# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 07 19_S208 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Pſt. Schmidt's mit ſeinem Temperament ent⸗ ſchuldigt wurden, da ferner Hr. Pſt. Schmidt bei meinem erſten Beſuche wohl über früher erlitte— ne Kränkungen von Seiten Einzelner klagte, aber kein Wörtlein verlauten ließ, als ſei ihm bei der Unterſuchung Unrecht geſchehen, mir ſo⸗ gar geſtand, er habe zwar in der langen Zwi— ſchenzeit mitunter den Gedanken gehabt, ob er wieder predigen ſolle, er ſei nun aber froh, daß ich endlich da ſei; da ich endlich fand, daß über die Gerechtigkeit und Weisheit des Verfahrens nur Eine Stimme war, ſo konnte in mir tein Zweifel an der Rechtmäßigkejt meines Berufes aufſteigen und trat ich in Gottes Namen das Amt an, in welches ich durch Hrn. Pſt. Stein— bach öffeutlich eingeführt wurde. ‚ Um die Zeit hatte Hr. Pſt. Schmidt den Plan, hier eine engliſch-lutheriſche Gemeinde zu bil— den. Als es damit, ſowie mit der Profeſſur zu Ende war, erzählte er einigen hieſigen Genteinde⸗ Gliedern, er ſei, u. zwar beſonders durch rinen herz lichen u. eindringlichen Brief Hrn. Dr. Sihlers, über ſeine bisherige Stellung bedenklich gewor⸗ den und ſehne ſich darnach, wieder ein Predigt⸗ amt zu übernehmen. Er habe auch ſeine Be— reitwilligkeit dazn bereits nach St. Louis gemel⸗ det, es ſei deshalb möglich, daß er von dort aus bald einen Raf bekomme. Allein er bleibe lie— ber hier, oder in der Nähe. Wer ihn alſo nun haben wolle, müſſe ſich beeilen. Aehnlich und noch deutticher ließ er ſich gegen einige Gemein— glieder heraus, welche etwa 10 Meilen von hier in East Cleveland und Euklid wohnen. Er bot ſich ihnen mehrmals förmlich zum Prediger an, verſicherte, er werde mit allem zufrieden ſein, er habe noch ſonſt Subſiſtenzmittel, und ſuchte ſie zu bereden, mir nichts davon zu ſagen, ſondern ihn nur ohne weiteres zu berufen. Die Leute, dit ſchon länger einen eigenen Prediger ge— wünſcht hatten, waren nicht abgeneigt, wollten es aber nicht hinter meinem Rücken thun. Sie kamen alſo und ſtellten mir die Sache vor, mein— ten aber damals, mir die Art und Weiſe ver⸗ ſchweigen zu dürfen, in welcher Pſt. Schmidt ſich ihnen angeboten. Sie verſicherten dabei, ſie wollten in Einigkeit mit der Cleveland Gemein— de bleiben, ſich mit uns der Synode anſchließen und deshalb auch Pſt. Schmidt nur unter der ausdrücklichen Bedingung berufen, daß er bald thunlichſt um Aufuahme nachſuche. Ich ſah in dieſem Begehren nichts Bedenkliches, die Ge— meinde entließ dieſe Glieder aus ihrem Verban— de, ich wurde erſucht, die Vocation aufzuſetzen, worin ich auf ausdrückliches Verlangen die obi— ge Bedingung aufnahm. Hr. Pſt. Schmidt nahm ſie an, lehnte dagegen Hrn. Dr. Sihlers Einladung nach St. Louis ab, und hielt am er— ſten Advent, 1851, ſeine Antrittspredigt. Er machte alſo auch damals die Anſicht noch nicht geltend, als ſei er von Rechtswegen noch Paſtor der Clevelander Gemeinde, ſonſt hätte er ja ei⸗ ne neue Vocation durch einen Theil derſelben zu rückweiſen müſſen. Nun predigte er zwar meiſt