# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 07 19_S212 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) — 27— Die arme, kleine, evangeliſch-lutheriſche Ge⸗ meinde in Neumelle, die mit allen Menſchen Frieden zu haben ſuchte, die nichts begehrte, als nur freie Ausübung ihrer Religion, hatte mit den größten Opfern einen Kirchenbau unter⸗ nommen; ſchon war das Gebäude beinahe vol-⸗ lendet, da wird daſſelbe in der Nacht vom 21. auf den 22. Januar dieſes Jahres in Brand geſteckt und völlig in Aſche gelegt. Soviel iſt bereits gewiß, dieſe Verbrennung der Kirche iſt das Werk von Brandſtiftern. Verruchie, meuch⸗ leriſche, im Finſtern ſchleichende Böſewichter ha— ben ihre frevble Hand an das Heiligthum des HErrn gelegt, und mit teufliſcher Bosheit das Eigenthum ihrer Mitbürger zerſtört. und in das Protokollbuch der Gemeinde einge⸗ tragen: „Beſchloſſen, daß wir Hrn. Pſt. Schmidt „durchaus nicht für untüchtig erklären, das „hl. Predigtamt ferner zu verwalten, obgleich „er in ſeiner Amtsführung unter uns, wenn „auch nicht böslich und vorſätzlich, manche „Verſehen und Verſtöße begangen hat, die er „nach geſchehener Vorhaltung auch aufrichtig „er- und bekannt bat. Mit dieſer Erklä— „rung jedoch verbinden wir die andere, daß „wir uns dadurch in unſerem Gewiſſen nicht „verbunden fühlen, ihn wieder zu unſerem; „Lehrer u. Seelſorger zu berufen, da es, un⸗ „ter obwaltenden Umſtänden, weislicher ſein „müſſe, dies nicht zu thun.“ 5. Daß übrigens die HH. PP. Grabau und Winkler in jenen lügneriſchen Mittbeilungen gerechte Obrigkeit wird nicht ruhen, als bis ſie aus dem böſen Schatz des unbekannt gebliebe⸗ die meuchleriſchen Braͤndſtifter entdeckt und mit des Pſt. S. durch ihre jetzige Geſinnungsrich-Bürger werden mitwirken, daß die Böſewichter terei mir andichten, als hätte ich Pſt. S. nur dem Arme der Gerechtigkeit überliefert werden. deshalb verdrängen wollen, um Herrn Paſtor Denn dieſer Kirchenfrevel iſt ein Verbrechen ge— Scͤhwan nach Cleveland zu bringen und den ö gen den ganzen Staat, gegen die ganze bürger— Kreis unſerer Sonode dadurch zu vergrößern — liche Geſellſchaft. Der Staat hat allen Bür— dieſe und ähnliche giftige und gehäſſige Einle- gern Gewiſſenofreiheit u. freie Religionsübung Aber Gott, der gerechte Richter, wird dieſe ſcheußliche That nicht ungeſtraft laſſen.“ Eine nen Berichterſtatters und aus Verſchweigungen der verdienten Strafe belegt hat. Alle redlichen gungen und Anſpielungen, ohne daß dieſe ge— rechten Richter, wie oben nachgewieſen, gründ— lich und unpartheiiſch den Thatbeſtand in Er— zugeſichert. Jene ſchändlichen Kirchenverbren— ner aber hatten offenbar die tyranniſche Abſicht, den dortigen Lutheranern dieſes theure Kleinod fabrung gebracht — Dieſe kann ich durch zu rauben. Darum wird gewiß die Obrigkeit Gottes Guade herzlich verachten und verlachen; durch thätiges Eingreifen beweiſen, daß dies denn es iſt dem wahren Herzenskündiger und ein freies Land iſt und bleiben ſoll, worin auch gerechten Richter im Himmel wohl bewußt, daß die Lutheraner, wie alle anderen Bürger, Reli— ich nach beſtem Wiſſen und Gewiſſen, ohne gionsfreibrit baben- und worin ſolche gräuliche menſchliche Gunſt u. Abgunſt, und unter herz— wertben hl. Geiſtes, gerecht zu urtheilen, dieſe ganze Sache gehandelt habe. — — — Schrecklieher Kirehenfrevel!?!! Berbrennung der evangeliſch-lutheriſchen Kirche in Neumelle, St. Charles Counth, Peiſſouri.1) Sihler. Ein unerhörtes Verbrechen iſt geſcheben, wo— bei einem das Blut in den Adern ſtarret; ein entſetzlicher Frevel, der alle mit Abſcheu und Entrüſtung erfüllen muß. Wer noch etwas Ge⸗ rechtigkeitsliebe, wer noch einen Funken menſch— lichen Gefühles beſitzt, der muß dieſe Ruchloſig— keit verabſcheuen, die nur bei den allerroheſten Heiden ihres Gleichen findet. Selbſt in der Türkei haben die Chriſten freie Religionsübung, ſelbſt die Türken reſpectiren das Eigenihum und die Gotteshäuſer der Chriſten. Aber was ſelbſt +) Die ſe Einſendung gehört zwar eigentlich nicht in die „Beilage,“ da letztere jedoch gerade noch den dazu nöthigen Raum: darbietet, ſo ſeben wir keine Urſache, warum wir dieſe Einſendung nicht mit dieſer Gelegenbeit unſeren Leſern vortegen ſollten. D. R. lichem Flehen zu Gott um die Erleuchtung des ö in der Türkei zu dem Unerbörten gehört, das iſt zu unſerer Zeit in dieſem Staate geſchehen!) Tyrannei nicht geduldet