# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 02 07_S47 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 47 Aufwand machten, und dadurch immer mehr in Schulden geriethen, so nahmen ihnen ihre Gläubiger endlich alle ihre Besitzungen, später erlosch auch ihr ganzer Stamm und ihre große prächtige Ritterburg wurde eine öde Ruine. Nur in einer einzigen Sache, welche verhandelt wurde, nämlich in Betreff des Berufungsrechtes zu Kirchen- und Schulämtern bei der Kirche zu St. Andreä in Eisleben, kam es durch Luther's und Jonas' Bemühungen zu einem Vergleich mit den Grafen zu Mansfeld, welche noch lange als Richtschnur beibehalten worden ist. (L. W. XXI, 261 ff.) Luther überlas auch damals die von dem Superintendent Dr. C. Guttel verfaßte Mansfeldische Kirchenordnung und billigte sie. Nicht ganz zwei Tage vor seinem Ende verfaßte Luther noch eine Ordnung für die Kirchen, Schulen und Hospitale in Eisleben, wodurch er den Kirchen- und Schuldienern einen anständigen Unterhalt bewirkte. Diese, ohne Zweifel letzte Schrift Luthers ist noch nicht im Druck erschienen. So unermüdet war Luther bis zu dem Ende seiner Wallfahrt für das Wohl von Kirchen und Schulen besorgt! Er ordinirte auch während seiner Anwesenheit in Eisleben nach apostolischem Gebrauch zwei Prediger zum heil. Predigtamt; er that dies am Sonntage Septuagesimä den 14. Febr. und zwar nach der öffentlichen Communion, an welcher er selbst Theil genommen hatte. (Fortsetzung folgt.) Luther und Calvin in Betreff ihrer Lehre vom heil. Abendmahl. Zugleich als Fortsetzung der „Antwort auf die neueste Vertheidigung der Union.“*) (Fortsetzung.) II. Hat Luther die besondere Lehre Calvins noch vor seinem Tode gebilligt? Sind Falschgläubige von einem treuen und in der Christenheit angesehenen Knechte Gottes bei seinen Lebzeiten wegen ihrer Verfälschungen der reinen Lehre gestraft worden, so sind sie schon sehr oft, wenn der Tod einem solchen Wahrheitszeugen den Mund für immer geschlossen hatte, mit der Eröffnung hervorgetreten, entweder daß derselbe im Angesichte des Todes seine im Leben ausgesprochenen harten Urtheile über sie widerrufen habe, oder daß man sonst durch schriftliche Nachlässe oder durch anderweitige, gewissen Personen im Vertrauen gethane und nun veröffentlichte Erklärungen Aufschlüsse erhalten habe, aus welchen man ersehe, daß das, was der treue Knecht Gottes gegen sie geschrieben habe, keineswegs so ernstlich gemeint gewesen sei. Dieser Kriegslist haben sich die Reformirten, Evangelischen und andere in Betreff Luthers nicht selten bedient. *) Mögen es sich die Leser nicht verdrießen lassen, daß wir immer wieder auf das Büchlein Hrn. Nollau's zurückkommen. Dasselbe verdient darum eine besondere Berücksichtigung, weil es eine ziemlich vollständige Uebersicht der Irrthümer und Vorurtheile enthält, womit sich in unserer Zeit die sogenannten „Gläubigen“ in Bezug auf Luther und die lutherische Kirche gewöhnlich tragen und trösten. Daß ihm dergleichen widerfahren werde, hat Luther selbst gefürchtet, wie wir dies aus der Erklärung ersehen, die wir in voriger Nummer mitgetheilt haben, Seite 1, Spalte 3. In einem Berichte von den Todesnöthen, in welche Luther einst im Jahre 1527 gerieth, schreibt auch Bugenhagen, Luther habe im Angesicht des Todes selbst gesagt: „Weil die Welt Freud und Lust zu Lügen hat, werden viel (nach meinem Tode) sagen: Ich habe meine Lehre vor meinem Ende widerrufen; begehre derhalben ernstlich, daß ihr wollet Zeugen sein meines Glaubensbekenntnisses.“ Bugenhagen berichtet aber auch ferner, Luther habe hinzugesetzt: „Viel geben mir Schuld, ich bin zu hart und heftig, wenn ich wider die Papisten, Rottengeister ꝛc. schreibe, und ihre falsche Lehre, gottloses Wesen und Heuchelei strafe. Ja, ich bin zu Zeiten heftig gewesen, und habe meine Widersacher hart angetastet, doch also daß michs nie gereuet hat.“ Justus Jonas, der damals ebenfalls Augen- und Ohrenzeuge war, bemerkt noch, daß Luther damals auch seufzend ausgerufen habe: „O wie werden die Schwärmer, die Sacramentsschänder, Wiedertäufer und andere Rotten ein greulich Wesen anrichten nach meinem Tode, doch tröste ich mich deß, daß Christus stärker ist denn Satan und alle seine Schuppen; ja er ist der HErr.