rechten Glauben ihre Knie beugen lernen in dem Namen Jeſu, des hochgelobten Königs aller Könige und Herrn aller Herrn. Segnet Gott, der euch ſein heilig Wort lau— ter und rein und in ihm ſeinen himmliſchen Frieden ſchenkt, und irdiſchen Frieden und Frie⸗ denszeiten dazu. Die zwei Schlüſſel des Herrn Prof. Wink⸗ ler. ö Prof. Winkler, der unermüdet iſt, immer daſ— ſelbe Gift zu ſpeien, hat unter boshaften Aus— fällen auf Prof. Crämer endlich das Schlacht⸗ feld verlaſſen. Damit man aber nicht vergeſſe, mit welchen Waffen er gefochten habe, hangen ſie in Form von zwei Schlüſſeln in dem Tempel des Kriegsgottes, dem Winkler dient (ſ. Kirchl. Informator. Jahrg. 3. Num. 2. p. 11). Es ſcheint, daß der Mann inſtinktmäßig dadurch den römiſchen Einfluß bezeugen muß, dem er ſich durch Widerſtreben gegen die lutheriſche Lehre ausgeſetzt hat. Denn gleichwie der Papſt zu Rom alle ſeine Ungerechtigkeiten und gottloſen Verdrehungen des Wortes Gottes dadurch un⸗ antaſtbar macht, daß er die beiden weltbekann⸗ ten Schlüſſel in ſeinem Wappen führt, ſo ſchlägt ſich unſer Held von Detroit durch alle Anklagen, die gegen ihn erhoben worden ſind, mit ſeinen zwei Schlüſſeln ſiegreich durch. Wir wollen ſie doch mal beſehen. Der erſte iſt: „Meine Predigerſtelle in De⸗ troit war in Deutſchland ſchon einem Anderen (ſ. u. Anm.“) Wem war denn die Stelle vergeben? F. Loch⸗ ner, der niemals in Detroit Paſtor geweſen iſt. Der Schlüäſſel ſchließt alſo nicht; ein zwener wäre ja auch ſonſt nicht nöthig. Der zweite iſt: „Ein aus Baiern kommender demagogiſcher Theolog, oder theologiſcher Dema— gog, glaubte ſich berufen das Werk meiner Ver⸗ treibung auszuführen, nämlich: Herr A. Crä⸗ mer.“ So viel man an dieſem Schlüſſel drehen mag, ſo erſchließt er einem doch weiter nichts, als das von Haß glühende Herz des Prof. Winkler. Denn erſtlich ſagt Prof. Winkler in der Ueber⸗ ſchrift, die er über ſein Wappenſchild mit den zwei Schlüſſeln außer jener bekannten Deviſe: „Das Wüthen“ u. ſ. w. geſetzt hat, ſelbſt, daß „Herr A. Crämer im Auftragedes Herrn Prof. Walther als Advokat der Rotte in Detroit erſchienen ſei. Er hat ſich alſo nicht be— rufen geglaubt, ſondern ein Anderer hat ihn da⸗ für angeſehen, daß er die Pflicht habe, das aus⸗ zuführen, was Prof. Winkler das „Werk einer Vertreibung“ nennt. Sodann iſt es jedem un⸗ befangennn Leſer der über die Detroiter Sache erſchienenen Berichte klar, daß weder die ſ. g Rotte in Detroit, noch Prof. Walther, noch Herr A. Crämer die Vertreibung des Herrn Prof. Winkler im Sinne hatte. Nach der Conſtitution der Gemeine in Detroit ſtand es für den Fall daß ein Theil derſelben gegen den Paſtor Be— ſchwerde hätte, jenem wie dieſem frei, einen un⸗ parteiiſchen Dritten zu erwählen, der bei der Un⸗ terſuchung ſolcher Beſchwerde zugegen wäre— Nun wählte, als wirklich Paſt. Winkler durch ungehöriges Bannen u. dgl. zu gerechten Klagen Anlaß gab, der unzufriedene Theil ſeiner Gemei⸗ ne die evang. lutheriſche Synode von Miſſour u. ſ. w. Dieſe ernannte durch ihren Präſ., Prof Walther, den P. Crämer. Das alles geſchah, weil kein Menſch anders konnte, und nicht in der Abſicht, P. Winkler zu kränken, geſchweige ihn zu vertreiben, ſondern, wie man nach der von ihm bisher genehmigten Gemeinordnung ſchlie⸗ ßen mußte, mit ſeiner herzlichen Zuſtimmung. Was kann die Synode von Miſſouri, was kann der Prof. Walther, ihr damaliger Präſes, was P. Crämer, auf den das Loos fiel, als Bevoll⸗ mächtigter der Synode iu Detroit zu handeln, 1Es iſt ja wohl überflüſſig, den Leſer daran zu erinnern dah Herr Prof. Winkler das ſagt. Der hat es in der Ge⸗ wohnheit, zu dem, was wahr iſt, wenigſtens noch einmal ſo viel hinzuzuſetzen und das Ganze zu drehen wie er Luſt hat, wie man gewiſſe Mineralien, die, wenn ſie vnvermiſcht blei⸗ ben, allen Verſuchen, ſit zu dehuen oder zu ſchmelzen, wider⸗ ſtehen, durch Zuthat anderer chemiſcher Stoffe auflöſt und dann in eine beliebige Form bringen kann. Was z. B. hier aus den Händen unſeres, ſchon von Cleveland her den Le⸗ ſern als Anatom wohlbekannten Chemikers und respect. Zinngießers in der oben beſchriebenen Geſtalt hervorgeg an⸗ gen iſt, davon iſt etwa ſo viel Wahres. Als P. Lochner ſich zur Abreiſt nach Amerika rüſtet, kommt ein Brief von P. Hattſtät in Monroe an, worin Herrn Pfarrer Löhe ge⸗ meldet wird, man ſuche in Detroit einen Prediger. Ohnt zu wiſſen, daß unterdeß Hr. Prof. Winkler nach Derroit ge⸗ kommen iſt, nimmt Hr. Pf. Löhe die ſe Nachricht in ſeine Kirchl. Mittheilungen auf und bemerkt dabei, P. Lochner verde nach Detroit paſiren. —*