# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 07 19_S200 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) 1 aus. zu Hauſe iſt, orientire ſich lieber nach des un— übertroffenen Chemnitz Anleitung ſelbſt, beſon⸗ ers p. 116. sqq., ſowie nach deſſelben aus⸗ gezeichneten examen concil. Trident. hin und wieder. Es iſt ein ungewiſſes Schwanken in Grabau's Verſtand am Evangelio nicht zu ver⸗ kennen, wenn man ſeine Worte im zweiten Synodalbrief, Seite 25. unten, lieſt: „Wie nun der Glaube an die reine Lehre und Sa⸗ crament, ſo iſt Gottes Reich an die wahre ſichtbare Kirche verbunden. Undaller wahrer lebendiger Glaube, der durch's Wort in den Herzen der Menſchen auf Erden iſt, gehört in die ſicht bare lutheriſche Kirche“ ꝛc. ce. Woher hat doch der Mann ſeine theologiſche Wiſſenſchaft geholt? Er hat zwar viel gepredigt in ſeinem Leben und gewiß⸗ wenigſtens in frühern Perioden, trefflich und mit großem Segen; aber die lutheriſche Dogma— tik ſcheint er nicht gründlich ſtudirt zu haben; alle reinen Lehrer mit den ſomboliſchen Büchern beſtimmen genauer. — Das Sichtbare iſt nur die Erſcheinung des Unſichtbaren als des eigent— lichen Weſens; im Gebraͤuch der Gnadenmittel erſcheint diet Kirche; auf der Wahrheit ſelbſt, auf dem feſten, tiefen Grunde aller Wirklichkeit ihr Gebäude errichtend, liegt ſie doch und er der Decke der Erſcheinung und führt ſich aus in der Welt, welche für ſie die nur vorübergehende Exiſtenz eines zu verbrauchenden Materials hat. Da— ber die auswendige Seite der Kirche ſo wenig ihrer inwendigen (Apol. p. 148.) entſpricht; daher, obſchon die ſichtbare Kirche mit reinem Wort u. Sakramenten eine manifeſtirende Wir— kung der unſichtbaren iſt, denn durch das Be— kenntuiß der erſtern redet der Gkaube der letz— teru, ſie doch nur iſt partikukar, inſofern die aͤußere Thätigkeit und Geſtaltung bald mehr, bald weniger im Lauf der Jahrhunderte hervor— tritt und in der Geſchichte gar verſchiedentlich ſich ausprägt, dem Inhalte nach zwar ewig das Eine in ſich faſſend, in ſeiner Form aber den Beſtimmungen der Jeit und des Orts und den Schranken des Erdenlebens unterworfen, und vorwärts ſchreitend in der Entwicklung des un— wandelbaren Erkenntnißgrundes, wie der erſte Blick auf die Symbole kehrt, weil ſolches Alles zur Erſcheinung gehört. Der Begriff der wah— ren ſichtbaren Kirche deckt nicht völlig den der unſichtbaren, wie Grabau anzunehmen n. wo⸗ rin die Quelle und der Sitz ſeiner Irrwege ver— borgen zu kiegen ſcheint; ſondern am Wort und Sakrament überhaupt in dem ganzen ſichtbaren Bereich aller Ehriſtenpartheirn iſt das ſonſt ver⸗ borgene, unſichtbare Daſein der heiligen Kirche Jeſu zu erkennen, ſie thut ſich darin durch die⸗ ſelben kund, aber vorzugsweiſe in der äußeren Geuꝛeinſchaft eines rechtgläubigen Bekennkniſſes, denn durch ſolches ſpricht allein und ausſchließ— lich die Gemeinde der Heiligen ihren Glauben JO. Gerhardi I. e. V. p. 321 sq. Ejusd. conf. cath. p. 728. sq. Quenstedtit Yst. theol. IV. p. 504. Durch das Be⸗ lenntniß falſcher ſichtbarer Kirchen, inſoweit es tbeu korrumpirt iſt, redet ſreilich Nichts als 8 —15— Menſchliches (oder Teufliſches), ja irgendwel⸗ che Ketzerei und Satansſchule; aber wegen der geiſtigen Macht der unſichtbaren allgemeinen Kirche, die über den ganzen Erdkreis, alſo auch unter dieſen zerſtreuet und das Salz in ihnen iſt, kann das Wort nur verfälſcht, die Lehre durch unreinen Beiſatz, freilich oft jämmerlich, getrübt und entſtellt werden, unter ihren ſicht— baren Haufen find Glieder des Leibes Chriſti verborgen, deren Vorhandenſein eben an dem darin noch übrig gebliebenen reinen Wort und Sakrament offenbar wird. Erſt wenn dieſe und mit ihnen alle wahrhafte Annahme göttlichen Wortes erſtirbt, wird der ſichtbare Haufe ſolcher falſchen Kirchen nach und nach von aller Ber— binrung und Zuſammenhaͤng mit der allgemei— nen Kirche im urſprünglichen Sinn, die wir nicht ſehen, ſondern glauben, losgeriſſen. S. Ernesti Gerhardi (des Sohnes jenes großen Jo. Gerh.) confess. Augustan. enucl. p. 126 sqd. So lange der öffentliche Glaube ſolcher falſchen Kirchen zu dem Weſen wenigſtens des erſten, grundlegenden Sakraments, der heiligen Taufe, ſich bekennt, behaupten ſie auch noch Et— was ovon dem ökumeniſchen Charakter, und i h- re Sakramentshandlungen ſind daher gültig. Gottes Reich, das inwendig iſt, iſt an die ſichtbare Geſammtheit der durch die Gnadenmit— tel Berufenen verbunden. Jo. Gerhardi conk. cath. p. 717. ed. Francofurt. Aller wahre lebendige Glaube, der durch's Wort in den Her⸗ zen der Menſchen auf Erden iſt, gehört in d. h. findet ſich innerhalb des ganzen Umkreiſes der ſich in ſichtbare wahre und falſche Partiku⸗ larkirchen ſpaltenden allgemeinen ſichtbaren Kir— ſche, welche, inſofern das, was den in ihr, ob— ſchon nicht von derſelben feienden Böſen und namentlich den in den falſchen Gemeinden prä⸗ valirenden Rotten mit Recht abgeſprochen wird, doch den durch anklebenden Irrthum noch nicht um Glauben und Seligkeit gebrachten Auser⸗ wählten zukommt, inſoweit ſie ſelbſt darum von Wort und Sakrament noch nicht gefallen iſt, ſpnekdochiſch die katholiſche heißen kann, während die ſichtbare wahre Partikularkirche metonymiſch ſolchen Namen führt. Man ſehe Apolog. ed. Rechenberg. p. 141. J. Gerh. locc.th. p. 334 sqq. 245 sqd. Ejusd. annott- in Timoth. II, 2, 20. BRaieri I. c. p. 757. 767 sꝗ 770— Cunr. Dieterici institutt. cat. p. 472 sq. (Athanasii opp. ed. Paris. 1698. tom. I. p. 779.) und halte dagegen des berühmten Biſchofs von Meaur, Boſſuet coll. c. Jo. Claud. de ecel. Alle reine Lehre, die irgendwo auf Erden erſchallt, gehoͤrt aller⸗ dings nur in die ſichebare waͤhre Kirche, denn dieſer Ausdruck bedeutet gar nichts Anderes; wicht ſind die Meuſchen alle, wel⸗ chen Wort u. Sakramente rein ge⸗ geben ſind, die ſichtbare wahre Kir⸗ che, ſonſt wäre die Kirche nicht bloß ſichtbar, fondern die eimzelnen Glie⸗ der der Kirche als Gliederz vielmehr ſind reine Lehre und Sakramente die untrügli⸗ hen Kennzeichen, dadurch die Kirche im eigent⸗ ichen Sinn des Worts als Kirche der Wahr— beit Chriſti ſichtbar wird d. h. ſich kund thut und erkennbar iſt. Jo. Gerh. I. e. conk. cath. p. 717. §. 