wird. Doch der liebe Leſer wird gewiß gerne etwas Näheres über die evangeliſch-lutheriſche Ge— meinde in Neumelle bören wollen. Schon ſeit längerer Zeit hatte dieſelbe viele Trübſale zu er— dulden. Es war nämlich in der dortigen Ge— meinde im vorigen Jahre eine Spaltung ent— ſtanden und nur der kleinere Theil blieb mit ſeinem Prediger, Herrn Claus, der evangeliſch— lutheriſchen Lehre treu. Der größere Theil wandte ſich an die ſogenannten Evangeliſchen und wurde von ihnen auch angenommen und mit einem Prediger verſorgt. Dem treugeblie— nenen Theile wurde einige Tage vor Pfingſten die Kirche von den Gegnern verſchloßen. Bon ö dem Gotteshauſe vertrieben, waren ſie nun ge— nöthigt, am Pfingſtfeſte ihren Gottesdienſt in ei⸗ nem Privathauſe zu feiern und ſo wurde aus dem ſchönen Freudenfeſte für die kleine Gemein— de ein Trauertag, den ſie ſtan mit Freudenge⸗ ſängen, mit Seufzern und Thränen begehen mußten. Sian nun vor Gericht zu klagen und ihr Recht zu ſuchen, beſchloß die kleine Gemeinde aus Liebe zum Frieden ſich eine eigene Kirche zu erbauen. Cbolera in Neumelle mit furchtbarer Heftigkeit auf und rafſte auch mehrere treue Glieder der evangeliſch-lutheriſchen Gemeinde dahin. Da⸗ durch ſchmolz das ohnehin ſchon kleine Häuflein ö noch mehr zuſammen. ö Allein dennoch verloren die Lutheraner den Da trat im vorigen Sommer die Muth nicht. Freudig legten ſie Hand an's Werk. Einige Acker Landes wurden gekauft, und alle beeiferten ſich, nach Vermögen, ja über Vermögen, die nöthigen Mittel zum neuen Kir— chenbau herbei zu ſchaffen. Arme, die noch das Geld zum erſten Kirchenbau ſchuldig waren und verzinſen mußten, ſelbſt Wittwen lieferten ihre Beiträge. Unter Gebet und Thränen wurde der Grund gelegt und ſo groß war der Eifer der lieben Brüder, daß ſie bei Nacht zu Hauſe ihre eigene Arbeit verrichteten, und des Tages an der Kirche bauten. Fröhlich gedieh der Bau und ſchon hofften ſie, am erſten Weihnachtstage, oder doch zu Neujahr in der neuen Kirche Gottes⸗ dienſt halten zu können: als ihnen dieſe Hoffunug durch eine verruchte Frevelthat zerſtöͤrt wurde. Es war in der heiligen Weinacht, in der Ge— burtsnacht unſers HErrn und Heilandes, wäb— rend die Chriſten in heiliger Andacht und Freu⸗ de die Gnade Gottes preiſen, als dieſes ſchänd⸗ liche Bubenſtück ausgeführt wurde. Gottloſe Böſewichter drangen in die Kirche, und zerſtör— ten alles, was ihnen vorkam. Die Fenſter wur⸗ den zerſchlagen und die Fenſterrahmen zerhackt, die ſchöne der Gemeinde geſchenkte Thür zerbau⸗ en, der neue Ofen zertrümmert, der Fußboden aufgeriſſen und alles durcheinander geworfen. Der liebe Leſer kann ſich den tiefen Schmerz der theuren Gemeinde denken, als ſie nun am erſten Weinachtstage zu der Kirche kam und den Greuel der Berwüſtung fah. So war abermals ein liebliches Freudenfeſt in einen Trauertag verwandelt, denn während ſonſt am erſten Weih⸗ nachtstage der Gemeinde die ſelige Freudensbol⸗ ſchaft des Engels entgegentönte: Siebe, ich ver— kündige euch große Freude, denn euch iſt heute der Heiland geboren, ſo ſchallte ihnen nun die Schreckensnachricht entgegen: Euch iſt beute die Kirche zerſtört. Und wie das liebe Jeſuskind keinen Raum in der Herberge fand, ſondern mit ſeiner Mutter Maria in den finſtern Stall ver⸗ ſtoßen wurde, ſo ſah ſich auch die liebe Gemein— de aus ihrem eigenen Gottesbauſe verſtoßen und mußte ſich nun wieder mit einer Privatwohn— ung kümmerlich behelfen, und auch Weinachten ihren Gottesdienſt ſtatt mit frohem Jubel mit Seufzen, Schluͤchzen und Weinen feiern. Doch die ſataniſche Bosbeir der Feinde war hiermit noch nicht befriedigt. Es ſollte noch är— ger kommen, und die theure Gemeinde den bit⸗ tern Leidenskelch noch weiter trinken. In der Nacht v. 21. bis 22. Januar wurde die Kirche von verruchten, gottoergeſſenen Böſewichtern in Brand geſteckt. Am Morgen gingen die Brü— der dahin, um neben der Kirche den Grund zu einem Pfarrhauſe zu legen: da, man denke ſich ihren Schrecken, fanden ſie die Kirche in Aſche liegen, und nur nach rauchende Trümmer ſtarr⸗ ten ihnen entge; Da lag nun vor ihren Augen das Werk zer⸗ ſtört, wozu ſie ihr letztes Scherflein hergegeben, woran ſie nun ſo lange die mühſamſte Arbeit ge⸗ wandt und wobei ſie ihren ſauern Schweiß ver⸗ goſſen hatten. Da lagen allein für 40 Dollars Bretter in Aſche, manche verleren faſt all ibr Handwerkszeug durchs Feuer. Sie brachen in * u.