Sonntags draußen, verſchob aber aus al⸗ lerlei Gründen ſeinen Umzug: Es hieß um die Zeit ſchon, er gehe damit um, ſich hier eine Ge⸗ — 23— meinde zu ſammeln; da aber Hr. Profeſſor Wal⸗ ther bei Gelegenheit ſeiner Durchreiſe ihn ernſt— lich davor gewarnt hatte, ließen wir es gut ſein. Gegen Ende März, als in No. 11 des Jufor-⸗ matoriums (erſien Jahrgang) der erſte Artikel über Cleveland erſchien, ging ich mit zwei Vor— ſtehern zum Hrn. Pſt. Schmidt und bat um eine Erklärung, ob er dieſe oder ähnliche Worte an Pſt. W. geſchrieben, oder ſie ſonſt in einiger Weiſe veranlaßt habe. Pſt. Schmidt verſicherte darauf, daß er weder unmittelbar, noch mittel— bar dazu Beranlaſſung gegeben, daß das dort Behauptete auch ſeine Meinung nicht ſei. Er habe ſeit wenigſtens anderthalb Jahren alle Cor— reſpondenz mit Pſt. Winkler und Grabau abge— brochen. Erſterer habe ihm freilich vor einiger Zeit zugemuthet, die Vorfälle in Cleveland zu berichten, er habe ihm aber darauf gar nicht ge— antwortet. Es gefalle ihm auch gar nicht, daß Pſt. W. ſo geſchrieben habe, und er vermuthe, es ſei nur aus der Abſicht geſchehen, um ihn (P. O.) dadurch herauszulockeu und zum Schreiben zu nöthigen. Pſt. S. verſprach auch, das öf— fentlich zu erklären, und ſandte zu dem Zwecke die in Nr. 20 des „Lutheraners“ befindliche Er— klärung ein. Bald darauf erklärte ſich endlich Hr. Pſt. S. bereit, nach Euklid hinauszuziehen, die Gemein— de aber, durch allerlei ſeltſame Aeußerungen ih— ſres Paſtors aufmerkſam gemacht, verlangte zu— vor eine runde Erklärung, ob er alle Bedingun— gen ſeiner Vocation zu halten geſonnen ſei, oder nicht? Er beautwortete dieſe Frage bejahend, verſprach, ſo bald er könne, an die Miſſouri Sy⸗ node ſich anzuſchließen, und ſo wurde er denn nach Euklid abgeholt. Ungefähr um die Zeit machte P. W. einen Beſuch in Cleveland. Allein kaum war er draußen, ſo fing er an, ſich unbehaglich zu fühlen, beſtändig über ſein ſchmales Einkommen zu klagen und öffentlich auszuſprechen, ihm ſei in Cleveland Unrecht ge— ſchehen, er traue keinem von der Miſſouri Syno— de mehr, es falle ihm auch nicht ein, ſich dort an⸗ zuſchließen, wohl aber an die Buffaloer u. dgl. Er ſetzte ſeine Schulſtunden oft aus, hielt ſich zu Zeiten faſt eben ſo viel in Cleveland, als in Euklid auf, las hieſigen Gemeinde-Gliedern Ar— tikel des Informatoriums vor, lud ſie zu ſeinen Gottesdienſten ein, warnte den einen vor dem an⸗— dern, beſah Bauplätze und Häuſer, fragte auch wohl gerade zu an, ob man zu ihm halten wer— de, wenn er hier wieder predige, ꝛc. Das Alles, während die Leute in Euklid meinten, er ſammle Geld für eine Kirche, die dort gebaut werden ſollte. Und wenn er um die eine oder andere von dieſen Sachen befragt wurde, ſo leugnete er oder gab ausweichende Antworten. Endlich d. 10. p. Trin., d. 15. Auguſt, 1852, forderte P. S. nach geſchloſſenem Gottesdienſt in Enklid die Männer auf, noch etwas da zu bleiben. Er ſagte dann: es ſeien in Cleveland manche Seclen, welche an ihm hingen und nun in der Irre gingen, ſeit er nicht mehr predige. Der Gedanke