10. Die Glieder der unſichtbaren Kirche ſind die lebendigen wahren Glieder der letztern; die todten Glieder derſelben ſind gar keine Glieder der unſichtbaren, und eben als todte auch dem ſichtbaren Leibe als ſolchem nicht mehr gehörig (obſchön ſie von der äußeren Ge— meinſchaft des Wortes und der Sakramente noch nicht geſondert werden können, es ſei denn, daß der Bann im recht en Gebrauche die offenbar ge— wordenen abſch nitte,), wie die Spreu kein Theil des Weizen⸗Haufens, das Unkraut kein Theil! des Weizenackers iſt, ſondern nur ein Theil des ganzen Haufens, da Weizen unter der Spreu vermengt liegt, ein Theil des Ackers, ſofern der— ſelbe ein aus Weizen und Unkraut beſtehendes Ganze iſt. Quenstecdtii syst. th. IV. p. 488. 492. Aber die ſeligwerdenden d. h. wahrhaft gläubigen Seelen, obwohl ſie im prägnauten Sinne in die ſichtbare wahre Kirche gehören und an dieſelbe verbunden ſind, befinden ſich doch nicht alle in derſelben, auch nicht allemal in falſchen ſichtbaren Gemeinſchaften als mit dem Bekenntniß derſelben nicht einig, ſondern mitten unter den Verſammlungen der letztern, durch irgend welches ungekannte Hinderniß da⸗ rin aufgehalten, bis die Decke von ihren Augen ſchwindet, oder ſie, bereits zur ewigen Herrlich— keit zubereitet, durch einen ſeligen Tod errettet werden, da alles Unvollkommene aufhört. Nur eine ungeachtet helleren Lichtes der Erkeuntniß wider das Gewiſſen in denſelben verharrende Seele kann, wie die geiſtlich todte überhaupt, zu der wahren Kirche nicht gehören. Jene aber glauben von Herzen an ihren Seligmacher und lieben und folgen ihm; allein im Bezug auf die Unterſchei— dung der Lehre ihrer Kirche von der reinen ſind ſie unklar und fchwach, wie denn die Jünger des Herrn Jeſu ſelbſt im Evangelio bei aller frommen Redlichkeit vor ſeiner Auferſtehung oft ſo irrigen und mangelhaften Verſtändniſſes wa⸗ ren, und unter den Samaritern Etliche gläubi⸗ gen, dankbaren Sinnes ſich befanden. (Hier iſt, wie nicht zu leugnen, ein eigentlicher fauler Fleck der Sichtbarkritslehre Graͤbau's, die als⸗ eine falſche und unreine ſolche nach ſich ziehen muß. Ganz ähnlich, wie er hin und wieder, reden feine papiſtiſche hinſichtlich ihrer Kirchen⸗ gemeinſchaft, obgleich ſie de anima und de cor- pore unterſcheiden, und einige verlegene hyper⸗ orthodore Thevlogen unſeres Theils.. Wenn jene verborgenen rechtſchaffenen Seelen in den Schriften unſerer Väter „Lutheraner“ genannt werden, ſo zählen ſie ſie nicht damit zur luthe— riſchen ſichtbaren Kircht, denn das iſt nicht mög⸗ lich und wäre Unſinn, ſondern, man ſehe nach, zu dem unſichtbaren großen Kirchenleibe, deſſen Glaube und Bekenntniß dem weſentlichen In⸗ halte nach ganz und gar das lutheriſche iſt. Nach Grabau muß wirklich der Begriff der un⸗ ſichtbaren in dem der ſichtbaren wahren Kirche völlig anfgehn, vgl. Informatorium Ihrg. 1.