# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 07 19_S209 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) — Als ich das erfuhr, ſchrieb ich einen Brief an ihn, worin ich ihm ſein Unrecht vorſtellte, ihn ernſtlich ermahnte, von ſeinem Vorhaben abzu⸗ ſtehen, und mich zu jeder näheren Erörterung, ſei es privatim oder öffentlich, bereit erklärte. Es wurden darauf noch zwei Kirchvorſteher und zwar ſolche, die ſtets ſein beſonderes Vertrauen genoſſen hatten, zu gleichem Zwecke zu ihm ge— ſandt. Vergeblich. Er war bitter und höhniſch, ſchrieb dieſe Schritte der großen Furcht zu, die wir vor ihm hätten, ließ ſich ſpöttiſch über mei⸗ nen Brief aus und rühmte ſich, was er mir al— les antworten wolle. Am 11. p. Trin. predig⸗ te er zuerſt im Courthauſe, die Antwort aber iſt er bis heute noch ſchuldig geblieben. Dabei gab er je nach Umſtänden und Perſonen verſchieden— artige Gründe an, weshalb er ſeine Gemeinde verlaſſen habe. Bald hieß es, er habe zu wenig Gehalt bekommen, und es ſei einem Manne, wie ihm, nicht zuzumuthen, daß er unter Bauern im Buſch lebe. Bald deutete er auch einmal an, es gäbe hier keine richtige lutheriſche Kirche, oder die Gemeinde hier ſei eigentlich noch die ſeinige. Bald gab er zu, die hieſige Zions-Kirche ſei rechtgläubig, wer es ihm aber wehren wolle, eine zweite zu gründen, zumal da die unſrige ja ſchon zu voll ſei? Die engliſchen Prediger machten es ja auch ſo. Man berief ſich auch darauf, Paſtor Grabau und Winkler hätten es ihm geheißen. Daneben wurden manche Mittel angewen⸗ det, unſere Kirchglieder abwendig zu machen und ihm ſonſt Anhang zu verſchaffen. Es erſchien eine Anzeige in der Zeitung; er ſelbſt lud mehre der Unſrigen ein, ſelbſt unter dem Vorgeben, der und der (3. B. ſelbſt Vorſteher der Gemeinde, von denen keinem ſo etwas in den Sinn gekommen war) würde auch zu ihm über— treten, es würde überhaupt gewiß die Hälfte der Gemeinde ihm zufallen. Man verbreitete das Gerücht, daß bei den Amerikanern ſchon ſehr be⸗ deutende Summen zum Kirchbau collectirt ſeien —und dergleichen mehr. Deshalb wird es uns ſchwer zu glauben, daß Hr. Pſt. S. gewiſſens⸗ halber ſeine Buſchgemeinde verlaſſen und ſich wieder nach Cleveland gewendet hat. Sonſt wäre er ja wohl nicht ſo heimlich und unredlich zu Werke gegangen, ſondern wäre offen aufge⸗ treten und hätte zuvor die Cleveland Gemeinde ermahnt, von dem vermeinten Unrecht gegen ihn, oder eLwa falſcher Lehre abzuſtehen, oder hätte doch wenigſtens die angebotene Unterredung nicht ausgeſchlagen. Heutzutage hat nun H. P. S. wohl hinreichend Zeit gehabt, einzuſehen, daß er ſich in ſeinen großen Erwartungen doch einigermaßen getäuſcht hat. Trotzdem nämlich, daß es am guten Wil⸗ len, auch an Verſuchen nicht gefehlt hat, unſere Gemeinde zu zerſtören; trotzdem, daß Hr. Pſt. Grabau ſelbſt ſeitdem zweimal hier geweſen iſt, iſt uns bis jetzt kein einziges Gemeinde⸗ Glied abfällig geworden, und Hrn. P. S's. Zu⸗ hörer anfangs circa ſechzehn, ſind nach und nach ſo zuſammengeſchmolzen, daß, wie