# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 09 15_S8 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Rew⸗Orleans. Bei den entſetzlichen Nachrichten über das Wüthen des gelben Fiebers in dieſer Stadt, welche gegenwärtig die Zeitungen enthalten, wird wohl mancher Leſer mit banger Sorge an unſeren lieben Bruder Volck denken, der erſt vor kurzem ſeine Arbeit in dortiger Stadt be⸗ gonnen, und zu wiſſen wünſchen, wie es dem⸗ ſelben und ſeiner lieben Gemeinde jetzt ergeht. Wir erlauben uns daher, aus einem an uns gerichteten Privatbriefe Hrn. Paſtor Volck's v. 15. d. M. Folgendes mitzutheilen: „Gott hat auch unſere Gemeinde mit Krank⸗ heit heimgeſucht. Sieben erwachſene Glieder derſelben liegen am gelben Fieber darnieder. Doch, Dank ſei Gott und der treuen aufopfern⸗ den Pflege Hrn. Dr. Wolff's, ſie ſind alle wie⸗ der außer Gefahr ... bei den Kranken in der Gemeinde ging alles gut. Da war überall eine Freudigkeit zum Sterben, ein ruhiges Hingeben in Gottes Willen, ſo daß ſie mich manchmal mehr tröſteten und aufrichteten, als ich ſie. .. Mich hat Gott wunderbar bisher erhalten; denn obgleich ich faſt immer in der Sonne laufen muß und beſtändig unter Kranken bin, fühle ich doch bis jetzt nicht das Geringſte .. Beten Sie doch jetzt mit uns und für uns.“ Kirchliche Nachrichten. Der geſtrige Sonntag, der 11. n. Tr., war für uns ein großer Freudentag. In dem Städt⸗ chen Port Richmond auf der ſchönen Inſel Sta⸗ ten Jsland unweit New Nork hatte ſich ſeit ei⸗ nigen Jahren eine kleine lutheriſche Gemeinde geſammelt. Zu ſchwach, um ſofort einen eig— nen Prediger unterhalten zu können, hatte ſie ſich zeitweilig von einem benachbarten herrnhu— tiſchen Prediger bedienen laſſen, ohne jedoch das Ziel, einen eignen lutheriſchen Prediger zu er⸗ langen, aus den Augen zu verlieren. Seit An⸗ fang dieſes Jahres hatte ſie Gott unter ganz merkwürdigen Umſtänden in den Beſitz einer ſchönen Kirche geſetzt. Bald darauf war ſie durch eine wunderbare Verzweigung von Ereig— niſſen, aus denen die gute Hand Gottes recht augenſcheinlich zu erkennen iſt, auf unſre Sy⸗ node aufmerkſam geworden und hatte bei ihr um einen Prediger nachgeſucht, welcher ihr auch in der Perſon des Predigtamtscandidaten Hrn. Friedrich Böling's, eines Zöglings des Semi⸗ nars in Fort Wayne, zugeſendet wurde. Nach⸗ dem er mehrere Gaſtpredigten gehalten, und ſich wie durch ſeine Perſönlichkeit, ſo durch ſeine gründliche, geſunde und einfache Predigtweiſe bals das Zutrauen der Gemeinde erworben hat⸗ te, wurde er einſtimmig zum Paſtor erwählt und berufen und darauf geſtern von mir unter Bei⸗ ſtand des Hrn. Paſtor Hoyer von Philadelphia im Angeſichte ſeiner neuen Gemeinde ordinirt und auf ſämmtliche Bekenntnißſchriften der lu⸗ theriſchen Kirche verpflichtet. Mit dieſer feier⸗ lichen Handlung wurde zugleich die Einweihung der Kirche verbunden. Hr. Paſtor Hoyer hiel] —6— die Einweihungs- und Ordinations-Predigt. Der Inhalt derſelben war, nach dem gewöhnli⸗ chen Sonntagsevangelium, der rechte Gottes⸗— dienſt im Hauſe des HErrn. Er zeigte 1., wie unſer Gottesdienſt beſchaffen ſein müſſe, damit er der rechte ſeij 2., welch ein Segen und welche hohe Wohl⸗ that der rechte Gottesdienſt ſei; und 3., was inſonderheit dieſe Gemeinde thun müſſe, damit ihr Gottesdienſt in dieſem Hauſe der rechte ſei. Die liebe Gemeinde, über die ihr geſchenkte Wohlthat einer ſchönen Kirche und eines recht⸗ ſchaffenen Predigers hoch erfreut, hatte alles mögliche aufgeboten, ihre Kirche auf's lieblichſte auszuſchmücken. Ihre Schweſtergemeinde in New Zork hatte ſich in Maſſe aufgemacht, um an dem ſchönen Gottesdienſte des HErrn Theil zu nehmen und das kleine Sängerchor derſelben half durch einen vierſtimmigen Geſang die Feier erhöhen. Gott, der Vater unſers HErrn Jeſu Chriſti, wolle dem neuen Paſtor ſtarken Glau⸗ ben, brünſtige Liebe, viel Weisheit und Geduld ſchenken, ſein allerdings ſchwieriges Amt aus— zurichten, der Gemeinde aber erleuchtete Augen, die Zeit ihrer Heimſuchung durch die Predigt des Evangeliums zu erkennen und ſelig anzu⸗ wenden. Die lieben Leſer des „Lutheraner“ wollen ſich mit ihren Brüdern am atlantiſchen