an dieſe laſſe ihm ſchon ſeit langer Zeit Tag und Nacht keine Ruhe, er könne es nicht verantworten, wenn ſie veiloren gingen — — ſo habe er denn beſchloſſen, am nächſten Tage wiederum nach Cleveland zu ziehen, wo er vom nächſten Sonntage an auf dem Courthauſe pre— digen werde. Er wolle aber allenfalls alle drei bis vier Wochen einmal hinauskommen und ſich nach einem Schullehrer für ſie umſehen. Damit griff er nach ſeinen Büchern und woll⸗ te gehen. Alle waren beſtürzt. Ein hieſiger Vorſteher aber, früher einer der eifrigſten Vereh— rer Pſt. S's., welcher zufällig dort zum Beſuch bei ſeinen Verwandten war, bat um die Erlaub⸗ niß, zu reden. Er ſtellte dann vor, wenn es den Leuten, welche an ihm (P. S.) hingen, darum zu thun ſei, ſelig zu werden, ſo wäre ja das rei— ne Wort und rechte Sacramente in Cleveland zu haben und alſo gar nicht nöthig, daß er wie— der dort predige —oder ob er etwa behaupten wolle, daß ihr Paſtor und die Gemeinde falſch— gläubig ſei? (P. S. zuckte die Achſeln.) —Wenn aber jene Leute etwas eigenes ſuchten und es ihnen mehr um dieſen oder jenen Prediger, als um die Predigt des reinen Wortes zu thun ſei, wie der Augenſchein lehre, ſo würde er ſie ja nur in ihrer Unwiſſenheit oder ihrer muthwilligen Abſonderung ſtärken, ſie alſo noch mehr in die Irre führen. Die Euklider Gemeinde könne demnach unmöglich ihre Zuſtimmung zu dieſem Schritte geben. Er bäte ihn alſo recht herzlich, davon abzuſtehen. Darauf antwortete Pſt. S.: Er wiſſe wohl, woher das Alles rühre. Pſt. Schwan habe ihn abgeſchickt, (ich wußte nichts davon,) der werde wohl in Angſt ſein. Es ſolle ihm auch bald beiß genug werden. Sein Haufen werde bald zuſammenſchmelzen. Aber er ſolle es ſich nur unterſtehen, zu mucken, ſo wolle er es ihm ſchon weiſen ꝛc. Auch ſei er (Pſt. Schmidt) gar nicht gekommen, die Gemeinde um ihre Einſtimmung zu befragen, ſondern um ihr ſeinen Entſchluß kund zu thun. Er ſei kein Schuhputzer der Ge— meinde, wie die Miſſouri Prediger, die ja blos das fünfte Rad am Wagen vorſtellten, wie Prof. Walther ſelbſt geſchrieben habe, die Prediger ſtünden den Gemeinden blos zur Seite. Nein! er ſei kein Beiläufer, ſondern Vorſteher, und die Gemeinde habe zu gehorchen. Es wurde ihm darauf von einem andern, ei⸗ nem frühern Vorſteher einer der ſeparirten lu⸗ theriſchen Gemeinden in Preußen, der hier ſeit kurzem anſäßig iſt, vorgeſtellt, er habe doch durch die Annahme eines ordentlichen Berufs ſich die— ſer Gemeinde verpflichtet, ob es denn recht ſei, dieſe Vocation ſo eigenmächtig und ohne Grund zu brechen? Darauf erwiederte er: „Was geht mich die Vocation an, ich bin vrdinirt, ich predige, wo ich will, ich mache, was ich will.“ Er hat zu Zei— ten der Gemeinde ſelbſt das Recht der Berufung abgeſprochen, auch gemeint, der Paſtor müſſe von Rechtswegen den deed und die Schlüſſel vom property haben. Alles Bitten und Ermahnen war umſonſt. Er ging davon mit den Worten, wer ihn hören wolle, ſolle ins Courthaus kommen —Des an⸗ dern Tages zog er nach Cleveland in einen Stedtiheil, wo viele unſrer Glieder wohnen.