# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 02 07_S48 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 48 klagt worden ist, so ist es rein undenkbar, daß derselbe den erzählten Vorfall, wenn er wirklich geschehen wäre, zu seiner Vertheidigung nicht selbst veröffentlicht haben sollte. Hierzu kommt noch, daß wir im Gegentheil in Luthers schriftlichem Nachlaß unwidersprechliche Zeugnisse finden, daß derselbe bis zu seiner Todesstunde in seiner Verwerfung der zwinglischen Lehre beharrt habe. Erstlich schreibt Luther 1544 an einige Prediger in Ungarn: „Stehet fest und zweifelt nicht, daß ich es nie, es sei denn, daß mich Gott wahnsinnig werden ließe, mit den Sacramentsfeinden halten, noch daß dieser Gräuel in der mir anvertrauten Gemeinde werde gehört werden. Oder wenn ich, was Gott verhüte! anders thun sollte, so sagt nur getrost, daß ich wahnsinnig oder verdammt worden sei. Es ist der Teufel, welcher, da er weiß, daß ich nach dem Zeugnisse so vieler meiner Schriften öffentlich unüberwunden dastehe, im Sinne hat, durch heimliches Schlangengezisch, wo er kann, in seinen Winkeln üble Gerüchte zu verbreiten und das Wort der Wahrheit unter meinem Namen zu verkehren. Ich bin daher genöthigt, nach so vielen Bekenntnissen noch ein neues ausgehen zu lassen, was ich nächstens thun werde.“ (Siehe: Unschuld. Nachr. 1718. S. 932.) An dem Tage ferner, an welchem Luther seine letzte Predigt in Wittenberg hielt, nämlich am 17. Jan. 1546 schrieb er an Probst zu Bremen: „Daß du schreibest, wie die Schweizer so ungehalten und frech wider mich schreiben, und mich als einen unglückseligen und unglücksseligsten Verstandesmenschen verdammen, deß freue ich mich gar sehr. Denn das habe ich begehret; das habe ich haben wollen eben mit derselbigen Schrift, (dem kurzen Bekenntniß von 1544,) damit ich sie so hart erzürnet habe, auf daß sie mit ihrem eigenen öffentlichen Zeugnisse bezeugten, daß sie meine Feinde wären. Das hab ich nun erlanget, und wie gesaget, so freue ich michs auch. Ich allerunglückseligster unter allen Menschen habe an dieser Seligkeit des Psalms genug: Selig ist der Mann, der nicht wandelt im Rath der Sacramentirer, noch tritt auf den Weg der Zwinglianer, noch sitzt, da die Züricher sitzen. Da hast du's, was meine Meinung ist.“ (L. W. XVII, 2634.) In der letzten Predigt aber, die Luther in Eisleben gehalten, spricht er: „Kein ärmerer, geringerer, verachteterer Discipel ist auf Erden, als Gott. Er muß Aller Jünger sein, Jedermann will sein Schulmeister und Präceptor sein, das sieht man von Anbeginn der Welt an allen Ketzern. Arius und Pelagius und jetzt zu unserer Zeit die Wiedertäufer und Sacramentirer und alle Schwärmer und Aufrührer, die sind damit nicht zufrieden, was Gott gemacht und eingesetzt hat, und können es nicht lassen bleiben, wie es geordnet ist.“ Endlich aber, als Jonas dem sterbenden Luther die Frage vorgelegt hatte, ob er auf die Lehre, die er in seinem Leben bekannt und vertheidigt habe, nunmehr auch sterben wolle, antwortete er getrost: Ja! Wo bleibt hier der Widerruf, den man Luthern so gern andichten möchte, um mit seiner anerkannten Treue im Wort seine Untreue gegen das Wort zuzudecken? Es bleibt dabei, jene Geschichte ist eine „heidelberger Landlüge.“ Uebrigens ist es eine ziemlich grob und ungeschickt an den Tag gegebene Lüge, die etwa der glaubt, der Luthern nur aus einer von einem Jesuiten verfaßten Reformationsgeschichte kennt, da jedes lutherische Schulkind weiß, daß das Ansehen der Kirchenväter Luthern gegen den Buchstaben der Schrift nichts galt. Daher schreibt der alte Mörlin: „Es ist aller Welt kund, daß Lutherus sich nicht der Schrift Meinung aus den Vätern hat weisen lassen, sondern hat der Väter Lehre nach der Schrift geprüft und eben mit diesem einigen Stück den Pabst wehrlos gemacht. Aber nun kommen unsere Lügner daher, Philippus habe der Väter Lehre gerühmt und flugs darauf hat Lutherus angefangen zu schwärmen vom Sacramente, und deß sollen wir albernen Narren uns solche Klüglinge bereden lassen. Wenn wir Lutherum nicht gekannt hätten, so möchte man solche lahme Zoten vorbringen; uns wird man es dies Jahr nicht bereden.