wir aus beſter Quelle erfahren, er ſchon einige Sonntage nicht mehr gepredigt hat. Die Euklider Gemeinde endlich, nach vielen vergeblichen mündlichen und — 24— ſchriftlichen Ermahnungen, hat ihm vor kurzem angezeigt, daß ſie ſich nun einen anderen Predi⸗ ger berufen werde. Dies iſt, mit Uebergehung mancher einzelnen Vorfälle, welche auf Verlangen können nachge— holet werden, der Verlauf dieſes betrübten Han— dels bis auf den heutigen Tag. Nun wollen wir hören, was das Informato⸗ rium über dieſe Sache zu ſagen hat. In Nr. 11, 1. Jahrg. heißt es: „Bei dieſer Reiſe ſoll er (Hr. Pſt. Krauſe) in Cleveland einen Rottenprediger eingeſetzt haben; denn—wie ich (Hr. Pſt. Winkler) von Jemand, der es ſelbſt erlebt hat, berichtet bin —hat dort die Miſſouri Synode daſſelbe Spiel getrieben, wie in Detroit, hat den rechtmäßigen Paſtor aus der von ihm mit ſchwerer Mühe erbauten Kirche verdrängt und einen ihrer Herren hineinge— bracht.“ Da Hr. Pſt. S., wie berichtet, erklärt hatte, keinen Theil an dieſen Worten zu haben, ſo for⸗ derten wir in Nr. 20 des „Lutheraners“ Hrn. Pſt. Winkler auf, unter Angabe ſeines Bericht— erſtatters das Geſagte entweder zu beweiſen, „der aber zurückzunehmen. Ich denke, das war kein unbilliges Begehren. Denn wenn man auch ſchon weiß, daß an geſponnenem Garn und den Rotten⸗Nachrichten des Informatoriums meiſt ein gut Theil abgeht, ſo iſt es doch immer— bin keine Kleinigkeit, wenn man auf dieſe Weiſe in die Welt hinausgeſchrieben wird.—Allein was thut nun Hr. Pſt. W., der Mann, welcher immer ſchreit und ſchreibt: „Beweiſe, Beweiſe!“ und das mit großen Buchſtaben, doppelt unter⸗ ſtrichen, was thut er? — ich wollte es ihm wahrlich nicht nachſagen, wenn es nicht ſchwarz auf weiß vor mir läge, er ſchrie ſonſt den Him— mel ein, —er antwortet in Nr. 4: „Hierauf diene zur Antwort, daß Unterzeich— neter in der Sache weiter nachgefragt hat, und andere ehrliche Leute, welche Alles mit erlebt ha— ben, die Angabe des erſten Berichterſtatters für völlig wahr beſtätigen.“ Und in einer andern Nummer bemerkt er gelegentlich, er habe jüngſt wieder einen ſolchen ehrlichen Mann ge— ſprochen. Das iſt ungefähr ſo, als wenn Hans zui Kunz ſagte: „Du Böſewicht, du Galgenſtrick! Du haſt ja geſtohlen!“ Und Kunz darauf antwortet: „Nun, nun—womit beweiſeſt du denn das?“ — und Hans ſpräche dann: „Ich? beweiſen?—o, guter Freund! gib dich nur zufrieden. Der ehr— liche Gevatter Neidhardt hat mir's berichtet, die ehrliche Baſe Schnickſchnack hat's beſtätigt, und der ehrliche Herr Niemand hat's auch geſagt. Alſo glaub' es nur getroſt, du biſt und bleibſt ein Galgenſtrick!