Meeresſtrande freuen und dem HErrn danken, der die Schaaren ſeiner Evangeliſten mehret und ſeine Kirche ausbreiten läßt und den Raum ih⸗ rer Hütte weit macht zur Rechten und zur Linken. Th. J. Brohm. New Rork am 8. Auguſt 1853. E Herrn Paſtor Böling's Poſt-Ofſice W Port Hichmond, Staten Island, M. V. — Nachdem die evangeliſch lutheriſche Gemeinde in Lafayette Eo., Mo., durch Abgang des Herrn Paſtor Quaſt vacant geworden, hatte dieſelbe Herrn Paſtor Franke, welcher bereits vor Jahren dieſer Gemeinde ſchon einmal gedient hatte, dann aber von der Gemeinde in Buffalo abberuſen worden war, und in Folge einer ſchweren Erkran⸗ kung eine geraume Zeit hatte privatiſiren müſſen, zum andern Male in ihr Pfarramt gerufen. Pa⸗ ſtor und Gemeinde wünſchten beiderſeits eine foͤrmliche und feierliche Introduction und hatten ſich deshalb an das Präſidium unſerer Synode gewendet, von welchem F's. nächſter d. i. ohnge⸗ fähr 50 Meilen weit entfernter Amtsnachbar, Paſtor Wege in Benton Connty Auftrag erhielt, Herrn Paſtor Franke zu introduziren. Er entle⸗ digte ſich dieſes Auftrags am 9. n. T. den L2aſten Juli l. J. unter Aſſiſtanz ſeines lieben Amtbru⸗ ders, des Herrn Paſt. Johannes in Colecamp. Die Feierlichkeit wurde nach Maaßgabe der Lö⸗ heſchen Agende vollzogen, nachdem Paſt. Wege die Frühpredigt gehalten und nach 1. Tim. 4, 16. von der herrlichen Verheißung „Du wirſt dich ſelig machen und die dich hören,“ gehandelt hatte, indem er 1.) den Inhalt, 2.) die Bedingung, 3.) die Wichtigke it die ſer Verheißung darlegte. Nach⸗ mittags predigte Herr Paſt. Johannes. Er ſtell⸗ te die Frage „Was iſt ein Diener Gottes in ſei⸗ nem Amte?“ und erörterte in gewandter und eindringlicher Rede die mit den Worten des Ter⸗ tes gegebene Antwort; daß nämlich dieſelbe ſey 1.) in Beziehung auf Gott — ein guter Geruch Chriſti, beides unter denen, die da ſelig werden und unter denen, die da verloren werden —2.) in Beziehung auf Menſchen—dieſen ein Geruch des Todes zum Tode, jenen aber ein Geruch des Le⸗ bens zum Leben. Erquickt durch das gegenſeitige, leider nur zu kurze Beieinanderſeyn und mit der vollen Ueberzeugung, daß der Gemeinde zu ihrer Predigerwahl nur Glück zu wünſchen ſey, ſchieden die Brüder am folgenden Tage. Am 10ten Sonntage nach Trinitatis, den 31. ö Juli l. J., hatten wir, Paſtor Schliepſick und der Unterzeichnete, die Freude, den lieben Paſtor F. Beſel in Staunton, Ills., öffentlich in ſein Amt daſelbſt einzuführen. So bedenklich es mit der ev. luth. Gemeinde in und um Staunton nach dem frühen Tode des ſel. Paſtor Reißner ausſah, indem einige Glieder einen ev. unirten Prediger angenommen hatten und andere wegziehen woll⸗ ten: ſo erfreulich ſieht es jetzt daſelbſt aus. Die Abgegangenen ſind zurückgekehrt und auch mehre⸗ re Methodiſten haben ſich an die ev. lutheriſche Gemeinde angeſchloſſen, ſo daß einige und zwan⸗ zig Familien ſich entſchieden auf das lutheriſche Bekenntniß conſtituirt und zu einer rechtgläubi⸗ gen Gemeinde verbunden haben, die weder falſche Lehre noch gottloſes Leben unter ſich dulde. Auch ſind noch weitere Ausſichten für eine Gemeinde in der Nähe. Der Gott aller Guaden ſegne das Zeugniß und die Arbeit ſeines Knechtes und ſtärke, befeſtige und vollbereite die ganze Gemeinde in Chriſto Jeſu zum ewigen Leben. Amen. Johann Friedrich Bünger. St. Louis, d. 23. Aug. 1853. Die St. Louis⸗Diſtrikts⸗ Predigerconferenz verſammelt ſich demnächſt in Altenburg, Perry Co., Mo., den 7. Oltober l. J. und die fol⸗ genden Tage. In Betreff einer Einſendung. Wir haben von Mrs. Henning eine Einſen⸗ dung erhalten, worin gewiſſe, in dem dritten Synodalbriefe Hrn. Paſtor Grabau's gemachte Angriffe auf den guten Namen der Familie Krauſe als ebenſoviele Unwahrheiten zurückge— wieſen werden. Wir müſſen hierdurch erklären, daß der „Lutheraner“ ſich unmöglich mit der⸗ gleichen reinen Privatſachen befaſſen kann. S ꝗ -— . In Deutſchland erſchien ſo eben und erwar⸗ ten wir Exemplare bis Ende dieſes Monats: G. W. 6. Keyl's, Paſtor der lutheriſchen St. Pauli-Gemeinder Baltimre Katechismus⸗Auslegung aus Dr. Luther's Schriften und den ſymboli⸗ ſchen Büchern 1. Hauptſtück (450 Seiten) Preis 51,