“ Hr. Nollau erzählt in seinem Schriftchen eine ähnliche Legende; davon, s. G. w., in nächster Nummer. (Fortsetzung folgt.) Zeugniß eines berühmten englischen Schriftstellers von dem Werth der Schriften Luthers. Johann Bunian, welcher im 17. Jahrhundert als Prediger der presbyterian. Kirche zu Bedford in England angestellt war und der durch mehrere Erbauungsschriften, die in die deutsche Sprache übersetzt worden sind, wie „der Christen Pilgerreise,“ auch unter uns Deutschen bekannt worden ist, erzählt in seiner von ihm selbst aufgesetzten Lebensbeschreibung nicht nur, daß er die unbedingte Vorherbestimmung der Menschen zur Gnade und zur Verdammniß, wie sie die calvinisch-reformirte Kirche lehrt, fest geglaubt, sondern auch, daß er bei diesem Glauben mit lästerlichen Gedanken und Verzweiflung oft furchtbar angefochten, und allein durch die Lesung einer Schrift Luthers aus dieser schrecklichen Anfechtung errettet worden sei. Er schreibt hierüber selbst also: „Ehe ich noch aus dieser Versuchung herauskam, verlangte ich sehr, die Erfahrungen eines und des andern gottseligen Scribenten, die vor etlichen hundert Jahren gelebt hatten, kennen zu lernen. Und nachdem solche Begierde sich oftmals bei mir geregt hatte, ließ mir Gott, in dessen Macht alle unsere Wege sind, zu einiger Zeit ein Buch Martini Lutheri, die Auslegung des Briefes an die Galater genannt, in die Hände kommen; solches war so alt, daß es fast stückweise von einander fiel, wenn ich's nur umschlagen wollte. Dieses Buch, so alt es war, gefiel mir sehr wohl. Denn sobald ich's nur ein wenig nachgeschlagen, so fand ich meinen Zustand in seiner Erfahrung so breit und weitläuftig abgehandelt, als ob sein Buch aus meinem Herzen geschrieben wäre. Dies kam mir fremd vor. Denn ich meinte, daß dieser Mann nichts wissen könnte von dem Zustande der gegenwärtigen Christen, sondern er müsse nothwendig schreiben und reden aus der Erfahrung der vorigen Zeiten. Ueberdem führte er in diesem Buche auf das herrlichste aus den Ursprung dieser Versuchungen zur Lästerung, Verzweiflung u. dergl. und zeigte, daß sowohl das Gesetz Mosis, als der Teufel, der Tod und die Hölle, ihre Hand merklich darinnen hätten: dies kam mir zwar zuerst etwas seltsam vor, doch da ich es genau erwog, fand ich, daß es ganz wahr sei. Mich deucht, ich müsse rund heraus sagen, daß ich dieses Buch Lutheri, Erklärung der Epistel an die Galater, über alle Bücher (ausgenommen die heil. Schrift) setzen müsse, die ich je gesehen, weil es so herrlich und bequem ist für ein verwundetes Gewissen.“ Hier habt ihr, liebe deutsche Landsleute, das Zeugniß eines Fremden davon, welche Schätze uns Gott mit den Schriften Lutheri anvertraut hat. Möchte aber nur nicht bei uns Deutschen jenes Sprüchwort eintreffen: „Ein Prophet gilt nirgends weniger, denn in seinem Vaterlande und in seinem Hause.“ Matth. 13, 57. Es ist freilich wahr, Luthers Schriften sind keine Speise für Leute, die entweder offenbar in der Welt Gütern, Freuden, oder Ehren ihre Seligkeit und Ruhe suchen, oder die sich schon an die niedliche Kost des süßlichen Gefühlschristenthums unserer Zeit gewöhnt haben; wen aber der Gesetzesdonner von Sinai zu Boden gestreckt und zu einem heilsamen Verzagen an sich selbst gebracht hat, wer daher hungert und dürstet nach göttlicher, unwandelbarer, untrüglicher Wahrheit und nach der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, der lese Luthers Schriften und sie werden ihm so süß schmecken, wie einst dem Bunian, als derselbe die Wunden seines geschlagenen Gewissens fühlte. Wahre und falsche Kirche. In welcher Kirche das Wort Gottes rein gepredigt und die Sacramente nach des HErrn Christi Einsetzung unverändert ausgespendet werden, da ist der rechte Glaube und Seligkeit, daher ist solches die rechte Kirche. Hingegen wo das Wort Gottes nicht, oder nicht lauter gepredigt wird, und die Sacramente unrecht ausgespendet werden, die ist die falsche, und sollte sie äußerliche Engels-Heiligkeit zeigen. P. J. Spener. Einfalt im Predigen. Man muß dem Volke kindlich und einfältig fürbilden, als man immer kann. Sonst folgt der Zweien eins, daß sie entweder nichts davon lernen, noch verstehen, oder, wo sie auch wollen klug sein und mit Vernunft in die hohen Gedanken gerathen, daß sie gar vom Glauben kommen. — Luther. Bezahlt: 1. und 2. Jahrgang Hr. P. Isensee. Für das Seminar zu Altenburg, Perry Co., Mo., erhalten von zwei Gemeinden Hrn. P. Schieferdeckers: $ 4,50. Herzlichen Dank! Gedruckt bei Weber und Olshausen.