# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 07 19_S211 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Sieh, lieber Leſer, das ſind die Unterſuchun⸗ gen und die Beweiſe der Hrn. Pſt. Winkler und Grabau. Hätten wir nun Unrecht, wenn wir ſag⸗ ten, wir wollen damit nicht zufrieden ſein? Wir wollen es aber einmal nicht ſo genan nehmen, wir wollen zufrieden ſein und zwaraus beſonde— rer Ver uuſiaun. ſehen. Man legt ja die Worte nicht auf die Gold⸗ wage, welche ein Kranker in der Fieberhitze ſpricht. Und dieſe armen Herrn ſind krank. Wie manche Leute Liebhabereien an Inſecten oder Blumen haben, welche zuweilen zur Leidenſchaft werden, wie vor Zeiten in Holland die Liebha— berei an Tulpen zu einer wahren Krankheit, ja zur Wuth geworden ſein ſoll, ſo haben die Herrn Buffaloer nun einmal eine Leidenſchaft für „Rot— ten,“ welche zu einer Krankheit geworden iſt. Eine Rotte aufzuſpüren, zu fangen, zu das geht ihnen über Alles. Die Rottenjagd iſt ihre Liebhaberei. „Eine Rotte, eine Rotte, ein Kö⸗ nigreich für eine Rottel mit dieſem Jagdruf fahren die edlen Jäger einher. Hat einer einen glück— lichen Fund gethan, ſo wird in das große Horn geſtoßen, die Waidgenoſſen verſammeln ſich um das Hochwild, die Meſſer werden gezogen und wer noch nicht alt genug iſt, den Hauptſtoß zu führen, begnügt ſich einſtweilen, in ein Bein zu ſtechen und verdient ſo die Ritterſporen. Nun hat zwar die wilde Jagd manch Rößlein zu Tode geritten, in den Forſten ziemliche Verheerung angerichtet, aber auch fata— ler Weiſe in Ermangelung von Vierundzwanzig Endern meiſt Böcke geſchoſſen —weshalb wir ergebenſt vorſchlagen möchten, noch mehr Spürer und Treiber anzuſtellen, und etwa einen Preis auf eine Rotte zu ſetzen, aber mit der ausdrück⸗ lichen Bedingung, daß es auch eine rechte, echte Rotte ſei, (denn es iſt doch immerhin fatal mit den Böcken) —aber die Luſt iſt den lieben Jägern noch nicht verleidet, vielmehr erſt recht zur Krank⸗ heit geworden. Sie riechen, ſehen und hören nichts als Rotten, ſie reden im Schlaf von Rot⸗ ten, ſie haben eine eigne Sprache, in welcher je⸗ des Wort mit Rotten zuſammengeſett iſt und die ſie in der Reihe und aus der Reihe herſagen können. An dieſer Krankheit liegt Hr. Pſt. Grabau und ſeit einiger Zeit auch Pſt. Winkler beſon— ders ſchwer darnieder. Was ihm nur vor Au-— gen kommt ſind Rotten, er riecht ſie über den Lake Erie hinüber, ja bis nach Miſſouri hin. Wenn ihm ein alter Kochofen ſpringt, ſo ſieht er eine Höllenmaſchine darin, welche von den „Rotten“ geladen iſt, ihn und ſein Haus und ſeine Kirche in die Luft zu ſprengen. Wenn ihn auf der Straße ein Möpschen anbellt, ſo muß es ein Rottenhund ſein, den die Miſſourier rahin geſtellt haben. Was ſoll man alſo mit ſolchen Leuten viel hadern? Es hat ihnen viel— leicht jemand eine Freude machen und eine neue. Rotte für's'Informatorium liefern wollen und ſich in der Eile an Cleveland vergriffen; es hat ſie vieleicht ein Schalk zum beſten gehabt. — Man muß Geduld haben! Alſo, auf Wiederſehen, liebe Junker! Ver⸗ geſſen Sie aber nicht, wenn Sie wiederkommen, Man muß ſeine Leute an⸗ zerlegen — ſeit Jahr und Tag — 26— Ihre Berichterſtatter mitzubringen, wir ſind be— gierig, auch deren Bekanntſchaft zu machen. Doch nun Scherzes ein Ende! Man kann freilich mit dieſen Herren ja kaum anders reden. Aber es thut uns in der Seele weh, daß es ſo iſt, und wir wünſchen ihnen von Herzen rechtfß' baldige Geneſung. Glauben ſie es nicht, ſo bitten wir den chriſtlichen Leſer, es uns zu glau ben. Wir haben kein Gefallen an dieſem trau⸗— rigen Streit. Wir ſehnen uns von Herzen nach Frieden mit ſo nahen Verwandten, zumal in dieſen betrübten Zeiten, wo Alles mehr u. mehr auseinander geht. Wir behaupten nicht, daß unſere Gegner aus lauter verſtockter Bosbeit ſo gegen uns kämpfen. Wir wollen uns ſelbſt nicht ganz weiß brennen, obgleich wir uns ja keiner abſichtlichen Ungerechtigkeit gegen ſie be— wüßt f ſind. Wir wiſſen, daß wir, wie ſie, arme, gebrechliche, ſündige Creaturen ſind. Aber durch unſer Schweigen Anlaß geben, daß ſie nur immer weiter auf dem betretenen Wege gehen und gar noch Andere mit ſich zie hen — das dürfen wir nicht. Aber unſerm HErrn Chriſto die Schmach an⸗ thun, daß wir uns vor Menſchen fürchten, ſo ** lange Er mit uns iſt — das wollen wir nicht. C. Schwan, Paſtor. Cledeland im Tad 185². Nach trag. Zur Vervollſtändigung obiger Geſchichts-Er— zählung