“ Hieraus ersieht der liebe Leser, daß Luther in Todesnoth nicht nur sein heftiges Schreiben wider die falschen Lehrer nicht bereut habe, sondern daß er da auch gerade darüber bekümmert gewesen sei, daß er den begonnenen Kampf wider dieselben nicht fortsetzen und durch Gottes Gnade zu einem guten Ende bringen könne. Luther hatte bei seinem Kampfe ein gutes Gewissen, er wußte, daß er für die Wahrheit streite und daß er dabei nicht von seinem eignen, sondern von Gottes Geist getrieben werde. Sein lauterer Eifer hielt daher das Prüfungsfeuer der Anfechtungen in Todesnoth aus. Jetzt gibt es wohl manche, die sich lutherisch nennen, und die wider die Schwärmer, Methodisten u. a. schreiben und reden, obgleich sie selbst unbekehrt sind, keinen wahren Glauben haben, keine göttliche Ueberzeugung von der Wahrheit in ihrem Herzen tragen und daher bei ihren Angriffen nicht allein Gottes Ehre und das Heil des Nächsten suchen. Es treibt sie in ihrem Kampfe gegen die Schwärmer ein falscher Geist, sie haben dabei ein böses, gebrandmaltes Gewissen, sie verwerfen nehmlich darum die Methodisten und andere eifrige Secten, weil sie selbst in der Trägheit ihres Fleisches bleiben und sich nicht bekehren wollen; sie verwerfen den schwärmerischen Eifer, weil sie auch den wahren Eifer und Ernst im Christenthume hassen. Solche Kämpfer fallen am ersten zu den Schwärmern, wenn einmal ihr Gewissen erwacht; sie haben sich, da sie Lutheraner hießen, nie der Zucht des heil. Geistes überlassen und haben doch für das Wort des Geistes streiten wollen (Ps. 50, 16—22.); deckt ihnen nun Gott einmal ihre Heuchelei und ihr unbekehrtes Wesen auf, so denken sie nicht, daß es an ihnen gelegen habe, sondern sie schieben die Schuld auf die lutherische Lehre und Kirche, bei welcher sie ohne Erweckung geblieben seien; daher fallen sie, die vorher am eifrigsten gegen die Secten stritten, am leichtesten zu ihnen. Wenn wir von solchen hören, daß sie noch in der Todesstunde, von Gewissensangst gefoltert, alles widerrufen, was sie gegen Methodisten u. a. geredet und geschrieben haben, so nimmt uns das nicht Wunder. Sie sind Warnungs-Exempel, die einen jeden ermahnen, wenn er gegen Irrthum und Lüge auftreten wolle, selbst erst sein unbekehrtes und lügenhaftes Herz durch die Gnade bekehren und verändern zu lassen; denn wenn ein Blinder den andern leiten will, so fallen sie endlich beide in die Grube. Matth. 15, 14. Ein solcher blinder Blindenleiter war Luther nicht. Er konnte mit St. Paulo sagen: „Wir meiden auch heimliche Schande, und gehen nicht mit Schalkheit um, fälschen auch nicht Gottes Wort; sondern offenbaren die Wahrheit und beweisen uns wohl gegen aller Menschen Gewissen vor Gott.“ 2 Cor. 4, 2. Er war daher auch in seinem Tode freudig bereit, mit dem, was er im Leben bekannt hatte, vor Christi Richterstuhl zu erscheinen. Was jedoch Luther geahnt hatte, das geschah wie gesagt. Neunzehn Jahre nach seinem und fünf Jahre nach Melanchthons Tode, nehmlich im Jahre 1565, veröffentlichten mehrere Heidelbergische reformirte Theologen, worunter auch die Verfasser des heidelbergischen Katechismus waren, folgende Geschichte: „Da Dr. Luther zum letztenmal nach Eisleben hat reisen wollen, ist Ph. Melanchthon Tags vorher zu dem Herrn Doctor in's Kloster gekommen und weil er nach allerlei Unterredung vermerkt, daß Lutherus guten Muths und lustig gewesen, hat er mit ihm angefangen, von dem Handel des Abendmahls zu reden, dergestalt, daß er etliche Sprüche der alten Lehrer erzählt und unter andern zu ihm gesagt hat: Lieber Herr Doctor! ich habe nun etliche Jahre her die Schriften der alten christlichen Lehrer dieses Handels halber fleißig ersucht, und wahrlich, es stimmt der Zürichschen Lehre vom Abendmahl besser mit derselben überein, denn der unsern. Worauf der Luther eine kleine Weile geschwiegen, nachmals aber diese Worte gesprochen: Lieber Philippe! was wollen wir viel sagen? ich bekenne es, daß der Sache vom Sacrament zu viel gethan ist. Als ihm aber Philippus geantwortet: Lieber Herr Doctor! damit denn der Kirche geholfen und die Wahrheit an den Tag gebracht werde, so laßt uns doch etwa ein gelindes Schreiben in den Druck geben, darinnen wir unsere Meinung klärlich darthun; hat Dr. Luther weiter gesprochen: Lieber Philippe! ich habe auch sehr ernstlich daran gedacht. Aber also machte ich die ganze Lehre verdächtig. So will ich das dem lieben Gott befohlen haben; thut ihr auch etwas nach meinem Tode.“ Diese Geschichte wird von den lutherischen Theologen gewöhnlich die „heidelberger Landlüge“ genannt, da sie durch Hörensagen entstanden und in Melanchthons Schriften auch nicht die geringste Spur davon zu finden ist; da aber Melanchthon nach Luthers Tode sehr oft der Verfälschung der Lehre Luthers ange⸗