“ Iſt das nun die Sorte von Beweiſen, wo⸗ rauf Hr. Pſt. W. immer ſo pocht, ſo läßt ſich freilich damit ziemlich was beweiſen, wenn die Tage lang und die Ohren der Zuhörer nicht zu kurz ſind; aber würde er wohl zufrieden ſein, wenn man ihn mit gleicher Münze bezahlte? Hr. Pſt. W. iſt ja freilich, wie man im Infor⸗ matorium ſieht, ein wahres Lamm; aber es wird ja wohl nicht unbeſcheiden ſein, zu vermuthen, daß ſelbſt Winkler'ſche Sanftmuth ſolche Bewei⸗ ſe nicht völlig genügend finden dürfte. Wahr⸗ ſcheinlich würde er ſo etwas —„Winkel-züge“ nennen, wenn er nicht einen gewiſſen natürli⸗ chen Widerwillen gegen dies Wort hätte. Es würde nun curios herauskommen, wenn Kunz dem Hans erſt lang uns breit beweiſen wollle, daß er wirklich und wahrhaftig nicht geſtohlen habe; er würde eher was anders thun! So mag der Leſer ſich ſelbſt ſeine weiteren Gedanken von dem Hans machen. Wir wenden uns zu Hrn. Pſt. Grabau. Die Herrn Informatoren nämlich wiſſen ſich trefflich in die Hand zu arbeiten. Der eine macht das Eiſen heiß, der andere ſchlägt drauf. So gibt's Schlag um Schlag auf den alten Ambos; treffen ſie auch den Nagel nicht auf den Kopfſie hämmern doch. In Nr. 3 ſchreibt Hr. Pſt. G.: „In Cleve⸗ land, ſo viel uns durch Hrn. Pſt. Schmidt da⸗ ſelbſt bekannt geworden, waren es Aufrührer und feindſelige Leute, die ihn vertrieben, auf deren Seite ſich Hr. Sihler ſtellie, den P. S., da er krank lag, zum Reſigniren überredete, und den jetzigen Hrn. Schwan eindrängte. Somit iſt denn der Schwan theils ein eingedrängter Pre⸗ diger, theils ein wirklicher Rottenprediger, alo der den Feinden ihres rechtmäßigen, vertriebenen Seelſorgers das Abendmahl reicht. Dieſet Schwan wird nun der Amtsnachfolger des Hrn. P. Schmidt geheißen. Alſo wieder ein miſſouri⸗ ſches Stückchen! Krauſe ſoll den Rottenprieſter zu Cleveland inſtallirt und dabci den P. Schmidt gelobt haben.“ * Das iſt nun ein rechtes Pracht- und Cabine⸗ ſtück aus der Buffaloer Schmiede, von ächtem Schrot und Korn und mit dem Stempel des Altmeiſters. So viel Worte, ſo viel Unwahr⸗ heiten. Und ſie ſind nicht klein, ſondern wie ihr Vater, der Grobſchmied, —groß, grob, plump, dickbäuchig —haben aber kurze, dünne Beinchen. Da ſie nun damit nicht lange laufen konnten,. und alſo ſchon in Nr. 4 zurückgenommen werden mußten, ſo können wir uns wieder die Mühe ſparen, ſie in aller Form heimzugeigen. Es heißt nämlich in Nr. 4 unter dem Titel: Berich⸗ tigung einiger Irrungen im Informatorium: „Hr. Pſt. Schmidt in Cleveland iſt ſo gütiz, uns zu melden,, daß er reſignirte, als zwei (ihm feindliche) Vorſteher zu ihm kamen und ſolches verlangten zu einer Zeit, wo er krank war (je⸗ doch nicht krank lag). Ferner, daß Hr. Dr. Sihler es für weislich hielt, einen andern Prediger nach Cleveland kommen zu laſſen, da er befürchtete, der Streit könne bald wieder los⸗ gehn! Er fragte den Hrn. P. S. nicht, ob er da⸗ mit zufrieden ſeil Hätte Hr. Dr. Sihler den Hrn. P. Schmidt zur Fortſetzung ſeines Amts aufge⸗ fordert und ihm (unter der Verfolgung der Wi⸗ derſacher) Muth zugeſprochen, ſo würde er das Amt fortgeſetzt haben. Viele ſeiner aufrichtigen Kirchglieder waren damit nicht zufrieden, daß er ſo vom Amt kam, gingen zu ihm und erſuchten ihn, Gottesdienſt ferner für ſie zu halten; er er⸗ wiederte ihnen damals (in Muthloſigkeit) daß er das Amt nicht fortſetzen könne, d. h. wegen Feindſchaft der Rottirer gegen Gottes Wort. Vendicaf (onſekuns folgt.)