und zur Rechtfertigung meines Ver— fahrens wider die groben Verleumdungen und Unwahrheiten der Herrn Pſt. Grabau und Winkler in dem ſogenannten Kirchlichen In— formatorium habe ich noch folgendes kürzlich zu bemerken: I1. Fern davon, Hrn. Pſt. Schmidt, wie in Nro. 3. des Informatorium's gröblich gelogen iſt, zum Reſigniren zu bewegen, war ſeine Re— ſignation vor ſeinem und der Andern Erſuchen an mich, nach Cleveland zu kommen, bereits er— folgt, auch, aſben vor meiner Ankunft, wiewohl vergeblich, Hr. Pſt. Röbbelen berufen worden. Vielmehr ſtrafte ich Pſt. S. unter vier Augen um dieſer ſeiner Reſignation willen, da ſie ja auch grade den gewünſchten Zweck nicht erlan— gen konnte, ſondern ihm eher den böſen Schein anheften mußte, als ſei er doch ſchuldig, inren es zudem unmöglich war, durch ſeine Amtsent ſagung die Verbreitung jenes böſen, obwohl un— gegründeten Gerüchts, aufzuhalten. Vielmebr, ſagte ich ihm, hätte er, den böſen Mäulern ge⸗ genüber, auf ſtrenge Unterſuchung dringen ſol⸗ len. 2. Obzwar allerdings die Fehler des Hru. Pſt. S. in ſeiner Amtsführung nicht derartig waren, daß die Gemeinde ihn nach fruchtloſer Anwendung von Matth. 18, 15—17. gerechter Weiſe hätte abſetzen müſſen, wenn er nicht ſel— ber abgedankt hätte, ſo kamen doch auch nicht unerhebliche Klagepunkte vor, die ſich in der Unterſuchung, bei welcher Pſt. S. natürlich zu— gegen war, als begründet auswieſen. So z. B. batte er die Beichtanmeldung ohne gründliche Belehrung und innerliche Ueberzeugung der Ge⸗• meinde aus ſeinem Amtsanſehen eingeführt un mns doch bei geringem Widerſtande weniger Einze ner ſogleich wieder fallen laſſen; und ont war es mit dieſen und jenen kirchlichen Cere⸗ monien gegangen, die er in guigemeinten Ein⸗ ⸗fällen, ohne voraufgegangenen Unterricht und Bewilligung der Gemeinde, willkührlich ein— führte und alsbald wieder abthat, wenn ſie die— ſen und jenen nicht gefielen. Und da ſich zu dieſer Haltungsloſigkeit und Unklarheit noch an— dere Uebelſtände geſellten, als z. B. unweiſe Vertraulichkeit und Schwatzhaftigkeit im ſeltſa— men Wechſel mit feierlichen Amtsmienen RL. pathetiſcher Rede, Bevorzugung Einzelner, un— vorſichtiges Urtheilen über abweſende Gemein⸗ deglieder gegen Anweſende, ſo fehlte der Ge⸗ meinde mehr oder minder die rechte Achtung,vor ö derſchriſtlichen Weisheit und Charakte rrüchrg⸗ keit ihres Seelſorgers, obwohl dieſe und jene eine gemüthliche Anhänglichkeit an ihn zeigten. indeß deren Gegner dieſe Uebelſtände wiederum gehäſſg und ungerecht beurtheilten. Dazu ka⸗ men aber noch Beſchuldigungen von läſuger Amtsführung in Hinſicht auf Krankenbeſuche und Beerdigungen, zumal in der Cbolerazeit, gus Furcht vor Anſteckung — Beſchuldigungen, von denen Pſt. S. konnte. 3. D ſöhnung, ſeine Wiedererwählung noch thunlich geweſen, wenn nicht — und zwar, ſo viel ich weiß, nicht ohne ſein Wiſſen und ungebinden, ſich nicht völlig reinigen von ibm — ſeine Anhänger ungerechte und ge A waltſame Schritte dafür gethan hätten, alſo da es zu einem förml ichen Tumulte und zu ärzeh 2 lichen Auftritten in der Kirche ſelber kam, die Gemeinde in 2 Partheien für oder wider Pſt. S. zerriſſen war und ich eine große Erbitkeän 21 der Gemüther vorfand. „Zuden batte mir Hr. Pſt. S. nicht unt“s hin und her in den Tagen meines Aufenthaltes zu Cleveland in vertraulicher Weiſe geſagt, daß ihm dieſe und jene Leute in der Gemeinde über den Kopf gewachſen ſeien und er ſie nicht zu regieren verſtehe, ſondern unmittelbar vor der vierten und letzten Gemeindeverſammlung, der er nicht beiwohnte und darin es ſich ſchließlich darum handeln ſollte, ob er wieder oder nicht, ſagte er mir ausdrücklich, ich mö— ge der Gemeinde erklären, daß er den Beruf, wenn er auf ihn falle, nicht annehmen werde. Doch gab ich, um nicht neuer Unluſt wider ihn Stoff zu liefern, dieſe ſeine Erklärung gar nicht ab, da die Verſtändigen und Urtheilsfähigen ſelbſt unter ſeinen Freunden, nach ſergrältiger Erwägung der Sachlage, klar genug erkannten, daß die Wiedererwählung des Pſt. S. unfehl⸗ bar in Kurzem zu einer Spaltung der Gemeinde führen müſſe, die jedoch, ſammt allem Herzeleid, das ſie bei ſich habe, im vorliegenden Falle, da der Glaube und das Gewiſſen nicht beſchädigt werde, ſorgfältig zu verhüten ſei. — Gleichwohl wurde, als Ehrenerklärung fü: Paſt. S. folgender Gemelndebeſchluß abgefaßt och wäre trotzdem, nach geſchehener Ver⸗“ zu erwählen